Januar 2019: kalt in den Bergen, mild im Süden

30. Januar 2019, 15 Kommentare
Themen: Klima

Der Januar 2019 war in Berglagen der Alpennordseite der kälteste seit mehr als 30 Jahren. Die Alpensüdseite registrierte hingegen regional einen der mildesten Januarmonate seit Messbeginn. Viel Neuschnee gegen Monatsmitte führte in den Alpen zu grosser Lawinengefahr.

Blick von Arosa auf Medergen, 15.01.2019. Der stürmische Nordwestwind der vorangegangenen Tage wird durch die Wellenstruktur an der Schneeoberfläche sichtbar. Foto: Daniel Gerstgrasser
Blick von Arosa auf Medergen, 15.01.2019. Der stürmische Nordwestwind der vorangegangenen Tage wird durch die Wellenstruktur an der Schneeoberfläche sichtbar. Foto: Daniel Gerstgrasser

Massiver Temperatur-Gegensatz

In Berglagen der Alpennordseite über 1000 m lag das regionale Mittel der Januartemperatur mit -8.2 Grad deutlich unter der Norm 1981‒2010. Letztmals kälter war hier der Januar 1985 mit -10.6 Grad. Und dann muss man bis in den Seegfrörni-Winter 1962/63 zurückblättern, um erneut auf einen Januar mit deutlich tieferer Temperatur zu treffen. Damals zeigten die Berglagen der Alpennordseite über 1000 m ein regionales Mittel von -10.9 Grad.

Vergrösserte Ansicht: Die Januartemperatur in Berglagen der Alpennordseite über 1000 m  seit Messbeginn 1864. Die rote Linie zeigt das 30-jährige gleitende Mittel, die grüne Linie die Januarnorm 1981‒2010 von -5.1 Grad.
Die Januartemperatur in Berglagen der Alpennordseite über 1000 m seit Messbeginn 1864. Die rote Linie zeigt das 30-jährige gleitende Mittel, die grüne Linie die Januarnorm 1981‒2010 von -5.1 Grad.

Sehr mild war der Januar 2019 hingegen in den Tieflagen der Alpensüdseite. Lugano registrierte mit 5.0 Grad den sechst-mildesten Januarmonat seit Messbeginn 1864. In Locarno-Monti belegt der Januar mit 4.9 Grad Rang zehn seit Messbeginn 1883. In den Tieflagen nördlich der Alpen bewegte sich der Januar 2019 zwischen 0 Grad und 1.5 Grad, was etwa der Norm 1981‒2010 entspricht.

Anhaltend Kaltluft aus Norden

Die erste Januarhälfte war fest im Griff von Nordströmungen, welche kalte und oft auch feuchte Luft zur Schweiz führten. Die Ursache war eine anhaltend ähnliche Wetterlage mit einem kräftigen Atlantikhoch und einem Tief über Nord- oder Nordosteuropa. Dazwischen floss Polarluft zur Alpennordseite, in der Höhe oft begleitet von stürmischen Winden. Diese klassische Winterwetterlage brachte vor allem am Alpennordhang häufig Schneefall. Auch das Flachland der Alpennordseite überzog sich hin und wieder mit einer Neuschneeschicht.

Die über die Alpen hinwegfliessende Kaltluft fegte auf der Alpensüdseite als stürmischer, milder Nordföhn durch die Täler. In den Niederungen der Alpensüdseite erreichten die Tageshöchstwerte oft 10 Grad oder mehr. An mehreren Tage stiegen die Werte auf 14 bis 15 Grad, am 5. Januar registrierte Biasca gar 16.4 Grad. Dazu war es meist sonnig.

Massiver Neuschneefall

Vom 12. bis am 14. Januar löste eine starke Nordwestströmung vor allem in den östlichen Alpen massive Neuschneefälle aus. In Nord- und Mittelbünden und im Unterengadin fielen in Berglagen innerhalb von drei Tagen 90 bis 140 cm. Im Gotthardgebiet und im Obergoms waren es 80 bis 105 cm Neuschnee. Im Berner Oberland und im Unterwallis gab es 40 bis 90 cm. Die erheblichen Neuschneemengen führten zu einer grossen Lawinengefahr. Die Zugänge zu einzelnen Alpentälern waren vorübergehend unterbrochen.

In den Messreihen Mittelbündens zeigen die höchsten Neuschneesummen über drei Tage Werte zwischen 180 und 230 cm. Sie stammen von den ausserordentlichen Lawinenmonaten Januar 1951 und Februar 1999. Im Gotthardgebiet erreichten die höchsten gemessenen Dreitageswerte um 200 cm. Sie fielen im Lawinenapril 1975.

Das kräftige Niederschlagsereignis vom 12. bis am 14. Januar erfasste vor allem die zentralen und östlichen Alpen der Schweiz. Deutlich geringere Mengen fielen in den südlichen Walliser Alpen und in den Bergen der Alpensüdseite.

Sonniger Bergwinter

Vom 15. bis am 22. Januar verlief das Wetter vorwiegend hochdruckbestimmt. In den Bergen war es meist recht sonnig, auf der Alpensüdseite erneut sehr sonnig. Nur am 17. brachte eine aus Westen durchziehende Kaltfront mit einer Schneefallgrenze um 1000 m überall trübe Verhältnisse. Ab dem 19. Januar lag auf der Alpennordseite der klassische winterliche Hochnebel.

Schnee, Regen, Schnee

Kühle Luftmassen aus nördlichen Richtungen sorgten vom 23. bis am 26. Januar auch in den Niederungen der Alpennordseite hin und wieder für etwas Schneefall. Die Alpen zeigten nachts oft eine weniger dichte Bewölkung, so dass die Temperatur in einzelnen Alpentälern auf unter -20 Grad sank. Andermatt registrierte unter -25 Grad, Samedan unter -26 Grad.  Während des kurzen Hochdruckeinflusses am 25. Januar verzeichnete Samedan gar unter -27 Grad.

Mit der Strömungsumstellung auf Südwest floss am 27. Januar mildere Luft zur Schweiz. In den tiefen Lagen beidseits der Alpen fiel Regen. Die Tageshöchstwerte stiegen im Norden auf 8 bis 10 Grad, im Süden blieben sie zwischen 2 und 4 Grad. Bereits am Tag darauf übernahm wieder feuchte Polarluft aus Nordwesten das Wetterregime in der Schweiz. Im Mittelland gab es bis 6 cm, am Alpennordhang bis 25 und im Unterwallis bis 50 cm  Neuschnee. Im Süden brachte der Nordwind sonnige Verhältnisse und Tageshöchstwerte bis 11 Grad.

Extreme Niederschlagsunterschiede

Auf der Alpensüdseite brachte der Januar 2019 mit häufigem Nordföhn und Schönwetter ein massives Niederschlagsdefizit. Regional erreichten die Niederschlagsmengen nur 10 bis 15 Prozent der Norm 1981‒2010. Im Wallis und in der Westschweiz fielen 60 bis 70 Prozent der Norm.

Niederschlagsreich war der Januar hingegen entlang des zentralen östlichen Alpennordhangs als Folge der häufigen Nordströmungen. Die Niederschlagsmengen stiegen auf 160 bis 230 Prozent der Norm 1981‒2010. St. Gallen registrierte einen der zehn niederschlagsreichsten Januarmonate seit Messbeginn 1866.

Blühende Haselsträucher im Tessin

Vergrösserte Ansicht: Winterliches Fricktal am 19. Januar in Gipf-Oberfrick. Eine dünne Schneeschicht bedeckt die Vegetation, die noch in Winterruhe ist.
Winterliches Fricktal am 19. Januar in Gipf-Oberfrick. Eine dünne Schneeschicht bedeckt die Vegetation, die noch in Winterruhe ist.
Foto: Regula Gehrig

Erste Haselsträucher begannen im Tessin bereits Ende Dezember zu blühen. Dies zeigt sich im Pollenmessnetz, wo an der Messstation Lugano am 30. und 31. Dezember mässige Haselpollenkonzentrationen gemessen wurden. Starke Haselpollenbelastungen traten ab dem 12. Januar in Locarno auf. An den phänologischen Beobachtungsstationen im Tessin konnte die allgemeine Blüte der Hasel in Locarno und Vira/Gambarogno am 15. Januar beobachtet werden, 11 bzw. 28 Tage früher als im Mittel der Periode 1981‒2010. In Bondo GR auf 825 m ü. M. wurde der Blühbeginn der Hasel am 18. Januar beobachtet, 28 Tage früher als im Mittel seit Beobachtungsbeginn 1996. Nach 2013 und 2007 ist das der drittfrüheste Blühbeginn in Bondo. Auch an den andern Tessiner Stationen gehörte die Blüte der Haselsträucher zu den frühen bis sehr frühen Jahren, aber es gab auch schon frühere Blüten. Auf der Alpennordseite wurde von den phänologischen Stationen noch keine blühenden Haselsträucher gemeldet. Viele Haselsträucher zeigten auf der Alpennordseite schon fast blühbereite Haselkätzchen. Die Temperaturen waren jedoch zu tief, so dass sie bisher noch nicht definitiv aufblühten.

Der definitive Bericht zum Januar 2019 ist ab dem 11. Februar 2019 in der Rubrik Klimaberichte verfügbar.   

 

Kommentare (15)

  1. Stefan, 18.02.2019, 11:21

    In Kandersteg waren einfach die Extremwerte z.B. dafür nicht so weltbewegend. Weder der Monatstiefstwert, noch das mit dem Schnee und auch der niedrigste Tageshöchstwert eher unspektakulär. Erstmals im gesamten Winter 18/19 lagen am 9.1.2019 über 20cm Schnee im Tal. So spät wie nie die letzten mindestens 10 Jahre. Das ganze alles im Osten Zeug hat sich erst später wieder ausgeglichen bzw. reduziert als dann ab Mitte Monat auch die Lagen unter 1500m in unserer Region gut beschneit wurden und dann bis ins Tal (1100m-1300m) sogar Anfang Februar einer der grössten Schneehöhen erreicht wurden (Eigene Messung 2. grösste Schneehöhe seit 2011). Also warum war bei uns der Januar im Mittel trotzdem noch recht kalt? Nun das Maximum waren gerade mal 5.8 Grad plus. Der Monat zeichnete sich somit vor allem durch fehlende grosse Warmlufteinbrüche bis zum Talboden (Föhn) aus als durch grosse Kälte, die es nicht oft im Winter gibt. Genau und wie schon jemand erwähnt hat, die fehlenden Inversionslagen mit oben sehr mild und unten kalt. Aber ich habe eher das Gefühl es gibt mittlerweile öfter einen Monat unten kalt und oben mild als umgekehrt. So mancher kalter Wintermonat in diesem Jahrhundert war doch eher so einer dieser Art. Wer weiss vielleicht war Januar 2019 auch dann wieder (besonders in der Höhe....) der einzige kalte Monat dieses Jahr. übrigens der 17. Januar war denn auch hier alles andere als trüb mit stellenweise Sonne am Vormittag :D. Achja unser Land hat halt oft alleine im Norden schon mal alles auf einmal zu bieten.

  2. Gerry, 10.02.2019, 10:54

    @Ulrich
    1.
    Für die Reduktion der Ausstrahlung ist der Gesamtanteil des CO2 an der Atmosphäre ein massgeblicher Faktor; und dieser steigt kontinuierlich Jahr für Jahr. Verstehe daher nicht, warum Sie sich selektiv auf den CO2-Anteil in der oberen Atmosphäre fokussieren (zumal CO2 in Relation zu Stickstoff und Sauerstoff schwerer ist und daher gravitativ eher zur Bodennähe neigt).
    2.
    Sie verweisen auf den geringen Anteil des CO2 an der Gesamtatmosphäre, verschweigen aber, dass die Schwankungsbreite der Solarstrahlung sich in ähnlichen "Größenordnungen" wie die Relation von CO2 zu den übrigen Gasen der Lufthülle bewegt.

  3. Andreas Kirsch, 10.02.2019, 07:46

    Beantwortet METEO Schweiz nur Schweizer Bundesbürgern ihre Rückfragen zu den Artikeln, da meine nicht beantwortet werden ?
    Es ging um sachliche korrekte Fragen

    Mit freundlichen Grüßen

    Andreas Kirsch

    1. MeteoSchweiz, 11.02.2019, 07:34

      @Andreas Kirsch. Entschuldigen Sie bitte, mögen Sie uns Ihre Frage noch mal stellen?

  4. Ernst, 04.02.2019, 13:27

    @Dieter Neth
    Der Begriff Flachland wird auch von Meteoschweiz immer wieder verwendet, z. B. gerade heute im Wetterblog. Alles i. O. also.
    Und geschneit hats im Flachland im Januar und Anfang Februar tonnenweise. Dieser Winter ist kein Totalausfall.

  5. Raphael, 03.02.2019, 08:33

    Ist es eigentlich so, dass sich eine erhöhte CO2 Konzentration vor allem auf den Sommer auswirkt wo halt die Sonneneinstrahlung stärker und dadurch der Treibhaus-Effekt stärker ist?

    1. MeteoSchweiz, 04.02.2019, 09:47

      Die Wintermonate zeigen grundsätzlich eine grosse Variabilität von Jahr zu Jahr. Vor einem Jahr (2018) zeichnete die Schweiz den mildesten Januar seit Messbeginn 1864 auf. Und wieder ein Jahr zuvor (2017) gab es in der Schweiz einer der kältesten Januarmonate seit 30 Jahren.
      Im langjährigen Durchschnitt ist aber auch der Januar milder geworden. In Bern lag die Januarnorm 1961-1990 bei -1.2 Grad, die Januarnorm 1981-2010 bei -0.4 Grad. In Basel erwärmte sich der Januar von der Normperiode 1961-1990 zur Normperiode 1981-2010 von 0.9 Grad auf 1.6 Grad, in Zürich von -0.5 Grad auf 0.3 Grad.
      Die allgemeine Erwärmung ist also auch im Januar feststellbar.

    2. Ulrich, 05.02.2019, 10:53

      Die NASA zeigt in einem Film, dass die CO2 Konzentrationen in der höheren Atmosphäre im Winter sehr viel höher sind als im Sommer. Im Spätsommer ist praktisch kein CO2 vorhanden, da alles von der Vegetation absorbiert wird. Vielleicht ist die CO2 Theorie nicht so richtig wie angenommen. Die Erklärung der Wetterkapriolen übers Grand Solar Minimum scheint mir eher plausibel. Man darf nicht vergessen, dass auf 10'000 Luftmoleküle nur 4 Moleküle CO2 kommen und davon 96% natürlichen Ursprungs sind.Nur 0.16 Moleküle CO2 sind menschlichen Ursprungs.

  6. Reto, 31.01.2019, 16:30

    Der Titel "Kalter Januar" kommt von mir aus gesehen aus 2 Gründen zustande:
    1. die Durchschnittstemperatur wird mit dem Durchschnitt 1981-2010 verglichen, welcher schon stark von der Klimakatastrophe geprägt ist. 2. die Temperaturen in den höheren Lagen ist unterdurchschnittlich weil es bisher praktisch keine Inversionlagen gegeben hat.

    Im Mittelland empfinde ich den Januar bisher als mild. Die Erwärmung ist leider bereits zu gross, so dass es trotz "idealer" Wetterlage für Winterwetter, praktisch nie bis in die Niederungen schneit. In Bern z.B. lag diesen Winter bisher nie richtig Schnee und auch keinen strengen Frost.

    Deshalb meine Frage an Meteoschweiz: wie sieht dieser Januar im Vergleich zum Mittelwert 1961-1990 aus?

    1. MeteoSchweiz, 01.02.2019, 08:17

      Die Beurteilung, dass es in den Berglagen der kälteste Januar seit mehr als 30 Jahren war, hat nichts mit der Verwendung einer Normperiode zu tun. Es geht einfach um die Feststellung, dass kein Januar in den letzten drei Jahrzehnten in den Bergen im Regionsmittel eine tiefere Temperatur zeigte. Auf der Alpennordseite unter 1000 m (Regionsmittel) brachte der Januar 2019 gegenüber der Norm 1961-1990 eine Abweichung von +0.3 Grad. Die Januarnorm1961-1990 liegt auf der Alpennordseite unter 1000 m (Regionsmittel) bei -0.7 Grad. Die Januarnorm 1981-2010 liegt bei 0.0 Grad.

    2. Dieter Neth, 02.02.2019, 11:03

      Das habe ich auch festgestellt. Unser Oleander überwintert putzmunter auf dem Balkon hier in Trimbach SO auf 435 m ü M. Genau so wie ich jeden Tag mit dem Velo zur Arbeit fahre, es gab hier bei uns noch keinen Eistag, und wenn es mal -3 oder -4 Grad hat am Morgen ist das schon bald die Ausnahme.
      Auch bis hoch in den Jura hinauf bis gegen 900 m sind die Südhänge alle ausgeapert.
      Die Schweiz besteht zwar zu zwei Drittel aus Hochgebirge, aber 90% der Bevölkerung lebt im Tiefland (nicht Flachland, das regt mich jedesmal auf) - und für uns ist der Winter 2018/2019 eher ein Totalausfall, ein ellenlanger Spätherbst, der jetzt ins Hudelwetter des Erstfrühlings übergeht.

  7. Ernst, 31.01.2019, 12:56

    In den Bergen war es viel zu kalt, in den Niederungen entsprachen die Temperaturen etwa der Norm. Wie sieht das landesweite Mittel aus? Ich nehme an, dass es deutlich unter der Norm 1981-2010 lag.

    1. MeteoSchweiz, 31.01.2019, 14:26

      Im landesweiten Mittel liegt der Januar 1.7 Grad unter der Norm 1981-2010 (Stand 30.1.2019). Das ist nicht ungewöhnlich. Die Januarmonate 2017 und 2010 lagen 2.5 Grad unter der Norm, die Januarmonate 2009 und 2006 lagen 1.8 Grad darunter.

  8. Lars, 31.01.2019, 12:55

    Das der Januar kalt war und ist habe ich gemerkt. War für mich mehr als unangenehm.
    Ich hoffe, dass der Sommer wieder so warm oder wärmer wird. Auf den ersten Hitzetag freue ich mich jetzt schon

  9. Urs Imhof, 30.01.2019, 15:10

    Erwähnenswert wäre auch die Tatsache das einzelne Regionen mehr Regen als Schnee erhalten haben.
    Bezirk Zurzach zum Beispiel hat nur ein halber Tag eine geschlossene Schneedecke gehabt der Rest war grossmehrheitlich Regen trotz Temperaturen zwischen 0 Grad Celsius und 5 Grad Celsius.
    Eistage haben wir in Bad Zurzach im Januar 2019 keinen gehabt.