Rekordverdächtiger "Märzschnee" in Genf

3. März 2018, 13 Kommentare
Themen: Wetter

In den westlichen Landesteilen liegt für die Jahreszeit aussergewöhnlich viel Schnee. Die Schneestatistik der letzten knapp 60 Jahre zeigt, dass z.B. in Genf im März die Gesamtschneemenge noch nie höher lag, als dies heute Morgen der Fall war. Der Winter hat uns zur Zeit also noch voll im Griff! In der kommenden Woche dürfte aber mit einer kontinuierlichen Erwärmung gerechnet werden.

Schnappschuss der Neuschneemengen auf der Terasse der WMO in Genf - Arbeitsort unserer Genfer Arbeitskollegen. Foto: L. Fontannaz
Schnappschuss der Neuschneemengen auf der Terasse der WMO in Genf - Arbeitsort unserer Genfer Arbeitskollegen. Foto: L. Fontannaz

Tiefdruckzone hat uns im Griff

Ein umfangreiches Tiefdruckgebiet mit Zentrum über dem nahen Atlantik bestimmt momentan das Wettergeschehen im Alpenraum. Dabei steuert es in rascher Abfolge immer wieder Fronten über unser Land hinweg.

Grundsätzlich sind aber die östlichen Landesteilen mit einer schwachen Föhntendenz stets leicht wetterbegünstig. So konnte insbesondere in den Morgenstunden in den östlichen Landesteilen erneut 2 bis 4 Sonnenstunden registriert werden. Über dem Flachland lag aber verbreitet eine zähe Nebel- bzw. Hochnebeldecke mit einer Obergrenze bei rund 700 Metern.

Die westlichen Landesteile wurden bereits in den Morgenstunden von deutlich feuchterer Luft erfasst. Um die Mittagszeit sorgte dann die aus Westen herannahende Okklusion für aufkommende Niederschläge, die sich allmählich von West nach Ost über unser Land ausbreiteten. Bei Niederschlagseinsatz fiel vielerorts noch Schnee bis in die Niederungen, bevor die Schneefallgrenze allmählich gegen 1000 Meter angestiegen ist.

Tiefere Nachtminima als erwartet

Obwohl sich während der Nacht verbreitet Nebel bilden konnte, war es doch in den meisten Gebieten im Flachland vorübergehend klar. Somit konnten die Temperaturen mit guter Ausstrahlung deutlich tiefer sinken, als dies gestern noch erwartet wurde (vergleiche Abbildung 5).

Lokal wurden somit auch im Flachland nochmals eisige -10 Grad gemessen (vergleiche Abbildung 6).

Ein weiterer Faktor der zur markanten Abkühlung beigetragen hat, dürfte wohl auch die vorhandene Schneedecke gewesen sein. Da Schnee ein ausgespochen guter Isolator ist, kann die abgestrahlte Wärme nicht wie üblich aus dem Boden und der Luft entzogen werden. Somit wird die Wärme bei schneebedecktem Boden vor allem der Luft entzogen, so dass schlussendlich eine stärkere Abkühlung der bodennahen Luftschicht resultiert. Zudem ist auch die langwellige Abstrahlung einer Schneeoberfläche ein wenig grösser, so dass auch hier nochmals etwas mehr Wärme verloren geht und nochmals etwas tiefere Lufttemperaturen resultieren (vergleiche Abbildung 7).

In Genf März-Rekordschnee

Vergleicht man die langjährige Schneestatik von Genf fällt auf, dass in den letzten knapp 60 Jahren im März noch nie so viel Schnee gelegen hat, wie dies heute Morgen der Fall war (vergleiche Tabelle 1).

Im Vergleich zu anderen Flachlandstationen sind die 17 cm Neuschnee doch eher bescheiden. In Bern wurde anfangs März in derselben Zeitperiode, z.B. am 02.03.1986 schon eine Gesamtschneehöhe von 36 cm gemessen. Im Jahr  1931 (11.03.) lag in Bern sogar schon einmal eine Gesamtschneehöhe von 96 cm (vergleiche Slideshow unten).

Schneehöhenverläufe in Genf und Bern

Kommentare (13)

  1. olga, 04.03.2018, 09:03

    leider werden trottoirs und strassen in Genf ganz schlecht vom schnee befreit- es ist unglaublich trotz hohe steuern etc! ein skandal! cologny wurde ueberhaupt niergens geraumt- man musste im tiefschnee probieren zu laufen und autos die schlipfend zu vermeiden! Bravo an die behoerden...

    1. Chorsängerin, 04.03.2018, 09:43

      Na, das gehört aber wirklich nicht hierher.
      Und, wenn so ein Schneefall in Genf so selten ist, dann ist doch klar, dass die Schneeräumer nicht "bei Fuß" stehen.

  2. M. Wyss, 03.03.2018, 17:55

    Wo bleibt eigentlich die seit Tagen versprochene Erwärmung? In Bern auch heute (bis 18:00) nur unwesentlich im positiven Bereich und Niderschläge ausschliesslich als Schnee. Seit Donnerstag hat leider wirklich einiges nicht gestimmt, was allgemein vorausgesagt wurde.

    1. Max, 03.03.2018, 21:15

      Sie könnten es wohl besser was?

    2. Wolfgang, 03.03.2018, 22:03

      Dem kann ich nur beipflichten. Vor allem ist die Sonne wie üblich schon wieder weg...

    3. roli, 04.03.2018, 04:22

      Die lagen die ganze Woche daneben.
      Merke dir aber wenn solche kalte Luft komnt bleibt sie im Flachland lange liegen. DAS IST NORMAL.

    4. Martin Haller, 04.03.2018, 07:41

      Vielleicht fehlt dem Golfstrom und dem Atlantik die nötige Wärmepower um die noch vorhandene am Boden liegende Kälte wegzuwinden.
      Wenn ja, wären die vorhandenen Datenmodelle anzupassen.

    5. M. Wyss, 04.03.2018, 10:00

      Nein, natürlich kann ich‘s nicht besser und ich schätze gerade diese Dienstleistungs-Plattform hier enorm. Mir ist halt einfach die ungewöhnliche Häufung der „Fehlprognosen“ bzw. unstimmigen Details aufgefallen. Kann passieren, Wetterlage scheint ja auch komplex gewesen zu sein.

    6. Altherr Elvis, 04.03.2018, 10:40

      Darum heisst es Progniose. Keine Angst die starke Erwärmung mit teils über 20 Grad kommt schon in etwa 15 Tagen was ich nicht so lustig finde. im Grossen und Ganzen war der Winter nicht so extrem. Vor ein paar Jahren war es normal dass es 3 Monate und mehr am Stück kalt war und geschneit hat doch das ist nun infolge der Klimakatastrophe leider für immer vorbei. Im Gegenteil es wird von Jahr zu Jahr immer wärmer dünkt es mich.

    7. Hans Wiesendanger, 04.03.2018, 18:05

      Die Gehässigkeiten in den diversen Kommentaren geben mir zu denken. Wir sind doch nicht bei 20 Min. online.
      Wer nie in seinem Leben etwas falsch eingeschätzt haben sollte, möge sich doch bitte hier melden.

    8. MeteoSchweiz, 05.03.2018, 08:47

      Am letzten Dienstag (27. Feb 2018) wurde in den Niederungen der Alpennordseite verbreitetet die tiefste Tagesmitteltemperatur dieser Woche gemessen. In Bern lag die Tagesmitteltemperatur an diesem Tag bei -9.7 Grad und der Tageshöchstwert erreichte an diesem Eistag nur gerade -6.8 Grad. Seit dann fand sukzessive eine langsame Erwärmung statt und die Tagesmitteltemperatur stieg mit jedem Tag weiter an, bis sie am Samstag in Bern bei -2 Grad lag. Das Tagesmaximum erreichte am Samstag mit +1.3 Grad und am Sonntag mit 3.2 Grad auch wieder positive Werte. Diese Erwärmung von fast 8 Grad in den letzten 5 Tagen ist allerdings etwas langsamer von statten gegangenen, als ursprünglich erwartet wurde. (Siehe dazu auch das Diagramm im Blog vom Sonntag 4. März.)

  3. Maya Blanchard, 03.03.2018, 17:47

    Schätze, das Foto von Monsieur Fontannaz stammt nicht aus dem Büro sondern vom Nachbargebäude, dem "Schiffsbau" von Ernesto Bertarelli.
    Schönen Sonntag!

    1. MeteoSchweiz, 04.03.2018, 09:29

      Das Bild von L. Fontannez stammt tatsächlich vom Bürogebäude unserer Genfer Arbeitskollegen. Die Büroräume von MeteoSuisse in Genf befinden sich direkt im WMO-Gebäude. Die Aufnahme selbst stammt natürlich nicht direkt aus dem Büro, sondern von der Aussenanlage in der obersten Etage.
      Eine interessante Abhandlung zum Gebäude findet sich unter http://www.wmo.int/pages/conf/documents/WMO898.pdf