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Global wärmster Juni, gleichauf mit Juni 2019

10. Juli 2020, 14 Kommentare
Themen: Klima

Nach Angaben des europäischen Copernicus-Dienstes lag die globale Durchschnittstemperatur im Juni 2020 um 0,53 °C über dem Durchschnitt des Zeitraums 1981–2010. Damit war der diesjährige Juni der global wärmste Juni im Copernicus-Datensatz, gleichauf mit dem Juni 2019. Ostsibirien verzeichnete weit über dem Durchschnitt liegende Temperaturen. In Europa lag die Temperatur im Norden ebenfalls weit über dem Durchschnitt, im Süden war sie unterdurchschnittlich. Für Europa als Ganzes war dies der bisher zweitwärmste Junimonat in diesem Datensatz ab 1979.

Abb 1. Abweichung der globalen Temperatur im Juni 2020 im Vergleich zur Normperiode 1981–2010 (in °C). Quelle: Copernicus Climate Change Service/ECMWF.
Abb 1. Abweichung der globalen Temperatur im Juni 2020 im Vergleich zur Normperiode 1981–2010 (in °C). Quelle: Copernicus Climate Change Service/ECMWF.

Zweigeteiltes Europa: warm im Norden, kühl im Süden

Die ERA5-Reanalyse, die vom Europäischen Zentrum für Mittelfristige Wettervorhersage (EZMWF) im Rahmen des Copernicus-Programms erstellt wird, liefert eine klimatologische Einordnung für den aktuellen Juni. Bei der Reanalyse handelt es sich um eine Rekonstruktion der bodennahen Temperaturen für die ganze Welt, in welche eine Vielzahl von meteorologischen Messungen seit 1979 einfliesst und damit einen Vergleich mit dem vergangenen Klimazustand im Juni erlaubt.

Im Juni dieses Jahres wichen die regionalen Durchschnittstemperaturen über Europa erheblich vom Durchschnitt der Normperiode 1981–2010 ab. Das räumliche Muster war jenem des vorangegangenen Mai weitgehend entgegengesetzt. Die Temperaturen lagen in Skandinavien und in weiten Teilen Osteuropas weit über dem Durchschnitt, beeinflusst durch langanhaltendes Hochdruckwetter in diesen Regionen. Gemäss nationalen Daten registrierte Norwegen seinen zweitwärmsten Juni seit 1900. Schweden verzeichnete ebenfalls einen der wärmsten Junimonate seit Beginn der Aufzeichnungen in den 1889er Jahren, während Helsinki und andere Orte in Finnland den wärmsten Juni seit 1961 meldeten.

Je weiter man in Richtung Südeuropa blickt, umso mehr lag die lokale Temperatur im Juni 2020 nahe oder leicht unter dem Durchschnitt. Auch im osteuropäischen Teil von Russland und in Westsibirien war es kühler als normal, im Gegensatz zu den relativ milden Bedingungen, die dort während eines Grossteils des letzten Winters und im Frühling vorherrschten.

Vergrösserte Ansicht: Abb 2. Temperaturverteilung in Europa im Juni 2020. Dargestellt ist die Abweichung von der Norm 1981–2010 (in °C). Quelle: Copernicus.
Abb 2. Temperaturverteilung in Europa im Juni 2020. Dargestellt ist die Abweichung von der Norm 1981–2010 (in °C). Quelle: Copernicus.

Grosse Wärme in Ostsibirien

Ausserhalb Europas wurden die grössten Temperaturabweichungen von der Norm 1981–2010 über den Landmassen der sibirischen Arktis festgestellt. Dort gab es nicht nur im Durchschnitt, sondern auch bezüglich der Extremwerte neue Rekorde. Zum Beispiel in Werchowjansk in Ostsibirien, einer Stadt nördlich des Polarkreises, lag die Temperatur an elf aufeinanderfolgenden Tagen über 30 °C, wobei am 20. Juni ein Höchstwert von 38 °C gemessen wurde. Dies könnte gemäss WMO und nach aktuellem Wissensstand der höchste jemals in der Arktis gemessene Temperaturwert sein.

Warm in den USA, kalt in Nordindien

In der Antarktis gab es im Juni eine für den dortigen Winter charakteristische räumliche Variabilität der Temperatur. Über den grossen Landmassen lag die Temperatur hauptsächlich über der Norm, insbesondere im Zentrum der Vereinigten Staaten und im Süden Kanadas, im Nordosten Kanadas und in den meisten Ländern Afrikas, des Nahen Ostens, Südamerikas, in China und Australien. In Nordindien hingegen lag die Temperatur weit unter dem langjährigen Durchschnitt.

La Niña-Ereignis beginnt im äquatorialen Pazifik

Die Meeresoberflächentemperatur lag in einigen Gebieten leicht unter der Norm 1981–2010. So zeigte die Region des Golfstroms, aber auch der östliche Äquatorialpazifik Temperaturen deutlich unter dem Durchschnitt. Die La-Niña-Phase im Pazifik hatte sich schon im Mai angebahnt und entwickelte sich im Juni weiter. Auf einem Grossteil der globalen Ozeanoberfläche war die Temperatur aber wärmer als die Norm.

Zusammenfassung zum Juni 2020

Im Juni dieses Jahres lag die globale Mitteltemperatur weit über dem langjährigen Durchschnitt. Der Juni war…

  • 0,53 °C wärmer als die Juninorm 1981–2010;
  • weniger als 0,01 °C kühler als der Juni 2019, der wärmste Juni in diesem Datensatz ab 1979;
  • 0,1 °C wärmer als der Juni im Jahr 2016, der drittwärmste Juni im Copernicus-Datensatz.

Das Klima über Europa schwankt im Allgemeinen stärker als im globalen Mittel. Die Durchschnittstemperatur über Europa im Juni 2020 war 1,3 °C wärmer als die Norm 1981–2010. Der wärmste Juni über Europa ereignete sich ebenfalls im Jahr 2019, mit einer Abweichung von 2,3°C. Die Temperatur im Juni 2020 entspricht der aus dem Jahr 1999. Diese beiden Junimonate sind gleichermassen die zweitwärmsten.

Die Juni-Ausgabe des Copernicus-Bulletins ist in englischer Sprache erhältlich.

Norm-Juni in der Schweiz

Im Juni 2020 lag die Schweiz zwischen dem wärmeren Nordeuropa und dem kühleren südlichen Teil Europas. So entsprach die Temperatur in der Schweiz mehr oder weniger der Norm 1981–2010, mit lokalen Abweichungen von -0,7 °C bis +0,5 °C. Ein leichtes Temperaturdefizit wurde vor allem im Churer Rheintal und im Chablais beobachtet. Im landesweiten Mittel entsprach die Temperatur im Juni genau der Norm 1981–2010.

Vergrösserte Ansicht: Abb 3. Temperaturverteilung in der Schweiz im Juni 2020. Dargestellt ist die Abweichung vom Mittel über die Normperiode 1981–2010 (in °C). Die weisse Fläche innerhalb der Schweiz steht für Abweichungen von -0,5 bis +0,5 °C. Quelle: MeteoSchweiz.
Abb 3. Temperaturverteilung in der Schweiz im Juni 2020. Dargestellt ist die Abweichung vom Mittel über die Normperiode 1981–2010 (in °C). Die weisse Fläche innerhalb der Schweiz steht für Abweichungen von -0,5 bis +0,5 °C. Quelle: MeteoSchweiz.

Das Klimabulletin vom Juni 2020 gibt einen umfassenden Überblick über das Klima in der Schweiz.

Kommentare (14)

  1. erich, 23.07.2020, 14:36

    Mir fällt auf, dass bei den messungen immer nur bis 2010 verglichen wird, es gäbe aber sicher ein anderes bild, wenn man auch die jahre bis heute zum vergleichen nähme, warum werden diese jahre weggelassen?

  2. Ulrich, 14.07.2020, 19:06

    Frage : warum spricht man überhaupt von einer globalen durchschnittlichen Temperatur, obwohl man die Temperatur gar nicht genau messen kann, im Gegensatz zu den lokalen Klimazonen. Wenn man dann noch Abweichungen von 0.01, 0.1, oder auch 0.5 Grad spricht entbehrt dies jeglicher wissenschaftlichen Seriosität.

    1. MeteoSchweiz, 16.07.2020, 15:53

      Guten Tag Herr Ulrich

      Die Bestimmung der globalen Durchschnittstemperatur ist das vielleicht beste Mass für das Monitoring des klimatischen Zustands der Erde oder so eine Art Fieberthermometer für den Planeten. Sie hat somit eine zentrale Funktion. Da Messungen der Temperatur nicht von allen Orten der Erde über eine lange Zeit bekannt sind, ist die globale Durchschnittstemperatur, wie sie richtig sagen, mit Unsicherheiten behaftet. Diese lassen sich aber mit mathematischen Methoden durchaus seriös bestimmen und sind wissenschaftlich breit abgestützt. Sehr illustrativ dazu sind zum Beispiel die Grafiken von Professor Osborn (Link unten). Sie zeigen, dass die Unsicherheit (das sog. 95%-Konfidenzintervall) der globalen Durchschnittstemperatur in den letzten gut 150 Jahren von etwa +/-0.2°C auf heute unter +/-0.1°C abgenommen hat. Somit machen Angaben mit ein bis zwei Nachkommastellen durchaus Sinn.

      https://crudata.uea.ac.uk/~timo/diag/tempdiag.htm

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  3. Lars, 14.07.2020, 10:11

    Also mir ist das ein grosses Rätsel, wo der Juni dieses Jahr warm gewesen sein soll. Eher das Gegenteil war der Fall mit Temperaturen von mind. 0,5°C unter der Norm, wobei es sich für mich viel kälter angefühlt hat.

    1. Karl, 14.07.2020, 17:59

      Seit mehreren Tagen steht auch im Wetterbericht „Temperatur über der für die Jahreszeit üblichen Norm“ das ist mir im Juli (Hochsommer) bei den aktuellen Temperaturen sehr schleierhaft.

    2. erich, 23.07.2020, 14:42

      Da bin ich gleichr meinung, habe mich noch nie im sommer mit so viel kleidern anziehen müssen. Finde es recht kühl für einen sommer.

    3. Andy Burian, 23.07.2020, 19:31

      Super,

      Bin ich doch nicht der Einzige Mensch auf diesem Planeten, der noch fühlt, wie es wirklich ist.

      Objektiv und nicht nur wie es angeblich sein sollte.

      Ich bin echt glücklich über intelligente, Menschen.

      Es gibt Sie doch noch.

      Ich hatte schon die Hoffnung aufgegeben.

      Der Juni war KALT, SEHR KALT.

      Mit ganz unglaublich lieben, lieben Grüssen.

      an die super liebe, nette und freundliche Meteo Swiss Gruppe.

      Ihr seid einfach nur zu total lieb und nett.

      Solche lieben Menschen müsste man erfinden.

      Doch zum Glück gibt es Sie ja schon.



      Von Andy Burian aus Langenbruck Basel-Landschaft 😇😇

    4. Andy, 25.07.2020, 11:33

      Liebes Meteo Swiss Team,

      Da hat Lars leider komplett recht.
      Und deshalb frage ich mich und auch Sie :
      Sie sind doch ISO 9001 bzw ISO 17025 zertifiziert.
      Aber warum rekalibrieren Sie ihre Temperatur Messgeräte nicht jährlich, wie von der Norm verlangt.
      Denn nur so ist erklärbar, dass Ihre Messwerte komplett von der gefühlten Realität so stark abweichen.
      Das ist leider die Einzige Erklärung, für dies Differenzen.

      Freue mich auf Ihre liebe Antwort.

      Ganz herzliche und freundliche Grüsse,

      Von Andy Burian.

    5. MeteoSchweiz, 28.07.2020, 14:09

      Guten Tag Herr Burian

      Es ist eine langjährige Erfahrung von MeteoSchweiz, dass das gefühlte Witterungsempfinden sehr oft nicht mit dem effektiv gemessenen Witterungsverlauf übereinstimmt. Gerade die Frage, wie stark sich die aktuelle Monatsmitteltemperatur von der langfristigen Norm unterscheidet, lässt sich nur mit dem Gefühl nicht zuverlässig beantworten. MeteoSchweiz wartet ihre Messgeräte regelmässig nach vorgegebenen Richtlinien. Zudem werden die Messgeräte kontinuierlich überwacht, um allfällige Störungen möglichst schnell zu erkennen zu beheben. Der Juni 2020 war übrigens nicht nur in der Schweiz milder als die Norm 1981-2010. Auch in Deutschland zeigte sich der erste Sommermonat rund 1 °C milder als die Norm 1981-2010, trotz seiner launenhafte Witterung.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    6. MeteoSchweiz, 28.07.2020, 17:02

      Guten Tag Erich

      Für Aussagen und Produkte mit Bezug auf das aktuell erlebte Klima (z.B. ist ein Monat zu nass, zu trocken, zu warm oder zu kühl), wird gemäss Empfehlung der WMO (Welt-Meteorologie-Organisation) als Vergleichsperiode die Normperiode 1981-2010 verwendet. Normperioden werden alle zehn Jahre angepasst. Die Normperiode 1991-2020 wird ab 2022 verfügbar sein.

      Zur Verwendung von Normperioden äussert sich MeteoSchweiz sehr ausführlich auf der folgenden Internetseite:
      http://www.meteoschweiz.admin.ch/home/klima/klima-der-schweiz/klima-normwerte.html

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  4. Wolfgang, 12.07.2020, 21:38

    Global wird das schon alles stimmen, aber speziell die Alpennordseite ist ja seit Mai 2020 ein Kältepol mit Frost im Mai und im Juli schon wieder einstellige(!) Temperaturen in der Nacht.
    Gut, daß man angesichts der Corona-Pandemie eh keine Lust verspürt, ins Freibad zu gehen...

  5. Ruedi Maurer, 11.07.2020, 08:47

    Herzlichen Dank für die Analyse. Ich finde das immer sehr interessant!

  6. Doris, 10.07.2020, 22:49

    Ja ich finde der Juni entsprach wirklich mal der Norm. Dieses Jahr ist es einfach angenehmer. Mal heiss,mal kühler,mal Regen,mal bewölkt und Nachts kühlt es auch ab. Also einfach herrlich!!Ich hoffe es geht so weiter. Also das Jahr 2018 war ja gar nicht schön. Alles war vertrocknet.......

    1. Lars, 14.07.2020, 10:13

      Das Jahr 2018 war nach 2003 das für mich schönste und angenehmste Jahr bis jetzt. Die Sommer waren einfach toll