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Teils äusserst regnerisches erstes Julidrittel - heute Zwischenhochaufbau

11. Juli 2021, 14 Kommentare
Themen: Wetter

Auf dem Gütsch fiel in den ersten 10 Julitagen bereits 150% der üblicherweise im Juli gesamthaft zu erwartenden Niederschlagsmenge. Und es kommt noch was dazu, wie der Ausblick auf die kommende Woche in der zweiten Bloghälfte zeigt. Der heutige Tag stand im Zeichen eines Zwischenhochs und zunehmend sonnigen Verhältnissen. Im Zentralwallis und im Süden stieg die Temperatur über die 25-Gradmarke.

Bei Savognin lockerte die Bewölkung bereits am Vormittag grosszügig auf. Bild: L. Rüedlinger

Rückblick auf gestern Abend bzw. letzte Nacht

Gestern Nachmittag bildete sich am späteren Nachmittag über dem Jura eine erste Gewitterzelle. Am Abend bzw. in der Nacht entluden sich in Verbindung mit der durchschwenkenden Kaltfront bzw. präfrontal zahlreiche Schauer bzw. Gewitter. Besagte Gewitter fielen insbesondere von der Zentralschweiz bis in den östlichen Bodenseeraum teils kräftig aus, wie der Blick auf die 24-stündige Niederschlagssumme bis heute Morgen zeigt:

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Teils sehr niederschlagsreiches erstes Julidrittel

Bereits nach den ersten 10 Julitagen haben mehrere Stationen das Niederschlagssoll (bezogen auf die Norm 1981-2010) deutlich überschritten. Auf dem Gütsch prasselten bereits beachtliche 180 Liter vom Himmel, das sind bemerkenswerte 150% im Vergleich zum langjährigen Monatsmittel.

Wegen der überwiegend konvektiven Struktur der Niederschläge gibt es teils markante Unterschiede auf engstem Raum. Die folgende Tabelle zeigt die trockensten bzw. nassesten Orte (bezogen auf die Norm) der ersten 10 Julitage:

Vergrösserte Ansicht: Während der ersten 10 Tage gefallener Niederschlag verglichen mit der durchschnittlichen Monatssumme (Norm 1981-2010).
Während der ersten 10 Tage gefallener Niederschlag verglichen mit der durchschnittlichen Monatssumme (Norm 1981-2010).

Im Tagesverlauf Abtrocknung

Das heutige Wetter stand im Zeichen eines langsam von Westen zum Alpenraum vorstossenden Hochdruckgebietes. Während der Tag im Süden bereits sonnig begann startete der Sonntag im Norden teils noch mit kompakter Restbewölkung, welche sich im Tagesverlauf zunehmend auflockerte.

Vergrösserte Ansicht: Heute arbeitsloser Regenmesser unserer SwissMetNet-Station auf dem Monte Generoso. Bild: M. Kopp
Heute arbeitsloser Regenmesser unserer SwissMetNet-Station auf dem Monte Generoso. Bild: M. Kopp

Es blieb nahezu überall trocken. Einzig im äussersten Norden bildeten sich lokale kurzlebige Schauerzellen. Das über Süddeutschland befindliche Höhentief sorgte hier noch für ausreichend Labilisierung, aber bereits am frühen Nachmittag übernahm auch hier das Zwischenhoch das Zepter und die Quellwolken wurden immer flacher.

Vergrösserte Ansicht: Mittagssondierung aus Payerne
Mittagssondierung aus Payerne

Das sich verstärkende Zwischenhoch ist sehr schön in der Mittagssondierung in Payerne ersichtlich. Mit dem Zwischenhoch verbundene grossräumige Absinkbewegungen haben auf rund 2700 Meter eine kräftige Inversion ausgebildet, welche die Obergrenze der darunter befindlichen Quellbewölkung markiert.

Am wärmsten wurde es heute auf der Alpensüdseite mit rund 28 Grad. Im Norden wurden rund 23 Grad erreicht.

Impressionen

«Wer will noch mal, wer hat noch nicht?»

Frei nach diesem Motto kommt es ab Montagabend immer wieder zu Niederschlägen. Den Verursacher finden wir in Form eines sich von der grossräumigen Strömung abspaltenden Höhentiefs, welches sich ab Dienstag nur langsam von Frankreich über den Alpenraum hinweg Richtung Balkan verlagert.

Ab Montagabend setzen aus Westen Niederschläge ein, die am Dienstag anhalten. Mit den im Süden ausgelösten und nach Norden ziehenden Gewittern ist der detaillierte Niederschlagsschwerpunkt noch mit Unsicherheiten behaftet. Mit Föhn ist es im äussersten Osten voraussichtlich noch länger trocken.

Für den Mittwoch deutet sich eine Entspannung an. Die Schweiz liegt mitten unter dem Höhentief in einer windschwachen und damit advektionsarmen Zone. Bei wechselhaften Wetter lässt die Niederschlagstätigkeit vorübergehend nach.

Mit der weiteren Ostverlagerung des Höhentiefs fliesst am Donnerstag wieder deutlich feuchtere Luft aus Norden zu den Alpen, wo sich die Niederschläge wieder intensivieren. Freitag lassen die Niederschläge wieder langsam nach.

Die bis Freitagabend aufsummierte Niederschlagsmenge ist entsprechend beachtlich. Dies umso mehr, wenn wir uns die bereits gesättigten Böden vor Augen führen. Die folgende Abbildung illustriert exemplarisch das Potential der niederschlagsreichen kommenden Woche. Es sei aber noch einmal explizit erwähnt, dass der definitve Niederschlagsschwerpunkt bzw. die Niederschlagsmengen noch mit Unsicherheiten behaftet sind!

Vergrösserte Ansicht: Bis Freitagabend 24 UTC aufsummierte Gesamtniederschlagsmenge. EZMWF IFS HRES
Bis Freitagabend 24 UTC aufsummierte Gesamtniederschlagsmenge. EZMWF IFS HRES

Doch jetzt Schluss mit schlechten niederschlagsreichen Nachrichten. Für das kommende Wochenende deutet sich eine Wetterbesserung an. Der Alpenraum gelangt voraussichtlich an die Südostflanke eines neuen Hochdruckgebiets mit Schwerpunkt über den Britischen Inseln. Am meisten Sonne darf im Wallis und im Süden erwartet werden. Aber: Psst, nicht weitersagen :-)

Kommentare (14)

  1. Emma, 12.07.2021, 09:38

    Stefan, bin gleicher Meinung. Die Birken und Sträucher vor meiner Wohnung, waren schon lange nicht mehr so grün. Auch der Jonenbach, stinkt noch nicht, da er mehr Wasser führt. lch geniesse diesen Sommer, es kommen wieder andere Zeiten, Emma

  2. Timo Stammwitz, 11.07.2021, 19:43

    Tolle Woche, das freut Gewässer und hoffentlich mit genügend tiefer Schneefallgrenze auch die Gletscher. Einfach cooler schöner Juli. Bitte weiter so.
    Übrigens: Erst wenn Hänge rutschen, werden Gewässer wieder richtig mit Geschiebe versorgt. Für Gewässer und Hygiene Grundwasser von zentraler Bedeutung.
    Wir sollten jedem grossen Hochwasser deshalb dankbar sein.

    1. Henry, 12.07.2021, 01:50

      Das sehen leider nicht alle so. Für viele ist schon ein mittleres Hochwasser der Beginn der Apokalypse.

    2. Enrico, 12.07.2021, 12:00

      Der Sommer sollte sommerlich und der Winter winterlich sein. In der Schweiz ist der Winter winterlich und der Sommer auch.

    3. Max, 17.07.2021, 22:12

      Das sehe ich gedrungenermasen auch so Enrico

  3. Urs Imhof, 11.07.2021, 19:02

    Dann ist klar was passiert.
    Vor der Front eine Druckwelle mit starkem Wind und die Gewitter bleiben am Hochrhein mehr oder weniger aus.
    Dafür am Dienstag anhaltender Regen.

  4. Adrian, 11.07.2021, 17:50

    Sommer in der Schweiz; wenn der Regen etwas wärmer ist…

    1. Wolfgang, 11.07.2021, 19:10

      DER ist richtig gut! Besser kann man es nicht beschreiben.

    2. Douglas, 12.07.2021, 12:32

      Wie es Peach Weber besingt: Gehen wir ins Tessin... Wieso? Dort schiffets wärmer!

  5. Mikki, 11.07.2021, 17:49

    Herzallerliebst. Als Skandinavienreisender und -liebender ist mir dieses Wetter nicht fremd, allerdings wird's in Basel ohne die Seen und kleinen Cafés Smålands langsam recht trist. Ist denn via Jetstream abzusehen, ob es die zweite Julihälfte oder spätestens August eine Wetterbesserung gibt? Ich finde hierzu leider kaum Vorhersagen, wäre wundervoll würdet ihr eine Prognose wagen! Immer gerne den Blog lesend, Mikki

    1. Emma, 11.07.2021, 18:21

      Die beiden Kommentare sind super, man kann das durchzogene Wetter, so schön beschreiben! Ich bin zufrieden, keine grossen Ueberschwemmungen, Erdrutsche

    2. Tobi, 11.07.2021, 20:06

      Dafür erlebte ich in Schweden seit Junibeginn bis jetzt nur wenige kurze Gewitter. In Kiruna ist es seit einer Woche zwischen 25...30°C heiss. Der Fluss Torne Älv über dem Polarkreis ist wärmer als 22°C... Die Wärme ist wieder mal an einem falschen Ort wie auch schon im Mai bereits.

    3. P. Bernet, 12.07.2021, 07:36

      Lieber Mikki
      Wenn wir Glück haben, so bessert sich das
      Wetter, etwa ab dem nächsten Wochenende.
      Aber Langzeitprognosen sind immer mit
      Vorsicht zu geniessen!

    4. stefan, 12.07.2021, 08:51

      Ich glaube das schönste wetter hat jener, welcher sich mit der jetzigen Situation versucht anzufreunden. Natürlich auf den Hagel kann die Natur verzichten. Sonst ist es grün wie selten.