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Verschnaufpause

9. Juli 2021, 21 Kommentare
Themen: Wetter

Nach der vergangenen Gewitterlage mit intensiven Starkniederschlägen, hat sich die Wetterlage durch ein Zwischenhoch beruhigt. Nebst der Beschreibung des Wetterablaufs des heutigen Tages, ziehen wir noch Bilanz des vergangenen Niederschlagsereignisses mit den starken Gewittern von gestern.

Quellwolken, entstanden aus Rest- und Bodenfeuchte, über startendem Flugzeug am Flughafen Zürich-Kloten. Foto: M. Grundlehner
Quellwolken, entstanden aus Rest- und Bodenfeuchte, über startendem Flugzeug am Flughafen Zürich-Kloten. Foto: M. Grundlehner

Zögernder Hochdruckeinfluss

Nach den Schauern und Gewittern von gestern (siehe später im Blog), hat sich von Frankreich her ein Zwischenhoch zum Alpenraum ausgedehnt. Allerdings war die Wirkung des Hochs recht bescheiden. Mit der Winddrehung auf Nordwest wurde die Restfeuchte bis in den Freitagmorgen gestaut, womit die Schauer nur langsam nachliessen. Mit dem Nordwestwind floss zudem auch kühlere Luft zur Alpennordseite. Beispielsweise auf dem Grimsel sank die Schneefallgrenze gestern Abend kurzzeitig sogar unter 1800 Meter ab, sonst lag die Schneefallgrenze heute Morgen um 2500 Meter.

Vergrösserte Ansicht: Satellitenbild mit Quellwolken und Radarbild mit einzelnen Schauerzellen um die Mittagszeit.
Satellitenbild mit Quellwolken und Radarbild mit einzelnen Schauerzellen um die Mittagszeit.
Quelle: MeteoSchweiz

Am Vormittag blieb es auf der Alpennordseite vor allem gegen Osten hin oft bewölkt. In der immer noch relativ labilen Schichtung konnten sich wieder Quellwolken bilden und gegen Norden hin entwickelten sich gegen Mittag sogar einzelne Schauerzellen. Gegen Westen hin und im Wallis war die Luft etwas trockener und die Sonne zeigte sich häufiger. Im Laufe des Nachmittages setzte sich auch gegen Osten hin die Sonne mehr und mehr durch.

Am sonnigsten war es heute südlich der Alpen. Dank Nordwind wurde die Luft dort sehr trocken und die Temperatur stieg in den Niederungen bis auf 30 Grad. Im Norden dagegen wurden nur gerade Temperaturen um 23 Grad erreicht.

Folgen der vergangenen Niederschläge

Die starken Niederschläge von gestern und der vergangenen Tage (siehe später) zeigten heute Morgen auch ihre Folgen. Die Pegelstände in den Flüssen stiegen je nach Einzugsgebiet deutlich an.
Die Hydrologen des Bundesamtes für Umwelt (BAFU) mussten für einige Alpenrandseen und Teile des Hochrheins die Gefahrenstufe 3 ausgeben. Auch in Gebieten mit bereits hohem Grundwasserspiegel, blieb das Wasser in den Feldern sichtbar.

Vergrösserte Ansicht: Hochwasserwarnkarte für Gewässer von gesamtschweizerischem Interesse am 09.07.2021.
Hochwasserwarnkarte für Gewässer von gesamtschweizerischem Interesse am 09.07.2021.
Quelle: Bundesamt für Umwelt (BAFU)

Sihl bei Langnau am Albis (ZH), 9. Juli 2021: Nach dem Starkregen flossen hier in der Nacht kurzzeitig 200 m3/s Wasser durch, zum Zeitpunkt der Aufnahme waren es 100 bis 120 m3/s.
Video: D. Gerstgrasser

Rückblick Schauer und Gewitter am Donnerstagabend /-nacht

Nach den sehr starken Gewittern gestern Mittag im Tessin (siehe Blogbeitrag), wurden mit der südlichen Anströmung von instabil geschichteter Mittelmeerluft am Nachmittag weitere Schauer und Gewitter ausgelöst. Gleichzeitig setzen auch im Westen und im Wallis zunehmend Schauer, mit teils eingelagerten Gewittern ein. In der Folge war bis am Abend grossflächig fast die ganze Deutschschweiz davon betroffen.
Südlich der Alpen näherte sich vom Piemont her eine neue Linie mit starken Gewittern, welche über das Südtessin, das Locarnese und das Bellinzonese zogen. Im Laufe des Abends liess die Schauer- und Gewitteraktivität allmählich nach und ab Mitternacht wurde es im Süden zunehmend trocken. Im Norden drehte die Strömung von Süd bis Südwest auf Nordwest, wodurch die Schauer am Alpennordhang durch leichte Stauwirkung noch bis in die Morgenstunden des Freitags anhielten.

Dass sich die Schauer und Gewitter nochmals auf den gestrigen Abend verstärkten, bzw. grossflächiger auftraten, war nicht nur in der tageszeitlichen Erwärmung begründet, da wegen dichterer Bewölkung kaum Sonneneinstrahlung dazu beitragen konnte.
Hingegen sorgte der Trog (Tief in der Höhe) für grossräumige Hebung auf der Vorderseite der Trogachse und begünstigte bzw. beschleunigte die Feuchtekonvektion und daher die Entwicklung von Schauer- und Gewitterzellen.

Vergrösserte Ansicht: Geopotential auf 500 hPa und Vertikalbewegung (blau=aufsteigende Luft) um 14 Uhr (links) und Geopotential und Radarechos um 17 Uhr (rechts). Gestrichelt dargestellt die Trogachse und das Gebiet mit der stärksten Hebung.
Geopotential auf 500 hPa und Vertikalbewegung (blau=aufsteigende Luft) um 14 Uhr (links) und Geopotential und Radarechos um 17 Uhr (rechts). Gestrichelt dargestellt die Trogachse und das Gebiet mit der stärksten Hebung.
Quelle: MeteoSchweiz

Von Donnerstagabend 18 Uhr bis  Freitagmorgen 6 Uhr wurden auch nördlich der Alpen beträchtliche Niederschlagsamengen registriert. An den zentralen und östlichen Voralpen und am angrenzenden nordöstlichen Mittelland wurden verbreitet 25 bis 40 mm gemessen. Bei eingelagerten Gewittern wurden lokal sogar über 50 mm festgestellt.
Dabei lagen die maximalen Stundenwerte mit 5 bis 10 mm deutlich tiefer als mit den starken Gewittern gestern auf der Alpensüdseite. Dies lag daran, dass in den unteren Schichten aus Nordwesten kühlere und damit potentiell weniger feuchte Luft eingeflossen war.

Vergrösserte Ansicht: Verteilung der 12-Stunden Niederschlagssumme von Donnerstagabend 16 UTC bis Freitagmorgen 4 UTC (CombiPrecip).
Verteilung der 12-Stunden Niederschlagssumme von Donnerstagabend 16 UTC bis Freitagmorgen 4 UTC (CombiPrecip).
Quelle: MeteoSchweiz

In den vergangenen Tagen wurde die Schweiz mit mehr als genug Wasser beliefert. Insbesondere im Tessin, im Gotthard und der oberen Surselva wurden in den letzten 3 Tagen 120 bis 200 mm (lokal auch höher) und am Alpennordhang verbreitet 80 bis 120 mm Niederschlag gemessen.

Vergrösserte Ansicht: Verteilung der 72-Stunden Niederschlagssumme von Dienstagabend (6.7.) 4 UTC bis Freitagmorgen (9.7.) 4 UTC (CombiPrecip).
Verteilung der 72-Stunden Niederschlagssumme von Dienstagabend (6.7.) 4 UTC bis Freitagmorgen (9.7.) 4 UTC (CombiPrecip).
Quelle: MeteoSchweiz

Kommentare (21)

  1. Aufbacke, 10.07.2021, 16:28

    Der Wald und mein junger Münsterländer-Hund sind sich einig:
    Endlich mal kein Sommer für Sonnenanbeter und Borkenkäfer, sondern einer für uns.
    Das wurde höchste Zeit.
    Als Nutznießer eurer tollen App am deutschen Bodenseeufer sage ich danke an das Team von Meteo Schweiz

  2. Luis, 10.07.2021, 12:12

    An diesem Wochenende werden über 45 Grad in Mittel- und Südspanien erwartet. Ein Blick über den Tellerrand?

    https://www.elmundo.es/espana/2021/07/10/60e942ab21efa0236f8b45ce.html

  3. Elisabeth Spreng Troller, 10.07.2021, 10:43

    In der Tat die Geschmäcker sind verschieden. Ich wünsche mir einen richtigen Sommer mit stabilen Hitzetagen. Kühle Temperaturen gibt es ohnehin für mich mehr als genug. Immerhin derzeit scheint die Sonne - bis zum nächsten Nass!

  4. Stefan Furrer, 10.07.2021, 10:15

    Liebes Meteo Team

    seit Wochen ist in der möglichen Wetterentwicklung immer von ziemlich bis meist sonnigem Wetter die Rede. Eintreffen tut jedoch v.a. nasses Wetter mit wenig Sonne. Dies suggeriert falsche Hoffnungen. Wäre es nicht sinnvoller, dies einfach gänzlich wegzulassen, wenn die Verlässlichkeit solcher Aussagen gegen null tendiert?

    1. Manuel, 10.07.2021, 13:02

      Ich denke das gleiche schon seit Monaten hehe.
      Die Hoffnung auf gutes Wetter stirbt auch bei den Meteorologen zuletzt.
      Wenn der Sommer nass und kühl ist wird der Herbst und Winter sehr warm und trocken egal welche Prognose die Meteorologen erstellen.
      Ich hoffe sehr das wir in nicht all zu ferner Zukunft hier in der Nord-Schweiz Mediterranes Klima haben werden!!!

    2. Urs, 10.07.2021, 15:01

      Mediterranes Klima in der Schweiz? Habe ich richtig gelesen… ?

    3. Renato, 10.07.2021, 15:06

      Und dann am Mittelmeer ein Wüstenklima? So ein egoistisches Denken…

  5. Ernst Heimeler, 10.07.2021, 08:32

    Ich vergleiche meine Wasserrechnungen über 40 Jahre. Da ich ein Bewässerungssystem in meinem Garten betreibe, sehe ich ganz einfach wie trocken oder nass der Sommer war. Ich erkenne regelmässig alle 5-6 Jahre eine niedere Summe, also nasser Sommer.
    Dann sehe ich die Theorien der Wettergötter, die von dem was sie pophezeihen leben, Vorsicht und kritisches Überlegen ist angebracht.
    […]
    Wie sagte einst Winston Churchill:
    Ich glaube nur an Statistiken die ich vorher selbst mit meinen Daten erstellt habe.

    1. MeteoSchweiz, 10.07.2021, 10:46

      Dieser Kommentar wird in verkürzter Fassung publiziert, weil er nicht in allen Teilen den Regeln der Netiquette von MeteoSchweiz entspricht.

  6. Baur, 09.07.2021, 22:00

    Gemäss Konkurrent Thomas Bucheli sei die Klimaerwärmung schuld an den häufigeren Extremwetterlagen. Offenbar verlangsamt die stärkere Erwärmung der arktischen Breiten als die der mittleren Breiten den Jetstream und dieser mäandriert häufiger, was je nach Lage zu extremer Hitze (Westkanada) oder zu häufigen Südwestlagen (Mitteleuropa) führt. Die Temperatur Differenzen zwischen Arktis und bei uns verringern sich was den Jetstream verlangsamen kann.

    1. Peter Kelvin, 10.07.2021, 12:55

      MeteoSchweiz hat keine Konkurrenten.

  7. Adrian, 09.07.2021, 19:53

    Sie schreiben es, eine Verschnaufpause. Doch wie heisst eine Redewendung im Frühling mit der Schwalbe, das kann man ja gut auch jetzt verwenden; „Ein sonniger Abend macht noch keinen Sommer.“

  8. Esther, 09.07.2021, 19:34

    Verschnaufpause mit moderaten Temperaturen ist OK. Noch viel mehr OK sind die kühlen Temperaturen in der nächsten Woche. ;-))) Einfach bitte bloss keine Hitzewelle. Die würde meine ganze Zufriedenheit mit dem bisherigen Sommer ins Gegenteil umkehren. So verschieden sind die Geschmäcker ...

    1. Jean-Jacques, 09.07.2021, 20:35

      Mit diesem Sommer bin ich auch ganz zufrieden...

    2. Patrick, 10.07.2021, 11:00

      Ich finde dieses Sommer auch einfach wunderschön :)

  9. Mad Max, 09.07.2021, 18:05

    Daß Schweizer Mittelland erlebte bisher einer der nässesten Sommer seit der Wetteraufzeichnung!Kann daß MeteoSwiss bestätigen?Wer behauptet es war schon immer so,daß stimmt überhaupt nicht!Auch stabiles Hochdruckwetter ist in weiter Ferne und weiterhin nicht in Sicht!Wünsche allen ein tolles Wochenende!Und danke den MeteoSwiss Mitarbeiter für die täglichen Prognosen und interessanten Beiträge! 👌

    1. MeteoSchweiz, 09.07.2021, 19:10

      Guten Abend Mad Max,
      Der bisherige Sommer 2021 war in der Tat stellenweise einer der nässesten. Rekorverdächtige Niederschlagssummen sind beispielsweise an den Messstationen in Thun (360 mm), Buchs/Aarau (335 mm), Zofingen (294 mm) oder auch Wädenswil (313 mm) registriert worden.
      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

    2. Peter Andreas Sager, Aeugst am Albis, 10.07.2021, 07:55

      Danke für den Kommentar, schade kann man nicht beim Wetter mit Name und Ort schreiben.
      Ich sehe es aber genau wie Sie Herr Mad Max, wir haben das Schlimmste unbeständige Sommerwetter seit der Wetteraufzeichnung.
      Kann dies bestätigt werden, keine 2 bis 3 Tage mit Sommer wie früher sind möglich, es kommt ein Tief nach dem anderen aus dem Atlantik.

    3. Jean-Jacques, 10.07.2021, 11:38

      Nicht überall war es nass. In der Westschweiz und insbesondere in Genf sind die Werte bis jetzt relativ normal. Aber es gibt tatsächlich ein sehr nasser Streifen der Voralpen entlang.

  10. Henry Skeleton Key, 09.07.2021, 17:01

    für das erste und einzige Foto ist der Satellit doch etwas zu tief um die Erde.

    1. MeteoSchweiz, 09.07.2021, 17:18

      Hallo Herr Skeleton,
      ja das ist die neue Generation von Satelliten...nein natürlich nicht. Der Fehler in der Legende ist korrigiert.
      Besten Dank und freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz