Wolkenparade

24. Mai 2019, 13 Kommentare
Themen: Wetter

Nebst der heute leicht angestiegenen Schauerneigung, stand der Tag aus meteorologischer Sicht besonders im Zeichen von nicht alltäglichen Wolkenformationen. Ansonsten präsentierte sich das heutige Wetter, abgesehen von zeitweise dichteren hohen Wolkenfeldern und einzelnen Schauern oder Gewittern, nochmals vorwiegend sonnig und der Jahreszeit entsprechend angenehm mild.

Beim Chapfensee oberhalb Mels hatte der Himmel heute auch einiges zu bieten. Nebst diversen Schleierwolken entstanden im Tagesverlauf auch erste Quellwolken. Foto: Joël Fisler
Beim Chapfensee oberhalb Mels hatte der Himmel heute auch einiges zu bieten. Nebst diversen Schleierwolken entstanden im Tagesverlauf auch erste Quellwolken. Foto: Joël Fisler

Abnehmender Hochdruckeinfluss

Das gestern noch wetterbestimmende flache Hochdruckgebiet über Mitteleuropa hat sich heute abgeschwächt und die Schweiz gelangte allmählich auf die Vorderseite eines Troges über Westeuropa. Dadurch gelangte mit einer schwachen südwestlichen Höhenströmung etwas feuchtere und instabil geschichtete Luft zur Schweiz.

Nochmals sonnig und angenehm mild

Am Morgen startete der Tag ganz lokal mit etwas Wiesennebel sowie westlich der Reuss mit ersten, stellenweise dichteren hohen Wolkenfeldern. In der Ostschweiz, im östlichen Alpenraum sowie im Tessin war die erste Tageshälfte hingegen noch weitgehend wolkenlos. Die hohe Bewölkung verlagerte sich im Tagesverlauf unter Ausdünnung ostwärts, wodurch der Himmel in fast allen Regionen zeitweise etwas milchig getrübt war. Gebietsweise wurde die Sonne kurzzeitig auch ganz verdeckt.

Nebst den hohen Wolkenfeldern bildeten sich im Tageverlauf bevorzugt über dem Jura und den Voralpen sowie am Nordrand der Schweiz in Richtung Schwarzwald, aber auch im Tessin einige Quellwolken. Am Nachmittag entstanden daraus lokale Schauer, zum Teil auch Gewitter wie beispielsweise bei Schangnau im Emmental oder im Mittel- und Südtessin.

Nichtsdestotrotz war der Tag an den meisten Orten überwiegend sonnig. Bis Redaktionsschluss wurden vielerorts rund 9 bis 11 Stunden Sonnenschein registriert. Am wenigsten Sonnenschein gab es im Südtessin. Dort war die Quellbewölkung in den Nachmittagsstunden sehr kompakt und es reichte in Lugano für nicht einmal 3 Stunden Sonnenschein.

Die Temperaturen erreichten auf der Alpennordseite im Flachland Höchstwerte zwischen 21 und knapp 24 Grad, im Tessin reichte es für rund 22 bis knapp 25 Grad. Einen Sommertag gab es im Wallis mit bis zu 26 Grad in Sion.

Wolkenparade

Wie in der Einleitung bereits erwähnt, war der Himmel heute sehr facettenreich und bot dem aufmerksamen Beobachter oder Beobachterin so einiges. Nebst Schleierwolken in diversen Variationen stach ein Wolkenexemplar besonders heraus. Am Vormittag zwischen 9 und 11 Uhr konnten in Nord- und Mittelbünden zwei bis drei nicht alltägliche Wolken beobachtet werden. Nämlich diese hier:

Dass diese Wolke äusserst selten ist, lässt sich nur schon dadurch erahnen, weil wir noch immer am „werweissen“ sind, wie die Wolken entstanden sein mag und was die passende Bezeichnung ist.

Zu diesem Zeitpunkt war es in Graubünden abgesehen von wenigen Schleierwolken fast wolkenlos. Gemäss Wettermodellen war die Atmosphäre allerdings in den höheren Luftschichten, das heisst zwischen rund 6500 bis 7500 m ü.M. leicht angefeuchtet. Dies entsprach auch in etwa der gemessenen Höhe der Wolkenbasis der Schleierwolken. Dementsprechend war der Wasserdampfgehalt der Luft in dieser Höhe höher als in den umliegenden Schichten, bloss reichte er noch nicht aus, um eine Wolkenschicht zu bilden.

Möglicherweise durchquerte nun ein Flugzeug diese mit Wasserdampf angereicherte Luftschicht und führte Aerosole hinzu, welche in der Folge als Eiskondensationskeime dienten. An diesen Eiskondensationskeimen konnte nun Wasserdampf kondensieren und es entstanden Eiskristalle. Die Eiskristalle liessen anschliessend diese spezielle Wolke entstehen.

Rein visuell handelt es sich wahrscheinlich um eine Cirrus floccus virga. Die Entstehung beziehungsweise Umwandlung der Wolke erinnert aber auch an so genannte Hole Punch Clouds, die üblicherweise in einer Altocumulus oder Cirrocumulus Wolkenschicht auftreten. Der offizielle Name hierfür wäre Cavum (weitere Informationen finden Sie hier: https://cloudatlas.wmo.int/clouds-supplementary-features-cavum.html). Bei den heutigen Exemplaren fehlte einfach die Wolkenumgebende Cirrocumulus-Schicht, weshalb der Name auch nicht passend ist.

Falls Sie eine passendere Bezeichnung oder Entstehungserklärung haben, sind wir auf Ihre Theorie gespannt.

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Kommentare (13)

  1. Peter Sager, 25.05.2019, 13:17

    Danke ganz herzlich und diese Fotos von der Rundwolke sind fantastisch.

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  2. Peter, 25.05.2019, 13:01

    Liebes MeteoSchweiz Team
    Ich weiss, dass ihr keine Wettervorhersagen macht, dennoch würde ich gerne eine verwandte Frage stellen:
    In mehreren Blogeinträgen in der Vergangenheit habt ihr dargelegt, dass in den schönen Sommern in den vergangenen Jahren sich jeweils ein Hochdruckgebiet über Mitteleuropa bereits im April ausgebildet habe und sich dieses dann mehrere Monate wetterbestimmend gewesen sei.
    Ich halte seit Monaten nach einem Kandidaten für ein solches, längerfristiges Hochdruckgebiet Ausschau.
    Da wir uns nun bereits am Ende das Monats Mai befinden, würde ich gerne wissen, ob aufgrund der Erfahrungen aus der Vergangenheit überhaupt noch die Hoffnung besteht, dass der Sommer 2019 eine mehrwöchige Schönwetterphase, d.h. warm und trocken, bringen wird?

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    1. MeteoSchweiz, 25.05.2019, 13:33

      Diese Frage ist schwer zu beantworten. Grundsätzlich wäre es aber keine positive Nachricht, wenn sich die blockierte Wetterlage die wir im vergangenen Sommer hatten, wiederholen würde. Im Moment sehen wir ab kommendem Freitag eine stabilere Hochdrucklage. Wie lange diese andauert ist noch offen.

      Erste Tendenzen für den Witterungsverlauf für die kommenden Woche und Monate finden Sie in unserem Monats- und Saisonausblick:

      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/prognosen/monatsausblick.html

      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/prognosen/saisonausblick.html

  3. Urs Imhof, 25.05.2019, 07:55

    Ich habe die letzten Tage genossen.
    Das fällt mir auch auf das an gewissen Standorten mehr Niederschlag angezeigt wird wie tatsächlich fällt.
    Das ist auch im Aargau der Fall.
    Sonst interessante Blogs.

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  4. Christine, 24.05.2019, 22:13

    Ganz klar: entweder ein himmlisches Hör-Rohr oder ein Grammophon Schalltrichter. Hören oder gehört werden?

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    1. Mirjam, 25.05.2019, 17:00

      Liebes Meteo-Team, danke für diese wunderbare Foto von der Trichter-Wolke. Ich habe keine Theorie, lasse jedoch meine Fantasie schweifen:
      - Könnte es sein, dass durch die feuchte Wolkenschicht trockene, wärmere Luft geflossen ist und diesen Trichter bildete?

  5. Wishkey B., 24.05.2019, 21:41

    Ich bin immer wieder erstaunt über die Vorhersage des Regenradars. 49mm für den Raum Luzern am Montag. Was sich praktisch immer vorher dann doch wieder drastisch reduziert. Wie kommen solche 'Ausreisser' zustande?

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    1. MeteoSchweiz, 24.05.2019, 22:37

      Besten Dank für Ihre Anfrage. Aktuell erwarten wir am Montag tatsächlich nicht so viel Niederschlag. Wie diese Werte zustande kommen klären wir intern ab.

    2. MeteoSchweiz, 28.05.2019, 14:56

      Die Niederschlagsprognose im App basiert auf dem Cosmo-1 Wettermodell. Für die ersten sechs Stunden des Prognosezeitraums fliessen zudem Daten von INCA, einem Nowcasting-System für Regen, Wind, Temperatur usw dazu. Insbesondere bei konvektiven Wetterlagen, also wenn es Regenschauer und Gewitter gibt, sind lokal grössere Niederschlagsmengen möglich. Wo genau diese Mengen fallen, kann das Modell jedoch nicht immer zuverlässig sagen. Wenn also in Luzern mit einem niederschlagsintensiven Schauer gerechnet wird, dieser dann aber nicht in Luzern sondern in Zug fällt, kann das als Ausreisser empfunden werden, wenn man nur einen einzelnen Gitterpunkt betrachtet. Aus diesem Grund ist es von Vorteil, bei Niederschlag nicht nur ein punktgenaues Meteogramm, sondern immer auch die Umgebung zu betrachten.

  6. Heinz F., 24.05.2019, 20:48

    Eine Theorie habe ich keine, aber diese entzückende Wolke erinnert mich an eine zarte Qualle.
    Die Fotos im Blog sind einfach immer wieder von neuem ein Quell der Freude.

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    1. ne kölsche Jung', 24.05.2019, 21:37

      schließe mich dem Vorhergesagten vollinhaltlich an und möchte (Theorie!) an den Wolkenscheibeneffekt beim Überschallknall von Kampfjets erinnern.
      Gruß aus Köln

    2. MeteoSchweiz, 25.05.2019, 08:05

      Die Version mit dem Überschallknall schliessen wir aus. Dies aufgrund der Entstehungsgeschichte, die wir mit verschiedenen Webcams angeschaut haben. Zunächst waren Kondensstreifen vorhanden, welche sich in der Folge auflösten. Kurz danach sind die "virga-Wolken" entstanden. Im Übrigen waren mindestens vier solche Wolken zu sehen.

  7. Käthi Minder, 24.05.2019, 20:26

    Das Wolkengebilde sieht aus wie eine Qualle. Warum nicht diese Bezeichnung?
    Wir erfreuen uns immer wieder an den hochstehenden und tollen Fotos, die die Meteorologen im Blog jeweils veröffentlichen. Danke dafür.

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