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Wieder ein sehr warmes Jahr

8. Dezember 2020, 10 Kommentare
Themen: Klima

Das Jahr 2020 könnte in der Schweiz zu den drei wärmsten Jahren seit Messbeginn 1864 gehören. Das zeigen die aktuellen Berechnungen von MeteoSchweiz. Damit setzt das Jahr 2020 den starken Temperaturanstieg der letzten Jahre fort. Die sechs wärmsten Jahre in der 157-jährigen Messreihe wurden alle nach 2010 gemessen.

Blick vom Klein Matterhorn Richtung Matterhorn, Dent d’Hérens und Dent Blanche am strahlenden 9. September 2020.  Foto: Michael Kopp
Blick vom Klein Matterhorn Richtung Matterhorn, Dent d’Hérens und Dent Blanche am strahlenden 9. September 2020. Foto: Michael Kopp

Anhaltend überdurchschnittlich

Von den bisherigen elf Monaten des Jahres 2020 waren neun wärmer als die Norm 1981−2010. Der Oktober blieb im unterdurchschnittlichen Bereich. Die Junitemperatur entsprach der Norm. Drei Monaten zeigten sehr hohe Werte: Im landesweiten Mittel war es der zweitmildeste Februar, der drittmildeste April und der viertmildeste November seit Messbeginn 1864. Unabhängig der Durchschnittstemperatur des laufenden Dezembers wird 2020 daher als sehr mildes Jahr enden.

Nach den aktuellen Berechnungen bis zum Jahresende wird die Schweizer Jahrestemperatur 2020 etwa 1,3 bis 1,5 °C über der Norm 1981−2010 liegen und damit zu den drei höchsten seit Messbeginn gehören.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 1: Die Jahrestemperatur in der Schweiz seit Messbeginn 1864 als Abweichung zur Norm 1981−2010 (5,4 °C). Der violette Balken über dem Jahr 2020 zeigt die Unsicherheit der Berechnung.
Abb. 1: Die Jahrestemperatur in der Schweiz seit Messbeginn 1864 als Abweichung zur Norm 1981−2010 (5,4 °C). Der violette Balken über dem Jahr 2020 zeigt die Unsicherheit der Berechnung.

Die wärmsten Jahre nach 2010

In der Schweiz wurden die sechs wärmsten Jahre der Messreihe 1864−2020 nach 2010 erfasst. Das wärmste Jahr war 2018, gefolgt von 2015, 2011, 2014 und 2019. Für die genaue Einordnung des Jahres 2020 in diese Reihe müssen wir bis Ende Dezember warten.

Neun der zehn wärmsten Jahre traten nach dem Jahr 2000 auf. Diese Häufung von sehr warmen Jahren in den letzten Jahrzehnten ist eines der markantesten Signale der laufenden Klimaänderung.

Als Folge der starken Erwärmung ist es einerseits nicht verwunderlich, dass praktisch jedes Jahr wieder eine sehr hohe Temperatur bringt. Andererseits ist es über die ganze Messperiode betrachtet einzigartig, dass wir fast regelmässig auf das Jahresende hin über einen weiteren möglichen Spitzenplatz berichten müssen.

Alle Landesteile betroffen

Die weit überdurchschnittliche Wärme im Jahr 2020 ist in allen Regionen der Schweiz feststellbar. Im Hochgebirge, zum Beispiel auf dem Jungfraujoch oder auf der Grimsel, könnten neue Rekorde erreicht werden. Nördlich der Alpen ist eine Jahrestemperatur von 1,3 bis 1,6 °C über der Norm 1981−2010 zu erwarten. Das würde Rang 2 seit Messbeginn bedeuten.

Südlich der Alpen wird die Jahrestemperatur nach den aktuellen Berechnungen 1,1 bis 1,3 °C über die Norm 1981−2010 steigen. Damit würde das Jahr 2020 auf der Alpensüdseite zu den vier wärmsten seit 1864 gehören.

MeteoSchweiz ist offen für einen respektvollen Onlinedialog und freut sich über Ihre Kommentare und Fragen. Kontaktformular

Kommentare (10)

  1. Reto, 10.12.2020, 14:17

    Und es gibt viele Leute, welche von einem kühlen Sommer 2020 und einem kalten Winter schwafeln. Erschreckend wie der Bezug zur Natur und zum Wetter verloren geht. Die sich entwickelnde anthropogene Klimakatastrophe ist eigentlich für jeden sicht- und spürbar.

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  2. Bernhard, 10.12.2020, 07:12

    Sagenhaft, soll mir noch jemand erzählen dass es keine Erwärumung gibt.
    Das ist sowas von offensichtlich dass es mich jeweils frustriert wenn wir Schweizer keinen Sinn für Co2 reduktion und Klimaschutz haben wollen.

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  3. Philipp Furrer, 10.12.2020, 00:12

    Guten Tag

    Gemäss der Grafik oben war die Norm zwischen 1981 und 2010 ja 5.4 C. Mich würde interessieren, wie hoch die vorherigen Normen waren (absolut in grad Celsius), vielleicht die letzten drei Normen?

    Vielen Dank im Voraus!

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    1. MeteoSchweiz, 11.12.2020, 10:42

      Guten Tag Herr Furrer

      Die klassischen Normperioden zeigen die folgenden landesweiten Jahresnormwerte: 1981-2020: 5,4 °C; 1961-1990: 4,6 °C; 1931-1960: 4,5 °C; 1901-1930: 4,1 °C; 1871-1900: 3,9 °C. Sie können die Normwerte auch selber bestimmen. Die Schweizer Jahrestemperatur ab 1864 finden Sie unter:

      https://www.meteoschweiz.admin.ch/product/input/climate-data/swissmean/10.18751-Climate-Timeseries-CHTM-swiss.txt

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  4. Timo, 09.12.2020, 20:02

    Zwei Fragen:
    1. Können Sie dem Laien erklären, wie man aus den zeitaufgelösten Daten von Messstationen, deren Anzahl und Lokalisierung sich über die Jahre wiederholt geändert haben wird, eine Jahresmitteltemperatur für das ganze Land berechnen kann, die über die ganze Zeit hinweg vergleichbar bleibt?
    2. Warum schreiben Sie bei Ihren Wettervorhersagen immer wieder von "unnormaler" Temperatur, wenn diese vom langjährigen Mittel abweicht? Temperaturschwankungen gab es schon immer und sind damit völlig normal. "Überdurchschnittlich" oder "unterdurchschnittlich" schienen mir die zutreffenderen Bezeichnungen zu sein.

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    1. hans wiesendanger, 10.12.2020, 18:17

      Ich habe 1972 - 1974 in Zermatt gearbeitet und in dieser Zeit viele Fotos gemacht. Es beelendet mich, wenn ich diese Bilder mit aktuellen Aufnahmen vergleiche. Leider hat sich das, was damals betreffend Klimawandel geschrieben wurde, mehr als bewahrheitet. Und nein, "völlig normal" kann man das nun nicht mehr bezeichnen.

    2. MeteoSchweiz, 11.12.2020, 10:58

      Guten Tag Timo

      Die Vergleichbarkeit von historischen mit aktuellen Messungen ist das zentrale Thema in der Klimatologie. MeteoSchweiz verfügt dazu über Spezialisten, die auch im internationalen wissenschaftlichen Austausch diesen Aspekt umfassend bearbeiten. Eine zentrale Rolle spielen dabei tatsächlich systematische Veränderungen durch neue Standorte und neue Messgeräte und zusätzlich Veränderungen in der Umgebung. Nur wenn der Einfluss solcher Veränderungen aus den Datenreihen entfernt wird, lassen sich Aussagen zur vergangenen, langjährigen Klimaentwicklung machen. Dies wird mittels Homogenisierung der Daten erreicht. Die Homogenisierung von Messreihen ist eine Kernaufgabe der MeteoSchweiz. Auf der Internetseite der MeteoSchweiz ist mehr dazu zu erfahren:

      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/schweizer-klima-im-detail/homogene-messreihen-ab-1864/homogenisierung-von-klima-messreihen.html

      Wie man von den einzelnen homogenen Stationsmessreihen zum Schweizer Mittel gelangt, beschreibt die folgende Web-Seite von Meteochweiz:

      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/schweizer-klima-im-detail/schweizer-temperaturmittel.html

      Der Begriff "unnormal" findet bei MeteoSchweiz keine Verwendung, es sei denn, es handle sich um einen Schreibfehler. Allenfalls wird "unternormal" verwendet, mit der Bedeutung "unter der Norm", also unter dem Durchschnitt. Mit dem Begriff "Norm" wird in der Meteorologie/Klimatologie ein definierter Durchschnitt bezeichnet, z.B. die Norm 1981-2010.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    3. Timo, 13.12.2020, 20:52

      Besten Dank für Ihre Erläuterungen. Unter- und übernormal (summarisch unnormal) haben für mich jedoch einen deutlich anderen Klang als "abseits des Mittelwertes". Der übliche Sprachgebrauch verbindet mit diesen Begriffen den Aspekt des Ungewöhnlichen. Das trifft in diesem Falle die Sache schlecht und stellt eine unnötige Wertung dar.

      Mit freundlichen Grüssen
      Timo

  5. Rolf Streit, 08.12.2020, 18:02

    Dies sollte uns allen die Augen öffnen!
    Gibt es eine Grafik mit der Überlagerung des Treibhausgasgehaltes der Atmosphäre?

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    1. MeteoSchweiz, 09.12.2020, 14:43

      Guten Tag Herr Streit

      Eine Grafik, welche die Überlagerung der CO2-Kurve mit der globalen Temperaturkurve zeigt, sowie eine ausführliche Diskussion dazu, ist zu finden unter:
      https://www.klimafakten.de/behauptungen/behauptung-trotz-steigender-co2-emissionen-kuehlte-sich-die-erde-von-1945-bis-1975-ab

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz