Deutliche Wetterberuhigung

19. August 2017, 2 Kommentare
Themen: Wetter

Heute Samstag war die Wetterlage relativ ruhig. Mit der frisch eingeflossenen kühleren Meeresluft aus Nordwesten bildete sich am Alpennordhang ein leichter Stau aus, wobei es noch zu einzelnen Schauern kam. Im westlichen Mittelland besserte sich das Wetter ebenso wie im Wallis. Südlich der Alpen kam der Nordwind auf, allerdings erst in den oberen Tälern. Weiter südlich lagerte noch die feuchtwarme Luft, in welcher es zur Ausbildung von Schauern und Gewittern kam. Dies insbesondere im Mittel- und Südtessin sowie von den Bündner Südtälern bis zum Münstertal. Eine Gewitterzelle bildete sich im Bereich von Sta. Maria, wobei innert kurzer Zeit 45 mm zusammenkamen. Auf diese Phänomene wird in diesen Blog näher eingegangen, ebenso erfolgt noch ein kurzer Rückblick zur doch aussergewöhnlichen Gewitterstörung von gestern.

Nach den bedrohend wirkenden, grauschwarzen Gewitterwolken von gestern Abend liessen das heutige Rückseitenwetter geradezu eine friedliche Stimmung aufkommen, wie hier am Flugplatz in Kloten. Bild: Michael Kasper.
Nach den bedrohend wirkenden, grauschwarzen Gewitterwolken von gestern Abend liessen das heutige Rückseitenwetter geradezu eine friedliche Stimmung aufkommen, wie hier am Flugplatz in Kloten. Bild: Michael Kasper.

Am östlichen Alpennordhang bewölkt, in der Westschweiz und im Wallis recht sonnig und wieder angenehm warm

Auf der Rückseite eines Tiefs, welches heute über der Nordsee lag, floss aus Westen bis Nordwesten kühlere Meeresluft zu den Alpen. Diese staute sich noch an den zentralen und östlichen Alpen und Voralpen. Damit kam es dort noch zu vereinzelten Schauern. Die Mengen waren allerdings mit 1 bis 3 mm bescheiden. Allerdings blieb auch die Sonne Mangelware, speziell in den Zentralschweizer Alpen, im Glarnerland und im Alpsteingebiet, wo sie teilweise nicht einmal eine halbe Stunde zu sehen war. Demgegenüber riss die Bewölkung in der Westschweiz und im Wallis grosszügig auf. Dies zeigte sich recht markant bei den Höchsttemperaturen. Während man sich in Glarus mit 19 Grad begnügen musste, reichte es am Genfersee für 24, im Zentralwallis sogar für 25 Grad. 

Auch auf der Alpensüdseite viel Sonne, aber immer noch instabil mit Schauern

Auch auf der Alpensüdseite zeigte sich die Sonne recht häufig. Der Nordwind setzte allerdings erst in den oberen Tälern ein. Weiter südlich lagerte noch die feuchtwarme Gewitterluft. Diese wurde durch die Sonneneinstrahlung im Tagesverlauf reaktiviert, was zu Schauern und Gewittern führte.

Gewitterige Regengüsse lösen am Umbrailpass Murgänge aus

Auch das Münstertal lag noch in der feuchtwarmen Luft. Dort bildeten sich um die Mittagszeit kräftige, gewitterige Regengüsse aus.  Dabei prasselten innert 4 Stunden  45 mm nieder. Dies ist für ein inneralpines Trockental wie das Münstertal sehr viel. In der Folge kam es dort denn auch zu Murgängen im Bereich des Umbrailpasses.

Rückblick auf die gestrige Gewitterstörung - markante Druckunterschiede bewirken hohe Böenspitzen

Die heftige Gewitterstörung, welche gestern von West nach Ost unser Land überquerte, brachte vor allem markante Böenspitzen. Das Auffällige dabei sind nicht unbedingt die maximalen Windböen, wenn auch die gemessenen 130 km/h in Les Bouverets doch als sehr stark zu bezeichnen sind. Es gab allerdings schon Gewitter, welche lokal Böen von über 160 km/h brachten. Meist sind aber solche hohen Windgeschwindigkeiten auf ein sehr enges Gebiet begrenzt, während überregional kaum erwähnenswerte Böen auftreten. Gestern Abend aber wurden in allen Landesteilen der Schweiz regional Böen von über 80 km/h festgestellt. An einigen Orten wurden sogar über 100 km/h gemessen, dies sowohl auf der Alpennordseite als auch im Wallis. Starke Windböen im Zusammenhang mit Gewittern oder Gewitterstörungen gehen oft einher mit grossen Temperaturdifferenzen zwischen der warmen Luft auf der Vorderseite der Gewitterstörung und der kühleren Luft dahinter. Diese Temperaturdifferenzen bewirken in Bodennähe grosse Druckunterschiede auf kürzeste Distanz. In der schweren Kaltluft in und hinter der gestrigen Gewitterstörung war der Bodendruck teilweise 5 und mehr hPa höher als in der warmen Luft – dies auf eine Distanz von nicht einmal 50 km. Allerdings nimmt der Druckunterschied mit der Höhe ab, weil innerhalb der Kaltluft die Druckabnahme schneller erfolgt als in der Warmluft.  Nichts destotrotz sind 5 hPa auf 50 km Distanz sehr markant.

Bisensturm bringt es "nur" auf 5 hPa Druckunterschied pro 100 km Distanz, erreicht aber ähnliche Windgeschwindigkeiten wie der gestrige Gewittersturm

Zum Vergleich: Bei einer stürmischen Bisenströmung, welche im Genferseegebiet knapp 100 km/h erreichen kann, beträgt der horizontale Druckunterschied zwischen den zentralen und westlichen Mittelland 5 hPa pro 100 km Distanz oder eben 2.5 hPa pro 50 km Distanz. Trotzdem ereichte die Bise damals in der Westschweiz verbreitet Böen von 90 bis 100 km/h.

"König" Lothar schaffte auch nicht mehr als 5 hPa auf 50 km, die Windspitzen lagen aber in einem weit höheren Bereich

Beim Sturm Lothar, welcher in den Niederungen verbreitet 130 bis 140 km/h brachte, wuchsen die Druckunterschiede auf 10 hPa auf 100 km an. 5 hPa über 50 km entsprechen 10 hPa pro 100 km, also müssten bei der gestrigen Gewitterstörung 140 bis 160 km/h aufgetreten sein. Dies war hauptsächlich deshalb nicht der Fall, weil die Winde in 1500 Meter über Meer bei der gestrigen Gewitterstörung allgemein nicht allzu stark waren, während sie bei Lothar rund 160 km/h im Mittel- erreichten. Für extrem stürmische Winde braucht es also auch einen starken Höhenwind. Immerhin: Die gemessenen 120 km/h in Altenrhein liegen nicht extrem weit von den 130 bis 140 km/h bei Lothar entfernt. Dem muss aber doch entgegen gehalten werden, dass die gestrige Gewitterstörung verbreitet 70 bis 100 km/h brachte,  und eher wenige Einzelwerte 100 km/h überschritten. Bei Lothar waren es wie erwähnt 130 bis 140 km/h, einzelne Spitzenwerte erreichten sogar bis 170 bis 180 km/h, auf Gipfellagen sogar über 200 km/h. Dies ist dann doch eine ganz andere Liga…

Kommentare (2)

  1. Wolfgang, 20.08.2017, 11:23

    Die Meteo Schweiz .......einfach SUPER.....

  2. Hans Oerlemans, Holland, 20.08.2017, 11:00

    Die grosse Frage ist: Wie reduziert man den Luftdruck auf Meereshöhe? Dafür wird wahrscheinlich eine Standardatmosphäre benutzt. Aber eigentlich sollte man in der kalten und warmen Luft unterschiedliche Korrekturen anwenden. Der reduzierte Luftdruck in einer Berglandschaft ist damit ein sehr theoretisches Konzept, und bei praktischen Anwendungen sollte man sehr vorsichtig sein, denke ich.
    Also, ich würde sagen ein Druckunterschied zwischen 2 und 8 hPa.....