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Ein globaler Blick auf den Monat Juli

11. August 2020, 5 Kommentare
Themen: Klima

Nach Angaben des Europäischen Copernicus-Dienstes war der Juli dieses Jahres im globalen Durchschnitt 0,49 °C wärmer als die Norm 1981–2010 und damit nach 2016 und 2019 der drittwärmste Julimonat seit 1979 in diesem Datensatz. In Europa waren die Temperaturen im Norden kälter und im Süden wärmer als normal. Zwischen Grossbritannien und Skandinavien, sowie in Teilen Osteuropas und lokal in einigen Gebieten rund ums Mittelmeer fiel mehr Niederschlag als normal.

Temperaturabweichung zum Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Quelle: Copernicus Climate Change Service / ECMWF
Temperaturabweichung zum Durchschnitt der Jahre 1981-2010. Quelle: Copernicus Climate Change Service / ECMWF

Sehr heiss im Osten Kanadas und Südwesten der USA

Besonders hohe Durchschnittstemperaturen im vergangenen Juli verzeichneten der Osten Kanadas und der Südwesten der Vereinigten Staaten. So wurden in den US-Bundesstaaten New Mexico und Texas neue absolute Hitzerekorde verzeichnet: Am 11. Juli wurden in der texanischen Stadt Borger 46,6 °C gemessen, womit der Rekord aus dem Jahr 2011 von 45 °C (Messbeginn 1949) übertroffen wurde. Nicht weit davon entfernt verzeichnete der Messstandort Midland am 14. Juli ein Tagesminimum von 29,4 °C, ein neuer Rekord für diesen Ort. Im Death Valley, Kalifornien, wurde am 12. Juli 53,3 °C erreicht, die höchste Temperatur seit dem 4. Juli 2013, während die Minimumtemperatur nicht unter 37 °C fiel (Quelle: The Weather Channel).

Die Karte der globalen Temperaturabweichung zeigt, dass auch andere Teile der Erde im Juli wesentlich höhere Temperaturen als normal aufwiesen. Dazu gehört der nordöstliche Pazifik, wo die positive Anomalie aufgrund einer anhaltenden Hochdrucksituation 5 °C erreichte.

In Nordalaska, zwischen China und Japan und in der Region zwischen Südargentinien, Chile und dem Weddellmeer war der Monat kühler als normal.

Überschwemmungen in China, Südkorea und Japan

In einigen Regionen Ostchinas fielen in den ersten zehn Tagen des vergangenen Juli 400 bis 600 mm Regen, in Südkorea gab es den ganzen Monat über mehrere Überschwemmungen. In Daejeon fielen am 30. Juli innert 24 Stunden fast 200 mm Regen, davon 80 mm in einer einzigen Stunde. In der Region Kumamoto in Südjapan gab es am 4. Juli bis zu 410 mm Regen in 24 Stunden (Quelle: floodlist.com). Dieser Niederschlag ist in der stark positiven Niederschlagsanomalie vom Juli 2020 deutlich sichtbar (Abb. 1).

Vergrösserte Ansicht: Abb. 1: Abweichung der Niederschlagssumme im Juli von der Norm 1981–2010. Links: Nordhalbkugel, rechts: Südhalbkugel. Quelle: Copernicus Climate Change Service / ECMWF
Abb. 1: Abweichung der Niederschlagssumme im Juli von der Norm 1981–2010. Links: Nordhalbkugel, rechts: Südhalbkugel. Quelle: Copernicus Climate Change Service / ECMWF

In Europa kühl und regnerisch im Norden, heiß und trocken im Süden

Während der Norden Europas zu kühl war, waren die Durchschnittstemperaturen in Südeuropa über der Norm. Im Juni war es gerade umgekehrt. Der Grund für diese unterschiedliche Temperaturverteilung ist die Veränderung der atmosphärischen Zirkulation im Vergleich zum Vormonat: Im Juli bildete sich häufig ein Tiefdruckgebiet zwischen dem Vereinigten Königreich und Skandinavien, das häufige Niederschläge verursachte und die Temperaturen kühl hielt.

In Irland, in einem Grossteil des Vereinigten Königreichs, in Skandinavien, in einem Teil Westrusslands und Osteuropas sowie in einigen an das Mittelmeer angrenzenden Regionen wie z.B. in Sizilien, wurden mehr starke Regenfälle als normal gemessen.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 2: Temperaturanomalie (links, in °C) und Niederschlag (rechts, in mm/Tag) über Europa im Juli 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1981–2010. Quelle:  Copernicus Climate Change Service / ECMWF
Abb. 2: Temperaturanomalie (links, in °C) und Niederschlag (rechts, in mm/Tag) über Europa im Juli 2020 im Vergleich zum Durchschnitt der Jahre 1981–2010. Quelle: Copernicus Climate Change Service / ECMWF

Besonders niedrig waren die Temperaturen in Skandinavien, mit Ausnahme von Ost-Lappland. In Finnland betrug die negative Abweichung 1–2 °C und es regnete bis zu zweieinhalb Mal mehr als normal. In der Stadt Tampere betrug der Tageshöchstwert am 24. Juli 12,2 °C, das niedrigste Tagesmaximum seit Beginn der Messungen in den 1960er Jahren (Quelle: Finnish Meteorological Institute).

Vergrösserte Ansicht: Abb. 3: Starke Regenfälle auf finnischen Seen im Juli (Foto: Eija Vallinheimo, vom Finnischen Meteorologischen Institut).
Abb. 3: Starke Regenfälle auf finnischen Seen im Juli (Foto: Eija Vallinheimo, vom Finnischen Meteorologischen Institut).

Der Monat Juli war unterdurchschnittlich in Bezug auf die Temperatur und überdurchschnittlich in Bezug auf die Niederschläge in weiten Teilen des Vereinigten Königreichs, obwohl es an den letzten beiden Tagen des Monats eine intensive Hitzewelle gab, im Zuge derer am Flughafen London Heathrow 37,8 °C erreicht wurden (Quelle: Met-Office).

Vergrösserte Ansicht: Abb. 4: Überfüllte Strände am 31. Juli in Brighton. Nach einem kühlen und regnerischen Monat Juli im Vereinigten Königreich erreichten die Temperatur am 31. Juli am Flughafen Heathrow fast 38°C (Quelle: https://phys.org/).
Abb. 4: Überfüllte Strände am 31. Juli in Brighton. Nach einem kühlen und regnerischen Monat Juli im Vereinigten Königreich erreichten die Temperatur am 31. Juli am Flughafen Heathrow fast 38°C (Quelle: https://phys.org/).

In der Schweiz etwas wärmer als sonst und wenig Niederschlag

Aufgrund des wechselhaften Wetters war die typische Sommerhitze im Juli in unserem Land nicht besonders ausgeprägt. Im Vergleich zu den Vorjahren 2018 und 2019 wurden nur an wenigen Tagen 30 °C überschritten. Die Sommerhitze kam erst am Ende des Monats. Die landesweite Durchschnittstemperatur pendelte sich im Juli bei 15,4 °C ein, mit einer positiven Abweichung von 1,2 °C im Vergleich zur Norm 1981–2010. Trotz des Durchzugs mehrerer Sturmfronten waren die Niederschläge in vielen Regionen gering und die Sonnenscheindauer höher als normal.

Vergrösserte Ansicht: Abb. 5: Temperaturabweichung im Juli in der Schweiz im Vergleich zur Norm 1981–2010.
Abb. 5: Temperaturabweichung im Juli in der Schweiz im Vergleich zur Norm 1981–2010.

Kommentare (5)

  1. Marc L., 14.08.2020, 11:49

    Guten Tag,
    Im Zuge der Klimaerwärmung wird oft die Abweichung vom Globalen durchschnitt genommen um die aktuelle Periode in Sachen Temperatur zu bewerten. Wird durch die Kontinuierliche Erwärmung diese Abweichung nicht per se kleiner? Wir haben in den Letzen Jahren immer sehr warme Perioden die sich in die Datenreien anhäufen und somit auch den globalen durchschnitt erhöhen, dadurch werden ja die warmen Jahren von Ausreisser zur Norm! Wird das berücksichtigt und wenn ja wie? Werden wir bald nur noch vergleiche mit Perioden haben die max. bis 1990 oder 2000 gehen?

    1. MeteoSchweiz, 14.08.2020, 14:32

      Guten Tag Marc L.,
      wir vergleichen in unseren Analysen jeweils den aktuellen Berichtszeitraum (z.B. den Juli 2020) mit dem Durchschnitt über den betreffenden Zeitraum (z.B. Juli) einer Normperiode von 30 Jahren. Beim Vergleich der globalen Durchschnittstemperatur für den Juli 2020 mit der Normperiode 1981-2010 werden also die 30 Julimonate von 1981 bis 2010 gemittelt und dann mit dem aktuellen Juli verglichen. Solange man immer die gleiche Normperiode verwendet, nehmen die Abweichungen zu dieser Norm mit der Zeit aufgrund des langfristigen Erwärmungstrends zu. MeteoSchweiz ist dabei, die Umstellung auf eine neue Normperiode 1991-2020 zu planen. Da diese wärmer sein wird als die Periode 1981-2010 (aufgrund der langfristigen globalen Erwärmung), ist die Abweichung eines Julimonats wie dem Juli 2020 gegenüber dieser neuen Periode kleiner. Da die Normperiode dazu dient, einen "Normalzustand" des Klimas zu definieren, sollte sie im Idealfall nicht zu weit weg von der Gegenwart sein. Deshalb ist eine regelmässige Anpassung sinnvoll. All dies ändert nichts am Trend: dieser ist unabhängig von der Wahl der Normperiode und zeigt nach oben. Global und in der Schweiz wird es wärmer.

      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  2. lisbeth seiler, 14.08.2020, 07:54

    Liebes Meteo-Team

    Diese globale Übersicht finde ich auch ganz toll.
    Danke vielmals für die interessanten Details der verschiedenen Regionen unserer wunderschönen Erde.
    Was ich mich frage, wie Menschen in den Regionen mit über 40 Grad (Texas) und im Death-Valley mit über 50 Grad existieren können!

  3. Dieter Neth, 11.08.2020, 22:35

    Vielen Dank für diese interessante Zusammenstellung! Das können Sie ruhig regelmässig tun, wenn es nicht allzu viel Arbeit macht.

    1. MeteoSchweiz, 12.08.2020, 11:50

      Sehr geehrter Herr Neth

      Vielen Dank für Ihr Interesse an unserem Blog. Es gibt jeweils kurz vor Monatsende einen Blog zum Zustand des Klimas in der Schweiz. Zehn Tage nach Monatsende folgt ebenso regelmässig ein definitives Bulletin, begleitet mit Informationen zum globalen Klimazustand im Vormonat. Wir freuen uns sehr über positives Feedback und nehmen Anregungen gerne auf.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz