Erneut markante Gewitterstörung

24. August 2017, 5 Kommentare
Themen: Wetter

Heute Donnerstag überquerte nach einem sehr warmen Sommertag erneut eine markante Gewitterstörung die Alpennordseite ostwärts.

Aufzug der Gewitterstörung über dem Flughafen Zürich     Foto: M. Harder
Aufzug der Gewitterstörung über dem Flughafen Zürich Foto: M. Harder

Bereits um die Mittagszeit in der Westschweiz

Vergrösserte Ansicht: Etwa am Mittag MESZ erreichte die bereits gut organisierte Gewitterlinie von Frankreich her die Westschweiz (Satellitenbild von 12 Uhr MESZ im sichtbaren Bereich).
Etwa am Mittag erreichte die bereits gut organisierte Gewitterlinie von Frankreich her die Westschweiz (Satellitenbild von 12 Uhr MESZ im sichtbaren Bereich).
EUMETSAT/MeteoSchweiz

Am Donnerstag  lag die Schweiz im Bereich einer flachen Luftdruckverteilung am Boden. In der Höhe floss mit einer  vorübergehend leicht zyklonalen Westströmung sehr warme und labil geschichtete Luft zur Schweiz. Darin eingelagert erreichte bereits um die Mittagszeit eine Staffel  feuchterer Luft von Frankreich her die Westschweiz und löste vor allem in Juranähe erste kräftigere Gewitter aus.

Lokal heftige Gewitterzellen mit Sturmböen, Starkregen und Hagel

Vergrösserte Ansicht: Radarbild von 17.10 Uhr MESZ zeigt die in der Gewitterfront eingelagerte kräftigste Gewitterzelle (rot), die zu dieser Zeit am Walensee die grösste Sturmböe verursachte. Oben und rechts ist der Auf- bzw. Seitenriss der Zellen dargestellt.
Radarbild von 17.10 Uhr MESZ zeigt die in der Gewitterfront eingelagerte kräftigste Gewitterzelle (rot), die zu dieser Zeit am Walensee die grösste Sturmböe verursachte. Oben und rechts ist der Auf- bzw. Seitenriss der Zellen dargestellt.
MeteoSchweiz

Im Laufe des Nachmittags zog dann diese aktive Gewitterlinie zügig über die Alpennordseite nordostwärts und erreichte am Abend die Ostschweiz. Verbunden war diese Störung mit stürmisch auffrischendem Südwest- bis Westwind. Dabei wurde in Quinten am Walensee mit 107.6 km/h die stärkste Böe gemessen. Eingelagert waren dabei auch heftige Gewitterzellen, vor allem längs des Jura und der Voralpen. Dabei gab es lokal auch Starkregen und Hagel.

Im Vorfeld noch länger sonnig und hochsommerlich warm.

Vergrösserte Ansicht: Blick am späteren Vormittag vom "milden" Weissmies (4017 m/M) in Richtung Walliser Hochalpen und herannahender Störung.
Blick am späteren Vormittag vom "milden" Weissmies (4017 m/M) in Richtung Walliser Hochalpen und herannahender Störung.
G. Lang

Im Vorfeld dieser aktiven Gewitterlinie war es je östlicher desto länger noch meist sonnig und sehr warm. Die Temperaturen erreichten dabei  Höchstwerte zwischen 26 und 31 Grad. Die Nullgradgrenze lag im Vorfeld der Gewitter in über 4000 Metern Höhe.

Kurzvideo vom Aufzug der heutigen Gewitterlinie über dem Flughafen Zürich Kloten von A. Hostettler

Kommentare (5)

  1. Stefan Rickli, 26.08.2017, 08:47

    Wir machen bei uns in Erlinsbach dieselbe Beobachtung wie Gigl Judith. Oft scheint es, dass wir jeweils knapp verschont bleiben, währenddessen nördlich und südlich die Welt untergeht.

    Dabei habe ich mich schon oft gefragt, ob Meteo Schweiz eine öffentlich einsehbare Karte hat, welche die statistische örtliche Verteilung von Gewitterbahnen abbildet. Ich fände das sehr spannend!

    1. MeteoSchweiz, 28.08.2017, 08:27

      Nein, so eine Karte existiert nicht. Allenfalls kann man die Gewitterzugbahnen gemäss der aktuellen Blitzklimatologie ansatzweise rekonstruieren; aber das wäre viel zu aufwendig, da wir nur monatsweise aufbereitete Blitzkarten haben. Sonst müsste man Tag für Tag auswerten, und damit wäre der Aufwand dann definitiv zu gross.

  2. Andrea, 24.08.2017, 23:15

    Weltuntergang Stimmung... unheimlicher gehts wahrlich nicht mehr... die Aufnahmen sind grandios...

  3. Gigl Judith, 24.08.2017, 22:53

    Wie entstehen eigentlich Gewitterstrassen? Den ganzen Sommer über gab es rechts und links von Gottmadingen heftige Gewitter. Nur mein Wohnort wurde fast immer verschont. Woran liegt das. Wir haben nicht mehr oder weniger Berge oder Täler oder sonstige herausragende Naturformationen.

    1. MeteoSchweiz, 25.08.2017, 09:47

      Besten Dank für ihre interessante Frage, welche nicht abschliessend zu beantworten ist. Tatsächlich werden die Gewitterzugbahnen durch vielfältige Faktoren bestimmt. Nebst der Wetterlage in Verbindung mit den vorherrschenden Höhenwinden, spielen grossflächige bis mikroskalige Geländestrukturen (Topographie) eine wichtige Rolle. Zudem ist ein saisonaler Trend bei den Gewitterzugbahnen festzustellen. Das heisst, dass Gewitter während derselben Saison (April-September) häufig eine ähnliche Zugbahn einnehmen. Ein eigentlicher Klassiker bei den Zugbahnen in ihrer Region ist die Linie Waldshut-Randen, oder die südlichere Variante via Klettgau-Untersee. Häufig ziehen diese Gewitter aus dem Baselbiet auf. Schlussendlich entstehen (lokale) Gewitter häufig auch über dem Randengebiet und bleiben mehr oder weniger ortsfest. Hier ist denn auch das klimatologische Blitzmaximum im Kanton Schaffhausen. Allerdings gibt es ein sekundäres Maximum in unmittelbarer Nachbarschaft von ihnen, nämlich über Thayngen.