Trotz viel Bewölkung ein Sommertag

14. Juni 2017, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Während der Vormittag mehrheitlich bewölkt blieb, zeigte sich am Nachmittag doch noch zeitweise die Sonne, und die Temperaturen stiegen wieder über die Sommermarke von 25 Grad. Nach den Schauern am Morgen, setzte am Nachmittag aber auch wieder die Konvektion ein, d.h. es entwickelten sich Schauer und Gewitterzellen, bis am Abend vor allem im Westen und in den Alpen.

Rein vom optischen Eindruck her würde man den heutigen Tag nicht zu den Sommertagen zählen. Vor allem der Vormittag war aufgrund der dichten hohen Bewölkung sehr sonnenarm. Für die Statistik wird für die Beurteilung eines Sommertages jedoch nur die Tagesmaximum-Temperatur herangezogen. Diese sollte auf mindestens 25 Grad steigen.

Wetterbestimmend war heute Mittwoch zwar grundsätzlich das Hochdruckgebiet mit 1021 hPa über Norddeutschland. Die Schweiz befand sich jedoch am Südrand dieses Hochs, und eine stationäre Luftmassengrenze lag, wie bereits gestern, regungslos über der Alpennordseite. An der warmen, südlichen Kante dieser Frontalzone verlagerte sich heute Vormittag von den westlichen Höhenwinden getrieben die erwähnte Schauerzone über die Alpen hinweg. Die Niederschlagsmengen fielen jedoch mit 0 bis 7 mm eher bescheiden aus. Schon am Nachmittag entstanden neue Schauer- und Gewitterzellen, die über die Westschweiz sowie das Wallis zogen.

Sommertage im 2017 zählen

Seit Ende Mai sind nun doch schon einige Sommertage zusammengekommen. Je nach Region und Höhenlage waren es in der Deutschschweiz einschliesslich dem heutigen Tag 15 bis 16 Sommertage. Als Beispiel seien hier die Tagesmaxima von Luzern seit diesem Januar gezeigt.

Sommertage im langjährigen Durchschnitt

Betrachtet man die durchschnittliche Anzahl Sommertage (1981-2010), so fallen die Unterschiede je nach Region und Höhenlage auf. Auf der Alpennordseite zählt man im langjährigen Durchschnitt zwischen 40 und 50 Sommertagen im Jahr. Was nur schon die Höhenlage ausmacht, zeigt das Beispiel in der Region Zürich. An der Wetterstation Zürich/Fluntern (556 m Höhe) sind es 40 Sommertage, im tiefer gelegenen Kloten (426 m Höhe) sind es bereits 48 Sommertage. Am meisten Sommertage gibt es erwartungsgemäss im Tessin und in Südbünden mit bis zu 79 Tagen (Magadino TI, Grono GR).

Sommertage im langjährigen Trend

Die Anzahl Sommertage im Jahr hat in den vergangenen Jahrzehnten zugenommen, auch wenn die Variabilität von Jahr zu Jahr sehr gross sein kann. In der Grafik unten ist die Zahl der Sommertage für jedes Jahr von 1961 bis 2016 aufgetragen, als Beispiel für Luzern. Herausragend ist dabei das Jahr 2003 (Jahrhundert Hitzesommer) mit fast 90 Tagen! Die rote Linie ist die geglättete Kurve der Entwicklung; die rote, gestrichelte Linie stellt den Trend dar, der klar nach oben zeigt.

Sommertage auch in der nächsten Woche

Nachdem am Freitag und Samstag die Temperaturen leicht unter die 25 Grad Marke fallen werden, baut sich am Sonntag bereits ein neues Hochdruckgebiet über weiten Teilen Europas auf. Auch die Temperaturen steigen von Tag zu Tag an, so dass ab Sonntag und in der nächsten Woche wieder sommerliche Verhältnisse erwartet werden können. Dies wird zusätzlich von der erweiterten Mittelfristprognose vom Europäischen Zentrum für mittelfristige Wettervorhersage (EZMW) unterstützt (siehe Abbildung unten).

Kommentare (5)

  1. Eiszeit jetzt, 15.06.2017, 16:34

    Danke Baur H. P. und Timmy, ich bin froh, dass doch noch ein paar andere es auch entsetzlich finden! "Sommerwetter" zu allen Jahreszeiten ist schlimm genug, aber wenn ich noch lese oder höre "SCHÖNES Wetter" mitsamt Freudentanz, könnte ich auf Bildschirme und Radios ballern. Höchste Zeit, dass diese Tendenz aus den Wetterberichten verschwindet (Kompliment an die Meteo-Blogger, die hier normalerweise neutral berichten, von kleinen Ausrutschern wie "sommerliche Verhältnisse erwaten können" abgesehen). Inzwischen kann man sich nur noch von Mai bis Oktober einbunkern ... und über den nicht stattfindenden "Winter" auch nicht mehr erholen. Der Garten eine mediterrane Macchia mit noch stehenden Baumleichen. Frustrierender als das Wetter ist, dass eine Mehrheit es offenbar schön findet - wurscht, wenn in der Schweiz mehrere Jahre in Folge kaum Kartoffeln geerntet werden, kann man ja (bis auf weiteres) billig importieren. Das kriegt gar keiner mit, würde aber in die Schlagzeilen gehören.
    Liebes Meteo-Team, könnten Sie einmal eine Liste der Orte in der Schweiz oder besser ganz Europa vorstellen, an denen die Temperatur heute und hoffentlich in den nächsten Jahrzehnten höchstens für ein paar Hundstage über 20° steigt, und wo es weit mehr Regen- als Sonnentage gibt? Damit wir baldigen Klimaflüchtlinge die Routen planen können.

    1. MeteoSchweiz, 18.06.2017, 10:12

      Sie finden auf der Website von MeteoSchweiz mehrere Informationen dazu:

      Normwertkarten:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/vergangenheit/klima-normwerte/normwert-karten.html?filters=wet_8110_yy

      Monats- und Jahreskarten:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/gegenwart/monats-und-jahreskarten.html

      Klimatrends:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/gegenwart/klima-trends.html

      und eine Seite mit Rekorden:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/vergangenheit/klima-extreme/rekorde-schweiz.html

    2. Eiszeit jetzt, 19.06.2017, 09:08

      Herzlichen Dank! Ja, teilweise habe ich schon über diesen Statistiken gebrütet. Es ist halt fast unmöglich, aus Durchschnittstemperaturen und/oder Maximalwerten eine plastische Vorstellung davon abzuleiten, wie es Tag für Tag und rund ums Jahr an einem bestimmten Ort wäre. Leider überlagert das Mikroklima oft die Region, was man halt erst merkt, wenn man eine Weile an einem Ort lebt (leider deshalb, weil wir bei uns fast immer 2-4° mehr messen als Sie für unsere Region prognostizieren...). Aber auf jeden Fall schicke ich Ihnen eine Karte, sobald ich eine Wohnung auf dem Jungfraujoch gefunden habe! Danke Meteo.

  2. Timmy, 15.06.2017, 12:04

    "so dass ab Sonntag und in der nächsten Woche wieder sommerliche Verhältnisse erwartet werden können"
    Der Samstag mit Sonne und 25 Grad genügt demnach nicht.
    "Sommerliche Verhältnisse" erst ab 30 Grad. Idealerweise natürlich 35-39 Grad, wenn möglich ohne einen Tropfen Regen.

  3. Baur H.P., 14.06.2017, 22:56

    Die nächste Woche scheint nach dem europäischen Modell erneut etliche Hitzetage zu bringen wir hier im Kanton Glarus warten dringend auf Regen aber Fehlanzeige schon der Mai war deutlich zu trocken. Nur Trump leugnet noch die unselige Klimaerwärmung. Schlimm.