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Kälteste Nacht zum Schluss

28. Februar 2018, 8 Kommentare
Themen: Wetter

Die vergangene Nacht brachte dem Flachland sowie den Alpentälern die tiefsten Temperaturen des Winters. Der seit gestern in der Höhe kontinuierliche Temperaturanstieg sowie die aus Südwesten aufziehende mittelhohe Bewölkung deuteten allerdings bereits den bevorstehenden Wetterwechsel an.

Der Windmesser auf dem Hörnli gezeichnet von der vergangenen eisigkalten Hochnebelphase. Foto: Michael Kopp
Der Windmesser auf dem Hörnli gezeichnet von der vergangenen eisigkalten Hochnebelphase. Foto: Michael Kopp

Wechsel der Grosswetterlage

Nach dem sich die Grosswetterlage während den vergangenen Tagen nur wenig geändert hatte, kündigte sich heute allmählich eine Wetterumstellung an. Über Skandinavien lag zwar nach wie vor ein kräftiges Bodenhoch, dessen Kerndruck sich gegenüber gestern sogar noch leicht verstärkte und bis zu 1055 hPa erreichte, doch machte im Tagesverlauf ein Tief über dem Atlantik zunehmend auf sich aufmerksam. In der Höhe drehte der Wind auf West bis Südwest und es erreichte im Tagesverlauf aus Südwesten die mittelhohe und hohe Bewölkung einer Warmfront den Schweizer Alpenraum. Am Boden wehte im Mittelland weiterhin eine mässige Bise.

Im Flachland und in den Alpentälern kälteste Nacht

In den tieferen Lagen war die vergangene Nacht nochmals etwas kälter und es wurden die tiefsten Temperaturen des Winters gemessen. Anders als während den Nächten zuvor war die letzte Nacht praktisch überall klar, wodurch die langwellige Abstrahlung fast ungehindert wirken konnte und sich die Luft dadurch stärker abkühlte. Die vielerorts deutlich schwächere Bise sorgte ausserdem bodennah für eine geringere Durchmischung, was ebenfalls zu den tieferen Temperaturen beitrug.

Im Flachland lagen die Tiefstwerte heute Morgen meist zwischen -10 bis -14 Grad. In leicht erhöhten Lagen und in den Alpentälern war es noch etwas kälter, dort gab es zum Beispiel in Schüpfheim im Entlebuch -19.7 Grad, in Elm -19 Grad oder in Ebnat-Kappel im Toggenburg -17.5 Grad.

Am kältesten im Messnetz der MeteoSchweiz war es in Buffalora beim Ofenpass mit -30.2 Grad und in Samedan mit -29.1 Grad. An beiden Standorten sind die Temperaturen zugleich auch die tiefsten Temperaturen des zu Ende gehenden Winters. Die tiefste Temperatur des Winters wurde übrigens am 26. Februar auf dem Piz Corvatsch im Engadin mit -30.9 Grad gemessen.

Erwärmung in der Höhe

Bei den Gipfelstationen erreichte die kurze Kältephase bereits in der vorhergehenden Nacht ihren Höhepunkt. Seit Dienstagabend stieg die Temperatur in der Höhe kontinuierlich an. Der Temperaturanstieg wird durch die aus Süden sich annähernde Warmfront verursacht. Die leichtere Warmluft schiebt sich dabei allmählich über die schwerere Kaltluft, wodurch die Erwärmung zunächst vor allem in der Höhe spürbar ist.

Gegen Osten viel Sonnenschein

Auf der Alpennordseite hatte es am Morgen nur stellenweise einige Hochnebelfelder, wie im zentralen Mittelland, teils entlang des Juras oder im Thurgau und am Bodensee. In den restlichen Regionen startete der Tag klar und es gab vielerorts einen recht sonnigen Tag. In der Westschweiz, im Wallis sowie im Tessin zog aus Südwesten bereits im Laufe des Vormittags die mittelhohe Bewölkung der Warmfront auf. Um die Mittagszeit war es hier dann bereits meist bewölkt und es gab keinen Sonnenschein mehr. Die Wettersituation widerspiegelt sich auch in der heutigen Sonnenscheindauer mit einem ausgeprägten West-Ost Gefälle.

Vergrösserte Ansicht: Heutige Sonnenscheindauer in Minuten. Benachteiligt war für einmal die Westschweiz, das Wallis sowie das Tessin. Quelle: MeteoSchweiz
Heutige Sonnenscheindauer in Minuten. Benachteiligt war für einmal die Westschweiz, das Wallis sowie das Tessin. Quelle: MeteoSchweiz

Am Nachmittag erreichten die Temperaturen im Flachland Höchstwerte zwischen -1 und -3 Grad. Etwas wärmer war es auf der Alpensüdseite mit 0 bis 2 Grad und in den Alpentälern mit bis zu knapp 3 Grad (Sion 2.8 Grad). Die höheren Temperaturen in den Alpentälern sind auf den seit Nachmittag einsetzenden Föhn zurückzuführen und könnten bis Mitternacht noch ansteigen.

Wetterwechsel anhand der Sondierung von Payerne

Die sich in der Atmosphäre seit gestern abspielenden Veränderungen lassen sich anhand eines Vergleichs der Sondierungen von Payerne zwischen gestern und heute Nachmittag eindrücklich darstellen. Die Illustration ist für viele Leser und Leserinnen wahrscheinlich etwas komplex. Da die beiden Sondierungen die ablaufenden Veränderungen in der Atmosphäre jedoch am besten aufzeigen, wird die Grafik dennoch gezeigt.

In der nachfolgenden Grafik ist der Ballonsondenaufstieg von gestern Nachmittag schwarz dargestellt und der heutige grün. Die durchgezogenen Linien zeigen die Temperaturkurven, die gestrichelten die Taupunktskurven. Gegenüber gestern fand in der gesamten Troposphäre eine Erwärmung statt (rot eingefärbte Fläche), am Boden war diesbezüglich allerdings noch praktisch nichts spürbar. Zugleich erfolgte vor allem in der Höhe eine Anfeuchtung der Atmosphäre (grüne Fläche), die mit der aufziehenden Warmfrontbewölkung zusammenhängt. Der Wind drehte gegenüber gestern in der Höhe auf West bis Südwest und die Windgeschwindigkeit nahm deutlich zu, einzig am Boden blieb die Bise erhalten.

Kommentare (8)

  1. Kaiserin der Galaxie, 01.03.2018, 14:30

    Cirrus uncinus, würde auf Homomutatus tippen.

  2. David Huber, 01.03.2018, 06:25

    Mir ist aufgefallen, dass Bivio den "Kältepeak" schon am Dienstagabend hatte. Weswegen gab es an dieser Station keine klassische langwellige Abstrahlung wie im Bericht beschrieben? Atmosphärisch waren die Bedingungen wohl gegeben; aber auch Buffalora erfuhr ja im selben Zeitraum nur noch einen 2-Grad- Temperaturrückgang. Heisst das, die Warmfront machte sich dennoch auch schon zögerlich in hoch gelegenen Bergtälern bemerkbar?

    1. MeteoSchweiz, 01.03.2018, 17:00

      Grund für die nächtliche Erwärmung war nicht die Warmfront, sondern der Wind, der ab ca. Mitternacht verstärkt wehte. Dieser Wind wurde wahrscheinlich durch den zunehmenden Druckunterschied zwischen Alpennord- und Alpensüdseite induziert (aufkommender Föhn).

  3. Domi93, 01.03.2018, 06:19

    Meine private Wetterstation hat gestern morgen -13.6°C gemessen, das sind 0.5 kälter als letzen Winter.

    Die Messung wird in einem Strahlungsschutz dirchgeführt, der möglichst gut nach den Normen aufgestellt wurde.

  4. Fabienne Muriset, 28.02.2018, 22:03

    Das erste Bild reizt mich zu der mich schon lange bewegenden Frage, wann man gedenkt, auf dem hochnebel- und somit auch reifanfälligen Hörnli ein Ultraschall-Anemometer zu installieren. Die ständigen Ausfälle bzw. Fehlmessungen der Messanlage dort oben sind bestimmt nicht nur mir aufgefallen. Da ist manche, weniger exponierte Mittellandstation besser ausgerüstet. In Mühleberg stehen sogar zwei Windmesser, nebst dem Schalen- auch ein Utraschallgerät. Letzteres wäre in diesem Graben unten einigermassen entbehrlich ;-)

    1. MeteoSchweiz, 06.03.2018, 10:19

      Bei allen Kernkraftwerken stehen zwei Windsensoren. Jeweils ein "normales" Schalenanemometer für SMN und ein Ultraschallsensor für CN-MET http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/mess-und-prognosesysteme/warn-und-prognosesysteme/meteorologie-fuer-nukleare-unfaelle.html

      Als die Station Hörnli (SwissMetNet I) gebaut wurde, standen noch keine Thies 2D zur Verfügung. Diese Sensoren gibt es erst seit SwissMetNet II.
      Es ist vorgesehen dieses Jahr die Station anzupassen und neu einen Ultraschallsensor (Thies 2D) zu installieren.

  5. Wolfgang, 28.02.2018, 18:44

    Danke für den interessanten Blog. Das war heute wirklich ein wunderschöner Wintertag. ☀️
    Viele Grüße
    Wolfgang

    1. Elke, 01.03.2018, 09:51

      Ja, ihr seid die Besten 😊