Rückblick auf das gestrige Gewitterfeuerwerk

22. Juli 2017, 13 Kommentare
Themen: Wetter

Es kommt nicht allzu häufig vor, das fast die gesamte Alpennordseite von Gewittern heimgesucht wird. Gestern Abend war es mal wieder so weit.

Bild von Thomas Weckemann. Blitzeinschlag in der Umgebung des Zürcher Flughafens gestern Abend.
Bild von Thomas Weckemann. Blitzeinschlag in der Umgebung des Zürcher Flughafens gestern Abend.

Heute vor einer Woche stand an dieser Stelle etwas über die angenehme Seite des Hochsommers. Seit damals hat sich die Wetterlage um 180 Grad gekehrt: Die Luft ist schwülwarm und die Gewittergefahr höher denn je. Grund dafür ist wie auch in den vergangenen Tagen die südwestliche Höhenströmung, die die Gewitterluft Richtung Schweiz schaufelt.
Am gestrigen Tag zog eine Gewitterlinie von Südwesten nach Nordosten über einen Grossteil der Schweiz hinweg. Vom Starkregen und Hagel waren besonders die Region Bern und das Entlebuch betroffen. Die stärksten Sturmböen im Messnetz von MeteoSchweiz wurden in Luzern mit 98 km/h, Interlaken mit 95 km/h und Steckborn (TG) mit 84 km/h gemessen. Blitze wurden im Laufe des Abends mehr oder weniger auf der gesamten Alpennordseite registriert.
 

Tagsüber relativ ruhiges Wetter, aber die Gewittervorboten fehlten nicht

Der heutige Tag begann an den meisten Orten als wäre nichts gewesen wie bereits am Vortag mit einigen Frühnebelfeldern im Flachland und ansonsten viel Sonnenschein. Bereits am Vormittag deuteten allerdings erneut Altocumulus Castellanus Wolken sowie grössere Quellwolken über den Bergen darauf hin, dass die Gewitterlage noch keineswegs ausgestanden ist. Und so bildeten sich am Nachmittag über dem Jura bereits wieder kräftige Gewitterzellen. Sie sind Vorboten einer neuen Gewitterlinie, die für die kommende Nacht erwartet wird.

Die Temperaturen erreichten in den Niederungen verbreitet Höchstwerte bis 28 Grad. Bei Taupunkten knapp unter 20 Grad fühlte sich die Luft aber eher wie 33 Grad warm an.

Einige Wetterimpressionen des heutigen Tages

Kommentare (13)

  1. chrigi, 26.07.2017, 09:23

    An diesem Abend war ich per Velo Richtung Nordosten unterwegs.
    Ich sah das Gewitter kommen und bin knapp ohne Regen und Blitz davon.
    Mit den 25'000 Blitzen war das wohl eines der aktivsten Gewitter seit Beginn der Aufzeichnungen.
    Auf dem Regenradar hab ich glaub eine Anomalie gesehen. Es gab einen eindrücklich starken Ring mit Radius fast 10km zwischen dem Reussthal und dem Zürichsee (warscheinlich auf Hügelzug dazwischen), wo deutlich weniger Regen viel und wenn, eher in seinem Zentrum, wenige Blitze einschlugen. Können sie mir dieses seltsame, stationäre Phänomen erklären?
    Danke für die detailierten Berichte. Das find ich spannend zu lesen.
    liebe Grüsse

    1. MeteoSchweiz, 27.07.2017, 11:05

      Der "eindrückliche Ring" hat keine meteorologische Erklärung. Der Ring entsteht durch eine Fehlmessung des Albis-Radars (der sich in der Mitte des Ringes befindet). Das Radarsignal wird durch den starken (Gewitter-)Regen modifiziert, weshalb solche "Artefakte" entstehen. Dass innerhalb dieses Rings auch weniger Blitze registriert wurden, ist wohl eher dem Zufall zuzuschreiben.

  2. S.Banse, 23.07.2017, 16:54

    Das ist ja ein tolles, gelungenes Foto von Thomas Weckemann, Gratulation.

  3. judith kaufmann, 23.07.2017, 11:00

    Es gibt dafür nur einen Ausdruck "Geoengineering"!! Es ist nett
    wie Sie Sich bemühen solch ein Gewitter wie gestern zu erklären!
    Die einzig wahre Erklärung ist eben "Geoengineering"!!!! Leider.
    Da kommt mir der "Zauberlehrling" von Goethe in den Sinn.

    1. Tobias S., 24.07.2017, 18:08

      Entschuldigung wenn ich das sagen muss, aber das ist Schwachsinn. Das ist eine Theorie die nicht belegt ist!
      Zudem zeichnet sich oft ab, dass Leute die sowas behaupten ohne überhaupt andere Argumente anzuhören behaupten, nur dies sei richtig. Fast fanatisch...

  4. Monika, 23.07.2017, 08:40

    Wie schon öfter: am darauffolgenden Tag hat Meteo alles angeblich gewusst und erwartet. Warum dann keine Wetterwarnung? Sonst bekomme ich diese wegen jedem Regen - gestern abend im Zürcher Oberland Stärkstregen, sehr starke Gewitter und (gefühlt) Orkanböen! Mein Garten und Terrasse sind verwüstet! Ist mir schon klar, dass Sie nicht jedes Gewitter an jedem Ort präzise voraussagen können, aber wenn angeblich die gesamte Nordschweiz betroffen war, stösst es mir extrem sauer auf, Ihren selbstgerechten Blog zu lesen - aber keinerlei Wetterwarnung zu erhalten, die für einmal notwendig gewesen wäre.....

    1. Tobias S., 24.07.2017, 15:45

      Liebe Monika,
      hätten Sie die App an diesem Tag genauer angeschaut, müssten Sie sich nun nicht aufregen. (Aufregen tut nicht gut! ;->)
      Nächstes mal einfach unter "Gefahren" schauen und schon sehen Sie die aktuellen Warnungen sowie Vorwarnungen. (Es war eine Vorwarnung Stufe 3 vor Gewittern aktiv).

      Schönen Tag noch!

  5. Urs Weber, 23.07.2017, 07:54

    Eure Blogs lese ich immer gerne :-).

    Beste Grüsse, Urs Weber, Oltingen (Jura)

  6. Simon Fuchs, 23.07.2017, 05:47

    Vielen Dank für das Feuerwerk! Es war sehr spektakulär, so viele Erdblitze und Naheinschläge wie gestern gab es sehr selten. Am Anfang zu erst wie ein(Trockengewitter) ohne Regen danach heftige Sturmböen mit itensiver Regen.

  7. Tobias S., 23.07.2017, 00:33

    Handelte es sich gestern (21.07) und heute (22.07) um einen MCV? Denn beide Systeme begannen, nachdem sie groß genug waren, zu rotieren.
    Während die Gewitter uns hier im Österreichischen Rheintal am Freitag außer Acht ließen, haben wir es vorher (ca. 00:00, Nacht von SA auf SO) dafür umso mehr bekommen. Starke Sturmböen bis hin zu heftigen Erdblitzen. #Weltuntergangsstimmung war da

    1. MeteoSchweiz, 25.07.2017, 11:08

      Sehr aufmerksam beobachtet, bravo! Tatsächlich haben sich an beiden Abenden die Gewitter auf ihrer nordostwärts gerichteten Zugbahn "skalenaufwärts" zusammengeklumpt zu grossen Gewittersystemen. Über dem benachbarten Süddeutschland erreichten die Gewitter jeweils die räumlichen Dimensionen der Mesoskala und zeigten auf den Radaranimationen typische Merkmale von "Mesoscale Convective Systems" (MCS) wie bspw. die voranlaufende, sich ständig regenerierende Linie Aufwind-Pulse sowie das grossflächig stratiforme Niederschlagsgebiet über dem "meso-Hoch" auf der Rückseite des Systems. Insbesondere am Freitagabend war bei genauem Hinschauen auch der durch freiwerdende latente Wärme induzierte mesoskalige Wirbel ("Mesoscale Convective Vortex" MCV) sehr deutlich erkennbar.

  8. Andreas Achermann, 22.07.2017, 22:30

    Sehr gute Berichte zur Tagesaktualität. Ich frage mich nur, weshalb Luzern regelmässig die heftigsten Sturmböen zu verzeichnen hat (110 Km/h am 19. aus S, 100 Km/h am 21. aus W); dies unter der Prämisse, dass im Winterhalbjahr Luzern wegen seiner kesselartigen Topographie und Windstille stets von unauflöslichem Nebel während Woche/Monaten heimgesucht wird. Das widerspricht sich. Mit besten Grüssen aus Luzern im neuen Gewittersturm.

    1. MeteoSchweiz, 24.07.2017, 10:21

      In der Tat ist es auffällig, dass Luzern in den letzten Tagen häufig starke Windböen zu verzeichnen hatte. Der Grund dafür ist, dass mehrmals starke Gewitterzellen in unmittelbarer Nähe durchzogen. Durch die Topographie in der näheren Umgebung wurden die von den Gewitterzellen produzierten Winde kanalisiert und noch zusätzlich verstärkt. Dieses Phänomen ist bei Gewitterlagen allgemein regelmässig in den Voralpen sowie in den Alpentälern zu beobachten. Dass dies nun mehrmals innerhalb kurzer Zeit bei Luzern geschah ist zum Teil sicher auch Zufall und hängt wie schon erwähnt mit der Intensität und der genauen Zugbahn der Gewitterzellen zusammen.