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Heftige Gewitter im Süden

8. Juli 2021, 33 Kommentare
Themen: Wetter

Wir ziehen eine kurze Zwischenbilanz zur aktuellen Unwettersituation, die noch bis Freitagmorgen anhält. Und wir werfen einen Blick auf ein besonders starkes Gewitter im Süden.

Der Zürichsee heute Vormittag, Blick von Stäfa. Bild: Rolf Bleiker
Der Zürichsee heute Vormittag, Blick von Stäfa Richtung Westen. Bild: Rolf Bleiker

Die Wetterlage hat sich seit gestern Mittwoch praktisch nicht verändert. Die stärksten Niederschläge konzentrierten sich bis heute Mittag in einem relativ schmalen Streifen zwischen Nordtessin, Surselva und südlichem Kanton Glarus. Spitzenreiter unter den Messstationen war über 24 Stunden Faido in der Leventina mit 120 mm. Der gewittrige Starkregen war zum Teil von einer hohen Blitzaktivität begleitet, die sich von der Alpensüdseite bis zum Bodensee erstreckte.

Ein besonders kräftiges Gewitter (eine sogenannte «Superzelle») zog am Vormittag von der Lombardei ins Südtessin. Die Heftigkeit lässt sich an den folgenden Bildern festhalten. Die folgende Radaranimation zeigt die Zugbahn des Gewitters. Am oberen und linken Rand des Bildes ist jeweils der Querschnitt der Radarintensität zu sehen. Beeindruckend ist hierbei, dass die stärksten Echos über die gesamte vertikale Säule aufrechterhalten werden.

Ein weiteres Element, dass auf die Heftigkeit dieses Gewitters hindeutet, ist der sogenannte «Overshooting Top». D.h. der Auftrieb innerhalb des Gewitters war so stark, dass nicht einmal die Tropopause, die normalerweise die Gewitterwolken am oberen Rand abschneidet, die aufsteigende Luftbewegung aufhalten konnte. So entsteht in solchen Fällen ein kleiner Auswuchs, der gut im Satellitenbild erkennbar ist. Dieser Auswuchs erreichte eine Höhe von rund 12 km.

Die Auswirkungen einer solchen Superzelle liessen auch nicht lange auf sich warten. Aus dem Tessin kamen zahlreiche Hagelmeldung mit einem Durchmesser von bis zu 3cm. Der stärkste Niederschlag wurde in Bellinzona mit rund 65 mm in nur 1 Stunde registriert. Dabei stechen die beiden 10 Minutenwerte von je 22 mm am Anfang und am Ende des Ereignisses ins Auge. Zur Einordnung. Der bisherige Stundenrekord wurde in Locarno-Monti mit 91.2 mm am 28. August 1997 registriert. Weitere Rekordwerte sind hier zu finden.

Kommentare (33)

  1. Manuel, 09.07.2021, 12:42

    Es ist und bleibt einer der kältesten und verregneten Sommer in den letzten 10-15 Jahre!!! Nicht Corona verursacht Depressionen sondern das sehr sehr schlechte Wetter in der Schweiz!!! Es ist langsam echt Zeit in ein warmes Land auszuwandern mit stabilem Wetter.

    1. Adrian, 09.07.2021, 14:09

      Der Juni war der vierwärmste seit Messbeginn. Der Juli ist zwar nass aber nicht aussergewöhnlich « kalt ». Was Sie schreiben, stimmt einfach nicht.

  2. P. Bernet, 09.07.2021, 10:36

    Wenn wir an die Situation im Westen von Kanada denken, dann
    dürfen wir uns nicht beklagen!
    Und die intensiven Regenfälle haben auch ihr Gutes:
    -Es steht genügend Wasser für die Bewässerung zur Verfügung.
    -Die Speicherseen für die Energiegewinnung werden gefüllt.
    -Und auch für die Pollenallergiker hat dieses Wetter gewisse
    Vorteile.

  3. Mad Max, 09.07.2021, 10:34

    Ich liebe den Sommer in der Schweiz!Daß ist für mich die schönste Woche im ganzem Jahr!🥳

  4. Kaspar, 09.07.2021, 08:44

    Es ist einleuchtend, dass genaue Niederschlagsprognosen schwierig sind. Ich finde die Prognose des "Niederschlagsradars-Musters" (inkl. zeitlicher Verlauf) sehr spannend und schaue sie gerne an, auch wenn die Modelle lokal oder zeitlich daneben liegen (können). Meine Frage ist: Gibt es eine "Nachbearbeitung" der Daten bzw. der Abweichungen vom real gemessenen Niederschlagsradarbild? Tönt nach einer Master-Arbeit, mittels machine learning die Niederschlagsprognosen zu verbessern. Beste Grüsse, Kaspar

    1. MeteoSchweiz, 09.07.2021, 09:52

      Vielen Dank für Ihre Mitteilung. Wir haben Ihren Hinweis intern weitergeleitet.
      Freundliche Grüsse MeteoSchweiz

    2. MeteoSchweiz, 09.07.2021, 13:39

      Guten Tag Kaspar,
      Vielen Dank für die spannende Frage. Eine Vergleich mit Messungen, wie z.B. Niederschlag vom Radar, ist in der Tat eine wichtige Nachbearbeitung von Modellvorhersagen. So können Abweichungen von vorhergesagten und gemessenen Niederschlägen verwendet werden, um Modellfehler zu analysieren und mittels Änderungen des numerischen Modells, aber auch statistischen Methoden, wie z.B. machine learning, Prognoseverbesserungen zu erzielen. Dies ist ein aktuelles Forschungs- und Entwicklungsfeld, auf dem auch MeteoSchweiz aktiv ist, da gibt es noch viel zu entdecken!
      Freundliche Grüsse von Operator Swiss Model

  5. Marlen, 09.07.2021, 08:00

    Guten Morgen habe eine Frage, könnte das Wetter einen zusammenhang haben das es wiederteils im normalen bereich ist wie in den 70+80er Jahren weil der Flugverkehr und allgemein alles runtergefahren wurde in der Coronazeit? Weil es ist ja genau in diesen zeiten sich veränderte wir hatten nie mer so einen wunderbaren Winter und auch Frühling und Sommer! Ich geniesse es bei angenehmen Temperaturen und Regen für Mensch und Natur das Klima nimmt es dankend an die vergangenen Jahre war es bedenklich! Danke ans Meteoteam für die täglichen interessanten Blogs lese es immer gerne! Wünsche allen einen schönen Tag! Lieber Gruss dMarlen😊

    1. MeteoSchweiz, 09.07.2021, 10:24

      Guten Tag Marlen
      Das Wetter ist und bleibt in seinem Charakterzug chaotisch. Entsprechend ist es praktisch unmöglich, solche Schwankungen auf die Schnelle irgendeiner Ursache zuzuordnen.
      Freundliche Grüsse MeteoSchweiz

  6. Patrick, 09.07.2021, 06:50

    @Meteoschweiz man könnte auch eine Zwischenbilanz bei Fehlprognosen in der NWS insbesondere Basel machen. Viel Niederschlag wurde von allen Modellen vorausgesagt, sämtliche Wetterdienste (Meteoblue, Wetteronline) meldeten um die 20mm bei einer Wahrscheinlichkeit von 100%, was ist passiert ein paar Tropfen. Ich weiss nicht, was los ist mit den Niederschlagsmodellen, diese stimmen derart nicht für diese Region.

    1. Peter, 09.07.2021, 07:34

      Patrick, ihre negative Tonalität ist schon speziell. Ist jetzt MeteoSchweiz schuld, wenn andere Institute schlechte Prognosen machen? In den Blogs der Vortage ist ziemlich eindeutig zu sehen, das für die Nordwestschweiz nie viel Niederschlag vorhergesagt war. Bitte fair bleiben.

    2. Patrick, 09.07.2021, 10:04

      @Peter Nein, es ist gar niemand schuld. Aber die Prognosenzuverlässigkeit bzgl. Niederschlag ist derart unzuverlässig, dass ich schon überrascht bin, dass dies die Modelle unter anderem Cosmo, jeweils so schlecht berechnen. Auch Meteoschweiz muss sich auf die Modelle abstützen und sehr wohl hat Meteoschweiz auch für die Region Basel Regen gemeldet. Sie haben aber recht, die Tonalität war zu negativ.

  7. Max Hansen, 09.07.2021, 06:32

    Guten Morgen, ,im Zuge dieser intensiven Niederschlägen und relativ tiefer Schneefallgrenze muss eine wahnsinnige Menge (meterweise?) an Neuschnee im Gebiet der Gletscher in der Schweiz gefallen sein. Können Sie darüber Auskunft geben? Das SLF macht erst wieder im Winter Angaben zu Neuschneememgem. Freundliche Grüsse

    1. MeteoSchweiz, 09.07.2021, 10:59

      Guten Tag Herr Hansen
      Ihre Vermutung ist richtig, es gab reichlich Niederschläge auch in Form von Schnee. 1mm Niederschlag ergibt in etwa 1cm Schnee. Die Schneefallgrenze schwankt zwischen 2000 und 3500 M.M. Zum Teil müssen Sie es selber ausrechnen, die Daten dazu finden Sie auf unserer Homepage unter Messwerte. Dort finden Sie auch einige Stationen welche auch im Sommer Schneehöhen übermitteln.
      MfG
      MeteoSchweiz

  8. Matthias, 08.07.2021, 23:19

    Ich habe eine Frage: Seit längerer Zeit meldet MeteoSchweiz, dass das Wetter nach dem Vorhersagezeitraum sonnig mit Schauern und durchschnittlichen Temperaturen sein soll.
    Zeichnet sich nicht seit langem ab, dass wir damit rechnen müssen, dass der Sommer dieses Jahr überwiegend ins Wasser fällt?

    1. MeteoSchweiz, 09.07.2021, 00:18

      Guten Abend Matthias. In der Tat, der Monatsausblick (https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/prognosen/monatsausblick.html) deutet auf einen feuchten Juli hin.
      Viele Grüsse MeteoSchweiz

    2. Daniel, 09.07.2021, 00:47

      Mache die gleiche Beobachtung: Im Wetterbericht steht seit Tagen etwas von einem Hoch über Nordeuropa und vorwiegend sonnigem Wetter in der Schweiz. Nur verschiebt sich diese Prognose immer mehr nach hinten (und macht dann am Ende wohl einer weniger hoffnungsvollen Platz).

    3. MeteoSchweiz, 09.07.2021, 01:03

      Vielen Dank für Ihre Mitteilung. Wir haben Ihren Hinweis intern weitergeleitet. Freundliche Grüsse MeteoSchweiz

  9. Thomas, 08.07.2021, 21:26

    Liebes Meteo-Team,
    Wie werden eigentlich die Messstandorte in der Schweiz ausgewählt? Sind die meisten historisch gegeben? Welche Kriterien kommen bei neuen Standorten zum Tragen? Es gibt ja regional recht grosse Unterschiede in den Messungen, wenn der eine Wetterbeobachter einen Hügel weiter wohnt als der nächste.

    1. MeteoSchweiz, 08.07.2021, 23:11

      Guten Abend Thomas
      Unsere automatischen Messstationen müssen teils ganz unterschiedlichste Anforderungen erfüllen. Es gibt etwa Stationen, welche mehrheitlich der Landwirtschaft dienen, Gipfelstationen liefern Annäherungsdaten aus der freien Atmosphäre und jene an Flughäfen helfen bei der Erstellung von Prognosen für die Fliegerei. Die geografische Verteilung der Stationen wurde zudem so gewählt, dass sie in ihrer Gesamtheit die komplexe Topographie des Landes abdeckt und so sichergestellt ist, dass alle unterschiedlichen regionalen Klimazonen vertreten sind.
      Eine interessante Dokumentation zu unseren Bodenstation findet sich übrigens unter https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/mess-und-prognosesysteme/bodenstationen.html
      Beste Grüsse MeteoSchweiz

  10. Timo Stammwitz, 08.07.2021, 20:38

    Der Mai war der beste und angenehmste weit und breit. Juni dagegen viel zu warm. Juli gefällt mir bisher, allerdings sind die Hochwasserwerte im Süden noch bescheiden. Maggia mit 500m3/s ist wirklich nichts besonderes.
    Hoffentlich sinkt mal auch noch die Schneefallgrenze. Schon bald fallen sonst die ersten Gletscher ins Minus.

    1. Ricardo, 08.07.2021, 21:58

      Es ist lustig und nicht völlig abstrus. Wie auch immer, es ist eine nette Abwechslung zu all dem Gejammer über den Regen. 👍🏻

    2. Louis, 08.07.2021, 22:02

      Ich beobachte auch die Nettobilanz der Gletscher. Wahrscheinlich kippt sie schon in zwei Wochen ins Minus.

  11. Ernst Kern Zürich, 08.07.2021, 19:17

    Bis Mitte Juli ist die Natur ausreichend getränkt .. für heisse
    Hundstage ende Juli anfangs August steht nichts mehr im Wege.

    1. Adrian, 08.07.2021, 19:54

      Ausser dass bei soviel getränkter Erde wohl schon im August Morgennebel entsteht…

    2. Wolfgang, 08.07.2021, 23:36

      Heiße Hundstage brauche ich gar nicht unbedingt.Ich wäre froh, wenn endlich einmal die Sonne ein paar Tage scheinen würde. Man kommt sich langsam vor wie in Nordschottland. Aber selbst da dürfte das Wetter besser sein...

    3. Daniel, 09.07.2021, 00:39

      @Adrian: Ich wette, dass wir im Mittelland schon am Samstagmorgen Nebel haben werden.

  12. Peter Andreas Sager, Aeugst am Albis, 08.07.2021, 18:05

    Sie können ja nichts dafür, aber bei diesem Wetter wird es langsam mutig bei Ihrer Arbeitsstelle zu sein.
    Im Mittelalter waren die Übermittler der Botschaft die Bösewichte nicht die Fakten dahinter.
    Dieser Mai 2021 war das schlimmste je erlebte Wetter für mich in der Schweiz.
    Dieser Juli 2021 ist der schlimmste je erlebte Juli in diesem Land.

    1. Sepp Schuler Spiringen, 08.07.2021, 19:59

      Wenn für sie das Wetter so grauenhaft schlimm ist, werden sie nur eine Möglichkeit haben, zügeln, zügeln und nochmals zügeln, immer schööön dem Wetter nach.

    2. Ritter Thomad, 08.07.2021, 20:45

      Es steht jedem frei in ein wärmeres Land auswandern...

    3. Reto, 09.07.2021, 09:30

      Wahrscheinlich sind Sie sehr jung. Der Mai 2021 wäre in den 70/80er Jahren nämlich einfach ein durchschnittlicher Mai gewesen, nicht mehr und nicht weniger. Der Juli ist zwar bisher sehr nass, aber doch angenehm warm. Die Temperaturen bewegen sich meistens im langjährigen monatlichen Durchschnitt. Geniessen wir das angenehme Wetter ohne grosse Hitze bisher.

    4. Armand, 09.07.2021, 11:44

      Ich habe mich nicht getraut zu schreiben, dass sie wahrscheinlich sehr, sehr jung sind. Dieses Wetter wäre vor 40/50 Jahren als etwa normal/normal-nass angesehen worden.

    5. Wolfgang, 09.07.2021, 18:10

      Es steht auch jedem frei, in ein kälteres Land auszuwandern…