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Eine Kaltfront und ihre Darstellungsmöglichkeiten.

28. Januar 2020, 7 Kommentare
Themen: Wetter

Endlich! Endlich pfeift uns der Wind wieder einmal um die Ohren! Aus einem umfangreichen Tiefdruckkomplex mit Kern über dem Nordmeer hat das Randtief Lolita eine aktive Kaltfront zur Schweiz gesteuert. Heute schauen wir uns ein paar Darstellungsmöglichkeiten an.

Eine freundliche Aufhellung sorgt für Sonnenstrahlen in Basel. Unweit davon ein aktiver Schauer. Bild: Roundshot
Eine freundliche Aufhellung sorgt für Sonnenstrahlen in Basel. Unweit davon ein aktiver Schauer. Bild: Roundshot

Ein Randtief ist ein Tiefdrucksystem, welches sich am Rand eines grossräumigen Tiefdruckkomplexes bewegt. In der obigen Animation ist schön dargestellt, wie am Rande des Tiefdruckkomplexes über dem Nordmeer starker Druckfall verzeichnet wird, bis sich im Bodenfeld ein abgeschlossenes Tiefdrucksystem gebildet hat. Dessen Name ist bekanntlich Lolita.

Die Kaltfront, welche Lolita heute Morgen gegen die Alpen gewuchtet hatte, war lehrbuchmässig. Die Radaranimation zeigt die aktive Kaltfront, wie sie sich an die Alpen legt.

Wie in der obigen Animation beschrieben, geht mit einer Kaltfront ein Druckanstieg einher, da die kältere Luftmasse eine grössere Dichte hat.

Mit der vorstossenden Kaltluft steigen die Windgeschwindigkeiten an der Luftmassengrenze (der Front eben) scharf an, und die Temperatur fällt ab. Des Weiteren kommt es an einer Front mit dem Druckanstieg zu einem sogenannten Windsprung, also einer Richtungsänderung des Windes.

Werfen wir doch einen Blick auf den zeitlichen Verlauf bei Buchs nähe Aarau:

Vergrösserte Ansicht: Frontdurchgang an der Station in Buchs bei Aarau. Der Luftmassenwechsel war wie aus dem Lehrbuch. In der oberen Graphik ist der mittlere Wind sowie Windrichtung und Böenspitzen dargestellt. In der mittleren Grafik ist die Temperatur, Taupunkt und die relative Feuchtigkeit dargestellt. In der untersten Grafik ist der Druckverlauf dargestellt. Erklärung im Text.
Frontdurchgang an der Station in Buchs bei Aarau. Der Luftmassenwechsel war wie aus dem Lehrbuch. In der oberen Graphik ist der mittlere Wind sowie Windrichtung und Böenspitzen dargestellt. In der mittleren Grafik ist die Temperatur, Taupunkt und die relative Feuchtigkeit dargestellt. In der untersten Grafik ist der Druckverlauf dargestellt. Erklärung im Text.

Front in zwei Schritten:

Vergrösserte Ansicht: Schematische Darstellung der Flugzeugbasierten Messungen während der vorstossenden Kaltfront. Dabei sind von drei, in Zürich startenden Flugzeuge Temperatur und Windmessung übermittelt worden. Diese Messungen heissen AMDAR, kurz für Aircraft Meteorological Data Relay.
Schematische Darstellung der Flugzeugbasierten Messungen während der vorstossenden Kaltfront. Dabei sind von drei, in Zürich startenden Flugzeuge Temperatur und Windmessung übermittelt worden. Diese Messungen heissen AMDAR, kurz für Aircraft Meteorological Data Relay.

Den Verlauf in der Vertikalen können wir sehr schön aufzeigen mit drei flugzeug-basierten Temperatur- und Windmessungen. Dabei wurde die erste Flugzeugmessung in Zürich um 08:40 UTC, also vor der Front gemessen. Die zweite Messung war um 09:55 UTC, also unmittelbar nach der Front. Die dritte Messung ist war um 13:54 UTC, also deutlich nach der Front.

Wie sich die Kaltfront an die Alpen gelegt hatte und wie auf der Rückseite auf der Alpennordseite wechselhafter Wettercharakter mit Schauern und Aufhellungen eingestellt hat war schön im Satellitenbild zu sehen.

Vergrösserte Ansicht: Das Satellitenbild zeigt die Kaltfront an den Alpen und die schauerartigen Niederschläge mit Aufhellungen auf der Alpennordseite. Eine blaue Linie zeigt die Grenze der beiden Bereiche. Unsere Messstation mit 10-minütiger Sonnenscheindauer zeigen den Wettercharakter der beiden Bereiche ebenfalls.
Das Satellitenbild zeigt die Kaltfront an den Alpen und die schauerartigen Niederschläge mit Aufhellungen auf der Alpennordseite. Eine blaue Linie zeigt die Grenze der beiden Bereiche. Unsere Messstation mit 10-minütiger Sonnenscheindauer zeigen den Wettercharakter der beiden Bereiche ebenfalls.

Kommentare (7)

  1. David, 29.01.2020, 13:12

    Guten Tag liebes Meteo Schweiz Team!

    Mich nimmt es wunder, wann endlich ein Wintereinbruch kommt. Ist da schon etwas vorausgesehen?

    Liebe Grüsse, David.

  2. Marcel Fliss, 29.01.2020, 10:10

    Vielen Dank für Ihren äusserst interessanten und lehrreichen Beitrag!
    Was mich etwas erstaunt, ist der nur sehr kurze Windsprung von SW auf NW. Ist das üblich, dass der Wind nach Frontdurchzug gleich wieder auf SW wechselt?

    PS Die Darstellungen sind „der Hammer“. Wir, als Gleitschirmflieger, würden uns sehr freuen, wenn wir auf ihrem App auch Zugang zu all den erweiterten Messstationen und AMDAR Emagrammen hätten. 😉

    1. MeteoSchweiz, 29.01.2020, 11:03

      Lieber Herr Fliss, Wir danken für das Kompliment =)

      Auf Grund der starken Westwindkomponente, war gestern auch nach der Front ein relativ starkes Südwest-Nordost – Druckgefälle. Wenn die Luft von Westen her an die Alpen gepresst wird, baut sich in der Genferseeregion lokal ein Hochdruckgebiet auf. Am Bodensee, wo die Luft in einem deutlich flacheren Winkel an die Alpen heran- und besser weitergeführt wird steigt der Druck weniger an. Es entsteht also ein Südwest-Nordost – Druckgefälle. Dies ist fördernd für die Südwestwindkomponente und der Grund für den nur kurzen Windsprung.

      Bezüglich der Zugänglichkeit der Daten müssten Sie sich bei unserem Kundendienst melden.

      Liebe Grüsse, Ihre MeteoSchweiz

  3. Gerhard Göttler, 28.01.2020, 20:55

    Bei mir gibt es noch eine andere Darstellung des Kaltfront-Durchgangs: In unserem Wintergarten beschlagen die Scheiben!
    ;-))

  4. Josua Altherr, 28.01.2020, 20:24

    Guten Abend, damit ich mir das heutige Wetter besser vorstellen kann:
    Könnte man sagen, dass Lolita bloss für einen Druckabfall sorgte, der starke Wind jedoch verursachte die Kaltluft welche schwerer war und höheren Druck hatte? Ist das immer so bei einem Sturmtief, dass der nachfolgende höhere Druck die Böen verursacht?

    1. MeteoSchweiz, 29.01.2020, 09:13

      Lieber Herr Altherr,

      Das ist nicht nur bei einem Sturmtief so. Im Vorfeld (dort wo es hinzieht) eines jedes Tiefdrucksystems findet Druckfall statt. Hinter dem Tiefdrucksystem, dort wo es (auf der Nordhalbkugel) kalte Luft aus Norden angesaugt hat findet mit der Kaltfront einen Druckanstieg statt, weil die kältere Luft eine grössere Dichte hat und somit schwerer ist. Das haben Sie richtig erkannt. Ich empfehle Ihnen hier (https://bit.ly/2Uc14Ey) weitere Lektüre.

      Liebe Grüsse, Ihre MeteoSchweiz

  5. H, 28.01.2020, 19:35

    Sehr interessant, besten Dank!