Herrlich frisch

12. Dezember 2018, 6 Kommentare
Themen: Wetter

Die frische Luft, der Blick zu den Bergen, welche glasklar am Horizont zu erkennen waren, mit Reif überzogene Wiesen und Gärten: Der heutige Weg von der Haustüre bis zum Bahnhof empfand die heutige Bloggerin als äusserst schön. Jedoch war das nicht in der ganzen Schweiz so. Und zugegeben, die individuellen Vorlieben sind wohl auch etwas unterschiedlich.

Bild: D. Gerstgrasser
Bild: D. Gerstgrasser

Wetterlage

Ein ausgeprägtes Hoch mit Kern über Skandinavien prägte das Wetter in der Schweiz. Mit nördlicher Höhenströmung wurde in den oberen Schichten trockene und kalte Luft zum Alpenraum geführt. In den unteren Schichten kam ebenfalls recht kalte, jedoch nicht ganz so trockene Luft mit einer schwachen Bisenströmung zur Alpennordseite. Damit war die Nacht nach Auflösung der Restbewölkung von gestern meist klar. Erst zum Morgen hin bildeten sich erste Nebel- resp. Hochnebelfelder, welche sich teilweise im Laufe des Vormittags ausbreiteten.

Haareis

Mit der feuchteren Grundschicht waren im Mittelland die Bedingungen für die Bildung von Haareis perfekt: Die letzten Tage fiel Niederschlag, so dass der Boden wie auch das Totholz nass waren. Zudem war die Nacht kalt, aber nicht zu kalt, so dass das Totholz nicht komplett durchfieren konnte und der für das Haareis verantwortliche Pilz weiter arbeiten konnte. Zudem war die Luftfeuchtigkeit hoch genug, damit die Haare nicht gleich wieder sublimierten. Informationen rund ums Thema Haareis finden sie hier und hier.

Kalter Morgen

In den nebelfreien Gebieten konnte sich die Luft in bodennahen Schichten während der Nacht mit Hilfe der oft uneingeschränkten Abstrahlung recht gut auskühlen. Und so sanken die Temperaturen fast in der ganzen Schweiz unter den Gefrierpunkt. Einzig in Lugano wurde mit einem Minimum von 0 Grad knapp kein Frosttag verzeichnet. Für einen Frosttag ist ein Minimum unter 0 Grad erforderlich, nicht zu verwechseln mit dem Eistag, an dem auch das Tagesmaximum unter 0 Grad liegen muss.

Vergrösserte Ansicht: Auf einem Gartenteich hier in Männedorf bildete sich in diesem Winter zum ersten Mal eine dünne Eisschicht.
Auf einem Gartenteich hier in Männedorf bildete sich in diesem Winter zum ersten Mal eine dünne Eisschicht.
Bild: Ch. Hayoz

Doch die Ausprägung der Abkühlung hing nicht nur mit der Höhenlagen und den Windverhältnissen zusammen, auch die Topografie spielt dabei eine wichtige Rolle. Und sie ahnen es bestimmt: Es ist wieder mal Zeit, sich die Thematik der Kaltluftseen in Erinnerung zu rufen.

Kaltluftseen

Vergrösserte Ansicht: 24h-Temperaturminima bis 12 UTC an verschiedenen Messstationen. Markiert sind die Stationen Napf und Andermatt. Ebenfalls kalt war es im Engadin, Samedan verzeichnete ein Minimum von -24.8 Grad, Buffalora ein Minimum von -25.7 Grad.
24h-Temperaturminima bis 12 UTC an verschiedenen Messstationen. Markiert sind die Stationen Napf und Andermatt. Ebenfalls kalt war es im Engadin, Samedan verzeichnete ein Minimum von -24.8 Grad, Buffalora ein Minimum von -25.7 Grad.

Bei einem Vergleich der Temperaturminima der Stationen Napf und Andermatt fällt auf, dass, obwohl sich diese beiden Stationen in einer ähnlichen Höhenlage befinden, ein Unterschied von fast 20 Grad besteht. Das Minimum gemessen am Napf lag bei – 6.8 Grad, in Andermatt hingegen sank das Thermometer auf -25.4 Grad.

Grund für den Unterschied ist die Topografie des Urserentals: Das Hochtal bildet eine offene „Badewanne“, der Abfluss gegen die Schöllenen ist jedoch relativ eng und bildet daher eine natürliche Barriere. Damit sammelt sich diese in Urseren und fliesst nicht ungehindert in tiefere Lagen.

Zudem günstig für eine gute Abkühlung ist der frische und luftige Schnee, welcher in den letzten Tagen gefallen ist. Dieser bildet einerseits eine gute Isolation gegen den Wärmefluss vom Boden her. Andererseits begünstigt der frische weisse Schnee die Reflektion der Strahlung.

Als dritter begünstigender Faktor sei noch die Jahreszeit erwähnt. Die Nächte sind nun Mitte Dezember schon relativ lange, bis zur längsten Nacht des Jahres sind es nur noch 9 Tage.

Vergrösserte Ansicht: Blick vom Bäzberg Richtung Süden über Urseren hinweg, welches um 09:20 LT noch im Schatten lag.
Blick vom Bäzberg Richtung Süden über Urseren hinweg, welches um 09:20 LT noch im Schatten lag.
Quelle: roundshot.com

Andermatt war aber nicht der kälteste Ort in der Schweiz heute, das Urserental ist auch nicht der einzige Kaltluftsee in unserem Land. Die treuen Leser kennen bereits die Situation in Hintergräppelen in der Ostschweiz. An der privaten Messstation in diesem natürlichen Becken sank die Temperatur diese Nacht auf
-26.5 Grad. Weitere Informationen dazu wie auch allgemein rund um das Thema Kaltluftseen finden sie unter kaltluftseen.ch.

Die tiefste heute gemessene Temperatur stammt jedoch aus dem Bisistal: Auf der Glattalp auf 1850 Metern sank das Thermometer auf beachtliche -36.5 Grad. Mit 85 cm war die Schneedecke bereits genügend mächtig und der Schnee frisch und luftig, so dass die oben erwähnten Vorteile hier sicher ihre Wirkung zeigten. Zudem liegt die Glattalp mit 1850 Metern etwas höher als Andermatt (1438 Meter) und Hintergräppelen (1290 Meter). Damit lag sie über der Inversion in sehr trockener Luft. Weitere Informationen zur Glattalp finden Sie hier.

Sonniger aber frischer Tag

Vergrösserte Ansicht: „Em Speer tropfts uf de Chopf“: Die Eiszapfen begannen mit der Sonneneinstrahlung am Nachmittag bereits wieder zu schmelzen, wie hier oberhalb Rietbad.
„Em Speer tropfts uf de Chopf“: Die Eiszapfen begannen mit der Sonneneinstrahlung am Nachmittag bereits wieder zu schmelzen, wie hier oberhalb Rietbad.
Bild: M. Kägi

Der restliche Verlauf des Tages ist schnell erzählt: Die Hochnebelfelder lösten sich bis zum frühen Nachmittag in den meisten Regionen auf. Und so gestaltete sich der Tag fast uneingeschränkt sonnig. Damit stieg das Thermometer im Mittelland meist wieder über den Gefrierpunkt, mit 1 bis 4 Grad jedoch relativ knapp. Im Süden war es mit rund 7 Grad etwas wärmer. Am Napf machte die Temperatur keine grossen Sprünge, das Maximum lag bei -5.5 Grad. In Andermatt war der Tagesgang schon etwas grösser, das Maximum erreichte hier -11.9 Grad. Auf der Glattalp blieb es ganztags recht kalt bei Temperaturen am Nachmittag um -26 Grad.

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Kommentare (6)

  1. Andreas, 13.12.2018, 13:55

    Die heutige Bloggerin weiss, was gut ist :)

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  2. Hans Wiesendanger, 12.12.2018, 18:19

    Ou hoppla, da habe ich doch gestern geschrieben, dass Meteoschweiz nicht über die Glattalp berichtet, bzw. das nicht nötig habe. Da habe ich mich schwer getäuscht. Ich gehe in mich und zerknirsche mich, gelobe Besserung und befasse mich sofort intensiv mit dieser Region.

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  3. Mike (Basel), 12.12.2018, 17:59

    Dass die Nacht meistens sternenklar werden würde, hat sich abgezeichnet und wurde in der Prognose am Dienstagabend auch richtig angekündigt. Erstaunt war ich eher über die -2 °C, die es nach selbiger Prognose nur hätte geben sollen. Geworden sind es dann tatsächlich knapp - 5 °C! 3 Grad daneben - ist schon ne Menge Holz.
    Wie kam es zu dieser Fehleinschätzung?

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    1. Thomas, 13.12.2018, 08:27

      möglicherweise konnte sich wegen aufkommender Biese kein Kaltluftsee bilden, da kommen schon mal einige Grade Unterschied zusammen.

    2. MeteoSchweiz, 13.12.2018, 09:35

      Der Temperaturverlauf an der Station Basel-Binningen zeigt, dass sich die Luft bis ca 7:30 LT gegen -3 Grad abkühlte, dazu wehte ein schwacher Ostwind (1-3 kt), das Ausfliessen des Kaltluftsees aus dem Fricktal. Nach 7:30 hat der Wind auf südwestliche Richtung gedreht. Daraufhin ist die Temperatur kurzzeitig bis auf ein Minimum von -4.9 Grad gesunken, bevor sie dann mit der Sonneneinstrahlung wieder anstieg. Sie sehen, kleine Änderungen im Wind können bereits zu Temperaturschwankungen von ein paar Grad führen.

    3. Walter Baumann, 14.12.2018, 13:04

      Vielleicht hat jemand im “Treibhaus Erde”ein Dachfenster vergessen zu schliessen.