Die Ruhe nach dem Sturm

25. August 2017, 1 Kommentar
Themen: Wetter

Nachdem gestern eine Zone mit heftigen Gewittern über die Alpennordseite zog, beruhigte sich die Wetterlage in der Nacht auf Freitag wieder. Das rasche Aufklaren führte im Mittelland verbreitet zur Nebelbildung. Im Laufe des Vormittages wechselte der Modus vom Herbst in den Sommer zurück. Die Temperaturen erreichten am Nachmittag wieder hochsommerliche Werte, obwohl die Besonnung im Norden doch einige Zeit etwas eingeschränkt wurde.

Oberhalb Tschiertschen am Vormittag: "grand bleu", Blick Richtung NW zum Felsberger und Haldensteiner Calanda.
Foto: Ch. Hayoz

Erstmals verbreitet Nebel im Mittelland

Manch einer staunte am Morgen nicht schlecht, als er das dicke Nebelgrau sah und seinen Augen kaum traute. In weiten Teilen des Mittellandes sah es aus wie im Oktober, allerdings bei relativ milden Frühtemperaturen.

Die Gründe dafür waren klar. Die aktive Gewitterzone vom Vortag brachte auf ihrem Weg über das Mittelland verbreitet kräftige Niederschläge. Nachdem die Schauer und Gewitter ostwärts abgezogen waren, hatte sich die Luft durch den Niederschlag bereits markant abgekühlt. Die Temperatur erreichte dabei fast den Taupunkt oder anders ausgedrückt: Die Luft in Bodennähe kam schon vor der Nacht praktisch zur Sättigung mit Wasserdampf. Es benötigte also nur noch etwas Abstrahlung in der Nacht, um die Nebelbildung zu starten. Dies trat auch ein, der Himmel klarte vollkommen auf und die gute Abstrahlung sorgte für eine veritable Nebelschicht.

Zurück zum Hochsommer

Die Nebeldecke bedeckte am Morgen weite Teile des Mittellandes und hatte eine Mächtigkeit von 150 bis 200 Meter. Zum Glück sind wir aber noch im August, und damit bei relativ hohem Sonnenstand. Die Einstrahlung sorgte zunächst für eine rasche Auflösung des Nebels, einzig in den tiefsten Lagen des Mittellandes. Entlang der Aare über das Berner Seeland bis zum Genfersee wurde es fast Mittag, bis die letzten Nebelschwaden verschwanden.

Stabil und sehr warm

Die Gewitter von gestern bezeichnet man als sogenannte Luftmassen-Gewitter. Anders als bei einer Kaltfront, vollzog sich auf heute ein Wechsel von feucht-instabil zu eher trocken-stabil. Ein wesentlicher Beitrag zu stabileren Verhältnissen brachte sicherlich auch die Höhenströmung.

Heute war diese antizyklonal gekrümmt, während gestern darin ein kleiner Randtrog mit Höhenkaltluft eingelagert war. Diese „Kleinigkeit“ bezeichnet man oft auch als Trigger für die Initialisierung von stärkeren Gewitterzellen. Besonders gegen Ende des Sommers reicht manchmal die tageszeitliche Erwärmung und eine instabile und mässig angefeuchtete Luftmasse alleine nicht mehr aus um starke Gewitter zu entwickeln.

„Streifschuss“ im Norden

Trotz der Stabilisierung schien die Sonne nicht überall gleich lange. Im Zusammenhang mit einer Gewitterstörung, welche in der Gegend von Paris über Luxemburg nach Deutschland zog, streifte ausgedehntere mittelhohe Bewölkung den Norden der Schweiz. Die Unterschiede in der Besonnung sind jedoch zur Hauptsache dem Nebel am Vormittag zuzuschreiben. Im Mittelland schien die Sonne heute deswegen bis zu 5 Stunden weniger lang als andernorts ohne Einschränkung. Auch die Quellwolkenbildung in den Alpen blieb im Allgemeinen recht bescheiden.

Kommentare (1)

  1. Philipp Bärtschi, 26.08.2017, 11:21

    Warum prognostizieren Sie eigentlich Woche für Woche kräftige Gewitter, "besonders in den Bergen, obwohl die intensivsten Niederschläge dann stets im Mittelland und in den Voralpen zu verzeichnen sind? (Siehe Prognose der letzten Tage und effektive Regenmengen vom Donnerstag). Eventuell müsste die Formulierung angepasst werden?