Jahrhundert-Regenmangel

20. August 2018, 46 Kommentare
Themen: Klima

Die Ostschweiz leidet unter der extremsten April-August Regenarmut seit Messbeginn 1864. Es fehlt der Niederschlag von zweieinhalb bis drei normalen Sommermonaten. In der Westschweiz und auf der Alpensüdseite ist das Regendefizit weniger massiv.

Vertrocknete Grasflächen sind typisch für den Sommer 2018. Foto: S. Bader
Vertrocknete Grasflächen sind typisch für den Sommer 2018. Foto: S. Bader

Ein Jahrhundert-Ereignis

In der Ostschweiz hat sich die monatelange Regenarmut zu einem Jahrhundert-Ereignis entwickelt. Im Gebiet zwischen Zürichsee/Walensee und Bodensee fielen in den fünf Monaten von April bis August im Mittel nur 45 Prozent der normalen Regensumme. Hier fehlt der Regen von zweieinhalb bis drei normalen Sommermonaten. Das ist das deutlich massivste April-August Regendefizit in der Ostschweiz seit Messbeginn 1864. Auf Rang zwei liegt die April-August Periode aus dem Jahr 1870 mit nur 50 Prozent der Norm 1981‒2010. Die vier  weiteren sehr regenarmen April-August Perioden aus den Jahren 1868, 1911 sowie 1947 und 1949 lieferten immerhin um 60 Prozent der Norm.

Regenmangel in der ganzen Schweiz

Auch in der West- und Südschweiz herrscht anhaltender Regenmangel. In der Westschweiz fielen von April bis August im Mittel 66 Prozent, in der Südschweiz waren es 70 Prozent der Norm 1981‒2010 (Stand 19.08.2018).

Vergleichbar regenarm war die April-August Periode in der Westschweiz nur in den Jahren 1984, 1976 und 1962, dann 1949 und 1947, und schliesslich noch 1906 und 1870. Weniger Regen von April bis August fiel in der Westschweiz einzig im Jahr 1893 mit nur 53 Prozent der Norm 1981‒2010.

Auf der Alpensüdseite lieferte letztmals das Jahr 2005 eine vergleichbar regenarme April-August Periode. In der gesamten Messgeschichte seit 1864 gibt es auf der Alpensüdseite weitere 15 Jahre mit ähnlich regenarmen oder regenärmeren April-August Perioden. Das absolute April-August Regenminimum von nur 43 Prozent der Norm stammt auf der Alpensüdseite wie in der Westschweiz aus dem Jahr 1893.

Kein Trend zu weniger Regen

Die Regenarmut der letzten Monate ist nicht Teil eines laufenden Klimatrends. Das Sommerhalbjahr von April bis September zeigt im langjährigen Verlauf weder auf der Alpennordseite noch auf der Alpensüdseite einen Trend zu weniger oder mehr Niederschlag. Das sommerliche Niederschlagsregime ist also seit Messbeginn sehr stabil was die Niederschlagssummen betrifft.

Klimaänderung bringt mehr Verdunstung

Doch auch ohne Niederschlagsänderung hat sich die verfügbare Wassermenge verringert. Die seit den 1990er Jahren markant angestiegene Sommertemperatur verstärkte die Verdunstung. Entsprechend ist heute häufiger mit Sommertrockenheit zu rechnen als früher. Mit der erwarteten weiteren Sommererwärmung wird die Sommertrockenheit in den nächsten Jahrzehnten zunehmend akuter, auch ohne Änderung der sommerlichen Niederschlagssummen. Diese werden sich ab dem Jahr 2050 verringern und die Sommertrockenheit zusätzlich verstärken.

Die Schweiz mit subtropischem Sommer

Die abnehmenden Sommerniederschläge hangen mit der grossräumigen Entwicklung über Europa zusammen. Mit fortschreitendem Klimawandel zeigen die Klimamodelle ein Muster mit Niederschlagszunahmen im Norden und -abnahmen im Süden Europas. Dieses Muster verschiebt sich mit dem Gang der Jahreszeiten. Im Sommer liegt die Schweiz unter dem Einfluss der Niederschlagsabnahme im Mittelmeerraum. Diese Niederschlagsabnahme kann wiederum mit einer grossräumigen Änderung der meridionalen Zirkulation  von den Tropen zu den Subtropen erklärt werden. Die subtropische Zone wird sich weiter nach Norden bis Süd- und Zentraleuropa verschieben.

Kommentare (46)

  1. Roman, 01.09.2018, 09:53

    War der Statistiker bezüglich Jahrhundert-Regenmangel in der Ostschweiz von April bis August etwas vorschnell? Gerade gestern am 31. August fiel ja in dieser Region noch ordentlich Niederschlag.

    1. MeteoSchweiz, 03.09.2018, 14:09

      Ereignisse halten sich nicht an Monatsgrenzen. Die ausserordentliche Regenarmut dauerte bis zum 21. August. Ab dem 22. August gab es mehrere Tage mit Niederschlag. Die massive Regenarmut ab 1. April bis am 21. August bleibt für diese Periode in der Ostschweiz ein Jahrhundertereignis. Insbesondere ab 1901 mit dem vollständigen Datensatz (alle langen elf Ostschweizer Messreihen verfügbar) gab es im Mittel über die Ostschweiz keine grössere Regenarmut vom 1. April bis am 21. August. Lokal erstreckt sich das Jahrhundertereignis vom 1. April bis zum 31. August. So erhielt Weesen (Messbeginn 1888) in diesen fünf Monaten nur 368.5 mm Niederschlag. Die bisher geringsten April-August-Summen lagen hier über 500 mm.

  2. Andres Zimmermann, 24.08.2018, 12:41

    Zu dem Kommentar von David Schmid, und der sich darauf beziehenden Frage von "Buffi".
    Ob das "Klima" wärmer geworden ist, weiss man erst hinterher, nach dem man das Wetter in der Vergangenheit analysiert hat. Folglich? Die Mehrenergie kommt zunächst aus dem tendenziell wärmer gewordenen Wetter. Das "Klima" folgt dem Wetter, und nicht das Wetter dem "Klima". Doch woher kommt dann die Mehr-oder Minder- Energie, die ein tendenziell wärmeres oder kühleres Wettergeschehen verursacht?

    Wollte man die Erde als ein in sich abgeschlossene Energiesystem betrachten, müsste man sich konsequenterweise auf den sogenannten Energieerhaltungssatz berufen. Dies würde bedeuten, dass die sogenannte Klimaerwärmung an einem Ort, ihre Mehrenergie aus der Abkühlung an einem anderen Ort beziehen müsste. Davon die um Objektivität bemühten "Klimatheoretiker", wohl kaum ausgehen dürften.

    Da die Erde ein Teil eines "kosmischen Energie-Systems" ist, das nicht durch rein irdische Vorgänge zu begreifen ist, müssten wir erst diese kosmische Ordnung verstehen, um zu einem tragfähigen Klimabegriff, im Sinne eines Kalkulierbaren zu kommen. Diese Ordnung werden wir wohl noch lange nicht verstehen.

    Klimamodelle sind da nicht mehr als - wenn auch nicht nur wertlose - Gedankenspiele. (Das Spielen ist Ausdruck von Kreativität, sofern man den spielerischen, noch unverbindlichen Charakter dabei nicht aus den Augen verliert.)

    Die heutigen Klimamodelle stellen die irdischen Einfüsse in den Vordergrund, die denn auch, aufgrund möglicher menschlicher Mit-Beeinflussungen, "politisch verwertbar" sind.
    Ich würde hier mal behaupten, dass es sich auf Grund dieser einseitigen Konzentration auf die irdischen "Klima-" Einflüsse, und der damit ausgelösten CO-2 Diskussion, nur um einen Streit über die Verteilung, der ohnehin auf der Erde eintreffenden Energie handeln kann.
    Es ist ja nicht anzunehmen, dass es sich bei diesem angenommenen Treibhauseffekt, um eine durchgängig geschlossene "Treibhaus-Glocke" handeln kann. Mit der Reduktion der "Treibhausgase", würde man die Wärme oder Kälte also bestenfalls nur von einer Ecke in die andere verschieben können.

    Da es sich beim Energiesystem der Erde nicht um ein in sich abgeschlossenes System handelt, kann eine durchschnittliche "Mehr-oder Minderwärme", nur von aussen, also aus einem übergeordneten kosmischen Energiesystem kommen, wie beispielsweise von einer erhöhten oder verminderten Sonneneinstrahlung, oder auch anderem.

    Bei den "rein" irdischen Einflüssen kann es sich demnach nur um ein "Energie-Umverteilungssystem" handeln, von Energie, die in Wahrheit immer nur von aussen kommt, oder von dort aus auch wieder entzogen werden kann. Bei der CO-2- Debatte muss es sich dann wohl im besten Fall, um eine blosse Energie-Umverteilungsdebatte handeln. Um ein Nullsummenspiel also, über das wir uns ereifern können, als hätten wir keine grösseren Probleme zu bewältigen.

    1. Buffi, 27.08.2018, 13:26

      Danke

    2. Kelvin, 27.08.2018, 21:41

      Es handelt sich wohl wirklich um ein Nullsummenspiel, das Unmengen von Geld und Millionen von Arbeitsstunden kostet sowie zu fragwürdigen Investitionsentscheiden führt.

    3. Bruno Juchli, 28.08.2018, 17:53

      @Andres Zimmermann
      Bitte erklären Sie warum die Erde dann nicht 0K (−273,15 °C) "warm" ist.

    4. Bruno Juchli, 28.08.2018, 18:00

      Um es etwas auszuführen:


      >"Es ist ja nicht anzunehmen, dass es sich bei diesem angenommenen Treibhauseffekt, um eine durchgängig geschlossene 'Treibhaus-Glocke' handeln kann. Mit der Reduktion der "Treibhausgase", würde man die Wärme oder Kälte also bestenfalls nur von einer Ecke in die andere verschieben können. "

      Ihre Schlussfolgerung scheint mir fehlerhaft: Ein System muss nicht komplett dicht sein um die Temperatur zu beeinflussen.
      Nehmen wir als Beispiel ein ganz einfaches Treibhaus, ohne eigene Heizung. Die ganze Wärme kommt von aussen:
      öffnen sie ein Fenster einen Spalt weit wird die Durchschnittstemperatur drinnen kälter. Aber es ist trotzdem noch wärmer als draussen.
      Und umgekehrt geht das auch: schliessen sie das Fenster, wird es wärmer - auch wenn das nicht unendlich nach oben geht.

    5. Buffi, 29.08.2018, 10:12

      Oh man, keiner von uns hier auf dieser, von wissensschaffer errechneten Erde und all seiner Physik, Chemie, Biologie usw. usf., kann wirklich erklären was hier geschieht.... Denken doch alle das wir das Endprodukt der Evolution sind... tzzz
      Der Mensch, der der alles weiss und sich über alles erhebt....ich muss lachen.

    6. Andres Zimmermann, 29.08.2018, 23:31

      @Bruno Juchli
      Ich kann mit dem allgegenwärtig verwendeten Treibhausvergleich prinzipiell nichts anfangen, da es sich bei einem echten Treibhaus, um eine gasdichte Glashülle handelt, die nicht ohne weiteres mit den hochkomplexen, relativ Energie-durchlässigen und weniger stabilen Schichtung der Erdatmosphäre vergleichbar ist.
      Wenn man nach offizieller Leseart im Kontext der Klimaerwärmung, von einem durch "Treibhausgase" verursachten "Treibhaus" spricht, müsste ein so gedachtes Treibhaussystem natürlich "dicht" sein, sonst könnte der die CO2- Theorie rechtfertigende Treibhauseffekt, ja gar nicht zum Tragen kommen. Diese Logik ergibt sich aus den, bei der CO2- Theorie verwendeten Begrifflichkeiten.

      Niemand kann jedoch genau sagen, wo die "rein" irdischen Einflüsse auf das Wetter- und das angenommene Klimageschehen aufhören, und wo die kosmischen Einflüsse zeitweise oder sogar dauerhaft die Oberhand gewinnen. Daher halte ich es für vermessen zu behaupten, die Veränderungen, der aus dem langfristigen Wettergeschehen errechneten Durchschnittstemperaturen, seien lediglich einer veränderten CO2- Konzentration in der Atmosphäre zuzuschreiben. Wer so etwas behauptet, muss wohl allwissend sein, und mit allen kosmischen und irdischen Einflussmöglichkeiten bestens vertraut sein.

      Wir sollten uns daher nicht in einer Pro- und Kontra- CO2- Debatte verlieren und festbeissen, um uns ständig darüber zu ereifern, wer denn nun mehr recht haben könnte, als der jeweils andere. Viel wichtiger wäre es, darüber nicht in Panik zu geraten, um so durch vorschnelles Handeln womöglich aufs komplett falsche Pferd zu setzen. Nichts ist einfach nur alternativlos. Wer das glaubt, ist einfach nicht kreativ genug im Denken, und kommt damit auch nicht zu anderen Denkmöglichkeiten.
      Mir geht es mit meinen Kommentaren zu dieser Thematik, nur um eine Anregung zur Erweiterung der Denkmöglichkeiten, über das bloss "politisch Korrekte" und scheinbar "Alternativlose" hinaus.
      Blosse Rechthaberei durch das Ausruhen auf vorgefassten Meinungen, kann uns da nicht wirklich weiterbringen.

  3. Martin Schulz, 23.08.2018, 23:45

    Es gibt keine Steigerungsform von extrem.

  4. Hitsch, 22.08.2018, 21:51

    Es ist halt doch frustrierend mit den Niederschlagsprognosen. Es wird oft Regen angekündigt, welcher alle paar Minuten weniger wird und schlussendlich kommt gar nix. Das Spiel ist im ZH Oberland seit Wochen genau so. Und wenn man die Prognosen für die kommenden 2 Wochen anschaut, wird es auch nicht besser. Mich würde interessieren, wann wiedet mit einer niederschlagsreichen Phase getechnet wird - wohlwissend, dass das einem Ratespiel entspricht.

    1. Marco Bertschinger, 23.08.2018, 17:24

      Frustrierend ist es nur, wenn man nicht weiss wie man mit comuptergestützten Schauer-/Gewitterprognosen umzugehen hat. Sie sind nämlich nonsens und täuschen eine Pseudogenauigkeit vor, die es nicht gibt. Niederschlagsprognosen taugen nur bei Niederschlägen im Zusammenhang mit Fronten oder Staulagen oder 10min vor einem Gewitter.

    2. Andres Zimmermann, 24.08.2018, 13:49

      @ Hitsch
      Fairerweise muss man auch sagen, dass einem die "falschen" Prognosen eher auffallen, als die "Zutreffenden". Eine Prognose lässt ja beides zu, sonst wäre es keine Prognose mehr, sondern ein gesichertes Wissen.
      Dieser Sommer hat es aber in sich: Was zuvor auf dem Regenradar auf Grund der klaren Zugrichtung einer Regenfront, noch als ein Wahrscheinliches erwartet werden konnte, löste sich immer wieder, wie von Zauberhand bewirkt, plötzlich auf.
      Und es sind inzwischen sehr Viele, die in diesem Sommer genau das Gleiche beobachtet haben. Nur fehlt bislang noch eine "natürliche" Erklärung dazu. Vermutlich sind auch die Meteorologen von dieser "Ausnahmesituation" überrascht worden?

    3. Daniel Broennimann, 25.08.2018, 06:33

      @Zimmermann/Hitsch
      Das ist schon seit ein paar Jahren so. Nach meiner Beobachtung regnet es in ca. 70% der Fälle nicht, oder fast nicht. In 90% der Fälle, in denen es tatsächlich regnet, ist die Intensität viel geringer als angekündigt und wird von Stunde zu Stunde nach unten korrigiert. Ich kann auch nicht glauben, dass sich die durchschnittlichen Jahresniederschläge nicht vermindern, sie scheinen mir immer ungleicher verteilt. Beispielsweise schüttete es in den letzten Tagen ein paar mal in Thun und diese Gewitterregen werden deutlich immer stärker. 10 Km ausserhalb gab es praktisch nichts. Die Frage ist – @ Meteo – wie dicht ist das Netz der Messstationen? Manchmal ist es auch nicht schlecht, einfach mal in die Wolken zu schauen, wie z.B. heute. Da sieht schon der Laie, dass wieder nichts kommt. Zumindest hier.

    4. MeteoSchweiz, 12.09.2018, 16:46

      @Daniel Broennimann: Die Standorte des manuellen Niederschlagsmessnetzes sind hier ersichtlich:
      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/mess-und-prognosesysteme/bodenstationen/manuelles-niederschlagsmessnetz.html

      https://www.meteoschweiz.admin.ch/content/dam/meteoswiss/de/Mess-und-Prognosesysteme/Bodenstationen/manuelles-niederschlagsmessnetz/doc/manuelles-niederschlagsmessnetz-karte.pdf

      Die Standorte des automatischen Messnetzes können hier abgerufen werden:
      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/mess-und-prognosesysteme/bodenstationen/automatisches-messnetz.html

      Am Messstandort Thun mit langer Messreihe seit 1876 ist im Winter eine Niederschlagszunahme zu beobachten. Die winterliche Niederschlagssumme zeigt einen Trend von +36.7 mm pro 100 Jahre. In den übrigen Jahreszeiten ist in Thun keine signifikante Niederschlagsänderung feststellbar.

  5. David Schmid, 22.08.2018, 11:12

    Das Klima ist wie ein Pendel. Ist mehr Energie im System, schlägt das Pendel weiter aus. Die Wetterextreme nehmen zu.

    1. Buffi, 24.08.2018, 08:03

      Das ist ja mal interessant. Über welche Energie sprechen Sie?

  6. Gröwettli 1, 21.08.2018, 21:36

    Das Feuerverbot im Bezirk Uster ist ganz und gar nicht übertrieben! Wo die grünen Wiesen sind, ist mir schleierhaft! Unsere Wiese ist knochentrocken und einfach nur braun.

  7. Daniel Broennimann, 21.08.2018, 19:32

    Die Angabe der durchschnittlichen Regenmenge verfälscht in Zeiten ohne flächendeckenden und lediglich gewitterhaftem Regen das Bild. Während es in Thun z.B. immer wieder mal schüttet, vertrocknen zwischen Sigriswil und Teuffenthal manche Gebiete regelrecht. Auch das Mikroklima hat sich geändert. Da, wo es früher immer gut regnete, zieht heute fast jeder Regen vorbei, die Gewitter ebenso.

  8. Chorsängerin, 21.08.2018, 10:39

    Das Naturschutzgebiet "Wollmatinger Ried" am Bodensee bei der Insel Reichenau sieht aus wie eine Wüste, trockengefallen und nur noch Sandboden. Die Dreikantmuscheln, Nahrung für tausende Wasservögel im Winter, sind mit Sicherheit der Hitze zum Opfer gefallen. Wann sich das wohl wieder erholt?

  9. Heinz F., 21.08.2018, 08:53

    Hier redet wieder mal keiner von der Nordwestschweiz, insbesondere von Basel. In den letzten Wochen haben uns die Gewitter jeweils umfahren. Verlässt man Basel Richtung Norden, dann sind die Wiesen vollständig verdorrt und die Blätter der Bäume braun und fallen ab - nicht so wie in Uster.

    1. Gisi, 21.08.2018, 13:00

      das ist so. in leibstadt hat es seit anfang juni fast nie geregnet. die grösste menge gab es letzten freitag mit 22mm innert 20 minuten. davon nahm der boden (auf ebenem grund) 2cm auf. darunter nach wie vor knochen-trocken.

  10. Garfield, 21.08.2018, 08:02

    Knapp 50% der durchschnittlichen Regenmenge empfinde ich jetzt nicht wirklich als schlimm. Die meisten Wiesen sind hier (Bezirk Uster) immer noch grün.

    Die Feuerverbote halte ich für übertrieben. Dann dürfte man ja in anderen Ländern/Regionen nie ein Feuer machen.

    1. Minusch 67, 21.08.2018, 11:32

      Ich finde es schon fast ein Hohn diese Aussage mit dem Feuerverbot und der nicht so schlimmen Niederschlagsmenge. Ich denke, dass es Ihnen nicht bewusst ist, was es heisst einen Waldbrand zu erleben. Ihnen ist es anscheinend egal wenn ganze Wald und Wiesen-Flächen brennen würden, Wie zum Beispiel in Griechenland Spanien und Portugal. Geschweige dann,wenn das Wasser fehlt um einen Brand zu löschen wie letztens im Flumserberg wo ein Haus völlig abgebrannt ist weil kein Löschwasser vorhanden war. Schön für Sie wenn bei Ihnen noch die Wiesen grün sind also bei uns ist alles braun wie in der Steppe. Öffentliche Brunnen wurden in er ganzen Region schon vor 4 Wochen abgestellt. Die Bewohner wurden von den Gemeinden dazu aufgerufen Trinkwasser zu sparen. Ich denke die meisten halten sich auch daran.Ich würde es mir nochmals überlegen was es heisst wenn das Wasser knapp ist !

    2. Garfield, 21.08.2018, 20:57

      Das Wasser wird in der Schweiz nicht so schnell knapp. Googlen sie einfach mal "Wasserschloss Europa". Wir machen nur 4 Promill der Landfläche Europas aus, haben aber 6% des Wasser von Europa. Der Genfersee ist der grösse Wasserspeicher Europas. Etliche grosse Flüsse haben in der Schweiz ihren Ursprung. Und wegen den Bergen wird es hier auch immer wieder eher regnen als in Ländern ohne Berge.

      Wir haben höchstens einen Mangel an Trinkwasseraufbereitungsanlagen. Was sollen denn bitteschön Länder wie z.B. Zypern sagen? Dort gibt es wochenlang keinen Regen. Hier gab es jede Woche wieder mal Regen (zwar nicht viel aber immerhin).

      Wir jammern hier auf sehr hohem Niveau.

      Waldbrände sind schlimm, werden aber meistens durch weggeworfene Zigaretten oder Blitzeinschläge verursacht und nicht durch ein Picknick-Feuer.

    3. Altherr Elvis, 22.08.2018, 19:08

      seit April ist das so... soviel zum Thema nicht schlimm.. und das Feuervebot hat seinen Grund. Es gab aber ein paar Deppen die es wissen wollten und prompt hat dann der halbe Wald gebrannt da braucht es momentan nur sehr wenig. Und die Fische in den Gewässern sind auch alle tot.. aber ja! ist alles nicht so schlimm... und auch nicht dass es seit Monaten so verschissen heiss ist..

    4. Oliver, 24.08.2018, 13:01

      Und ich frage mich immer wieder warum hier eigentlich Stroh liegt, früher wars noch Gras. Die meisten Rasenflächen sind wirklich verdorrt, die anderen wurden wohl gewässert

    5. Markus Müller, 21.09.2018, 06:09

      @Garfield: Dem Thurgauer Obstbauer dürfte es kein Trost sein, dass es im Genfersee viel Wasser hat. Und der Förster, der im Entlebuch vor verdorrten Wäldern steht, kann kein Wasser aus der Reuss entnehmen. Hauptsache Sie können einfach unbeschwert am Wasserhahn drehen. Damit Sie das auch in Zukunft machen können, werden wir Steuerzahler viel Geld in die Hand nehmen müssen, um das vorhandene Wasser auch zum Verbraucher zu bringen.

  11. Andres Zimmermann, 20.08.2018, 23:19

    Was war zuerst, das Wetter oder das Klima?
    Durch unsere unmittelbare Sinneswahrnehmungen erleben wir das "Klima" immer nur als "Wetter". Während sich das "Klima" selbst unserer Sinneswahrnehmung entzieht, kann es im Gegensatz zum Wetter auch nicht unmittelbar "bewiesen" werden. Der einzige mögliche Beweis stützt sich auf ein Gedankenmodell, welches davon ausgeht, dass sich aus einem chaotischen System, wie das Wetter eines ist, eine Normalität ableiten lässt.

    Diese aus einer langfristigen Wetterbeobachtung heraus-definierte Normalität, man dann als Klima bezeichnet. Verhält sich nun das so definierte "Normalklima" selbst nicht mehr normal, spricht man von einem Klimawandel.

    Hat man ein so ermitteltes "Klima" erst einmal "gefunden", erklärt man es nun als ein ursächliches Prinzip, welches in der Vorstellung einer Rückwirkung, angeblich für das Wetter verantwortlich sein soll. Ein Zirkelschluss durch die Verwechslung von Ursache und Wirkung vielleicht? Ist es nicht vielmehr umgekehrt, dass das Wetter für das Klima verantwortlich ist, beziehungsweise eben für das, was wir als Klima definieren?

    Und wie kann man "Klimaziele" formulieren, wenn es so etwas, wie ein Klima, im Sinne eines ursächlichen Prinzips vielleicht gar nicht gibt? Wenn man die Erwartung hat, dass es innerhalb eines chaotischen Systems wie das Wetter, so etwas, wie eine verbindliche Klimasprache geben müsse, findet man immer etwas Erwartetes, ganz nach dem Prinzip einer sich selbsterfüllenden Prophezeiung.

  12. Meister, 20.08.2018, 22:35

    Ich denke, den allermeisten Lesenden des Blogs ist der Unterschied zwischen Klima und Prognose geläufig ... danke trotzdem für den belehrenden Vergleich. Was aber vielleicht nicht nur mich interessiert: Wie gestaltet sich die Schnittstelle zwischen Klima und Vorhersage? Werden neue Phänomene der Klimaentwicklung (oder Trends, wenn dieser Terminus besser passt) jeweils in die Prognosemodelle eingearbeitet? Oder ist man da eher zurückhaltend und modelliert in erster Linie auf langjähriger Erfahrung? Das Zweite wäre dann vielleicht eine Erklärung für die überdurchschnittliche hohe Zahl der Fehlprognosen der vergangenen Monate, betteffend Regen zumindest in der Nordostschweiz.

    1. Ulrich, 21.08.2018, 16:41

      Die Klimamodelle gehen davon aus, dass CO2 der Grund für steigende Temperaturen ist. Trifft dies nicht, zu sind alle Modelle nutzlos. es gibt Wissenschafter, die davon ausgehen, dass ein Grand Solar Minimum verantwortlich ist für die gegenwärtige Wettersituation. Veränderung der Jetstreams. Abkühlung an Orten wo es vorher warm war. Dürren wo es vorher regnete. Wenn man das Wetter der ganzen Erde anschaut sieht es wirklich so aus. Nordpol kälter als normal. Früher Schnee in Japan. Abkühlung des Atlantiks.

    2. MeteoSchweiz, 24.08.2018, 17:46

      Das Wetter wird basierend auf physikalischen Gesetzmässigkeiten modelliert, wobei man jeden Modelllauf von einem möglichst gut auf dem Modellgitter abgebildeten Anfangszustand startet – hier fliessen auch Beobachtungen ein. Zudem werden Randfelder eines grossräumigen Modells einbezogen, im Fall von COSMO ist dies das globale Modell vom EZMW. Details dazu sind hier zu finden: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/mess-und-prognosesysteme/warn-und-prognosesysteme/cosmo-prognosesystem.html.
      Für die physikalische Modellierung des Wetters ist eine Klimaänderung nicht relevant, es gibt aber externe Parameter wie z.B. die Bodennutzung und auch CO2, die man regelmässig auf den aktuellen Zustand anpassen muss.

  13. jan kunz, 20.08.2018, 18:59

    mich würde noch die Anzahl Regentage interessieren. Denn wir hatten hier ein einziges Gewitter und es flossen Bäche über die Stassen. Das taucht dann schön im Monatsdurchschnitt auf. Aber davor und danach wars Heiss und der Effekt war schnell verpufft.

  14. Baur, 20.08.2018, 18:13

    Bedenklich diese Trockenheit hier in Glarus Nord, genau in der extremsten Region in der Schweiz gelegen! Die Sommertrockenheit wird zunehmen da wir nun hier in der subtropischen Klimazone angelangt sind. Das schliesst Schneefälle im Winter bis ins Tal nicht aus, gerade die italienische Po-Ebene ist auch gelegentlich schneebedeckt im Winter. Regenreiche und milde Winter sind aber auch schon in der Überzahl.

  15. Stefan Zaugg, 20.08.2018, 16:28

    Gibt's auch eine Abschätzung bezüglich Winter? Wird der Winter auch immer niederschlagsärmer?

    1. kelvin, 20.08.2018, 18:26

      Die Antwort finden Sie im Artikel von MeteoSchweiz: Kein Trend zu weniger Regen. Wenn die Menschen, die das Horrorjahr 1540 erlebt haben (10- bis 11-monatige Dürre, Sommer wahrscheinlich heisser als 2003), heute lebten, würden sie wohl sagen: Seit April 2018 hats relativ viel geregnet.

    2. MeteoSchweiz, 21.08.2018, 15:43

      @Stefan Zaugg: Für die Jahreszeiten Herbst, Winter und Frühling gibt es bis 2060 kein statistisch robustes Signal auf die Richtung der Niederschlagsänderung.
      Bericht "Klimaszenarien Schweiz - eine regionale Übersicht", S. 8:
      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/service-und-publikationen/publikationen.subpage.html/de/data/publications/2014/1/klimaszenarien-schweiz---eine-regionale-uebersicht.html

  16. stephan baumann, 20.08.2018, 13:10

    Die 5 Tagesregenprognose ist schon völlig unbrauchbar, schwankt häufig munter zwischen 0 und 25mm und hier weiss man, wie es nach 2050 sein wird...

    1. Tilman, 20.08.2018, 15:01

      Es ist nicht zu prognostizieren, welche Zahl man als nächstes würfelt. Aber es ist recht gut zu prognostizieren, dass die nächsten 1000 Würfel insgesamt rund 3500 Augen zeigen werden.
      So in etwa verhält es sich mit der Vorhersage von Wetter und Klima.

    2. Karl Lima, 20.08.2018, 15:17

      Das sind zwei verschiedene Sachen, das eine ist ein Trend und das andere eine Beobachtung mit Zukunft-Schätzung mit Erfahrungswerten nehme ich an.

    3. Reto Wernli, 20.08.2018, 15:40

      Vielleicht hilft euch folgende Vorstellung den Unterschied zwischen Wetter und Klima zu verstehen:
      Versucht euch ein Schwimmbecken vorzustellen, das langsam über einen Wasserschlauch gefüllt wird. Wenn jemand in das Becken springt, gibt es Wellen. Diese Wellen stehen für das Wetter und der durchschnittle Wasserspiegel ist das Klima. Jemand der am nächsten Tag in das Becken springt, wird weitere Wellen erzeugen, aber der Wasserspiegel (stellvertretend für das Klima) wird höher sein, da inzwischen weiteres Wasser in das Becken geflossen ist.

    4. Buffi, 20.08.2018, 16:23

      😂Eines ist sicher, am Abend ist mit zunehmender Dunkelheit zu rechnen.

    5. Andreas Brezing, 20.08.2018, 22:44

      Es kann wohl kaum jemand eine verlässliche Prognose machen, wenn es im Sommer nur Niederschlag über Gewitter und Schauer gibt. Wie soll das gehen? Nicht mal die üblichen Nordstaulagen gibt es diesen Sommer. Bin mal gespannt was von Freitag bis Sonntag passiert.
      Gruß aus dem Schwarzwald .
      Wir hatten diesen August wenigstens 52 Liter bisher

    6. Ann, 21.08.2018, 02:06

      Selbst das ist heutzutage mit der Lichtverschmutzung nicht mehr sicher.

    7. Tambora, 21.08.2018, 17:19

      @Tilman
      Wenn Sie Wetter und Klima mit Würfeln vergleichen, haben Sie noch nicht allzu viel begriffen. Wetter und Klima werden von wesentlich mehr Faktoren beeinflusst als das Werfen von Würfeln.

    8. Ulrich, 22.08.2018, 09:14

      Klima ist nichts anders als die Summe der Wetterdaten während 30 Jahren.Wurde mal so definiert. Da Wettervorhersagen für mehr als 2 Tage ziemlich unsicher sind,ist es mir ein Rätsel wie das Klima auf Jahre hinaus prognostiziert werden kann. Selbst die IPCC sagt in ihrem Bericht auf Seite 772, dass das Wetter ein chaotisches System ist und deshalb nicht vorsehbar ist.