Die sibirische Kälte hat Platz genommen

26. Februar 2018, 14 Kommentare
Themen: Wetter

Zwar war es bereits in den vergangenen Tagen ungemütlich kalt, aber der Montag setzte noch einen drauf. Wegen der kräftigen Bise musste man sich nicht nur warm, sondern auch winddicht anziehen. Dafür gab es vor allem in Gewässernähe auch ein paar schöne Eisskulpturen zu bewundern.

Auf den ersten Blick nur wenig Veränderung in der Wetterlage

Im Vergleich zum Vortag hat sich an den grossräumigen Bodendruckverhältnissen über Europa nur wenig verändert. Nach wie vor bestimmte einerseits ein mit 1050 Hektopascal sehr kräftiges Hoch mit Schwerpunkt über Nordskandinavien das Wetter über Nord- und Mitteleuropa. Über Südeuropa andererseits beeinflusste ein flaches, sich weiter auffüllendes Tiefdruckgebiet mit mehreren Zentren im Mittelmeerraum das Wettergeschehen. Diese sogenannte „High-over-Low“-Konstellation (hoher Luftdruck im Norden und tiefer Druck im Süden) konnte sich tagsüber sogar noch etwas verstärken.

In der Höhe hingegen gab es gegenüber dem Vortag doch eine spürbare Veränderung. Dort hat sich in der Nacht von Nordosten her ein Kaltlufttrog zum Alpenraum vorgeschoben. Dabei spaltete sich über der nördlichen Adria ein eigenständiges Höhentief ab, das sich allmählich weiter Richtung Südwesten verlagerte.

Kaltluft aus Nordsibirien

Die Zufuhr kontinentaler Polarluft von Osten her dauerte heute somit an. Insbesondere in der Höhe floss nochmals deutlich kältere Luft aus Nordsibirien zu uns. Dies zeigt sich beispielsweise am Temperaturrückgang der Station Säntis. Dort sanken die Temperaturen von -1 Grad am Samstagmittag sukzessive bis am Montag auf -23 Grad ab. Mit einem mässigen bis starken Nordostwind fühlte sich dies gar wie nahezu -40 Grad an.

Im Flachland hingegen war der Rückgang etwas weniger markant. In Güttingen am Bodensee zum Beispiel wurde am Samstagnachmittag noch +1 verzeichnet, am Sonntag betrug der Höchstwert noch -3.5 Grad, am Montag nur noch -7.7 Grad.

Tiefe Höchsttemperaturen

In den meisten Gebieten der Schweiz gab es am Montag also Dauerfrost bzw. einen Eistag zu verzeichnen, also ein Tag, an dem die Temperatur tagsüber nicht über den Gefrierpunkt steigt. Die Höchstwerte betrugen in der West- und Nordwestschweiz -3 bis -6 Grad, in den Niederungen der Zentral- und Ostschweiz -4 bis -8 Grad. Lediglich im Zentralwallis sowie in der Südschweiz wurden am Nachmittag knapp positive Werte erreicht. In den Hochalpen machten die Temperaturen keine grossen Sprünge und verharrten auch tagsüber unter -20 Grad.

In der Nacht fielen die Temperaturen im Mittelland trotz Bise und gebietsweise Hochnebelfeldern verbreitet auf -8 bis -11 Grad. In der bedeckten Genferseeregion sowie im Wallis, das ebenfalls mit Hochnebel geflutet war, gab es weniger kalte -5 bis -7 Grad.  Auch auf der Alpensüdseite lagen die Minima unter Null Grad, allerdings „nur“ bei -2 bis -6 Grad. Am kältesten war die Nacht in Buffalora am Ofenpass mit -28.9 Grad. Aber auch auf dem Jungfraujoch und dem Piz Corvatsch war es nicht viel wärmer mit rund -27 Grad. Schlottern konnte man indes auch auf weiteren Alpengipfeln, so z.B. auf dem Eggishorn, dem Titlis, dem Säntis, dem Weissfluhjoch oder dem Piz Martegnas mit -22 bis -26 Grad.    

Bisherige Bilanz der Eistage

Normalerweise sollte es im Februar im Mittelland je nach Region 2 bis 6 Eistage geben. Seit vergangenem Mittwoch konnten im Mittelland nun schon verbreitet 5 Eistage registriert werden. Und es kommen – mit dem heutigen Tag – noch 3 bis 4 Tage hinzu. So sollte mindestens im letzten Wintermonat die Bilanz der Eistage doch noch ansprechend ausfallen. Über den ganzen meteorologischen Winter gesehen (1. Dezember bis 28. bzw. 29. Februar) können jedoch die Eistage im Februar die unterdurchschnittlichen Werte von anfangs Winter kaum mehr wettmachen. Im Dezember wurden nämlich im Mittelland lediglich gebietsweise einzelne Eistage registriert (0 bis 3), und auch die lagen nur knapp unter der Null-Grad-Marke. Dies im Gegensatz zur langjährigen Norm (1981 bis 2010) mit 2 bis 7 Eistagen.

Der zu milde Januar fiel sogar noch schlechter aus mit lediglich einem Eistag im zentralen Mittelland. Für den Januar üblich wären eigentlich 4 bis 9 Tage mit Höchsttemperaturen unter Null Grad.

Die aktuelle Kältewelle dürfte bereits ab Wochenmitte allmählich abflauen. Deren Dauer ist zwar nicht aussergewöhnlich, aber für Ende Februar ist es im langjährigen Vergleich doch eine bemerkenswert markante Kältephase. Ein Blick auf die letzten massiven Kältewellen im 2012, 1987 und 1986 zeigt allerdings auch, dass im Februar z.B. deutlich tiefere Tagesminimumtemperaturen möglich sind.

Kräftige Bise und Windchill

Aufgrund des nach wie vor kräftig ausgeprägten Druckgradienten über Mitteleuropa wehte am Montag weiterhin ein lebhafter Nordostwind. In Kamm- und Gipfellagen der Voralpen und Alpen sowie im westlichen Mittelland gab es stürmische Böen mit Spitzen von 60 bis 90 km/h, die höchsten Werte wurden in der Westschweiz auf dem La Dôle sowie auf Les Diablerets mit knapp über 100 km/h gemessen. Im zentralen und östlichen Mittelland war die Bise mit Böen von 40 bis 60 km/h ebenfalls gut zu spüren. 

Infolge des kräftigen Windes war die gefühlte oder effektive Empfindungstemperatur allerdings noch um einiges tiefer als die gemessene Temperatur. Der sogenannte Windchill-Index gibt diejenige Temperatur wider, welche wegen des Wärmeentzugs an der Hautoberfläche bei einer bestimmten Lufttemperatur und Windgeschwindigkeit entsteht. 

Hochnebel, Quellwolken und Sonne

Neben Kälte und Wind machte sich am Montag auch der Hochnebel wieder bemerkbar. Allerdings war die feuchte Schicht weniger mächtig als am Vortag und insbesondere im Flachland weniger verbreitet. Mit der Labilisierung, die mit dem Höhentief einherging, bildeten sich im Tagesverlauf flache Quellwolken daraus, die sich vor allem gegen Osten hin auch wieder ausbreiteten. In den Bisenstaugebieten an den Voralpen und auch in den Alpentälern hingegen war der Hochnebel recht ausgedehnt mit einer recht unterschiedlichen Obergrenze zwischen 1900 und 2300 Metern. Während er sich im Wallis im Tagesverlauf überall auflöste, blieb er vor allem den zentralen und östlichen Alpen entlang recht zäh liegen. Gebietsweise fielen auch ein paar Schneeflocken daraus, insbesondere am Nachmittag im Zürcher Oberland. Die Intensität war aber sehr gering und wegen der Bise wurden die Flocken meist verblasen. Am längsten konnte man die Sonne in der Genferseeregion, in der Nordschweiz, in den Hochalpen sowie im Nord- und zum Teil auch im Mitteltessin geniessen. Vor allem im Südtessin reduzierten Wolkenfelder die Sonnenscheindauer.

Eisige Naturschönheiten

Kommentare (14)

  1. Randolf, 27.02.2018, 17:56

    Wertes MeteoSwiss Team! Wäre es eine Idee, wenn Sie bei den Blogs den Namen der Verfasser hinzufügen? Dann wären diese tollen Blogs für mich noch einen Tick authentischer....!

    1. MeteoSchweiz, 02.03.2018, 22:30

      Danke für die Frage. Tatsächlich diskutieren die Bloggerinnen und Blogger diese Frage immer wieder. Zu beiden Möglichkeiten (mit Namen / ohne Namen) gibt es Vor- und Nachteile. Bis jetzt hat sich MeteoSchweiz immer für die Variante "ohne Namen" entschieden. Im Sinne "wir bloggen im Namen von MeteoSchweiz". Aber die Frage wird auch künftig wieder gestellt, versprochen.

  2. chris, 27.02.2018, 14:20

    Danke für die schönen Bilder.
    wenigstens einmal winterlich kalt, bevor dann der Frühling kommt.
    Zum Glück nicht später, wegen den Knospenaustrieben.
    Gerade richtig für die Skiferien von einigen Kantonen.
    Für den Garten heisst das auch Winterschlaf für die Regenwürmer. Auch weniger Schnecken im Frühjahr, wo keine Schneedecke liegt. Da deren Eier und Schnecken, die schon wieder aktiv waren jetzt erfrieren können.
    Danke für den ausführlichen Bericht.
    Freue mich auf den Schnee der mindestens kurz liegenbleibt.
    aus Zürich

  3. Patricia Ertl, 27.02.2018, 13:30

    Ich geniesse es, dass es endlich für ein paar Tage so richtig kalt wird, so wie früher einmal... Wobei ja alles relativ bleibt: vor Jahren erlebte ich einen Winter in Canada, da waren Temperaturen bis minus 40° durchaus normal, und wenn es wieder gegen minus 10° anstieg, sagten die Leute bereits, es werde warm!

  4. Andrea Riva, 27.02.2018, 00:14

    Schöner Beitrag, aber wer liest das? ☺️

    1. Niklaus Wiget, 27.02.2018, 10:32

      Sie lesen das, ich auch - und zahlreiche andere Leute, welche diese Website besuchen. Manche vielleicht nur wegen der schönen Photographien, andere auch wegen der in verständlicher Sprache geschilderten Wetterphänomene.

    2. Ulrich Toggenburger, 27.02.2018, 10:48

      Ich lese fast jeden Tag den Kommentar...

    3. Christoph, 27.02.2018, 11:45

      Ich.

    4. Martina, 27.02.2018, 13:54

      mehr als man erwarten würde!
      Bei Leserbriefen geht man davon aus, dass sich von 1000 Lesern eine/r aufrafft, etwas dazuzuschreiben. Umgelegt auf die Kommentare hier, wären das ein paar tausend Leser.
      Aber - zugegeben - ein Kommentar ist schneller getippt als ein Leserbrief. Daher liegt hier vielleicht ein Faktor von 100 statt 1000 vor.
      Meteosschweiz kann sicher das Rätsel über die Zugriffszahlen lösen, oder?

    5. Randolf, 27.02.2018, 17:53

      Ich auch😁, und diese Blogs geben für einmal 'einfach nur' interessante Einblicke in die Meteorologie. Wissen verständlich vermittelt! Vielen Dank an das ganze MeteoSwiss Team👍👌

    6. Murt Kayer, 27.02.2018, 18:21

      Zum Beispiel auch ich. Weil: Gut lesbar, sehr interessant und wichtig für mich: Wird die Heizung für mein Kakteenhaus die Kältewelle ebenso leicht überstehen wie so manche Hitzewelle?😉

    7. Wolfgang, 27.02.2018, 18:58

      Ich, weil es interessant ist. 👍🏻

    8. Chrstian Casutt, 28.02.2018, 07:52

      Ich lese diese Sparte regelmässig. Danke SMA!

  5. N. Brunner, 26.02.2018, 23:16

    In der Glattalp erreichte heute die Minimumtemperatur -31.5 Grad Celsius.... Also kälter als in Buffalora...