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Wärme auf Abwegen

19. Mai 2021, 14 Kommentare
Themen: Wetter

Wir werfen heute einen Blick über den Tellerrand, um genau zu sein an den Rand Europas in den Nordwesten Russlands. Hier sollten die Höchsttemperaturen in dieser Jahreszeit um 10 Grad sein, in Tat und Wahrheit liegen sie aktuell regional über 30 Grad. Wie es dazu kam und wie ungewöhnlich solche Werte sind, lesen Sie in den folgenden Zeilen.

Satellitenbild und Temperaturen von heute um 12 UTC. Auf der Vorderseite des umfangreichen Tiefs, das weite Teile von Nord- und Mitteleuropa umfasst, wird sehr warme Luft subtropischen Ursprungs bis zum arktischen Polarkreis geführt. Quelle: MeteoSchweiz und EuMetSat
Satellitenbild und Temperaturen von heute um 12 UTC. Auf der Vorderseite des umfangreichen Tiefs, das weite Teile von Nord- und Mitteleuropa umfasst, wird sehr warme Luft subtropischen Ursprungs bis zum arktischen Polarkreis geführt. Quelle: MeteoSchweiz und EuMetSat

Die Wetterlage hat sich im Vergleich zu den letzten Tagen kaum verändert. Der Alpenraum ist weiterhin fest im Griff eines umfangreichen Tiefdruckgebiets. Das Tief pumpt auf der Vorderseite sehr warme, subtropische Luft bis weit in den Norden, wie im obigen Bild veranschaulicht wird. Während bei uns durchweg unterdurchschnittliche Temperaturen herrschen, erreicht als «Ausgleich» hochsommerliche Wärme mit Temperaturen von über 30 Grad den arktischen Polarkreis. Wobei die aktuellen Temperaturen in dieser Region selbst im Hochsommer ungewöhnlich wären. Übrigens war es in dieser Region bereits im April deutlich zu warm.

Um diese Frage zu beantworten, greifen wir heute auf den sogenannten EFI (Extreme Forecast Index) zurück. Dieser wird am Europäischen Zentrum für Mittelfristvorhersagen ECMWF berechnet, wobei als Referenzzeitraum die letzten 20 Jahre verwendet werden. Der EFI ist eine dimensionslose Zahl, wobei bei der Temperatur positive Werte überdurchschnittliche Temperaturen, negative Werte unterdurchschnittliche Temperaturen bedeuten. Auf der oben dargestellten Karte ist die Verteilung des EFI für die Mitteltemperatur des heutigen Tages über Europa dargestellt. Auffällig sind zum einen in der Mitte der Karte über dem Alpenraum. Die grünlich/bläulichen Töne mit einem EFI von -0.5 bis -0.8 bedeuten also unterdurchschnittliche Temperaturen, aber nicht weit weg von der Norm. Andererseits sieht man eine grosse rote Fläche im Nordwesten Russlands und zum Teil in Finnland. Ein EFI von +1 bedeutet, dass diese Temperaturen in der zwanzigjährigen Modellklimatologie noch nie vorgekommen sind. Weitere Informationen zum EFI können hier (auf Englisch) nachgelesen werden.

Impressionen vom heutigen Tag: Schnee und Gewitter

Andreas Hostettler hat den Durchzug eines kräftigen Gewitters über dem Zürcher Weinland dokumentiert.

Kommentare (14)

  1. R. Vetterli, 20.05.2021, 08:58

    Ich gehe regelmässig nach draussen und wandere auch bei strömendem Regen, dadurch bin ich noch nie zu Schaden gekommen. Regen schadet ja generell nicht - ausser bei Hochwasser - er reinigt vielmehr die Luft und sorgt zum Beispiel im Frühjahr dafür, dass sich die Pflanzen vom Winter erholen können. Und mit der Flora profitiert ja bekanntlich auch die Fauna. Und mit Tendenzen, die Monate voraus richtig liegen sollen, ist es ja im Weiteren so eine Sache - da kann man allenfalls Wetten abschliessen - darauf verzichte ich jetzt aber lieber.

  2. Wolfgang, 19.05.2021, 23:28

    Wäre ja schon ein Idealfall, wenn es wenigstens im Juni und Juli Hitze und Trockenheit gäbe. Danach ist der Sommer eh schon wieder vorbei.

    1. Peter Andreas Sager, Aeugst am Albis, 20.05.2021, 04:11

      Lieber Wolfgang
      Es zeigen alle Tendenzen auf einen extrem kalten und feuchten Sommer, der August könnte noch warm bis heiss werden.

    2. MeteoSchweiz, 20.05.2021, 08:28

      Guten Tag Wolfgang
      Auf unserer Webseite (https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/prognosen/saisonausblick.html) finden sie einen Saisonausblick für die Monate Juni bis August des Europäisches Zentrums für mittelfristige Wettervorhersage (ECMWF). Dieser geht eher von einem zu warmen Sommer aus.
      Freundliche Grüsse MeteoSchweiz

  3. Hans Ryser, 19.05.2021, 23:05

    Würde man dass aktuelle Wettergeschehen vergleichen mit einem Mensch dann käme dass heraus: sehr schlecht Gelaunt und total neben denn Schuhen. Und die jenigen die im Weg stehen kommen je nach Distanz gut oder eben weniger gut davon.

  4. Urs Imhof, 19.05.2021, 23:02

    Wir hatten in Bad Zurzach immerhin ca. 6 Stunden Sonne im Wechsel mit Wolken und ab den Mittagsstunden sogar trockene Verhältnisse.

  5. Michael Benn, 19.05.2021, 21:10

    In Spitzbergen ist es derzeit -5 Grad, in Tromsö morgen und übermorgen um die Mittagszeit 7 bzw. 8 Grad. Ist das wirklich zu warm?

    1. MeteoSchweiz, 19.05.2021, 22:30

      Grüezi Herr Benn,
      Diese (Tagesmittel-)Temperaturen sind nicht aussergewöhnlich, daher springt der im Text beschriebene EFI (Extreme forecast index) nicht an (s. Grafik im Blog), zumindest im Vergleich zum 20-jährigen Modellklima.

      Freundliche Grüsse,
      MeteoSchweiz

  6. Peter Andreas Sager, Aeugst am Albis, 19.05.2021, 18:37

    Ich war auch in Winterthur an einem kleinen Tanzanlass bei der Kirche. Punkt 15.45 Uhr ein Gewitter mit Hagel und plötzlich nur noch 5 Grad plus.
    Hatten wir je schon so eine lange Nordwestströmung und sie lange Wind und Regen und kaum Sonne im Mai?

    1. P. Bernet, 19.05.2021, 20:40

      Und diese Gewitterfront erreichte etwa um 16.35 Uhr
      Gossau SG; einige Blitze, intensiver Regen, vermischt
      mit Graupeln.
      Leider gab es anschliessend keinen Regenbogen.

    2. Roger Beerli, 19.05.2021, 22:18

      Im Mai 2006 hatten wir das gleiche Wetter. Im Juni und Juli war dann Hitze und Trockenheit.

  7. Sarnian Bloke, 19.05.2021, 18:05

    Schöner Zeitraffer des Gewitters über dem Züri-Weinland. Ich erlebte das voll mitten drin in Winterthur, auch den Hagel. :)

  8. Eugen Perger, 19.05.2021, 18:04

    Sie können Gedanken lesen...vielen herzlichen Dank für den Beitrag zur arktischen Extremhitze. Genau der Beitrag den ich angesichts des permanenten Zustroms feuchtkühler Luft hier in Mitteleuropa erwartet hatte (wo ist eigentlich die ausgleichende Luftbewegung..). angesichts der Klimaerwärmung ist eben genau das das spektakuläre Ereignis dieser Tage: Dürfte sicherlich auch Folgen für die weitere Entwicklung der Polareisdecke in der russ. Arktis haben.

    1. Fabian S., 20.05.2021, 14:55

      Eigentlich schon erschreckend und "unheimlich", dass dort am. Nordrand Europas Temperaturen jenseits der 30 Grad Marke erreicht werden können.

      Ob die gleiche Wetterlage vor 50 Jahren solche Temperaturen hervorgebracht hätte darf denke ich angezweifelt werden!