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Noch einmal gewitterhaft

24. Juni 2021, 17 Kommentare
Themen: Wetter

Die schon seit Tagen andauernde Wetterlage mit einer kräftigen südwestlichen Höhenströmung mit Zufuhr von feuchter und instabiler Luft sorgte auch gestern Abend wieder regional für heftige Gewitter und Unwetterschäden. Auch heute wird diese Konstellation wohl in einigen Gebieten nochmals für heftige Schauer oder Gewitter sorgen, bevor sich aus Nordwesten sich allmählich kühlere Luft durchsetzt und die Atmosphäre stabilisiert.

Während es am Morgen in der Region Zürich - wie übrigens vielerorts in der Schweiz - recht trüb war, zeigte sich am frühen Nachmittag vorübergehend die Sonne. Bildquelle:https://laf.roundshot.com/.
Während es am Morgen in der Region Zürich - wie übrigens vielerorts in der Schweiz - recht trüb war, zeigte sich am frühen Nachmittag vorübergehend die Sonne. Bildquelle:https://laf.roundshot.com/

Rückblick zum Vorabend - heftige Gewitter vom Berner Jura bis zum Wasserschloss sowie um Kloten

Gestern Nachmittag und Abend kam es im östlichen Jura - genauer gesagt von der Gegend von St. Imier bis in die Gegend von Bözberg-Beznau zu heftigen Gewittern. Sie waren begleitet von Hagelschlag und hohen Niederschlagsintensitäten. Als extrem kann das Ereignis an der Station Villeret knapp östlich von St. Imier bezeichnet werden. Innerhalb von nur 10 Minuten sammelte der Regenmesser 29.8 mm, dies ist gesamtschweizerisch ein sehr hoher Wert, die Rekordwerte liegen an den meisten Stationen in der Schweiz bei unter 20 mm, und 30 mm wurden bisher an nur wenigen Stationen überschritten. Es ist allerdings feststellbar, dass mit dem dichter gewordenen Messnetz solche extremen Werte eher erfasst werden. Zum anderen ist aber auch zu erwarten, dass infolge der nun wärmeren Atmosphäre extremere Niederschlagsspitzen auftreten können. Innerhalb einer Stunde wurden 85 mm totalisiert, was ebenfalls als sehr extrem gelten muss. Auch an vielen übrigen Stationen der eingangs erwähnten Region kamen innert relativ kurzer Zeit zwischen 40 und 60 mm zusammen, wobei beispielsweise in Wittnau innerhalb nur einer Stunde fast 44 mm niederprasselten. Es erstaunt deshalb nicht, dass in diesen Gebieten viele Bäche über die Ufer traten und es da und dort auch zu Hangrutschungen kam.

Problematisch war die Situation gestern Abend auch in der Gegend um Kloten. An der Station Zürich Kloten wurden gesamthaft knapp 50 mm registriert, wovon 37 mm innerhalb einer Stunde. Dies verursachte beim Bahnverkehr Probleme wegen Überschwemmung der Gleise.

Tagsüber vorübergehend wieder sonniger

Die Bewölkung war am Morgen noch vielerorts dicht, und speziell in der westlichen Landeshälfte kam es am frühen Morgen erneut zu Schauern und Gewittern. Verantwortlich dafür war ein weiterer Teiltrog, welcher- eingelagert in die Südwestströmung - die Schweiz am frühen Morgen überquerte.

Im Laufe des Vormittags riss dann die Bewölkung vielerorts auf, wodurch sich in weiten Teil der Schweiz vorübergehend die Sonne zeigte. Einzig im westlichen Tessin sorgten die südwestlichen Winde auch tagsüber für dichtere Bewölkung und einige Schauer und Gewitter. Dies ist dort bei dieser Anströmungsrichtung und bei eher tiefdruckbestimmter Lage häufig der Fall.

Heute Abend Winddrehung auf West - damit allmähliche Wetterberuhigung

Das besonders in der Höhe markante Tief, welches in den letzten Tagen die feuchtwarme Südwestströmung bewirkt hat, verlagert sich allmählich nach Osten. Damit dreht die Strömung allmählich auf West, in den unteren Luftschichten sogar auf Nordwest. Die zugeführte Luft ist kühler, wodurch die Atmosphäre stabilisiert wird. Die Regionen vom Berner Jura bis zum Kanton Baselland, welche gestern noch heftige Gewitter verzeichnete, gerät schon heute Nachmittag in den Bereich dieser Luft. Auch fehlt der bei starken Gewittern in grösserer Höhe oftmals vorhandene Hebungsantrieb über dieser Region. Somit kann davon ausgegangen werden, dass es heute Abend in dieser Region nicht mehr zu derart heftigen Gewittern kommen wird. Weiter im Südosten können hingegen auch heute Abend nochmals starke Gewitter auftreten.

Kommentare (17)

  1. Dario, 24.06.2021, 22:31

    Guten Abend liebes Meteo-Team

    Ich beobachte seit Jahren das viele Gewitter immer an Bubikon ZH vorbeiziehen.

    Meistens ziehen Sie über Zürich richtung Hinwil oder sie bleiben auf der anderen Seeseite.

    Kann mit jemand eventuell erklären woran das liegen könnte? Spielt der Pfannenstiel dabei eine Rolle?

    Auch diese Tage zog wieder alles an uns vorbei, kein einziges Gewitter hat es zu mit geschafft, rundherum ging die Post ab wie immer.


    Liebe Grüsse

    1. Martina, 25.06.2021, 01:35

      Eine ähnliche Frage stelle ich mir immer im Freiamt: fährt man mit dem Zug von Muri nach Rotkreuz, so sind die grössten Regen-/Schnee- und Hagelmengen immer zwischen Muri und Mühlau zu beobachten. Woran könnte das liegen?

  2. Patrick, 24.06.2021, 21:33

    @Meteoschweiz ich weiss, das Gewitterprognosen schwierig prognostizierbar sind. Auffällig finde ich aber immer wieder, dass die Gewitter entweder knapp westlich oder östlich an Basel vorbeiziehen. Wenn es gewittert ist es meist nur ein Streifschuss, dies beibachte ich schon seit sehr vielen Jahren. Ist dies bedingt durch die greographische Lage mit dem Schwarzwald und den Vogesen? Der südliche Oberrheingraben bleibt oftmals verschont. Diese Tatsache wird leider nie in den Lokalprognose berücksichtigt.

    1. MeteoSchweiz, 24.06.2021, 22:21

      Guten Tag Patrick,
      Leider können wir weder ihre Beobachtung bestätigen, noch eine Erklärung dafür liefern. Auch in der langjährigen Blitzklimatologie sind diesbezüglich keine Auffälligkeiten zu sehen.
      Mit freundlichen Grüssen, MeteoSchweiz

    2. Hansi, 25.06.2021, 05:07

      Von Südwesten kommend ziehen sie knapp westlich der Schweiz Richtung Vogesen. Die Gewitter richtung Basel laden oft letztmals über dem Blauen ab, kommen höchstens bis Aesch und werden von der Wärmeinsel Basel gnadenlos aufgelöst. So mein Eindruck.

    3. Heinz F, Basel, 25.06.2021, 09:38

      Auch ich beobachte schon seit Jahren, dass - wie Patrick feststellt - die Gewitter, welche von Südwesten dem Jura entlang richtig Basel ziehen, entweder Richtung Norden zum Schwarzwald, oder Richtung Osten nach Baselland/Fricktal abziehen. Oder sie lösen sich vor Basel auf. Ich sehe das physisch, wenn ich aus dem Fenster schaue, und ebenfalls auf der Niederschlagsanimation von Meteo Schweiz.

    4. Christoph, 25.06.2021, 11:40

      Ich bin aus dem Raum Lörrach, nahe der Grenze zu Basel, und kann die Beobachtung von Patrick ganz genau so bestätigen. Viele der heranziehenden Gewitter müssten eigentlich gemäss Jura-Zugbahn geradeaus über Basel ins vordere Wiesental ziehen. Tun sie aber nicht...Wäre sehr interessant wenn die Wetterexperten dieses Phänomen mal genauer unter die Lupe zu nehmen würden.

    5. ungarin, 25.06.2021, 11:56

      Ich schaue immer lightningmaps.org, der ist sehr genau!

    6. Norbert, 25.06.2021, 22:55

      Auch ich kann die Auflösungstendenzen von aus Südwest
      heranziehenden Gewitterherden (aus Richtg. Burg. Pforte)
      bestätigen. Ich wohne im Raum Müllheim am Blauen-West-
      hang. Vor sehr vielen Jahren konnte man noch darauf gehen, dass wenn ein Gewitter aus Richtung Basel/Mül-
      hausen heranzog, es zu einem niederschlagsintensiven
      Ereignis im Blauengebiet kam, heute meist nicht mehr!
      Dafür treten immer stärker werdende Auf- u. Abwinde hier
      an den Berghängen auf, die die Wolken regelrecht auflösen

  3. Rainer, 24.06.2021, 21:17

    Bei uns nördlich Seuzach gab's heute Morgen richtig Nebel, nachdem es gestern Abend ebenfalls ordentlich gewittert und geregnet hatte. Natürlich sind Überschwemmungen nicht schön, andererseits ist mir der Regen lieber als die Tröchni vergangener Jahre.

  4. Alexander Roehnisch, 24.06.2021, 21:12

    Der Nordatlantik sieht schon wieder aus wie im Mai.

  5. BENE, 24.06.2021, 21:09

    Schade, dass heute nichts zu dem Gewitter über Bad Zurzach zu lesen ist😉

  6. Wolfgang, 24.06.2021, 19:13

    Vielen Dank für die guten Ausführungen. Täuscht es oder fand heute Abend im Zuge der Gewitter eine stärkere Abkühlung statt als die vergangenen Tage?

    1. MeteoSchweiz, 24.06.2021, 19:33

      Guten Abend Wolfgang,
      Ja, das stimmt so. Mit der West- bis Nordwestdrehung des Windes fliesst hinter den Gewittern vorübergehend etwas kühlere Luft zur Schweiz (siehe auch letzter Absatz des Blogs).

    2. Wolfgang, 24.06.2021, 20:52

      Oh, danke. Das habe ich tatsächlich überlesen.

  7. stefan, 24.06.2021, 18:51

    Sehr geehrtes meteoteam
    Diese Woche dürften wir eine richtige athmospärenphysik vorlesungsreihe genießen.
    Vielleicht mag's den einige erstaunen aber wir haben bei uns kaum einen grossen Regentropfen gesehen. Total dürften es bei uns die letzten 7 tage etwa 17 mm Regen gewesen sein. Darf ich morgen wenn das ganze vorbei ist mal die Gesamtsumme der letzten 168h für die Schweiz sehen. Vielen dank LG Stefan

    1. Timo Kleger, 24.06.2021, 22:35

      Das würde mich auch interessieren! Ich habe bei meiner privaten Wetterstation in Niederhelfenschwil (Kanton St.Gallen) seit Samstag auch nur 10mm gemessen. Nach meinen Beobachtungen sind viele Gewitter nach Zürich abgedreht (das Ende der Superzellen?) und nordwestlich über das Thurgau nach Deutschland abgezogen. Gibt es da eine Erklärung?

      Unser Biotop ist noch immer gefüllt, vielleicht klappt es nächste Woche ;-)