Nach Starkregen im Tessin heute Wetterberuhigung

9. August 2017, 1 Kommentar
Themen: Wetter

Intensive Südstauniederschläge brachten in der Nacht auf heute dem Nordtessin und Südbünden intensive Niederschläge. Im Centovalli totalisierte man in wenig mehr als 12 Sunden über 155 mm. Eine solche Mengen hätte auf der Alpennordseite an den meisten Orten verheerende Unwetter gebracht, wie nachfolgend ein Blick in die Statistik zeigt. Heute war es wettermässig eher ruhig, wenn auch meist stark bewölkt.

Die kräftigen Niederschläge auf der Alpensüdseite waren auch von Gewittern begleitet, wie man hier in Lugano mit aller Deutlichkeit sehen kann. Bild: Andreas Hostettler.
Die kräftigen Niederschläge auf der Alpensüdseite waren auch von Gewittern begleitet, wie man hier in Lugano mit aller Deutlichkeit sehen kann. Bild: Andreas Hostettler.

Südwestströmung liess es gestern Abend und in der Nacht besonders über der Alpensüdseite regnen

In der Nacht auf heute ereigneten sich wieder einmal die bekannten, ausgiebigen Niederschläge. Hotspot war, wie meistens bei einer tiefdruckbestimmten Südwestströmung, das Gebiet des Centovalli und des Onsernone. Gesamthaft betrachtet wurden lokal über 150 mm erreicht. Camedo war mit 155 mm Spitzenreiter.  Diese Menge fiel grösstenteils innert 12 Stunden. Innert dieser 12 Stunden waren die Mengen zudem sehr unterschiedlich. So gab es Intervalle, an den kein Niederschlag gemessen wurden, kurze Zeit später konnten innerhalb von nur 10 Minuten wieder über 12 mm festgestellt werden. Grösste Stundensumme war 42.2 mm gestern um 16 UTC.

Sundensummen von 40 mm: Im westlichen Tessin nicht ungewöhnlich, im Zentralwallis bei Sion bisher unbekannt

Diese Stundensummen sind sehr hohe Mengen, welche auf der Alpensüdseite hie und da vorkommen. Nördlich der Alpen sind solche Mengen nur bei schweren Gewittern möglich, welche aber bei weitem nicht die Ausdehnung haben wie die Südstauniederschläge. Stundensummen von 40 mm und mehr kommen im Locarnese alle 5 Jahre einmal vor, in Zürich-Reckenholz muss alle 20 Jahre einmal mit mehr als 40 mm gerechnet werden. In Sion kommt es im Durchschnitt gemäss Statistik alle 200 bis 300 Jahre einmal mehr als 40 mm innert einer Stunde.

Tagessummen von 155 mm im Centovalli - für andere Gebiete der Schweiz ein absolutes Spitzenereignis oder vielerorts bisher gar noch nicht festgestellt

Auch die gemessenen 155 mm im Centovalli wären für die andere Gebiete der Schweiz selbst für 24 Stunden ein absolutes Spitzenereignis mit verheerenden Schäden. In Sion beispielsweise sind seit 1958 innert 24 Stunden maximal bisher nur 79 mm gefallen. In Zürich-Reckenholz beträgt die grösste seit anfang der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts 128 mm, ein Wert der im übrigen ziemlich einsam dasteht. Der nächsthöhere Wert liegt nämlich bereits nur noch bei etwa 74 mm.

In Camedo im Centovalli wurden 155 mm in den letzten 116 Jahren 154 mal überschritten

Für das Centovalli selbst sind hingegen 155 mm in 24 Stunden nichts aussergewöhnliches und tritt alle 2 bis 3 Jahre einmal auf.  Hier ist allerdings zu sagen, dass nur das Jahresmaximum in Betracht gezogen wird. Es gibt somit Jahre, an welchen 155 mm mehrmals vorkommen, in anderen Jahren hingegen wird dieser Wert nicht erreicht. Wenn man die Fälle auszählt, an welchen 155 mm seit 1901 bisher überschritten wurde, so kommt man  auf 154 Fälle.

Seichte Kaltluft sorgte nördlich der Alpen für viel tiefe Bewölkung

In der Nacht beruhigte sich das Wetter allmählich. Tagsüber war es dann nördlich der Alpen meist trocken. Die gestern  seicht eingeflossene Kaltluft bildete allerdings an ihrer Obergrenze einen fast kompakten Wolkendecke aus, womit die Sonne kaum zum Vorschein kam. Die darüber herrschende Südströmung war nördlich des Alpenkamms nicht allzu feucht.

Südwind in der Höhe brachte den inneralpinen Gebieten längere sonnige Abschnitte

In den inneralpinen Gebieten, wie im Wallis und in Nord- und Mittelbünden, wo die Kaltluftschicht weniger mächtig war bzw. vom Südwind in der Höhe abgehobelt wurde, kam die Sonne recht lange zum Vorschein.

Südstau war heute schwächer als am Vortag

Südlich der Alpen dauerte die Staulage im Wesentlichen fort, wenn auch nur bescheidene Niederschläge zu konstatieren waren. Am Nachmittag kam es dazwischen auch einigen sonnigen Abschnitten.

Kommentare (1)

  1. hans, 10.08.2017, 08:49

    Ich lebe in Arni AG, habe gestern dieses Kaltluftkissen gut beobachten können, die Wolken hatten um ca 1200 so strähnige Ausziehungen Richtung Süden - Es sah aus wie Regen, der aber verdampft, bevor er bei uns angelangt war.