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Heftige Gewitter und intensiver Regen

13. Juli 2021, 33 Kommentare
Themen: Wetter

In der Nacht zu Dienstag zogen kräftige Gewitter über die Alpennordseite, vor allem die Region Zürich wurde heftig getroffen. Tagsüber hielt der intensive Regen gebietsweise an.

Blitze in der Nacht von Montag auf Dienstag
Blitze in der Nacht von Montag auf Dienstag

Wetterlage

Der Alpenraum lag am Dienstag im Vorfeld eines ausgeprägten Höhentiefs mit Zentrum über Frankreich. Mit der südlichen Höhenströmung wurden feuchte und labile Luftmassen aus dem westlichen Mittelmeerraum zur Schweiz geführt. Bereits am Montagabend entluden sich vor allem im Westen und Süden Schauer bzw. Gewitter.

Mit einer Kaltfront in der vergangenen Nacht wurde die Gewittertätigkeit noch deutlich verstärkt. Die Kaltfront wurde vom Tief in Bodennähe gesteuert, das dem eingangs erwähnten Höhentief vorauslief und sich am Dienstag bereits über Deutschland befand.

Hinter der Front hat sich mit dieser Konstellation vorübergehend eine sogenannte Gegenstromlage eingestellt: Auf die im Norden eingeflossene weniger warme Luft glitt mit der weiter anhaltenden südlichen Höhenströmung feuchte Warmluft auf. So dauerten die Niederschläge auch tagsüber weiter an.

Vergrösserte Ansicht: Satellitenbild überlagert mit dem Bodendruck (Isobaren) links, und der Höhenwetterkarte (Isohypsen) in 500 hPa Höhe rechts
Satellitenbild überlagert mit dem Bodendruck (Isobaren) links, und der Höhenwetterkarte (Isohypsen) in 500 hPa Höhe rechts

Gewitter in der Nacht zu Dienstag

Am Montagabend entstanden zuerst über den Westalpen, später auch auf der Alpensüdseite erste Schauer und Gewitter. Die Gewittertätigkeit verstärkte sich von Stunde zu Stunde, und verlagerte sich sukzessive ostwärts.

Eine markante Gewitterzelle, eine sogenannte Superzelle, bildete sich gegen 20 Uhr südwestlich von Grenoble (F) und zog in den folgenden sieben Stunden 400 km nordostwärts bis zum westlichen Bodensee, wo sie sich rasch auflöste.

Zugbahn der erwähnten Superzelle

Die Gewitter waren verbunden mit kurzzeitig intensivem Regen, Hagelschlag und Sturmböen. Vor allem aus der Region Zürich wurden viele Schäden gemeldet. Im Messnetz der MeteoSchweiz wurde vor allem die Station Zürich / Affoltern hart getroffen. Hier wurde um 2 Uhr nachts eine 10-minütige Regensumme von 27.2 mm gemessen. Zur Einordnung: Im ganzen Monat Juli fallen hier normalerweise 112 mm Regen. Somit fiel hier innerhalb von 10 Minuten ein Viertel des normalen Juli-Niederschlags.

Vergrösserte Ansicht: Eine umgestürzte Eiche in der Stadt Zürich. Bild: V. Hochuli
Eine umgestürzte Eiche in der Stadt Zürich. Bild: V. Hochuli

Am Dienstag tagsüber weiterer Regen

Da sich die Schweiz auch tagsüber im Bereich der südlichen Höhenströmung befand, wurden bis am Abend weiterhin feuchte Luftmassen zu den Alpen geführt. Auf der Alpensüdseite – zum Teil aber auch auf die Nordseite übergreifend – durchsetzt von kräftigen Gewittern.

Vergrösserte Ansicht: Niederschlagssumme zwischen Montag 16 Uhr und Dienstag 16 Uhr hergeleitet aus Radardaten und Bodenmessdaten (Combiprecip)
Niederschlagssumme zwischen Montag 16 Uhr und Dienstag 16 Uhr hergeleitet aus Radardaten und Bodenmessdaten (Combiprecip)

Zwischen Genfersee und Bodensee wurden zwischen Montag- und Dienstagabend verbreitet 40 bis 60 mm Regen gemessen. Auf der Alpensüdseite waren die Gewitterniederschläge vor allem im Centovalli, Maggiatal und Bedrettotal sehr ergiebig. Hier lagen 24-stündige Regensummen von 150 bis 200 vor.

Die Schneefallgrenze sank ausgehend von 3500 Metern am Montag auf 2000 bis 2500 Meter am Dienstag, bei kräftigem Niederschlag lag sie stellenweise und vorübergehend auch unter 2000 Meter.

Erneut intensiver Niederschlag am Donnerstag und Freitag

Vergrösserte Ansicht: Wasser von oben und von unten: Blick von Wädenswil auf den Zürichsee am Dienstagvormittag. Bild: S. Schöpfer
Wasser von oben und von unten: Blick von Wädenswil auf den Zürichsee am Dienstagvormittag. Bild: S. Schöpfer

Am Dienstagabend lassen die Niederschläge nun nach. Der intensive Regen macht am Mittwoch aber nur eine Pause. Am Donnerstag stellt sich eine neue Phase mit ergiebigem Regen ein. Mit auf Nordwest drehender Strömung wird dann die Alpennordseite und insbesondere der Alpennordhang betroffen sein. MeteoSchweiz wird die Situation laufend überwachen. Die entsprechenden Unwetterwarnungen werden gegebenenfalls an gewohnter Stelle publiziert.

Kommentare (33)

  1. Peter Andreas Sager, Aeugst am Albis, 14.07.2021, 15:57

    Immerhin lässt der Wetterbericht ab Samstag zu hoffen. Bitte gehen sie dem ganz genau nach. Es muss doch mal einige Tage geben ohne Regen und speziell ohne Dauerregen.

  2. Christoph Schär, 14.07.2021, 14:49

    Herzlichen Dank fuer diesen schnellen, fundierten und sehr lesenswerten Bericht!

  3. Peter Wallis, 14.07.2021, 13:33

    Tolle Analysen sowie super Berichte und Beobachtungen der einzelnen Teilnehmer.
    Ich frage mich, ob es trotz all der guten Möglichkeiten und Details nicht einfach daran gelegen hat, dass die Superzelle den gesamten klassischen Lieblingsweg der auch "kurzlebigen" Gewitter nehmen durfte, also einzig durch die perfekte Höhenströmung entstehen konnte?
    (Valence,-Lac d'Annecy,-Aigle,-Emmental/Napf,-Rigi/Zug-Zürich)

  4. Fabio, 14.07.2021, 07:54

    Guten Tag,

    Es ist schon ziemlich lange, seit wir ein paar Wochen Sonne haben.

    Bekommen wir einen Sommer oder können wir den für dieses Jahr vergessen?

    1. Wolfgang, 14.07.2021, 16:51

      Ich hab ihn abgeschrieben.🚮
      August ist doch eh schon Herbst.

    2. Ricardo, 14.07.2021, 23:47

      Der August 2003 war nicht gerade «herbstlich» 🤪.

  5. Marco, 14.07.2021, 01:10

    Sind eigentlich Mittel Juli Nachmittagstemperaturen von 10-15 Grad aussergewöhnlich oder kommt das alle paar Jahre vor?

    1. Ricardo, 14.07.2021, 09:21

      Das kommt ab und zu vor. Diesbezüglich sind wir nicht im Rekordbereich.

    2. Boris, 14.07.2021, 09:50

      An Marco: das ist so aussergewöhnlich nicht und kommt mind alle paare Jahre, wenn nicht jedes Jahr vor.

      An Fabio: die Hälfte des Sommers ist übrigens schon rum. Nächste Woche sieht es gut aus mit warmen bis heissen Temperaturen. Danach soll es mässig warm um das langjährige Mittel und leicht wechselhaft mit immer mal wieder Niederschlägen, jedoch nicht unwetterartig, weitergehen. Eine ausgewachsene Hitzewelle ist aber weit und breit nicht in Sicht!

    3. Martin, 14.07.2021, 12:03

      Nein,daß kommt nicht regelmäßig vor!Und schon gar nicht jedes Jahr mit solchen Mengen Wasser!🌊!Vielleicht in der Neuzeit häufiger,aber noch 2019 hatten wir in der Schweiz Temperaturen von über 40 Grad!Hoffen wir noch auf schönere Tage,und einen goldenen Herbst!☀️

  6. Jan, 13.07.2021, 23:32

    Guten Abend
    Gibt es für die Schweiz eine langfristige Auswertung der Zugbahn von Gewittern? Mir scheint, dass die Stadt Zürich recht häufig in der Zugbahn liegt (natürlich nicht immer von derart starken Gewittern), während z.B. die Region Baden von Gewittern (nicht vom Regen) meist verschont bleibt. Danke und beste Grüsse, Jan

    1. MeteoSchweiz, 14.07.2021, 22:02

      Guten Abend Jan,
      Es gibt Auswertungen zu der Blitzhäufigkeit, welche die typischen Zugbahnen der Gewitter etwas zum Vorschein bringen. Mehr dazu beispielsweise unter folgendem Link:
      https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/suche.subpage.html/de/data/blogs/2017/6/blogserie-gewitter-gewitter--und-blitzhaeufigkeit.html

      Bei den klassischen, oft gewitterträchtigen Südwestlagen entwickeln sich Gewitter entlang der westlichen Voralpen. In der Folge ziehen die Gewitter mit der südwestlichen Strömung in Richtung zentrales- und östliches Mittelland. Dabei wird Zürich im langjährigen Schnitt etwas häufiger getroffen als die Region Baden.
      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  7. M. Mayer, 13.07.2021, 21:49

    Zwei Dinge - erstens: haben wir alle die Megasturmwarnung von MeteoSchweiz übersehen? Warnungen vor Hochwasser brachte die App ein masse aber Sturm wär mir entgangen. Zweitens: kein Tornado oder Hurricane oder Wirbelsturm? Unterhalb der Ziegelhütte im Kreis 12 wurden einige 100 Jahre alte Bäume entwurzelt, im Wald am Zürichberg have ich mit der Drohne Bereiche gefilmt, in der alle Bäume in der selben Höhe wie Streichhölzer angeknickt wurden. Dito am Käferberg. Das sieht sehr nach lokalen Wirbelsturm aus. Bei Bedarf kann ich das Material teilen.

    1. MeteoSchweiz, 13.07.2021, 22:30

      Guten Abend
      Im Zusammenhang mit den Gewittern letzte Nacht wurden sogenannte Gewitterflashs verschickt. Falls Sie in der App für einen Standort Push-Meldungen abonniert haben, sollten Sie diese erhalten haben. Weitere Informationen dazu finden Sie hier: https://www.naturgefahren.ch/home/umgang-mit-naturgefahren/gewitter/gefahrenstufen.html
      Wie Sie im heutigen Blog lesen können, war die Zelle, dieZürich letzte Nacht erfasste, eine Superzelle. Über einen Tornado im Zusammenhang mit dieser Zelle haben wir keine Meldungen.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    2. Sahin, 14.07.2021, 05:25

      Guten Tag
      Es wäre sehr intrressant wenn ich die Videoaufnahmen sehen könnte. Mein Projekt befindet sich in der Nähe und ich konnte nicht entschlüsseln wieso Äste auf der Quartiwestrasse Obsthalden herumliegen.

      Wünsche Ihnen einen schönen Tag.

      MfG Sahin

    3. M. Mayer, 14.07.2021, 07:41

      Das Drohnenvideo mit den Schäden unterhalb der Ziegelhütte im Kreis 12 ist hier zu finden: https://streamable.com/92e0cl

    4. Stephanie Sager, 14.07.2021, 14:20

      Es mag ja sein, dass es keinen fundierten Beweis für einen Tornado gibt. Wer aber die Schneise der Zerstörung sieht und wie ich es erlebt hat, der hat keinen Zweifel daran, dass es ein Tornado war.
      Stephanie Sager - Zürich Altstetten

    5. MeteoSchweiz, 14.07.2021, 15:02

      Der Unterschied zwischen Downburst und Tornado ist am einfachsten bei der Fallrichtung der Bäume zu erkennen. Bei Tornados ist die Fallrichtung wild durcheinander oder konvergent, bei Downbursts liegen die Bäume mit ähnlicher Fallrichtung am Boden. Literatur dazu gibt es hier: https://diglib.uibk.ac.at/ulbtirol/content/structure/1886352

  8. Sandra Keiser, 13.07.2021, 21:22

    Liebes MeteoSchweiz Team,
    Herzlichen Dank für die immer tollen Blogs und ausführlichen Erklärungen.
    Auch ich habe noch eine Frage, welches das heftige Gewitter über der Stadt Zürich und die der vergangenen Wochen betreffen.
    Bis zu diesem Sommer war mein Verständnis, je länger und heisser eine Hitzeperiode, desto heftiger die Gewitter danach. Das trifft ja in diesem Sommer nicht zu. Die Unwetter dieses Jahr haben trotz bisher weniger Hitzetage zu so vielen schlicht apokalyptischen Verhältnissen geführt, wie wir sie in der Häufigkeit wohl noch nie erlebt haben - und es ist erst Mitte Juli.
    Haben Sie eine Erklärung, weshalb die Gewitter gebietsweise derart heftig ausfallen?
    Speziell auch das Gewitter letzte Nacht mit den extremen Sturmwinden?
    Vielen Dank.

    1. MeteoSchweiz, 13.07.2021, 22:43

      Guten Abend Frau Keiser

      Nach einer langen Hitzeperiode beendet oft eine Kaltfront mit Gewittern die Hitze. Eine der "Gewitterzutaten" ist die Labilität - also die vertikale Schichtung der Luftmasse. Ist es unten sehr heiss und oben sehr kalt, so ist die Luftmasse sehr labil. Dies kann bei genügend Feuchtigkeit und einem Auslöser zu heftigen Gewittern führen. Diesen Sommer hatten wir, wie auch im aktuellen Fall, bereits einige Höhentiefs, welche für die Gewitter verantwortlich waren. Diese führen in der Höhe sehr kalte Luft zur Schweiz und erhöhen ebenfalls die Labilität. Kommt dann noch z.B. eine Kaltfront dazu und genügend Feuchtigkeit, kann es ebenfalls heftige Gewitter geben. Das Gewitter von letzter Nacht über Zürich war, wie beschrieben, eine "Superzelle". Mehr dazu lesen Sie hier: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/wetterbegriffe/gewitter/wie-wird-ein-gewitter-zur-supperzelle.html

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

    2. Basler, 13.07.2021, 22:56

      Sehr gute Frage. Das interessier mich ebenfalls.

  9. Meieli, 13.07.2021, 20:22

    Als die Superzelle vorüberzog, zählte ich innerhalb von einer Minute über 40 Blitze. Das sind deutlich mehr als bei einem gängigen Gewitter. Gibt es dafür eine Erklärung oder ist das bei Superzellen "normal"?
    Besten Dank für Ihre Antwort.

  10. Mathias, 13.07.2021, 20:07

    Ich durfte das starke Gewitter um 2:00 in Zürich, nähe Milchbuck erleben. Der Wind schwoll in Sekunden auf Sturmstärke an und riss vor dem Fenster einen grossen Baum um. Hagel und Regen prasselten, Blickrichtung Westen flackerten die Wolken, pausenlos von Blitzen durchleuchtet.
    Gemäss Radar und Blizkarte kann das Gewitter nur wenig westlich vorbeigezogen sein. Dennoch konnte ich keinen einzigen Donner hören. Ist es möglich, dass starker Niederschlag oder der Wind den Schall schlucken?

    1. MeteoSchweiz, 13.07.2021, 22:22

      Guten Abend Mathias
      Diese heftige Gewitterzelle hat die ganze Stadt Zürich und die umliegenden Regionen erfasst.
      Bei dieser sogenannten Superzelle mit einem dazugehörenden Downburst-Effekt wurden Windgeschwindigkeiten von rund 106 km/h ( Stat. Reckenholz) gemessen. Gleichzeitig hat es kräftig geregnet.
      Wahrscheinlich haben diese stürmischen Winde und der Niederschlag das Donnergrollen kurzzeitig übertönt.
      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  11. Daniel, 13.07.2021, 20:04

    Die Regenböen gestern Nacht um 02 Uhr waren so heftig wie ein Hurrikan, etwa zehn Minuten lang. Bäume stürzten in Massen um. War das noch ein normales Gewitter? Ich habe so etwas noch nie erlebt in der Schweiz.

  12. Euler Max, 13.07.2021, 18:45

    Keinen Zusammenhang bzw. Erwähnung von Sahara Staub als Ursache oder Beeinflussung des Gewitters?

    1. MeteoSchweiz, 13.07.2021, 22:37

      Der Einfluss des Saharastaubs auf die gestrigen Gewitter ist wahrscheinlich klein, wenn nicht sogar vernachlässigbar. Saharastaub beeinflusst zwar teilweise den Niederschlagsbildungsprozess und möglicherweise auch die Blitzaktivität in Gewittern. Für die Stärke, Intensität und Langlebigkeit des gestrigen Gewitter war aber in erster Linie die Wetterlage entscheidend: Viel Feuchtigkeit, labile Schichtung der Luftmasse, grosse Windscherung und starke Hebungsmechanismen.

  13. Wenzinger Bruno, 13.07.2021, 18:41

    Die ersten Gewitter mit Donnergrollen zogen im Laufe des Vormittages vorüber, nachfolgend starker Regen ohne Sturm. Dann um 12.30 neuer Donnergrollen. Das ist neu für mich, dass Staffeln von Gewitterzellen hintereinander folgen. Wie ist das zu erklären? Besten Dank für die Info und die immer spannenden Erklärungen zum Wetter. Bruno Wenzinger

    1. MeteoSchweiz, 13.07.2021, 22:56

      Guten Abend Herr Wenzinger

      Das kommt immer wieder vor, dass ein Ort mehrmals hintereinander von einem Gewitter getroffen wird. Bei Hitzegewittern ist häufig die "Energie verpufft", jedoch kann, falls Strömung vorhanden ist, ein Gewitter, welches sich woanders gebildet hat, aufziehen. Bei Fronten gibt es oft vor der Front schon erste, einzelne Gewitter, mit der Front selber dann nochmals verbreiteter. Bei Höhentiefs sind die Gewitter häufig eingelagert, also von der Bewölkung her nicht eindeutig abgrenzbar, durch das Tief können immer wieder Gewitter ausgelöst werden.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  14. mexmateo, 13.07.2021, 18:12

    Hallo Meteoschweiz-team,
    Ich wundere mich wie gross die Fehler bei den Regenmessungen (vor allem in der Region Zürich) sind, es hat ja sehr stark gewindet und darum kann ich mir vorstellen, dass herkömmliche Regenmessbecher nicht sehr gut performen würden, und dass darum der tatsächlich gefallene Niederschlag stark under-catcht wurde?

    Falls ihr den Messungen gut vertraut, fände ich sehr spannend zu erfahren, ob ihr in den Modellen den Messfeheler mittels einem numerischen-Methode entgegenwirkt oder ob ihr die Messstationen so installiert habt, dass der Regen richtig gemessen werden kann und nicht vom Wind gestört wird.

    Liebe Grüsse
    Mex

    1. bruno, 14.07.2021, 00:05

      Ich beobachte das Wetter nun seit mehreren Jahren recht intensiv. Bei Gewittern sind nunmal die Niederschlagsmengen sehr unterschiedlich. Kleines Beisipiel: Innerhalb von 1.5 km einen Unterschied von 45 mm innerhalb einer Stunde. Wind lässt den Niederschlag oft heftiger erscheinen, als er wirklich ist. Tipp, schaue auf die Abflussmenge auf der Strasse😉

    2. Xaver, 14.07.2021, 07:52

      Warum funktionieren Regenmessbecher nicht bei Gewitter? Der Wind kann ja den Regen nicht komplett wegblasen, es fallen dann halt andere Tropfen in den Becher als ohne Wind...? Von der erwähnten Superzelle wurden wir auch überquert, ca 1:00 Ich stand auf um zu schauen dass nichts geflutet wird bzw fürchtete ich Hagel der die Abflüsse verstopft. Nach wenigen Minuten als es vorbei war hatte ich ca 25mm im Becher und konnte es kaum glauben.

    3. MeteoSchweiz, 15.07.2021, 09:42

      Guten Tag Mexmateo
      Die Unsicherheit der Messung und die Diskussion um sinnvolle Gegenmassnahmen oder Korrekturmethoden sind und waren seit jeher ein Thema beim Niederschlag. Grundsätzlich verstärkt sich das Problem des Undercatch mit zunehmender Windgeschwindigkeit und insbesondere dann, wenn der Niederschlag in Form von Schnee fällt. An exponierten, höheren Lagen sind die Messgeräte in der Schweiz deshalb i.d.R. mit einem Windschutz (Niphertrichter, Single Alter Windshield) ausgerüstet. Aktuell wird der Einsatz von nummerischen Korrekturverfahren (sog. Transfer Functions) diskutiert und getestet, die im Rahmen des WMO SPICE Projekts entwickelt worden sind. Da es für die Korrekturen aber zusätzlich Wind- und Temperaturmessungen braucht, ist die flächendeckende Anwendung dieser Methoden auf das gesamte Niederschlagsmessnetz der MeteoSchweiz jedoch schwierig. Weiterführende Informationen zum Thema finden sich z.B. in verschiedenen Vergleichsstudien der WMO

      WMO Field Intercomparison of Rainfall Intensity Gauges: https://library.wmo.int/index.php?lvl=notice_display&id=15525
      WMO Solid precipitation measurement intercomparison: https://library.wmo.int/index.php?lvl=notice_display&id=6441

      Freundliche Grüsse MeteoSchweiz