Die Ruhe vor dem Sturm

18. August 2017, 9 Kommentare
Themen: Wetter

Während man am Morgen noch die Ruhe geniessen konnte, näherte sich im Tagesverlauf aus Westen allmählich der Sturm. Was meint da wohl die Wetterstation in Quinten dazu?

Wetterstation in Quinten: Am Morgen Stein ruhig, trocken und wirft Schatten, gegen Abend Stein nass, schaukelt und kriegt hoffentlich keine Löcher... Foto: M. Kasper
Wetterstation in Quinten: Am Morgen Stein ruhig, trocken und wirft Schatten, gegen Abend Stein nass, schaukelt und kriegt hoffentlich keine Löcher... Foto: M. Kasper
Vergrösserte Ansicht: Das Matterhorn am Vormittag noch vor strahlend blauem Himmel mit ein paar einzelnen Wölkchen.
Das Matterhorn am Vormittag noch vor strahlend blauem Himmel mit ein paar einzelnen Wölkchen.
Foto: M. Ruosch

Am Morgen lag die Schweiz noch im Einflussbereich einer flachen Hochdruckzone, welche sich im Tagesverlauf weiter abflachte. Gleichzeitig gelangte der Alpenraum auf die Vorderseite eines Tiefs mit Kern nördlich von Schottland. Mit der zunehmend kräftigen südwestlichen Höhenströmung führte dieses Tief im Laufe des Nachmittags eine aktive Kaltfront über Frankreich hinweg bis zur Schweizer Grenze. Bis Redaktionsschluss löste diese Kaltfront bei uns nur einzelne präfrontale Gewitter aus. Sie wird aber unser Land am Abend und in der kommenden Nacht von West nach Ost überqueren und dabei verbreitet für Niederschläge, anfangs vor allem in Form von teils kräftigen Schauern und Gewittern sorgen.

Vergrösserte Ansicht: Die Druckdifferenz zwischen Kloten und Lugano erreichte heute am frühen Nachmittag -4 hPa. Was einen leichten Südüberdruck bedeutet. Die blaue Linie gibt den gemessenen Verlauf an, die schwarze Linie den vom Modell prognostizierten Verlauf.
Die Druckdifferenz zwischen Kloten und Lugano erreichte heute am frühen Nachmittag -4 hPa. Was einen leichten Südüberdruck bedeutet. Die blaue Linie gibt den gemessenen Verlauf an, die schwarze Linie den vom Modell prognostizierten Verlauf.
MeteoSchweiz

Aber betrachten wir den Tag nochmals chronologisch und beginnen beim Morgen. Bei Tagesanbruch waren am Nordrand der Schweiz noch einzelne hohe und mittelhohe Wolkenfelder auszumachen, welche allerdings rasch abzogen und einem sonnigen Vormittag Platz machten. Etwas anders sah der Vormittag auf der Alpensüdseite aus. Dort wurde bei schwachem Südüberdruck von bis knapp 4 hPa etwas mehr Bewölkung gegen die Alpen gestaut, so dass bis am frühen Nachmittag nur wenige Minuten oder knapp eine Stunde Sonne gemessen werden konnten. Mit diesem Südüberdruck und der südwestlichen Höhenströmung kam in den Alpen eine leichte Föhnströmung auf. So erreichte um 13.00 Uhr Nachmittags die Station Chur als erste Station mit schwachem Föhn die 30 Grad Marke. Im weiteren Verlauf des Nachmittags knackten aber auch viele andere Stationen auf der Alpennordseite und inneralpin die 30 Grad, die es per Definition für einen Hitzetag braucht. Am heisstesten wurde es heute bis Redaktionsschluss in Sion mit 33.6 Grad.

Vergrösserte Ansicht: Im Laufe des Tages bildeten sich über den Bergen zunehmend Quellwolken. Foto von der Göscheneralp mit Blick Richtung Diedenkette mit dem 2957 Meter hohen Rienzenstock.
Im Laufe des Tages bildeten sich über den Bergen zunehmend Quellwolken. Foto von der Göscheneralp mit Blick Richtung Diedenkette mit dem 2957 Meter hohen Rienzenstock.
Foto: G. Lang

Aber heiss ist bekanntlich nicht gleich heiss. Während die heissen Temperaturen in Chur bei einem Taupunkt von etwa 14 Grad einigermassen erträglich waren, lag der Taupunkt auf der Alpennordseite meist zwischen 16 und 19 Grad. Das bedeutet, dass die relative Luftfeuchtigkeit auf der Alpennordseite deutlich höher war, wodurch sich die 30 Grad schwülheiss und unangenehm anfühlten. Der Grund für den deutlich tieferen Taupunkte in Chur ist übrigens in der Föhnströmung zu finden. Der Föhn trocknet die Luft bei seinem Absinken nämlich ab.

Im weiteren Verlauf des Nachmittags bildeten sich zuerst über den Bergen später auch im Flachland zunehmend Quellwolken. Und ab 14.00 Uhr folgten die ersten präfrontalen Schauer und Gewitter über dem Jura. In der Folge drehten die Winde im Flachland auf West- bis Nordwest und erreichten in Gewitternähe bis Redaktionsschluss Böenspitzen zwischen 50 und 85 km/h. Mit dem am späten Nachmittag und Abend folgenden rasanten Druckanstieg dürften die hohen Windgeschwindigkeiten in den folgenden Stunden noch weiter zunehmen und auch die übrigen Regionen erfassen.

Kommentare (9)

  1. Marco, 20.08.2017, 07:45

    Hallo Blog. Über Neuhaus zog heute eine kräftige Superzelle mit starken Böen hinweg

  2. Bettina Bacher, 19.08.2017, 17:00

    Vielen Dank auch für den internationalen Cloud Atlas. Die Kommentare sind immer sehr interessant und spannend!

  3. Johan Montal, 19.08.2017, 08:38

    Wie immer: sehr gute Bilder, sehr guter, interessanter und verständlicher Text, und das in vorbildlich gutem Deutsch; Chapeau!
    Solche Morgenlektüre bereitet auch mir alten Menschen reines Vergnügen! Und das Bild der Wetterstation Quinten macht eim lachen, und reizt mich, diese Idee 1:1 zu kopieren. Herzlichen Dank

  4. buchs, 19.08.2017, 06:29

    Sehr guter wetterbericht

  5. Josef K. Büeler, 19.08.2017, 00:53

    Besten Dank für die schönen Bilder und die interessanten Infos.

  6. Tobias S., 18.08.2017, 21:12

    Hallo Blog Team!
    War dies um 18:50 eine Superzelle im Bereich St. Gallen/Goldach? Die Formationen deuteten darauf hin und man konnte ja schließlich Hagel und Orkanböen registrieren. Zudem sah man von hier aus (unteres Rheintal) Strukturen, die sonst bei normalen Gewittern nicht zu sehen sind.
    Über eine Antwort freue ich mich.

    1. maria, 19.08.2017, 10:01

      Wettermanipulationen durch chaimtrails usw

    2. MeteoSchweiz, 21.08.2017, 07:52

      Tatsächlich handeltet es sich beim Gewitter in der Region St. Gallen/Goldach um eines der stärksten welches am Freitag aufgetreten ist. Dies zeigen diverse Radarprodukte (Hagelgrösse, Maximale Echostufe sowie abgeleitete Windböen). Unter diesem Link https://www.sturmforum.ch/viewtopic.php?f=2&p=191968#p191968 sind zudem Fotos aus dem Rheintal Richtung Rohrschacherberg zu sehen. Diese zeigen für Superzellen typische Wolkenabsenkungen (wallcloud). Die Wetterlage mit eine hohen Gewitterpotential mit starken Windscherungen war zudem typisch für die Bildung von Superzellen. In diesem Kontext war das Auftreten einer Superzelle im Raum Goldach am Freitag um 19 Uhr gut möglich. Eindeutige Radarmessungen, in welchen die Rotation der Zelle eindeutig identifizierbar wäre, liegen uns allerdings nicht vor.

  7. Ch. Jäger, 18.08.2017, 20:35

    Einmal mehr sehr lesenswert und gute Bilder!
    Vielen Dank