2018: Rekordwärme und massive Regenarmut

21. Dezember 2018, 26 Kommentare
Themen: Klima

Wärme und Regenarmut ohne Ende, so präsentierte sich das Jahr 2018 in der Schweiz. Zehn von zwölf Monatstemperaturen lagen deutlich über der Norm, sechs davon im extremen Bereich. Das Jahr 2018 ist das vierte in kurzer Folge mit neuer Rekordtemperatur.

Die unendliche Wärme führte nicht nur zu einem neuen Jahresrekord, auch das Sommerhalbjahr war so warm wie noch nie seit Messbeginn 1864. Als weiterer Wärmerekord erlebte die Alpensüdseite den wärmsten Herbst seit Beginn der Aufzeichnungen. Begleitet wurde die Rekordwärme von einer ungewöhnlichen monatelangen Regenarmut. In der Ostschweiz entwickelte sich das massive Regendefizit von April bis November zu einem Jahrhundert-Ereignis.

Jahrtestemperatur in Rekordhöhe

Nach den aktuellen Berechnungen wird die landesweite Jahrestemperatur knapp 7 Grad erreichen, den höchsten Wert seit Messbeginn 1864. Bereits gesichert ist die Rekordwärme von 6.7 Grad des meteorologischen Jahres von Dezember 2017 bis November 2018.

Das Jahr 2018 ist das vierte in kurzer Folge mit weit überdurchschnittlicher Temperatur. Zusammen mit den bisherigen Rekordjahren 2015 mit 6.6 Grad, 2014 mit 6.5 Grad und 2011 mit 6.6 Grad hebt es sich deutlich ab von allen übrigen Jahren seit Messbeginn 1864.

Normale Wintertemperatur, Rekordwärme in Januar

Die Wintertemperatur 2017/18 lag im landesweiten Mittel im Bereich der Norm 1981–2010, dies allerdings mit grossen Schwankungen von Monat zu Monat. Der Dezember zeigte sich im landesweiten Mittel 0.6 Grad, der Februar 3.0 Grad kühler als die Norm 1981–2010. Dazwischen platzierte sich ein rekordwarmer Januar. Am Messstandort Genf erreichte die Januartemperatur 2018 den alles überragenden Rekordwert von 6.0 Grad. Die bisher mildesten Januarmonate lieferten in Genf um 4.5 Grad. Auch im landesweiten Mittel belegt der Januar 2018 mit 3.1 Grad über der Norm 1981–2010 den Spitzenplatz seit Messbeginn 1864.

Reichlich Schnee in den Bergen

Die winterlichen Niederschlagsmengen erreichten verbreitet über 130 Prozent der Norm 1981–2010. Im Wallis stiegen die Werte in vielen Gebieten und in Graubünden regional auf über 200 Prozent. Auf der Alpensüdseite gab es gebietsweise bis 150 Prozent, lokal auch um 180 Prozent der Norm.

Im Januar 2018 registrierten 95 Messstandorte rekordhohe Monatsniederschläge. An 72 dieser Standorte reichen die Messreihen mehr als 50 Jahre zurück. Im Wallis brachte der Januar 2018 an vier über 50-jährigen Messstandorten nicht nur die höchste Januarsumme, sondern die höchste Monatssumme überhaupt: Zermatt erhielt 257 mm, Stalden/Ackersand 220 mm, Visp 328 mm und Grimentz 254 mm.

In den Bergen fiel im Dezember und im Januar reichlich Schnee. Die Lawinengefahr war vor allem im Januar in weiten Teilen der Alpen gross bis sehr gross. Einige Täler waren mehrere Tage nur mit Helikopter erreichbar. In Arosa auf 1880 m lieferte der Winter 2017/18 die beachtliche Neuschneesumme von 5.3 m. In den letzten 50 Jahren gab es hier nur im Winter 2011/12 mit 5.8 m mehr Neuschnee. Am Walliser Messstandort Grächen auf 1600 m fiel eine winterliche Neuschneesumme von über 2 m, was zu den höchsten Wintersummen seit Messbeginn vor 50 Jahren gehört.

Stürmischer Winter

Die Alpennordseite erlebte einen stürmischen Winter. Die Monate Dezember und Januar brachten am Messstandort Zürich-Fluntern nach mehreren Jahren eigentlicher Sturmflaute eine erhöhte Sturmaktivität. Schäden verursachten vor allem die Januarstürme, insbesondere der Sturm Burglind vom 3. Januar 2018.

Markante Frühlingserwärmung

Mit dem Frühling 2018 als viertwärmster seit Messbeginn 1864 hält die markante Frühlingserwärmung ungebrochen an. Die sechs wärmsten Frühlinge wurden nach dem Jahr 2000 registriert. Seit dem Jahr 2000 lag der Frühling zehnmal mehr als 1 Grad über der Norm 1981–2010. Vor dem Jahr 2000 gab es dies nur zweimal.

Der Frühling 2018 startete kühl. Der März blieb im landesweiten Mittel 1 Grad unter der Norm 1981‒2010. Die Alpensüdseite registrierte regional 1 bis 2 Grad unter der Norm einen der kühlsten Märzmonate der letzten 30 Jahre. Auf den kühlen März folgte der zweitwärmste April seit Messbeginn 1864. Im landesweiten Mittel übertraf der April die Norm um 3.9 Grad. Regional gab es Aprilwerte von 4 bis 5 Grad über der Norm 1981‒2010. Und die Wärme ging weiter. Der Frühling endete mit dem fünftwärmsten Mai seit Messbeginn 1864. Landesweit lag er 1.9 Grad über der Norm. An einzelnen Messstandorten war es der zweit- oder drittwärmste Mai seit Messbeginn vor 155 Jahren.

Häufung von extrem warmen Sommern

Der Sommer 2018 war der dritte in kurzer Folge mit weit überdurchschnittlicher Temperatur. Zusammen mit den Sommern 2017, 2015 und 2003 hebt er sich mit seinen landesweit 15.3 Grad deutlich ab von allen übrigen Sommern seit Messbeginn 1864. Bis zum Jahr 2000 galten Sommer mit landesweit über 14 Grad als extrem, 15 Grad wurden nie überschritten. Der frühere Durchschnittssommer um 12 Grad ist aus dem Klima der Schweiz verschwunden. In den vergangenen 30 Jahren sanken die kühlsten Sommer nur knapp unter 13 Grad. Der daraus ersichtliche massive Anstieg der Sommertemperatur ist eines der klaren Signale der laufenden Klimaänderung.

Zehn Tage Hitze im Norden

Nördlich der Alpen setzte ab dem 30. Juli anhaltende Sommerhitze mit täglichen Höchstwerten von verbreitet über 30 Grad ein. Die zehntägige Hitzewelle brachte in den tiefen Lagen der Alpennordseite eine mittlere Maximumtemperatur von 32 bis 34 Grad. Regional war es die dritt- oder viertintensivste Zehntages-Hitzewelle seit Messbeginn, so in Basel, in Zürich und in Luzern.

Lange Hitzeperiode auf der Alpensüdseite

Auf der Alpensüdseite stieg die Tagesmaximumtemperatur lokal bereits ab dem 22. Juli regelmässig über 30 Grad. Die Hitzeperiode erstreckte sich über 18 Tage. Locarno-Monti zeichnete die drittintensivste 18-tägige Hitzeperiode seit Messbeginn 1935 auf. Die mittlere Maximumtemperatur lag bei 32.6 Grad. Vergleichbar war die intensivste 18-tägige Hitzeperiode vom Sommer 2003 mit 32.8 Grad. Geringfügig heisser zeigte sich in Locarno-Monti die intensivste 18-tägige Hitzeperiode vom Sommer 2015 mit 33.1 Grad.

Anhaltende Regenarmut

Nach einem extrem regenarmen April und einem verbreitet regenarmen Mai brachte der Sommer eine weiter anhaltende Regenarmut. Im Mittel über die ganze Schweiz erreichte die Regensumme von Juni bis August nur 71 Prozent der Norm 1981‒2010. Landesweit regenärmer waren letztmals die Sommer 2015 und dann 1983 und 1984. Der Juni lieferte in einigen Gebieten nur 20 bis 40 Prozent der normalen Regenmengen. Einzelne Messstandorte in den Zentral- und Ostalpen mit über 100-jährigen Messreihen registrierten beim Juniniederschlag ein Rekorddefizit. Im Juli gab es lokal im östlichen Mittelland und abermals entlang des östlichen Alpennordhangs ein massives Regendefizit mit Regensummen von nur 20 bis 30 Prozent der Norm 1981‒2010.

Sommerliche Sonnenscheinrekorde

Alle drei Sommermonate präsentierten sich sehr sonnig. Genf registrierte mit 908 Sonnenstunden den sonnigsten Sommer seit Messbeginn 1897. Ähnlich sonnig mit knapp unter 900 Sonnenstunden war in Genf letztmals der Sommer 2003. Auch in Basel mit Daten seit 1886 bewegte sich die sommerliche Sommerscheindauer mit 835 Stunden im Rekordbereich. Vergleichbar sonnig war in Basel der bisherige Rekordsommer 2003 mit 834 Sonnenstunden.

Sommerhalbjahr mit Rekordwärme

Von April bis September 2018 erreichten alle Monate Temperatur-Spitzenplätze zwischen dem zweiten und dem siebten Rang. Die anhaltend hohen Monatswerte mündeten in den neuen Wärmerekord des Sommerhalbjahrs von 2.4 Grad über der Norm 1981‒2010. Selbst die bisher alles überragende Wärme des legendären Hitzesommers 2003 wurde leicht übertroffen. Das Sommerhalbjahr 2003 lag 2.2 Grad über der Norm.

Herbst mit Rekordtemperatur im Süden

Die Schweiz erlebte den drittwärmsten Herbst seit Messbeginn 1864. Im landesweiten Mittel stieg die Herbsttemperatur 1.8 Grad über die Norm 1981–2010. Vier der fünf wärmsten Herbste wurden innerhalb der letzten 15 Jahre registriert. Mehr Wärme brachten bisher nur der Herbst 2014 mit 2.1 Grad und der Rekordherbst 2006 mit 2.7 Grad über der Norm 1981–2010.

Die Alpensüdseite registrierte regional den wärmsten Herbst seit Messbeginn. In Lugano und Locarno-Monti lag die Herbsttemperatur 2.2 Grad über der Norm 1981–2010. Im bisher wärmsten Herbst 2006 stieg die Temperatur in Lugano 1.8 Grad, in Locarno-Monti 1.9 Grad über die Norm.

Jahrhundert Regenmangel in der Ostschweiz

In der Ostschweiz hat sich die vom Frühling bis zum Herbst anhaltende Regenarmut zu einem Jahrhundert-Ereignis entwickelt. In den acht Monaten von April bis November fielen nur 59 Prozent der Norm 1981‒2010. Es  fehlte der Regen von mehr als drei normalen Sommermonaten. Das ist das deutlich massivste April-November Regendefizit in der Ostschweiz seit Messbeginn 1864. Alle übrigen sehr regenarmen April-November Perioden lieferten 64 Prozent der Norm oder mehr.

Über die ganze Schweiz gemittelt lag die Regenarmut von April bis November 2018 auf Rang 3 mit 69 Prozent der Norm 1981‒2010. Schweizweit ähnlich regenarm war die April-November Periode von 1921 mit 68 Prozent der Norm. Den bisher massivsten Regenmangel lieferte die April-November Periode von 1962 mit schweizweit nur 60 Prozent der Norm 1981‒2010.

Regen und Schnee

Ende Oktober fielen auf der Alpensüdseite innerhalb von drei Tagen verbreitet 200 bis 300 mm Niederschlag, lokal auch über 400 mm. Auch im angrenzenden Bündnerland gab es mit über 200 mm grosse Niederschlagsmengen. Ein grosser Teil davon fiel als Schnee. Arosa registrierte einen neuen Oktoberrekord von 72 cm Neuschnee innert Tagesfrist. Auf der Alpensüdseite regnete es anfangs November kräftig weiter. Das viele Wasser liess den Lago Maggiore am 6. November 2018 über die Ufer treten.

Während auf der Alpensüdseite die Niederschlagssummen im Oktober und im November deutlich über der Norm 1981‒2010 lagen, zeigten sich die beiden Monate auf der Alpennordseite erneut  ausgesprochen niederschlagsarm. Erst im Dezember erhielt die Alpennordseite seit langer Zeit wieder überdurchschnittliche Niederschlagsmengen. In den Alpen hielt der Winter Einzug. Gegen Weihnachten lag in den Bergen verbreitet  eine Schneedecke im Bereich  der Norm oder etwas darüber (Quelle: Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF, Davos).

Jahresbilanz

Die Jahrestemperatur 2018 stieg in den meisten Gebieten der Schweiz 1.5 bis 2.0 Grad über die Norm 1981–2010. Auf der Alpensüdseite und im Engadin lagen die Werte 1.0 bis 1.5 Grad über der Norm. Im landesweiten Mittel registrierte die Schweiz eine Jahrestemperatur von 1.5 Grad über der Norm 1981–2010 und damit einen neuen Rekord seit Messbeginn 1864.

Die Jahresniederschläge 2018 erreichten in der Ostschweiz um 80 Prozent der Norm 1981–2010. In der Zentralschweiz und Westschweiz waren es rund 90 Prozent der Norm. Die Alpensüdseite und das Engadin erhielten 90 bis 100 Prozent, während im Wallis mit 105 bis 110 Prozent der Norm eine etwas überdurchschnittliche Jahres-Niederschlagssumme fiel.

Die Jahressumme 2018 der Sonnenscheindauer bewegte sich nördlich der Alpen zwischen 110 und 125 Prozent der Norm 1981–2010. In den Alpen und auf der Alpensüdseite  gab es 90 bis 110 Prozent der Norm. In einzelnen Regionen nördlich der Alpen gehört das Jahr 2018 zu den zehn sonnigsten seit Messbeginn.

Der definitive Bericht zum Jahr 2018 ist ab dem 11. Januar 2019 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.

Kommentare (26)

  1. Kelvin, 27.12.2018, 10:09

    @Gerry
    Warum nur 8 Jahre? Ganz einfach, weil die "Klimabulletins Saison" von Meteoschweiz, denen ich die Daten entnommen habe, nur bis 2011 zurückreichen. Ich hätte gerne eine längere Reihe angeschaut, aber ich arbeite leider nicht bei Meteoschweiz, wo all die Daten in den Supercomputern gespeichert sind.
    Relation Niederschlagsmenge mit hohen Temperaturen: Es ist ganz einfach: Wir hatten von April bis Oktober massiv mehr Sonnenstunden (Bern +35 Prozent verglichen mit Norm, Zürich +42, Genf +28, Basel +37). Mehr Sonne = mehr Wärme = weniger Niederschlag, da weniger Wolken. Das versteht jeder Grundschüler. Da benötigt man keine hochkomplizierten CO2-Theorien. Okay?

    1. Bill, 27.12.2018, 15:02

      Sie haben von Panikmache gesprochen... Ich jedoch kann keinerlei Panik ausmachen... weder hier, noch in meinem näheren oder weiteren Umfeld... ebenfalls konnte ich keine Behauptung finden welche aussagt dass CO2 für grössere oder kleinere Niederschlagsmengen verantwortlich wäre... und niemand bestreitet dass das Klima schon immer Schwankungen unterworfen war...
      Leider kann ich Ihrer " mehr Sonne / Wärme = weniger Niederschlag " - Theorie nicht ganz folgen... gibt es demnach in tropischen Gebieten eher kleinere Niederschlagsmengen wie bei uns..? Auch in warmen Sommern kann es viel regnen... kann, nicht muss, wie viele Bauern es dieses Jahr erfahren mussten...
      Wie Sie selber richtig geschrieben haben gab es auch immer wieder Sommer mit überdurchschnittlichen Regensummen ( 130% im Jahre 2002 als Beispiel), der weiter oben beschriebene frühere Durchschnittssommer um 12 Grad ist aber aus dem Schweizer Klima verschwunden...

    2. Gerry, 27.12.2018, 18:34

      'Lieber' Kelvin,
      die Aussage "mehr Wärme = weniger Niederschlag" besitzt keine zwingende Logik (siehe Feuchttropen, Monsunklima etc.). Wenn das Wetter und das Klima mit Volksschulwissen erklärt werden könnte, wäre das ja toll.
      Vielleicht sollten Sie sich mehr mit Häufigkeiten statt mit Mittelwerten befassen. Wo liegen die Gründe für eine Verschiebung der Großwetterlagen, sodass Jahre mit quasimediterranen Niederschlags- und Temperaturverhältnissen öfter vorkommen. Wie stark wird der die Hochs und Tiefs steuernde Jetstream von der massiven Erwärmung der Arktis beeinflusst? Das sind hochkomplexe Fragestellungen.

  2. Halley, 26.12.2018, 20:21

    grüezi,
    ich zitiere aus einem Kommentar dieses Blogs:
    "Meine Frage an die Klima-Profis bei MeteoSchweiz: Darf man behaupten, dass die Klimaerwärmung mit einem mediterranen Niederschlags-Verteilungstrend in unserem (nordalpinen) Raum verbunden ist? Oder ist das heurige Jahr ein trendloser Zufall?"

    Ich füge hinzu, daß die Wetterberichte in meiner Kindheit (damals in Ostdeutschland wohnend) recht häufig mit "Das Wetter. Die Wetterlage: Ein Tief über den Britischen Inseln...." begannen. Diese Formulierung höre ich heutzutage weniger oft, dafür scheinen die nördlich der Alpen wetterwirksamen Strömungen vermehrt aus dem Süden zu kommen.

    Das ist meine Frage an die Klimaprofis.

    Und, das Design der aktuellen Wetterbericht betreffend, machen Sie doch bitte die mafiöse Sonnenbrille in der linken Spalte (UV-Belastung) weg.

    1. MeteoSchweiz, 28.12.2018, 08:44

      Hier sei die Antwort wiederholt: Ein einzelnes Jahr macht kein Klima. In der Ostschweiz sind im langjährigen Durchschnitt (letzte 30 Jahre 1989 bis 2018) die Sommer (Juni-August) nach wie vor deutlich niederschlagsreicher als die Winter (Dezember-Februar). In St. Gallen liegt die sommerliche Niederschlagssumme im Durchschnitt bei 165 mm, die winterliche im Durchschnitt bei 67 mm. Für die Normperiode 1961-1990 zeigt St. Gallen die folgenden Werte: Sommer 162 mm, Winter ebenfalls 67 mm. Fazit: Eine Verschiebung des Niederschlagsregimes ist trotz markanter Erwärmung momentan nicht zu beobachten. Für die Zukunft hingegen, etwa ab Mitte 21. Jahrhundert, ist im Sommer häufiger eine Ausweitung der mediterranen Sommertrockenheit bis auf die Alpennordseite zu erwarten.

  3. Kelvin, 26.12.2018, 16:51

    @Gerry
    Haben Sie den zweiten Teil meines Kommentars gelesen? Dort geht's explizit um die Sommerniederschläge der letzten acht Jahre. Niemand bestreitet, dass wir im Sommerhalbjahr ein paar zu trockene Monate hatten. 2016 und 2017 lag aber der Sommerniederschlag sogar ein paar Prozent über der Norm. Und ein paar Jahre zuvor gabs einen sehr nassen Sommer (ca. 130 Prozent). Schwankungen sind normal. Und trockene Sommer kamen auch früher vor (z.B. 1947 und vor allem 1540, ganz ohne menschlichen CO2-Input.) Das Verbreiten von Panik ist völlig deplatziert.

    1. Gerry, 27.12.2018, 02:20

      Niemand bestreitet, dass es "früher" auch schon sehr trockene Sommer gegeben hat und dass Schwankungen "normal" sind. Was mich wundert ist, dass Sie keine Relation der Niederschlagsmenge mit den deutlich erhöhten Sommertemperaturen herstellen. Die ökologischen Konsequenzen verschieben sich dann auf Grund der stärkeren Verdunstung nämlich deutlich.
      Außerdem wundert mich, dass Sie sich mit einer 8-jährigen "Berechnung" zufrieden geben - nota bene bei der von Ihnen "bestätigten" hohen jährlichen Volatilität der Werte.

  4. Kelvin, 25.12.2018, 15:06

    Ein paar Gedanken zu den Niederschlägen
    Seit der verfrühten Zwischenbilanz vom 21.12. hat es fast in der ganzen Schweiz viel oder sogar sehr viel geregnet/geschneit. Die 80 Prozent (Ostschweiz) bis 110 Prozent (Wallis) werden also bis zum 31.12. noch nach oben korrigiert. Die definitive Bilanz wird bei rund 100 Prozent liegen. Alles normal also.

    Ich habe im übrigen die durchschnittlichen Sommerniederschläge der letzten acht Jahre ausgerechnet (Stationen Bern, Zürich, Genf, Basel, Engelberg, Sion, Lugano, Samedan). Der Durchschnitt seit 2011 liegt bei 94 Prozent. Die Sommer 2016 und 2017 lagen mit 108 bzw. 102 % über der Norm. Es gibt keine Tendenz zu trockeneren Sommern. Wann hört die Panikmache endlich auf?

  5. Andres Zimmermann, 25.12.2018, 12:18

    Wir leben in einer sehr kritischen Phase der Menschheitsentwicklung, wo es, weil wir die eigentlichen Qualitäten des Lebens selbst, weitgehend aus den Augen verloren haben, bald nur noch um Fragen des Überlebens geht. Statt sich die Sinnfrage grundsätzlich wieder einmal neu zu stellen, um sich den eigentlichen Lebens-Qualitäten wieder mehr bewusst zu werden, suchen wir laufend nach neuen Strategien, wie wir die ungehinderte Fortsetzung der Wachstumsideologie auf äusserem Gebiet, noch überleben könnten.
    Der Ersatz von Autos mit Verbrennungsmotoren durch Elektroautos mag da als eine Metapher dafür dieses verkehrte Denken dienen. Denn die Losung lautet dabei: "Macht ruhig weiter, so wie bisher. Euer denken ist schon richtig, nur die Methoden sind noch falsch. Und bedenkt dabei, neue Methoden erschliessen neue Geschäftsfelder des Wachstums und schaffen dabei neue seelenlose Arbeitsplätze um zu Überleben, und nicht etwa, um bei der Arbeit innere Erfüllung zu finden. Für das Leben ist ja schliesslich die Freizeit da". Zynischer geht es wohl nicht mehr.

    Am Arbeitsplatz, im gesellschaftlichen Bereich, im Umweltbereich, überall geht es nur noch ums nackte Überleben, damit sinken wir immer mehr auf die Ebene, der von blossen Überlebens- und Fortpflanzungsinstinkten gesteuerten Tierwelt. Nur dass Tiere, weil sie selber nicht denken können, ein anspruchsloseres Leben fristen als Menschen, die sich mit der eigenen Sinnhaftigkeit auseinandersetzen müssen, leider oft auch zum Schaden der Umgebung.

    Ändert sich das Lebens-Klima im Denken des Menschen im Sinne einer höheren Sinnhaftigkeit, können wir uns die Symptombekämpfung des "Klimaschutzes" - die ja nur wieder neue umweltschädigende Wachstumsfelder eröffnet - getrost ersparen.

    1. Gerry, 26.12.2018, 11:30

      @A.Zimmernann
      Nach Ihrer letzten Replik auf meine "Angstszenarien" bin ich von Ihrem obigen Beitrag positiv überrascht. Kann ihm weitgehend zustimmen.

      @Kelvin
      "Glauben" Sie nicht auch, dass Extremwerte wie z.B. die heurige Sommerdürre ökologisch und ökonomisch (v.a. agrarisch) wesentlich gravierender sind als Jahresdurchschnittswerte? Winterniederschläge gegen Sommerniederschläge aufzurechnen mag für die Grundwasserreserven, den Fremdenverkehr und die Hydroenergie von Bedeutung sein, für die Pflanzenwelt und damit auch für die Landwirtschaft ist die Vegetationsperiode entscheidend; und die liegt nun einmal bei uns ganz überwiegend im Sommerhalbjahr.

    2. Andres Zimmermann, 26.12.2018, 19:52

      @Gerry
      Danke für Ihr Wohlwollen.
      Mein "Angstszenarien- -Kommentar", war mehr satirisch gemeint, weil mich die lange Aufzählung von Bedrohungen einfach dazu inspirierte. Selbtverständlich berühren auch mich solche von Ihnen genannten Extremwetterereignisse. Nur neige ich dazu, nicht jedes solcher Ereignisse, menschlichem Fehlverhalten zuzuschreiben.

    3. Ulrich, 27.12.2018, 08:49

      danke für ihren Kommentar.Wünsche allen ein von Freude und Optimismus gesegnetes Neues Jahr.

  6. Andrej, 24.12.2018, 18:08

    Ich genieße im Moment die Dunkelheit und die Kälte, und endlich einmal etwas Wetter, und nicht dieser monotone Sonnenschein....
    Es fühlt sich nach diesem Sommer immer noch wie eine sehr willkommene Abkühlung an, und ich werde sogar im Februar umziehen, noch einmal ein Sommer mit dauerhaften Zimmertemperaturen zwischen 26-29 Grad kann mir gerne fern bleiben! Ich hoffe, nächsten Sommer gibt es viel Regen, Gewitter und Wind!

    Hat diese extreme Trockenheit auch direkt etwas mit dem Klimawandel zu tun, oder war das eher Zufall?

    1. Altherr, 26.12.2018, 21:23

      ich denke schon. Denn eines sollte jedem nun klar geworden sein, dass es wohl in Zukunft noch mehr solche Extreme gibt. Und nein! früher gab es mal 4 Jahreszeiten doch heute anscheinend nur noch 1 bzw. 2 d.h. entweder abartig heiss und ständige Sonnenbestrahlung oder so kalt (aber ohne Schnee) dass man recht friert. Wobei -2 Grad nicht sonderlich kalt sind für meinen Geschmack

    2. MeteoSchweiz, 28.12.2018, 08:44

      Wie die Niederschlagsgrafik im Blogbeitrag zeigt, war die Niederschlagsarmut April-November 2018 eine extreme Ausnahme. Es gibt in den letzten Jahrzehnten keinen Trend zu extrem niederschlagsarmen April-November Perioden. In den letzten rund 60 Jahren zeigt auch die sommerliche Niederschlagssumme Juni bis August im landesweiten Mittel keine langfristige Änderung, d.h. keinen Trend zu mehr oder weniger Niederschlag. Auch für das Sommerhalbjahr April bis September ist keine statistisch signifikante Änderung der Niederschlagssumme nachweisbar. Insofern ist die extreme Niederschlagsarmut des vergangenen Sommers zunächst einmal als einzelner Ausschlag im Rahmen der Klimavariabilität zu betrachten. Ein andere, noch zu untersuchende Frage ist, ob die extreme Niederschlagsarmut des vergangenen Sommers ohne die laufende Klimaerwärmung allenfalls weniger extrem ausgefallen wäre.

  7. Gerry, 24.12.2018, 10:35

    Zuerst ein ganz große Danke an die Blog-Kommentatoren. Exzellente Naturwissenschaftler mit nahezu literarischer Sprache und überdurchschnittlichem fotografischem Talent finden sich selten in einer Person.
    Doch nun zur Sache: Nach den heftigen Niederschlägen der heutigen Nacht (23. auf 24.12.) habe ich mir die heurige Jahresniederschlagsverteilung einiger heimischer (vorarlbergerischer) Stationen näher angeschaut (https://vowis.vorarlberg.at/niederschlag) und dabei ist mir aufgefallen, dass bei zahlreichen Stationen Januar- und Dezember die niederschlagsreichsten Monatswerte des heurigen Jahres aufweisen. Als 'alter' Klimadiagramm-Nutzer wird man da unwillkürlich an mediterrane Niederschlagsverteilungen erinnert.
    Meine Frage an die Klima-Profis bei MeteoSchweiz: Darf man behaupten, dass die Klimaerwärmung mit einem mediterranen Niederschlags-Verteilungstrend in unserem (nordalpinen) Raum verbunden ist? Oder ist das heurige Jahr ein trendloser Zufall?

    1. MeteoSchweiz, 28.12.2018, 08:45

      Ein einzelnes Jahr macht kein Klima. In der Ostschweiz sind im langjährigen Durchschnitt (letzte 30 Jahre 1989 bis 2018) die Sommer (Juni-August) nach wie vor deutlich niederschlagsreicher als die Winter (Dezember-Februar). In St. Gallen liegt die sommerliche Niederschlagssumme im Durchschnitt bei 165 mm, die winterliche im Durchschnitt bei 67 mm. Für die Normperiode 1961-1990 zeigt St. Gallen die folgenden Werte: Sommer 162 mm, Winter ebenfalls 67 mm. Fazit: Eine Verschiebung des Niederschlagsregimes ist trotz markanter Erwärmung momentan nicht zu beobachten. Für die Zukunft hingegen, etwa ab Mitte 21. Jahrhundert, ist im Sommer häufiger eine Ausweitung der mediterranen Sommertrockenheit bis auf die Alpennordseite zu erwarten.

  8. mrtraveller, 21.12.2018, 18:04

    Vielen Dank für diese informative Zusammenfassung des Jahres 2018, es wird uns wohl allen auf irgendeine Art in Erinnerung bleiben, ob nun der Hitze, der Trockenheit, des vielen Schnees in den Bergen oder des guten Weinjahrgangs geschuldet.

  9. Maximilian Scherrer, 21.12.2018, 13:44

    Meine These zu den Ursachen dieser Klimaerwährmung:
    1. Zunehmende Bodenversiegelung und Waldabholzung weltweit, was zu stärkerer Wärmeabstrahlung der Erdoberdläche insgesamt führt.

    2. Extrem klimaktive Wassertröpfchen, die durch den internationalen Flugverkehr in die Stratosphäre geblasen werden und die die zusätzliche Bodenwärme (aufgrund der zubehmenden Bodenversiegelung) in den Nächten zurückhält.

    3. Der menschliche CO2-Ausstoss, der das ganze noch zusätzlich unterstützt...

    Was halten Sie als Experten von dieser Priorisiereung der Ursachen. Ist nicht die Bodenversiegelung der grösste Treiber der Klimaerwärmung??

    Beste Grüsse und Frohe Weihnachten...
    Max Scherrer

    1. Pablo, 22.12.2018, 06:52

      Warum kommen unzählige Klimalaien mit eigenen Thesen, wenn der wissenschaftliche Konsens dies alles detailliert studiert und beschreibt?

    2. Wolfgang, 22.12.2018, 12:14

      Wenn es so ist, dass auf dieser Plattform nur Experten schreiben sollen und keine „Laien,“ dann kann man sich die Kommentarfunktion gleich sparen. Oftmals ergeben sich aus Fragen interessierter Laien, zu denen auch ich mich zähle, Diskussionen, von denen jeder profitiert. In diesem Sinne bereits jetzt frohe Weihnachten und großer Dank an das Blog-Team. Wolfgang

    3. Holzhackerheini, 24.12.2018, 08:46

      Bester Pablo,
      Kritik, auch von Laien, ist immer gut fur die Wissenschaft. Da bewegt sich weinigstes etwas. Bewegung ist ja immer gut.

    4. Hubert Humpe, 24.12.2018, 12:54

      Gibt es Belege aus verlässlichen Quellen, welche Ihre Thesen stützen? Oder sind diese, wie so vieles in diesem Jahrtausend, einer gefühlten Wahrnehmung entsprungen? Ich weiss ja nicht, in welchem Metier sie arbeiten, aber reden bei Ihnen auch so viele interessierte bis besorgte Bürger drein (die natürlich die genau gleiche Fachkompetenz wie sie haben)?

    5. Andrej, 24.12.2018, 18:09

      Bäume sind ein extremer Faktor, warum sich das Klima verändert....

      Aber keine Sorge, in 40 000 Jahren sind wir wieder in der nächsten Eiszeit.

    6. MeteoSchweiz, 25.12.2018, 10:12

      Nein, der grösste Anteil an der laufenden Klimaerwärmung haben eindeutig die bekannten Treibhausgase (Anstieg klimarelevanter Bestandteile in der Atmosphäre wie Kohlendioxid, Methan, Lachgas). Das lässt sich nachrechnen. Nach den jüngsten globalen Klimaberichten 2007 und 2013, den weltweit umfangreichsten Zusammenstellungen zur Klimaänderung, ist ab den 1970er Jahren beim globalen Temperaturanstieg die menschlichen Klimabeeinflussung durch Treibhausgase klar sichtbar. Gemäss dem aktuellen Wissen wäre die globale Temperatur seit Jahrzehnten mehr oder weniger stabil geblieben oder hätte sich periodisch sogar leicht abgekühlt, wenn nur die natürlichen Faktoren (inklusive Sonne) Einfluss hätten. Nur unter Einbezug der menschlich verursachten zusätzlichen Treibhausgase zeigen die Berechnungen eine globale Erwärmung, wie sie auch tatsächlich gemessen wird.

      Im grossen Schweizer Klimabericht von 2016 (Brennpunkt Klima Schweiz), an dem MeteoSchweiz mitgearbeitet hat, steht auf Seite 40: " Ein Grossteil der beobachteten globalen Erwärmung ist auf menschliche Aktivitäten zurückzuführen, vor allem auf die Emission von Treibhausgasen, insbesondereCO2, Methan und Lachgas durch die Verbrennung fossiler Treibstoffe oder durch Änderungen in der Landnutzung und der Abholzung von Wäldern. So ist es äusserst wahrscheinlich, dass der durch den Menschen verursachte Anstieg der Treibhausgaskonzentration (vor allem CO2) in der Atmosphäre für mehr als die Hälfte des beobachteten globalen Temperaturanstiegs von 1951 bis 2010 verantwortlich ist".

      Brennpunkt Klima Schweiz
      https://naturwissenschaften.ch/service/publications/81637-brennpunkt-klima-schweiz

      Die Bodenversiegelung kann keinen dominanten Einfluss haben. Denken Sie nur an die riesigen Ozeanflächen, an die riesigen Wüsten- und Steppenflächen und an die riesigen Taiga- und Tundraflächen, alles Gebiete mit keiner oder kaum Besiedlung und deshalb ohne Bodenversiegelung. Nein, es sind ganz klar die zusätzlichen menschlichen Treibhausgase, die ganz dominant Einfluss auf die globale Erwärmung nehmen.

    7. Max Scherrer, 29.12.2018, 06:43

      Ok. Haben sie vielen Dank für die doch sehr detaillierte Antwort. Auf die Idee mit der Bodenversiegelung bin ich deswegen gekommen, weil in lauen Sommernächten auch in der Schweiz die Luft in den Wäldern und Wiesen deutlich kühler ist als in de Dörfern und Siedlungen. Das merkt man besonders wenn man mit Velo/Töff unterwegs ist...deshalb die laienhafte Frage;)
      M. Scherrer