Immer mehr Wärmerekorde

13. Februar 2018, 22 Kommentare
Themen: Klima

Der Klimawandel spiegelt sich in den monatlichen Temperaturrekorden in der Schweiz. Zehn von zwölf Wärmerekorden fallen auf die Jahre 1990 und später ‒ der letzte fiel soeben im Januar 2018. Zudem ist die Anzahl Monate, die zu den zehn Wärmsten zählten, in den letzten Jahrzehnten massiv gestiegen. Alle Kälterekorde liegen viele Jahrzehnte zurück ‒ der letzte wurde im Februar 1956 registriert. Seit August 2006 gab es keinen Monat mehr, der zu den zehn Kältesten gehörte.

Thermometer
Quelle: https://pixabay.com

Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz misst seit 1864 die Temperaturen an Stationen schweizweit. Diese Messungen zeigen: In der Schweiz wird es immer wärmer, und zwar um rund 2°C im Jahresmittel. Damit verbunden haben im Verlauf der Zeit die Wärmerekorde stark zu- und die Kälterekorde stark abgenommen. In diesem Beitrag betrachten wir die monatlichen Wärme- und Kälterekorde und die zehn wärmsten und kältesten Werte (Top 10) pro Monat für den Zeitraum von 1864 bis heute etwas genauer. Wir verwenden dazu das von MeteoSchweiz berechnete und frei verfügbare Schweizer Temperaturmittel.

Wärmerekorde vorwiegend seit 1990

Abbildung 1 zeigt die monatlichen Temperaturverläufe seit 1864. Die Temperatur ist in allen Monaten angestiegen, je nach Monat zwischen 1.1°C im Februar und 2.9°C im Oktober. Wie bei einer fortschreitenden Erwärmung erwartet, werden die meisten Wärmerekorde gegen Ende der Zeitspanne registriert. In zehn von zwölf Monaten wurde der höchste Wert im Jahr 1990 oder später gemessen (grosse rote Punkte), der letzte gerade eben im Januar 2018. Nur im September (1961) und Mai (1868) liegen die Wärmerekorde weiter zurück.

Letzter Kälterekord im Februar 1956

Ganz anders sieht die Sache für die Kälterekorde (vgl. grosse blaue Punkte) aus. Alle liegen weit in der Vergangenheit. In den Monaten April bis Oktober treten die Rekorde zwischen 1902 und 1923 auf, im November, Dezember und März vor dem Jahr 1900. Die letzten zwei Kälterekorde wurden im Januar 1945 und Februar 1956 registriert. Interessanterweise war der letzte Kälterekord im Februar 1956 auch mit Abstand der kälteste Monat in der Schweiz seit Beginn der systematischen Messungen 1864.

Immer mehr warme Top 10 Monate

Eindrücklich ist die Entwicklung der Anzahl Fälle, die zu den zehn wärmsten und kältesten Werten pro Monat gehören, also der rekordnahen oder «Top 10» Monate. Diese je 120 Top 10 Monate jeweils für warm und kalt sind in Abbildung 1 mit grossen (Rekorde) und kleinen (Rang 2-10) roten und blauen Punkten dargestellt. Von Auge ist gut erkennbar, dass in den letzten 20 bis 30 Jahren fast nur noch warme Top 10 Monate (rote Punkte) aufgetreten sind.

Um dies noch deutlicher zu machen zeigt Abbildung 2 (siehe unten) die Entwicklung der Anzahl warmer und kalter Top 10 Monate pro Jahrzehnt seit den 1860er Jahren. Sie bestätigt, dass die Anzahl warmer Top 10 Monate in den letzten vier Jahrzehnten markant angestiegen ist. Während in den 1960er mit fünf und 1970er Jahren mit zwei nur sehr vereinzelt warme Top 10 Monate registriert wurden, waren es zwischen 2001 und 2010 mit 26 und zwischen 2011 und Januar 2018 mit schon 22 Monaten sehr viel mehr. Somit sind in den letzten gut sieben Jahren umgerechnet bereits gut drei Top 10 Monate pro Jahr aufgezeichnet worden. In einem sich nicht verändernden Klima mit zufällig über die Zeit verteilten warmen und kalten Monaten würden etwa 0.65 Top 10 Monate pro Jahr erwartet.

Ganz anders die Entwicklung der Anzahl kalter Top 10 Monate. Bis in die 1910er Jahre schafften es 9 bis 17 Monate pro Jahrzehnt in die kalte Top 10. Die grösste Anzahl wurde mit 17 Monaten beziehungsweise 1.7 Monaten pro Jahr in den 1910er Jahren registriert. Danach sinkt die Anzahl deutlich ab. Seit bald zwölf Jahren, nämlich seit August 2006, gab es keinen einzigen Monat mehr, der es in die kalte Top 10 schaffte.

Kommentare (22)

  1. H. Brugger, 22.02.2018, 15:25

    Danke für Ihre Antwort vom 19.2.18 um 9.28 Uhr. Leider funktioniert der deutschsprachige Link devtde.meteoswiss.ch ..... nicht (Server-IP-Adresse wurde nicht gefunden).

    1. MeteoSchweiz, 22.02.2018, 16:24

      Entschuldigung, dass der Link nicht richtig war.
      Hier funktioniert es:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/mess-und-prognosesysteme/bodenstationen/automatisches-messnetz.html

  2. Urs Dupont, 20.02.2018, 17:56

    Wenn sich seit Jahrhunderten das Klima tendenziell erwärmt, ist es doch nur logisch, dass es immer wieder neue Temperaturrekorde gibt. überraschender ist es, wenn es gleichzeitig auch neue Minusrekorde gibt!

  3. Bruno Huber, 19.02.2018, 08:33

    Als nur sehr gelegentlicher Leser habe ich den Link zu den Kommentaren zum ersten Mal benutzt. Es geht mir gleich wie Herrn Siegrist, der den vorgehenden Kommentar vermisste. War nun letztes Jahr gar nicht der kälteste Januar seit 30 Jahren? Haben damals die Zeitungen und ich meine es auch bei Meteoschweiz gelesen zu haben, falsche Nachrichten verbreitet? Oder hat man den letztjährigen Januar bereits wieder vergessen, weil er nicht in den Trend passt?

    1. MeteoSchweiz, 19.02.2018, 12:47

      Der Januar 2017 war auf der Alpennordseite unterhalb von 1000 m der kälteste seit 30 Jahren. Das ist im Klimabulletin der MeteoSchweiz vom Januar 2017 so festgehalten. Im landesweiten Mittel war der Januar 2010 ebenso kalt. Dann muss man aber auch beim landesweiten Mittel bis 1987 zurückgehen, um einen noch kälteren Januar zu finden. Vor 1987 gab es jedoch über 30 Januarmonate, die im landesweiten Mittel kälter waren als der Januar 2017. So gehört der Januar 2017 nicht zu den 10 kältesten Januarmonaten. Im Beitrag oben werden jedoch nur die 10 kältesten und die 10 wärmsten Monatswerte betrachtet.

      Klimabulletin Januar 2017:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/content/dam/meteoswiss/de/service-und-publikationen/Publikationen/doc/klimabulletin_Januar_2017_korr.pdf

  4. Sandra S., 19.02.2018, 01:13

    Da bin ich aber Froh dass es vor der nächsten Eiszeit noch ein bisschen Wärmer wird. Erstaunlich dass die Klimamärchenonkel kein Blick fürs Ganze haben...

    1. Baur, 20.02.2018, 16:38

      Da irrst Du gründlich. Einzelne zu kalte Monate kann es immer noch geben, aber die globale Erwärmung ist statistisch bewiesen. Wann gefror der Zürichsee zum letzten Mal völlig zu? 1962/63, eben! Und das erleben wir nie mehr!

    2. Urs Dupont, 21.02.2018, 15:41

      Man sollte nie nie sagen. Auch das Klima kann wieder kippen, wie es immer wieder vorkam!!!

  5. H. Brugger, 18.02.2018, 18:35

    Meine Frage ans Meteoschweiz-Team: Ich bin ein interessierter Laie und möchte wissen, ob es (inter)nationale Vorschriften oder zumindest Empfehlungen zu Messstandorten und Messmethoden gibt. Ich vermute, dass dies zutrifft. Müssen gewisse Abstände zu Siedlungen eingehalten werden? Wie müssen die Messinstrumente beschaffen sein?
    Vielen Dank für Ihre Antwort.

    1. MeteoSchweiz, 19.02.2018, 09:28

      Die Kommission für Instrumente und Messmethoden (CIMO) der Weltmeteorologischen Organisation (WMO) beschäftigt sich mit genau diesen Fragen und publiziert ihre Vorgaben im sogenannten "CIMO Guide"
      (http://www.wmo.int/pages/prog/www/IMOP/CIMO-Guide.html ).
      Die im CIMO Guide publizierten Vorgaben sollten von allen nationalen Wetterdiensten auf der ganzen Welt eingehalten werden. Zur Überprüfung, ob diese Vorgaben bei Automatischen Wetterstationen eingehalten sind, hat MeteoSchweiz ein Qualitätsprüfungsverfahrens namens "METEO-Cert" entwickelt. In der WMO-Publikation zu METEO-Cert ist im Detail aufgeführt, welche Vorgaben bezüglich Standort und Messmethoden eine Messstation erfüllen muss, um den Anforderungen der WMO zu genügen: https://library.wmo.int/opac/index.php?lvl=notice_display&id=19954

      Weitere Informationen zum Zertifizierung von Messstationen:
      http://wwwdevtde.meteoswiss.ch/home/mess-und-prognosesysteme/bodenstationen/automatisches-messnetz/zertifizierung-von-messstationen.html

  6. werner, 18.02.2018, 09:26

    Jetzt bin ich etwas verwirrt, hiess es doch letztes Jahr bei SRF Meteo-News

    Kältester Januar seit 30 Jahren
    Seit zehn Tagen bleibt die Temperatur unter null, auf dem Bodensee schwimmen Eisschollen und selbst die Skilifte im Mittelland laufen auf Hochtouren. Seit 30 Jahren war der Januar nie mehr so kalt.
    Autor: Christoph Siegrist
    24.01.2017

    Wo ist denn dieser kalte Top Monat seit 30 Jahren sichtbar? Hab ich die Grafik falsch verstanden?

    1. Lukas, 18.02.2018, 11:19

      Doch, da ist er. Der zweitletzte punkt der januarkurve ist tatsächlich sehr niedrig. Der nächstniedrigere liegt tatsächlich 30 jahre zurück. Für die top10 der kältesten januare seit messbeginn reichts aber halt trotzdem nicht. Darum kein blaues pünktchen.

    2. Alfons Götter, 18.02.2018, 12:35

      in den 80 er Jahren hiess es auch der Wald geht kaputt. man kann nicht alles glauben was die Medien erzählen. 2012 hatten wir auch im Februar -20 Grad.
      jedes Jahr erzählen die Medien etwas anderes.

  7. Katharina von Gonda, 16.02.2018, 08:45

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Die Erwärmung um 2 Grad im Jahresmittel, die wir jetzt schon beobachten, ist für die Schweiz in dem Fall in keiner Weise mit den globalen Klimazielen von 2 Grad zu vereinbaren. Der Trend, wie Sie ihn aufgezeigt haben, wird sich ja wohl kaum plötzlich umkehren... Werden solche Ergebnisse effektiv und eindringlich den Entscheidungsträgern (Politik) weitergegeben?

    1. MeteoSchweiz, 19.02.2018, 12:44

      Das 2°C-Ziel ist in der Tat ein globales Ziel und bezieht sich auf die globale Durchschnittstemperatur gegenüber vor-industrieller Zeit. Da sich die Ozeane tendenziell weniger stark erwärmen als die Landoberflächen, muss man damit rechnen, dass sich die Landmassen – und damit auch die Schweiz – um mehr als 2°C erwärmen, wenn die globale Erwärmung 2°C beträgt. Die Klimaszenarien für die Schweiz werden von MeteoSchweiz erstellt, in Zusammenarbeit mit der ETH Zürich und der Universität Bern. Das National Centre for Climate Services NCCS, zu dem auch die MeteoSchweiz gehört, stellt die Szenarien den Entscheidungsträgern in Verwaltung, Politik und Wirtschaft zur Verfügung.

  8. Philip Klingler, 16.02.2018, 07:51

    Sehr guter Artikel! Ein Punkt wird meiner Meinung nach bei diesem und vorherigen Klimaartikeln zu wenig beleuchtet: wie wirkte sich die Entwicklung der Feinstaub-Werte aufs lokale Schweizer Klima aus? Könnte es sein das die Emissionen der Schwerindustrie zwischen 1930 und 1970 den Klimawandel gebremst hat und dieser seit den stärkeren Vorschriften zur Luftreinhaltung seit den 80er Jahren stärker in Erscheinung tritt? Würde evtl. die stärkere Abweichung zum globalen Trend erklären...

    1. MeteoSchweiz, 16.02.2018, 15:16

      Die Luftqualität hatte tatsächlich einen Einfluss auf die Temperaturentwicklung der Vergangenheit. Eine gute Diskussion dieses Einflusses auf grossskaliger Ebene gibt es hier: https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-trotz-steigender-co2-emissionen-kuehlte-sich-die-erde-von-1945-bis-1975-ab.

      Die genaue Quantifizierung des Effekts im Vergleich zu anderen Einflüssen ist auf der Ebene Schweiz allerdings nicht ganz trivial und noch Gegenstand der aktuellen Forschung.

  9. Nick Wildi, 14.02.2018, 22:31

    Sehr gut aufbereiteter Artikel inklusive Grafik. Der Ansatz, die Top Ten zu verwenden anstelle von Einzelrekorden, ist viel aussagekräftiger um längerfristige Trends zu erkennen. Leider sehen die Prognosen düster aus.

    1. Gerri, 15.02.2018, 20:01

      Ganz ruhig, wir werden das überleben.

  10. M. Keller, Zürich, 14.02.2018, 08:00

    Sehr eindrücklich und informativ! Ihr Blog ist wirklich immer sehr gut und abwechslungsreich gemacht, ich schätze ihn als Wetter–Laie sehr.

  11. Thomas, 13.02.2018, 21:44

    Sieht der Erwärmungstrend in den Abbildung 1 relativ ähnlich aus, wenn man nur die 30-Jahresperiode 1981-2010 betrachtet? Oder zeigen dann ganz andere Monate den stärksten Erwärmungstrend?
    Ich glaube, dass sich die Herbstmonate (insbesondere September, Oktober) sich in dieser Zeit nur noch relativ schwach erwärmt haben, obwohl interessanterweise der Oktober von 1864-2017 die stärkste Erwärmung aller Monate zeigt.

    1. MeteoSchweiz, 15.02.2018, 09:39

      Bei kürzeren Perioden sind die Trendwerte tatsächlich anders. Für die letzten gut 50 Jahre sind die Trends im Frühling und Sommer am grössten und die Herbstmonate weisen eher kleine Erwärmungen auf (speziell der September). Wichtig dabei: Je kürzer der betrachtete Zeitraum, je grösser ist der Einfluss von natürlichen Schwankungen (wie z.B. zufälligen Abfolgen von Wetterlagen) auf die Trendwerte.