Kaltluftadvektion

25. Februar 2018, 9 Kommentare
Themen: Wetter

Mit einer kräftigen Bisenströmung floss immer kältere Luft zum Alpenraum. Auf dem Säntis sank die Temperatur im Vergleich zu gestern bereits um 15 Grad. Hochnebel und Quellwolken, Sonnenschein und Schneefall…alles war heute dabei. Wie die Verteilung heute ausgesehen hat, das lesen Sie im heutigen Blog.

Schneeflocken in Bergün, J. Fisler.
Schneeflocken in Bergün, J. Fisler.

Allgemeine Lage

Die Schweiz lag heute zwischen einem kräftigen Hoch mit Zentrum über Nordskandinavien und einem sich auffüllenden, flachen Tiefdruckgebiet mit mehreren Kernen über dem Mittelmeer. Mit einer markanten Bisenströmung gelangte sehr kalte Festlandluft zu den Alpen. In rund 5300 Metern Höhe (oder 500hPa) hat sich der Schweiz ein Tiefdruckgebiet von Nordosten her angenähert. Dieses spaltet kommende Nacht über Österreich ab und wandert Richtung Adria.

Die Kaltluftadvektion jedenfalls hat bereits gestern von Nordosten her eingesetzt und sich über die Nacht fortgesetzt. Unschwer erkennen kann man den Temperaturrückgang am Wetterverlauf der Station in Schaffhausen. Trotz Bewölkung und Bise sank die Temperatur in der Nacht sukzessive auf -8.1°C.

Die deutlich kältere Luft hatte bis am Morgen allerdings noch nicht alle Regionen erreicht. Etwas weniger kalt war es noch im westlichen Mittelland mit -2 bis -5 Grad, im Rhonetal/Rheintal und anderen Alpentälern mit 0 bis -5°C, sowie auf der Alpensüdseite mit 0 bis 3 Grad.

Die Kaltluftadvektion ist im Allgemeinen noch nicht abgeschlossen. So gehen vor allem in den Bergen die Temperaturen noch deutlich weiter zurück. Auf 2000 Metern lag die Temperatur heute Morgen noch bei „kuschelig warmen“ -8°C, am Montag und Dienstag dürfte es dann auch mal unter -20°C gehen. Vor allem bei den Bergstationen im Osten war der Temperaturrückgang jedoch schon beachtlich, auf dem Säntis war die Temperatur um 14 Uhr bereits 15°C kälter als am Vortag zur gleichen Zeit (dies trotz Sonnenschein).

Vielerorts graues Erwachen

Aufgrund der Kaltluftadvektion mit der nördlichen Strömung sowie der zunehmend zyklonalen Strömung im Höhenfeld (durch das oben angesprochene Höhentief) wurde die Hochnebelschicht angehoben und tief in die Alpentäler gedrückt. Die Obergrenze lag am Morgen im Mittelland bei rund 1500 Metern, in den Voralpen und Alpen mit Stau etwas höher bei 2000 bis 2300 Metern.

Nur oberhalb dieser Schicht gab es trotz einiger Wolkenfelder ein freundliches Erwachen, ansonsten zeigte sich dieses von der grauen Seite. Durch die Hebung der Wolkendecke gab es immerhin verbreitet ein paar weisse Farbtupfer in Form von Schneeflocken. Diese hatten allerdings eher himmel-kosmetischen Charakter, liegengeblieben ist durch die geringe Intensität kaum etwas (oder sublimierte meist wieder).  

Auch auf der Alpensüdseite kannte der Himmel nur die graue Farbpalette. Das flache Tiefdruckgebiet mit Zentrum über dem Mittelmeer steuerte mit südöstlichen Winden feuchte Luft gegen die Südseite. Im Unterschied zur Nordseite reichte die Bewölkung ein bisschen höher, die Obergrenze lag hier eher bei 3000 bis 3500 Metern. Ausserdem fiel teilweise auch noch messbarer Niederschlag mit einer Schneefallgrenze um 400 Meter.

Ein gutes Bild der Situation heute liefert ein Modellquerschnitt. Der untenstehende Querschnitt zeigt die modellierte Situation um 9 Uhr, vom Rheingraben links über die Alpen bis in die Poebene. Man erkennt die höhere Obergrenze der Bewölkung auf der Alpensüdseite, die deutlich tieferen Temperaturen in den tieferen Schichten auf der Alpennordseite.

Hochnebel und Quellwolken

Ein nicht alltägliches Bild zeigte die Kamera heute Morgen auf dem Gemmipass in Richtung südliche Walliser Alpen. Das Rhonetal ist einerseits komplett mit dem kompakten Hochnebel geflutet, ein winterliches Bild. Betrachtet man nur das Wolkenbild weiter oben, könnte man sich aufgrund der Quellbewölkung auch im Sommer wähnen. Die Quellwolken entstanden wegen einer labilen Schichtung der Atmosphäre oberhalb der Inversion, sowie dem Durchgang einer Trogachse, was Hebung bedeutete.

Am Nachmittag teilweise Hochnebelauflockerung

Von Norden her lockerte sich der Hochnebel zunehmend auf. So gab es in der Nordwestschweiz, am Nordrand der Schweiz sowie in Teilen des übrigen Mittellandes einen Übergang zu sonnigem Wetter. Weiter trüb blieb es entlang der Voralpen und meist auch in den Alpentälern. Die Summe der Sonnenscheinminuten zeigt erwartungsgemäss ein Maximum auf den Bergstationen. Ebenfalls viel Sonnenschein erhielten die Gebiete am Nordrand der Schweiz. Keine Sonnenstrahlen gab es für die Gebiete entlang der Voralpen, teilweise in den Alpentälern sowie auf der Alpensüdseite.

Auf der Alpensüdseite etwas Neuschnee

Mit dem Durchgang der Trogachse entstand vor allem im Mittel- und Südtessin ein Niederschlagsgebiet, welches der Sonnenstube stellenweise ein paar Zentimeter Neuschnee brachte. Die Niederschlagsmengen lagen bei 0.5 bis 3mm. 

Kommentare (9)

  1. Schneider Hansjörg, 26.02.2018, 16:25

    In Macagno (I) hatte es gestern ein paar cm geschneit. Im ca.18km entfernten Vira (CH) aber überhaut nichts. Wie ist dieser kleinräumige,unterschiedliche Wettercharakter zu deuten?

    1. MeteoSchweiz, 28.02.2018, 10:24

      Die Niederschläge kamen von S bis SSE her. Es ist dem Leeeffekt geschuldet, dass Vira im Schutze der Monte Lema - Tamaro-Kette keinen Schneefall bekam, während Maccagno in der Zugbahn der Niederschläge lag. Maccagno liegt auf einer "Landnase" des Lago Maggiore.

  2. Chorsängerin, 26.02.2018, 12:27

    Danke für den ausführlichen Blog. Wie kalt war es am Gräppelensee?

    1. MeteoSchweiz, 26.02.2018, 13:17

      Obwohl MeteoSchweiz auf der Alp Hintergräppelen keine offizielle Station betreibt, wir können Ihnen bestätigen, dass dank einer grösseren Lücke im Hochnebel die Temperatur in der Senke auf der Alp Hintergräppelen bis auf -27.1 °C um 03:10 abgesunken ist.
      Diese Lücke hat sich anschliessend wieder geschlossen, und die Temperatur stieg durch die höhere Gegenstrahlung wieder an. Aktuelle Werte gibt es unter

      https://kaltluftseen.ch/daten-von-kaltluftseen/hintergraeppelen/hintergraeppelen-aktuelle-messwerte/

  3. Adrian, 26.02.2018, 08:40

    Wunderbares Wetter !!!!!!!!!!!!!

  4. M. Wyss, 25.02.2018, 21:46

    Trotz der tiefen Temperaturen erfolgt keine Reifbildung. Ich nehme an, dass dies eine Folge der Bise ist. Könnte man das Phänomen näher erläutern? In welchem Bereich liegen derzeit die Bodentemperaturen?

    1. MeteoSchweiz, 26.02.2018, 10:15

      Entscheidend für die Reifbildung ist die Temperatur einer Oberfläche sowie der Taupunkt der Umgebungsluft. Der Taupunkt gibt die Temperatur an, bei welcher die Luft gesättigt ist / die relative Luftfeuchtigkeit 100% ist. Wenn die Temperatur einer Oberfläche negativ und tiefer ist als der Taupunkt der Umgebungsluft, dann beginnt sich Reif zu bilden. Aktuell liegt der Taupunkt im Mittelland bei rund -15°C oder tiefer, die 5cm Temperaturen bei rund -10°C. Optimale Bedingungen für Reif sind im Flachland Strahlungsnächte, wo es bodennah windstill ist und keine Bewölkung die Abstrahlung reduziert. Schuld ist – wie Sie sagen - also hauptsächlich die Bise (Durchmischung -> trockene Grundschicht/sehr tiefe Taupunkte und weniger starke Abkühlung der Bodenoberfläche).

  5. Andrej, 25.02.2018, 19:13

    Wie immer, toller Beitrag, danke.
    Endlich kommt dieses Jahr mal etwas Winterstimmung auf.

    1. Adrian, 25.02.2018, 23:38

      Winterstimmung?! Die kommt bei nur eher bei Schnee (mind. 15-20cm) als nur bei Kälte auf. Diesen Winter leider noch nicht richtig...