Wintersturm Burglind: Der umfassende Bericht

14. Juni 2018, 8 Kommentare
Themen: Service

Der neue Fachbericht vom 14. Juni 2018 dokumentiert und bewertet die vielfältige Arbeit von MeteoSchweiz im Zusammenhang mit dem Wintersturm Burglind vom 3. Januar 2018. Die systematische Aufarbeitung erlaubt den Vergleich mit früheren und kommenden Ereignissen ähnlicher Art.

Der Wintersturm Burglind vom 3. Januar 2018 am Zugersee. Bild: Andreas Hostettler
Der Wintersturm Burglind vom 3. Januar 2018 am Zugersee. Bild: Andreas Hostettler

Im Fachbericht erfahren Sie mehr zur damaligen Wetterlage, den Vorhersagen und Warnungen und eine Betrachtung der Qualität der Wettermodelle und der klimatologischen Einordung. Ausserdem finden Sie eine Zusammenstellung der Auswirkungen sowie ein Beschrieb der Kommunikationsstrategie von MeteoSchweiz und ihre Medienresonanz.

Den vollständigen Fachbericht «Der Wintersturm Burglind/Eleanor in der Schweiz» finden Sie hier als PDF zum Download in Deutsch.

Der gesamte Bericht erscheint demnächst auch in Französisch. Nachfolgend finden Sie einen Überblick der Antworten auf die wichtigsten Fragen, die im Fachbericht detailliert erläutert werden.

Was ist am 3. Januar 2018 passiert?

Am Vormittag erfasste der Sturm Burglind grosse Teile der Schweiz. Er brachte vor allem im Jura und im Flachland der Alpennordseite aussergewöhnlich starke Winde. So wurden im Flachland verbreitet Windspitzen von 90 bis gut 130 km/h gemessen, in Berglagen 140 bis 170 km/h und an exponierten Lagen stellenweise bis 200 km/h. Das Rhonetal sowie Nord- und Mittelbünden waren nur am Rand betroffen, die Alpensüdseite blieb grösstenteils vom Sturm verschont.

Wie gut wurde vor dem Sturm gewarnt?

Die Wettermodelle zeigten schon vier Tage vor dem Ereignis Anzeichen für einen starken Sturm. Diese Hinweise erhärteten sich und das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz warnte frühzeitig vor starkem Sturm (Warnstufe 3, erhebliche Gefahr) mit Windspitzen von 80 bis 110 km/h im Flachland, 100 bis 130 km/h in leicht erhöhten Lagen des Flachlands und 130 bis 160 km/h in den Höhenlagen des Jura und der Alpen. Die Warnung war grossräumig gesehen korrekt. Stellenweise wurden jedoch lokal Windspitzen der Warnstufe 4 (grosse Gefahr) erreicht.

Wie gut waren die Vorhersagen der Wettermodelle?

Die numerischen Wettermodelle COSMO-1 und COSMO-E von MeteoSchweiz tendierten vielerorts vorerst zu einer Unterschätzung der Windspitzen. Die Unterschätzung nahm jedoch mit zunehmender Nähe zum Ereignis deutlich ab. Das Wettermodell COSMO-1 lieferte, gemittelt über die ganze Schweiz, die besten Vorhersagen im Kurzfristbereich. Es hob sich aber im Flachland nördlich der Alpen nicht gegen die anderen verfügbaren Modelle ab.

Wie aussergewöhnlich war der Sturm?

Burglind ist der stärkste Wintersturm der Schweiz seit Lothar 1999 und zählt zu den vier stärksten Winterstürmen seit 1981. Punktuell lieferte Burglind Rekordwindspitzen. In den meisten Regionen lieferten Lothar 1999 und Vivian 1990 allerdings deutlich höhere Windspitzen. Ein Sturm wie Burglind ist im Schweizer Mittelland etwa alle 5 bis 20 Jahre zu erwarten.

Welche Auswirkungen hatte Burglind?

Burglind verursachte die grössten Infrastruktur- und Waldschäden durch einen Wintersturm seit Lothar 1999. Die geschätzten Infrastrukturschäden beliefen sich auf rund 165 Mio. CHF. Es gab Beeinträchtigungen im Strassen- und Schienenverkehr sowie wenige Unterbrüche im Stromnetz. Der Sturm fällte rund 1.3 Millionen Kubikmeter Holz in Schweizer Wäldern. Besonders stark von Schäden betroffen waren die Kantone Bern, Solothurn, Aargau, Luzern und Zürich.

Wie hat MeteoSchweiz informiert?

MeteoSchweiz informierte die Behörden und Bevölkerung rechtzeitig und sachorientiert. Die wichtigsten Kommunikationsmittel waren die MeteoSchweiz-Webseite und die MeteoSwiss App. Rasch konnte eine klimatologische Einordnung des Ereignisses geliefert werden. MeteoSchweiz fand auf allen Medienkanälen positive Erwähnung.

Kommentare (8)

  1. Chris, 16.06.2018, 09:39

    Burglind war super:

    https://m.youtube.com/watch?v=QmygBBwYFeU

  2. Meier, 15.06.2018, 18:35

    Wie bitte, am besagten Tag trafen Windspitzen bis 250 km/h und Böen von weit mehr als 280 km/h in der Region Churfirsten und Alpstein! Also, sorry, aber gehen sie bitte mal vor ihre Haustüre und schauen sich das Wetter an.

    1. Hubert Humpe, 20.06.2018, 00:11

      Wo genau wurden Windgeschwindigkeiten von „weit über 280 km/h“ gemessen? Eine Quellenangabe würde mich ernsthaft interessieren...

    2. MeteoSchweiz, 20.06.2018, 14:49

      @Meier 15.06.2018
      Alle MeteoSchweiz zur Verfügung stehenden Messungen (147 Messstandorte) liegen weit darunter. Die höchsten Böenspitzen registrierten der Gütsch mit 200.5 km/h und der Pilatus mit 195.1 km/h. Wenn Sie mit solch hohen Zahlen operieren ist zwingend eine seriöse Quellenangabe erforderlich. Ohne seriöse Quellenangabe verbleiben die Angaben im Status einer Behauptung und sind von keinem wissenschaftlichen Wert.

  3. Hösi, 15.06.2018, 08:27

    Interessant, wie gut die Experten das alles gesehen und vor allem gewarnt haben! Bei uns hat's das Stalldach abgerissen und beim Nachbarn mit den Dachelementen den Sitzplatz demoliert. Trotz Sturmwarneinrichtung am See lief KEINE Sturmwarnung. Und auch das Gefahrenportal war ein Witz für den 3.1.18.
    Eigentümlich war dafür nach dem Ereignis der Aktionitis, welcher bei leichtem Wind schon mit Sturmwarnungen 3 und höher um sich geworfen wurden. Vielleicht haben die Gebäudeversicherungen sich für die tollen voraussehenden Warnungen bedankt und deshalb die erhöhte Vorsorge der Wetterdienste verursacht?

    1. Steffi, 17.06.2018, 10:49

      Wenn die vorhersagen besser gewesen wären hätte man das Dach ja vorher abdecken können um Schäden zu vermeiden ;) Schluss endlich gibt es immer noch eine Selbsteinschätzung die man Wahrnehmen müsste und die findet vor der Haustüre statt.

  4. Liechti, 14.06.2018, 21:34

    Burglin war Lothar bei uns ebenbürgig. Sechs Hühnerhütten
    komplett zerstört!

    1. Hösi, 15.06.2018, 08:28

      Bei uns hat es Dächer abgedeckt, viele Sturmschäden im angrenzenden Wald. Auch hier in der Ostschweiz war das Burgfräulein mindestens so heftig wie Herr Lothar!