Heiss und gewitterhaft

8. Juli 2017, 1 Kommentar
Themen: Wetter

Nach einem sonnigen Vormittag entwickelten sich am Nachmittag teils kräftige Gewitter. In diesem Beitrag begeben wir uns auf Spurensuche. Eine positive Begleiterscheinung der Gewitter: die Hitzewelle fand ihr Ende.

Bild: Andreas Hostettler
Bild: Andreas Hostettler

Perfekte Zutaten für die Gewitterbildung

Vergrösserte Ansicht: 12 UTC Radiosondierung von Payerne. Die mittlere und obere Atmosphäre ist labil geschichtet.
12 UTC Radiosondierung von Payerne. Die mittlere und obere Atmosphäre ist labil geschichtet.

Auch heute herrschten in Mitteleuropa nur geringe Druckgegensätze. Im Höhenfeld präsentierte sich die Situation am Vormittag gegenüber dem Vortag sogar noch etwas stabiler: Der Alpenraum lag zwischen einem Höhentief knapp südlich der Pyrenäen und einer Tiefdruckzone über Nordeuropa unter einem antizyklonal gekrümmten Höhenfeld. Hurra, werden wir an dieser Stelle sagen: Antizyklonal ist stabilisierend und nicht gewitterfördernd. Aber Vorsicht, zum Nachmittag hin wurde dieser Rücken wegerodiert, und mit der tageszeitlichen Aufheizung kam die Konvektion in die Gänge. Die mittlere und obere Atmosphäre war gegenüber den Vortagen etwas labiler geschichtet, was zusätzlich die Gewitterbildung förderte. Mit der zuvor nahezu ungestörten erfolgten Einstrahlung war somit der nachmittäglichen Konvektion perfekt der Boden bereitet.

Teils kräftige Gewitter auf der Alpennordseite

Am frühen Nachmittag entwickelten sich über dem Jura die ersten Schauer- und Gewitterzellen, die Gewitteraktivität dehnte sich anschliessend auf die weitere Alpennordseite aus. Die kräftigsten Gewitterzellen entluden sich dabei am Jurasüdfuss sowie am Nordufer des Bodensees.

An unserer SwissMetNet Station in Wynau fielen bis Redaktionsschluss um 18 Uhr bemerkenswerte 68 Liter Regen pro Quadratmeter, davon knapp 31 Liter innerhalb von 20 Minuten. Wenn wir noch die aus Radardaten abgeleitete Niederschlagsmenge zu Rate ziehen, so kommen wir im Oberaargau stellenweise sogar auf knapp 90 Liter pro Quadratmeter.

Böe mit 105 km/h in Interlaken

In Gewitternähe frischte der Wind teils kräftig auf. Schweizweiter Spitzenreiter ist nicht Wynau mit seinen 88 km/h sondern Interlaken, wo eine knapp südlich daran vorbeiziehende Gewitterzelle eine Böe von 105 km/h verursachte.

Inneralpin bzw. im Süden war das Feuchteangebot in der mittleren Atmosphäre geringer und entsprechend war auch die Konvektion deutlich schwächer als im Norden. Einen weiteren gewitterhemmenden Faktor finden wir in einer auf rund 1200 Meter Höhe vorhandenen Inversion.

Ende der Hitzewelle

Mit den heutigen Gewittern fand auch die Hitzewelle ihr Ende. Mit Tageshöchsttemperaturen um 32 Grad war es aber nochmals heiss.

Exemplarisch haben wir Ihnen in der unten angeführten Grafik nochmals die Verläufe von Temperatur und Taupunkt an ausgewählten SwissMetNet Stationen dargestellt. Je grösser die Differenz zwischen Lufttemperatur und Taupunkt (Spread), also je grösser der rot eingefärbte Bereich, je "angenehmer" die Hitze.

Impressionen

Kommentare (1)

  1. Max, 09.07.2017, 09:04

    Super Blog immer wieder unglaublich
    Interessant.