Stabilisierung nach nächtlichem Rekordgewitter

2. August 2017, 4 Kommentare
Themen: Wetter

In der Nacht auf Mittwoch überrollte ein heftiges Gewitter den Nordrand der Schweiz und führte zu einem neuen Niederschlagsrekord. Details zu den gestrigen Gewittern und zur nachfolgenden Stabilisierung finden Sie im heutigen Blog.

Gewitterlinie vom Dienstagnachmittag, Standort Bellikon.
Patrick Stierli

1. August Feuerwerk - ein Gewitterrückblick

Wie zu befürchten war, entstanden gestern passend zum Nationalfeiertag einige natürliche Feuerwerke, die es in sich hatten. Die Schauer- und Gewitteraktivität startete gestern Nachmittag in der Westschweiz. In der Folge zog eine Gewitterlinie, vom Nordrand der Schweiz bis zu den Walliser Alpen reichend, von West nach Ost über die Schweiz. Diese Gewitterlinie hatte Starkregen, Hagel und Sturmböen im Gepäck.

Nächtliche Superzelle sorgt für Rekordwert

Für den  Höhe-, beziehungsweise Tiefpunkt - je nach Perspektive - sorgte aber eine Gewitterzelle in der Nacht auf heute Mittwoch. Sie entstand knapp nördlich des Pruntruter Zipfels und zog via Basel dem Nordrand entlang bis zum Bodensee und weiter ins Allgäu. Die Zugbahn gleicht derjenigen der Zelle vom 31. Juli, welche im Blog vom Montag beschrieben wurde. Auch in diesem Falle dürfte  es sich um eine Superzelle gehandelt haben. Gestern jedoch ging dem Gewitter an der Zürcher Kantonsgrenze noch nicht die Luft aus. Ganz im Gegenteil: in den betroffenen Kantonen Zürich, Schaffhausen und Thurgau wurden zum Teil erstaunliche Niederschlags- und Windwerte registriert. In Eschenz TG wurden an der Swissmetnet Station in 10 Minuten sagenhafte 36.1 mm gemessen. Dieser Wert bedeutet einen neuen Schweizer Rekord! Der bisherige Rekordwert wurde 2003 mit 33.6 mm/10 Minuten in Locarno gemessen. Auch an anderen Stationen wurden hohe 10 Minuten-Werte gemessen, z.B. in Salen-Reutenen 24.1 mm.  Auch das kantonale Messnetz des Kantons Thurgau meldete respektable Niederschlagswerte. So wurden in Nussbaumen 21.2 mm in 10 Minuten registriert, in Ermatingen während 20 Minuten 29.4 mm, in Arenenberg gar 33.4 mm. Es erstaunt nicht, dass beim Durchzug dieser Zelle auch der Wind mächtig aufdrehte. In Leibstadt wurden Spitzengeschwindigkeiten von 134 km/h, in Salen-Reutenen von 133 km/h gemessen. Bei solchen Werten ist es nicht erstaunlich, dass dieses Gewitter teilweise  grosse Schäden hinterlassen hat.

Die Ruhe nach dem Sturm

So wild sich die Nacht auf Mittwoch in Teilen der Schweiz präsentierte, so zahm zeigte sich der Start in den Tag.

In der Höhe floss etwas wärmere Luft zur Schweiz, die Strömung wurde in der Höhe leicht antizyklonal. Somit fand eine Stabilisierung statt. Der Mittwoch gestaltete sich tagsüber vorwiegend sonnig und heiss. Im Mittelland wurden an einigen Stationen wieder Temperaturen um 30 Grad erreicht. Spitzenreiter war bis Redaktionsschluss Genf, wo mit dem warmen Südwestwind – dem sogenannten vent blanc – 35.0 Grad erreicht wurden.

Von der Bewölkung her zierten vor allem hohe Wolkenfelder den Himmel. Die Quellwolkenbildung blieb insgesamt gedämpft, einzig über den Alpen und über dem Jura wurden sie etwas grösser. Doch auch hier bildeten sich nur ganz lokal kurze Schauer.

Hitzewarnung der Stufe 4 auf der Alpensüdseite

Auf der Alpensüdseite und in Teilen der Westschweiz werden in den nächsten Tagen warnrelevante Temperaturen erwartet. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Warnkarte.

Kommentare (4)

  1. A. Girafales, 02.08.2017, 21:46

    Mein persönlicher Eindruck der letzten zwei Jahre ist, dass wir überproportional häufig Südwestwindlagen hatten (180° bis 270°).
    Vielleicht trügt mein Eindruck, aber vielleicht lässt sich dies sogar statistisch belegen. Sie hätten die Daten dazu!

    1. AW, 03.08.2017, 10:02

      Den "Katalog der Grosswetterlagen Europas" vom PIK, welcher sich genau mit solchen Fragestellungen beschäftigt, finden Sie online als PDF. Die aktuellste Version stammt aus dem Jahr 2015, evt. gibt es auch schon wieder ein Update. Viel Spass beim durchschauen!
      https://www.pik-potsdam.de/research/publications/pikreports/.files/pr119.pdf

  2. Timo Kleger, 02.08.2017, 19:18

    Bei der Windgeschwindigkeit wurde im Text 143 km/h anstatt 134 km/h, die in der Karte standen, geschrieben.

    1. MeteoSchweiz, 03.08.2017, 10:32

      Besten Dank für den Hinweis. Der Fehler ist korrigiert.