Überraschungsträchtige Südwestlage

31. Juli 2017, 1 Kommentar
Themen: Wetter

Wie des Öfteren sorgte die heutige Südwestlage für eine Überraschung. Ausserdem werfen wir noch einen Blick zurück auf die Gewitter vom Vortag.

Webcambild von Montagmorgen auf dem Pilatus (Quelle www.roundshot.com).
Webcambild von Montagmorgen auf dem Pilatus (Quelle www.roundshot.com).

Gewitterrückblick

Wie so oft bei sommerlichen Gewitterlagen, schauen wir an erster Stelle des Blogs noch kurz auf den Vorabend zurück. Vor allem eine Gewitterzelle hat sich einen kleinen Rückblick verdient. Sie entstand gegen 18 Uhr im Raum Besançon (F), und zog in der Folge vom Pruntruter Zipfel über Basel und den Nordrand der Schweiz hinweg. Gegen 20.30 Uhr erreichte sie den Kanton Zürich, wo sich die Zelle schnell abschwächte und sich in den wohlverdienten Feierabend verabschiedete. Die Gewitterzelle ist deshalb erwähnenswert, weil sie recht langlebig war, und einen grösseren Hagelzug verursachte. Die Hagelkörner erreichten teilweise einen Durchmesser von rund 4 cm.

Ausserdem hatte die Zelle mit ihrer Wolkenabsenkung optisch einiges zu bieten.

Die Langlebigkeit der Zelle, der schmale und lange Hagelzug, die Grösse der Hagelkörner sowie die optische Erscheinung lassen darauf schliessen, dass es sich bei dieser Zelle zumindest zeitweise um eine Superzelle – also eine Gewitterzelle mit rotierendem Aufwind – gehandelt hat. Die rotierenden Aufwinde bewirken, dass sie von den kalten Abwinden getrennt werden. Dieser Umstand führt zu den langen Lebensdauern von mehreren Stunden solcher Superzellen. Falls Sie gerne mehr über Superzellen und die anderen Gewittertypen erfahren möchten, kann ich Ihnen die Blogserie über Gewitter ans Wetterherz legen.

Weitere zum Teil kräftige Gewitter gingen gestern über dem Berner Oberland, der Zentralschweiz und über Graubünden nieder.

Überraschungsträchtige Südwestlage

Welch Überraschung am Vormittag. Statt dem noch im gestrigen Wetterbericht angekündigten „recht sonnigen Wetter“ startete der Vormittag stark bewölkt, und aus Südwesten überquerten zwei Niederschlagszonen die Alpennordseite zügig von Südwest nach Nordost. Dabei waren vor allem gegen Westen hin teils Gewitter eingelagert, die sich auf ihrem Weg nach Nordosten mehr und mehr abschwächten. Entsprechend finden wir im Unterwallis und in den Berner Alpen mit rund 10 mm am meisten unvorhergesehen Niederschlag. Im Mittelland waren es nur wenige Millimeter, doch sah der Himmel zum frühen Vormittag bedrohlich dunkel aus.

Die Ursachenforschung gestaltet sich schwierig. Vermutlich hat ein schwacher, von den gestern vorhandenen Modellen so nicht erfasster thermischer Teiltrog zu dieser vormittäglichen Überraschung geführt. Damit wäre die alte Weisheit einmal wieder bestätigt: Südwestlagen sind überraschungsträchtig.

Mit den Niederschlägen verbunden waren teilweise auch recht kräftige Böen. Auf dem Pilatus wurde beispielsweise eine Böe von 98.3 km/h, in Giswil von 80.6 km/h registriert.

Am Nachmittag teilweise Bewölkungsauflockerung

Vergrösserte Ansicht: Bis Redaktionsschluss um 18 Uhr registrierte Sonnenminuten an ausgewählten Swissmetnet Stationen.
Bis Redaktionsschluss um 18 Uhr registrierte Sonnenminuten an ausgewählten Swissmetnet Stationen.

Gegen Mittag und am Nachmittag lockerte sich die Bewölkung vor allem auf der Alpensüdseite sowie in der Nord- und Ostschweiz zeitweise auf. Bis Redaktionsschluss wurden heute vielerorts nur 2 bis 5 Sonnenstunden registriert. Etwas mehr Sonne, nämlich 5 bis 8 Stunden gab es im Engadin, im Mittel- und Südtessin, sowie in Teilen des Wallis.

Der Föhn, welcher sich heute Nachmittag in den Alpentälern zunehmend bemerkbar machte, wird vor allem in der Nacht und morgen in den dafür typischen Regionen den Ton angeben. Er wird zeitweise auch stürmisch werden.

Am Bundesfeiertag teilweise heftige Gewitter

Für die am 1. August  zu erwartenden, teils schweren Gewitter wurde für die Deutschschweiz ein Outlook für Gewitter der Stufe 3 erstellt, dies vor allem wegen den zu erwartenden Sturmböen infolge der Gewitter. Auf unserer Warnkarte halten wir Sie über die Warnlage auf dem Laufenden.

Kommentare (1)

  1. Zimmermann, Peter, 01.08.2017, 16:38

    Ihre Kommentare lese ich jeweils mit grossem Interesse. Ich hoffe, dass uns (Sarganserland) der sonst nicht willkommene Föhn, vor Hagel und starkem Gewitter verschont.
    Nochmals ein grosses Dankeschön für Ihre täglich wertvolle Arbeit - sogar unsere Bekannten im Südtirol loben MeteoSchweiz.

    Freundliche Grüsse
    P. Zimmermann