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Nass

15. Juli 2021, 10 Kommentare
Themen: Wetter

In der Nacht zum Donnerstag ist in der ganzen Schweiz grossflächig Regen gefallen. Tagsüber gab es dann gebiets- und zeitweise auch trockene Phasen, es gab und gibt aber weitere Niederschläge.

«Aussicht» vom Mt. Pèlerin am 15. Juli 2021 um 14 Uhr, aufgenommen von der MeteoSchweiz Wetterkamera
«Aussicht» vom Mt. Pèlerin am 15. Juli 2021 um 14 Uhr, aufgenommen von der MeteoSchweiz Wetterkamera
Vergrösserte Ansicht: Satellitenbild und Höhenwetterkarte: Das Höhentief mit Kern über Bayern ist deutlich erkennbar (weisse Linien: Isohypsen auf 500 hPa)
Satellitenbild und Höhenwetterkarte: Das Höhentief mit Kern über Bayern ist deutlich erkennbar (weisse Linien: Isohypsen auf 500 hPa)

Die Bodenwetterkarte zeigt kaum grössere Druckgegensätze über Mitteleuropa. Die ausgeprägten Tiefdruckgebiete, welche Fronten und Niederschlagszonen zu uns führen könnten sucht man vergeblich.

Um das Wettergeschehen momentan zu verstehen hilft der Blick auf die Höhenwetterkarte. Hier sieht die Situation deutlich dynamischer aus. Ein ausgeprägtes – und für uns wetterbestimmendes – Höhentief hat sich wie gestern an dieser Stelle beschrieben nach Bayern verlagert. Der Kern lag ganztags ortsfest. Auf seiner Rückseite schaufelte es aus Nordwesten schubweise feuchte Luft zum Alpenraum.

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag erfasste ein grossflächiges Niederschlagsgebiet die Schweiz. Tagsüber folgten vorübergehend auch ruhigere bzw. trockene Phasen, doch es blieb nass. Der Schwerpunkt der Niederschläge lag eher in den zentralen und westlichen Landesteilen. Bei Redaktionsschluss lagen 24-stündige Regensummen von recht verbreitet 20 bis 50 mm vor, dem Jura entlang zum Teil deutlich mehr. Im Osten und vor allem im Süden gab es deutlich weniger Regen.

Vergrösserte Ansicht: Niederschlagssumme zwischen Mittwoch 17 und Donnerstag 17 Uhr.
Niederschlagssumme zwischen Mittwoch 17 und Donnerstag 17 Uhr.

Extreme Niederschlagssummen

Die Niederschlagssummen vom 1. bis zum 14. Juli haben in den Einzugsgebieten der grossen Flüsse extreme Werte angenommen. Am Messstandort Sedrun im Vorderrheintal gab es in den ersten zwei Juliwochen knapp 300 mm. Das ist das Doppelte von dem, was in der 60-jährigen homogenen Messreihe bisher als Rekord zu finden war. In Braunwald im hinteren Linthal sind die gefallenen knapp 250 mm sogar ein Rekord der letzten 100 Jahre. In Andermatt im oberen Reusstal lieferten nur die ersten zwei Juliwochen 1891 eine vergleichbare Niederschlagssumme, und in den letzten 100 Jahren lagen auch die höchsten Niederschlagssummen in den ersten zwei Juliwochen massiv tiefer.

Niederschlagssumme der ersten zwei Juli-Wochen im Vergleich

Vergrösserte Ansicht: Zwischen 1. und 14. Juli 2021 gefallener Niederschlag in Relation zum Norm-Monatsniederschlag des Monats Juli (1981-2010) in %. Erklärungen im Text.
Zwischen 1. und 14. Juli 2021 gefallener Niederschlag in Relation zum Norm-Monatsniederschlag des Monats Juli (1981-2010) in %. Erklärungen im Text.

Vielerorts (weisse Gebiete in obiger Karte) kam in der ersten Juli-Hälfte nun bereits ein ganzer Monatsniederschlag des Monats Juli (gemäss Norm 1981-2010) zusammen, in vielen Regionen gab es bereits deutlich mehr (grüne Flächen in der Karte). Im Südosten der Schweiz und zum Teil ganz im Norden fehlt noch etwas Regen um das "Juli-Soll" zu erfüllen (Brauntöne).

Die grossen Niederschlagssummen fielen auf ein bereits gefülltes hydrologisches System. Die Monate Mai und Juni mit anhaltender Niederschlagstätigkeit brachten in weiten Gebieten der Schweiz zum Teil deutlich überdurchschnittliche Niederschlagssummen. Es ist deshalb nicht erstaunlich, dass Seen und Flüsse mit den grossen Julimengen nun überfordert sind.

Kommentare (10)

  1. Simon, 16.07.2021, 12:24

    Mir ist schon öfters aufgefallen, dass es direkt am Jurasüdfuss (z.B. bei der Messstation Riedholz) nach einem Frontdurchzug noch ziemlich intensiv weiter regnet, auf dem Radarbild aber nur noch ein sehr schwaches Signal sichtbar ist. Weshalb wird dieser lokal auftretende Niederschlag vom Radar kaum erkannt?

    1. MeteoSchweiz, 16.07.2021, 12:48

      Es kann immer zu lokalen Abschattungen kommen, wo der Radar die Mengen unterschätzt.

  2. Marc Geissmann, 15.07.2021, 22:17

    Herzlichen Dank einmal mehr für das spannende Anschauungsmaterial. Was mich etwas erstaunt hat, dass das obere Zürichseegebiet bei der Grafik weiss eingefärbt ist, wo ja die Relation der ersten beiden Juliwochen zum Juli-Normwert (Gesamtmonat) aufzeigt. Aus der Grafik der MeteoSchweiz-Station Wädenswil (auf der Webseite) lese ich einen Niederschlag von 228 mm für die Periode 1.-14.Juli ab (habe die einzelnen Tage summiert). Aus dem Normwertblatt für dieselbe Station (1981-2001) geht ein Normwert von 152mm für den Monat Juli hervor (Irrtum vorbehalten). Dies entspräche einem Wert von 150% ggü. Norm, was dann doch eher einer grünen Schattierung gemäss Legende entspräche. Vielen Dank für Ihre Aufklärung im Voraus.

    1. MeteoSchweiz, 16.07.2021, 18:15

      Grüezi Herr Geissmann

      Aus einer Isolinienkarte können lokale Bedingungen grundsätzlich nie genau abgeleitet werden. Dafür ist eine Isolinienkarte nicht gedacht. Isolinien sind eine Generalisierung der Situation und zeigen an, was die Mehrheit der verfügbaren Messwerte zeigt. Am oberen Zürichsee (Obersee) gab es Werte von knapp 70 % bis rund 110 %. Das wird durch den weissen Bereich (95-105 %) in der Karte recht gut abgedeckt. Der Interpolations-Mechanismus berechnet nun mit den verfügbaren Daten, wo im Mittel der Übergang zur nächst höheren Klasse zu liegen kommt. Einzelne Messstandorte, die durch Gewitter höhere Mengen erhielten als die umliegenden, werden dadurch nicht abgebildet.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  3. Jan, 15.07.2021, 22:16

    Guten Abend
    Zwei Phänomene beschäftigen mich: 1. Der Schwerpunkt der Niederschläge der vergangenen Nacht am zentralen (solothurnischen) Jura - und nicht etwa an den Voralpen. 2. In der Region Baden den ganzen Tag dunkle, tief hängende Wolken (scharfe Wolkenuntergrenze am Lägernsüdhang bei ca. 600, 700m), aber kaum Regen und wenn, dann nur kurz und schwach. Haben Sie dafür eine Erklärung? Vielen Dank und beste Grüsse, Jan

    1. MeteoSchweiz, 16.07.2021, 00:24

      Guten Abend Jan. Lokale Konvergenzeffekte waren für die erhöhte Niederschlagsmenge in der Region Solothurn/Grenchen verantwortlich: Über dem Jura wehte ein West-/Westnordwestwind während im Mittelland Südwestwind wehte. Die Luftmasse war generell sehr feucht, entsprechend lag vielerorts die Wolkenbasis sehr tief. Viele Grüsse MeteoSchweiz

  4. Andreas Schnyder, 15.07.2021, 21:05

    Gut sind die Niederschläge heute so nicht eingetroffen. Zumindest hier in Rapperswil-Jona ist deutlich weniger runtergekommen wie in den Prognosen. Der Juli-Wert nähert sich dagegen bei meiner Station den 200mm, was nun wirklich nass ist.

    1. Wolfgang, 15.07.2021, 22:23

      Allerdings. Bin gespannt, wann es nächste Woche wieder losgeht, dass es „viel zu trocken“ ist…

  5. Peter Andreas Sager, 15.07.2021, 19:15

    Beten wir wieder auf ihre Prognose ab Samstag bis und mit Dienstag. Kein Regen und meine grosse Tochter hat auch noch Reitlager.

  6. Andreas Diethelm, 15.07.2021, 18:16

    Herzlichen Dank für den sehr anschaulichen Beitrag. Gerade die Karten mit den Niederschlagssummen zeigen das aktuelle Problem auf. Seien wir froh, dass die meisten Kantone und Gemeinden seit 2005 nicht untätig geblieben sind, Menschen und Güter vor Wassergefahren zu schützen.