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Hitze in der Schweiz: von den Warnungen bis zur Klimatologie

12. August 2021, 5 Kommentare
Themen: Klima

Hitze beeinflusst die Gesundheit und die Leistungsfähigkeit von Menschen und gilt als ernstzunehmende Naturgefahr. Ein neuer Fachbericht des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz gibt einen umfassenden Überblick zum Thema Hitze in der Schweiz und zeigt auf, wie MeteoSchweiz darüber informiert.

Die Sonne steht hoch am wolkenarmen Himmel.

Hitzetage gehören im Sommer in den tieferliegenden Regionen der Schweiz mittlerweile zur Normalität. Dementsprechend spielt das Thema Hitze bei MeteoSchweiz eine grosse Rolle, dies sowohl im Hinblick auf die Hitzewarnungen im Ereignisfall, als auch in unseren klimatologischen Analysen. Ziel der Warnungen ist, dass sich die Bevölkerung und die Behörden frühzeitig und effektiv auf eine bevorstehende Hitzeperiode vorbereiten können. Mit Hilfe von klimatologischen Analysen verbessern wir unser Verständnis für die zeitliche Entwicklung von Hitzeperioden von der Vergangenheit bis in die Zukunft und liefern damit die Grundlagen für die Anpassung an den Klimawandel.

Der Fachbericht «Von den Warnungen bis zur Klimatologie – das Thema Hitze an der MeteoSchweiz» fasst beide Aspekte zusammen. Er zeigt auf, wie sich das Hitzewarnsystem in der Schweiz seit dem Hitzesommer 2003 entwickelt hat und wie die Zusammenarbeit mit den Kantonen bei Hitzeereignissen funktioniert. Er liefert Hintergrundinformationen zum neuen Hitzewarnkonzept, das seit diesem Jahr angewendet wird (Blogbeitrag zum neuen Hitzewarnkonzept, Website mit Erläuterungen zu den Hitzewarnungen). Auch der MeteoSchweiz-Beitrag zum europäischen Projekt «HEAT-SHIELD», in dem die zukünftige Hitzebelastung für die arbeitende Bevölkerung modelliert wurde, wird im Bericht zusammengefasst. Ebenfalls finden sich im Fachbericht Informationen zur Berechnung von Wiederkehrperioden von Temperaturextremen, zum Stadtklima, zur Vergleichbarkeit von verschiedenen Hitzeindikatoren und zur Hitzeentwicklung in der Vergangenheit und in der Zukunft.

Klimatologische Entwicklung von Hitzeperioden

In den letzten Jahrzehnten nahmen Hitzeperioden in der Schweiz, wie auch in vielen weiteren Regionen der Erde, stark zu. Die Sommertemperaturen sind gegenüber der vorindustriellen Periode 1871-1900 deutlich angestiegen und liegen aktuell rund 2 °C höher. Schweizweit traten vier der fünf wärmsten Sommerhalbjahre seit 2003 auf, wobei die Sommer der Jahre 2003 und 2018 mit Abstand die höchsten Durchschnittstemperaturen aufwiesen (Abb. 1).

Für die Abschätzung, ob die Gefahr, die von Hitze ausgehen kann, zunimmt, sind verschiedene Aspekte wichtig. Einerseits wird berücksichtigt, wie sich die Häufigkeit und die Intensität von heissen Tagen verändert haben. Zudem nehmen die negativen Auswirkungen für die Bevölkerung und die Biosphäre zu, wenn sich Hitzesituationen über mehrere Tage nicht auflösen oder gar mehrere Hitzeperioden aufeinander folgen. Dementsprechend untersuchen wir auch die Veränderung von Mehrtagesperioden. Abbildung 2 zeigt als Beispiel die mittlere Tagesmaximumtemperatur der 7 heissesten aufeinanderfolgenden Tage im Jahr. Sie ist deutlich angestiegen und liegt heute im Mittelland und im Tessin immer häufiger deutlich über 30 - 32 °C. Hitzeperioden treten heute zudem häufiger und früher im Jahr auf. Auch höher gelegene Regionen in den Voralpen und im Jura müssen heutzutage häufiger mit Hitzeperioden rechnen.

Gemäss den Klimaszenarien CH2018 muss die Schweiz bis Ende des 21. Jahrhunderts infolge der fortschreitenden Klimaerwärmung mit einer weiteren Zunahme und Intensivierung von Hitzeperioden rechnen. Die Stärke dieser Entwicklung ist abhängig vom zukünftigen globalen Ausstoss von Treibhausgasen.

Hitzewarnsituation in der Vergangenheit und heute

Mit dem neuen Hitzewarnsystem von MeteoSchweiz, das die Hitzeperioden auf Basis der Tagesmitteltemperatur definiert, können wir nun auch die Anzahl der Hitzewarnsituationen in der Vergangenheit betrachten. Die Tagesmitteltemperatur, also der Durchschnitt der Temperatur über alle 24 Stunden eines Tages, liegt für viele Messstationen ab 1864 vor. Studien haben gezeigt, dass ab einer Tagesmitteltemperatur von 25 °C die Sterblichkeit in der Schweiz stark ansteigt, weshalb dieser Wert als Warn-Schwellenwert festgelegt wurde. Abbildung 3 zeigt für verschiedene Stationen die längste Periode pro Jahr während der dieser Schwellenwert überschritten wurde. Für eine Hitzewarnung der Stufe 2 genügt ein Tag, für eine Warnung der Stufe 3 braucht es drei aufeinanderfolgende Tage von 25 °C oder mehr. Für die Warnung der Stufe 4 ist der Schwellenwert höher und es sind drei aufeinanderfolgende Tage mit einer Tagesmitteltemperatur von mindestens 27 °C nötig.

Hitzewarnsituationen sind in der ganzen Schweiz häufiger geworden. In Basel gab es seit 2010 jedes Jahr eine Warnsituation der Stufe 3 und in Lugano fast in jedem Jahr, während in Zürich und Genf ungefähr jedes zweite Jahr eine solche Hitzewelle auftrat. Selbst in St. Gallen kommen Hitzewarnsituation der Stufe 3 seit den 1980er Jahren regelmässig, wenn auch noch selten vor. In der Vergangenheit fallen vor allem die heissen Sommer in den 1940er und Anfang der 1950er Jahre auf.

Weiterführende Informationen

Kommentare (5)

  1. Paredes Bruno, 12.08.2021, 16:54

    Es geht um Anpassung. So zeigte eine Studie des Barcelona Institute for Global Health von 2018 im Fachmagazin «PLoS Medicine», dass hitzebedingte Todesfälle in Spanien trotz steigender Temperaturen abgenommen haben. Die Forscher hatten die Daten von 47 Provinzhauptstädten für die Periode von 1980 bis 2015 einbezogen. Dabei ergab sich, dass die Temperaturen im Schnitt um 0,3 Grad pro Jahrzehnt angestiegen waren, die Sterblichkeit infolge Wärme aber dennoch um 0,5 Prozent pro Jahrzehnt abgenommen hatte. «Der Trend legt nahe», schrieb das Institut, «dass die Bevölkerung Spanien sich an den Wandel angepasst und ihre Verletzlichkeit gegenüber sommerlichen Temperaturen reduziert hat.»

    1. MeteoSchweiz, 13.08.2021, 09:30

      Guten Tag Herr Paredes,

      Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz befasst sich mit der Temperaturentwicklung in der Schweiz seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen. Hierzulande haben Hitzeperioden an Häufigkeit und Intensität in den letzten Jahrzehnten deutlich zugenommen.

      Freundliche Grüsse,
      MeteoSchweiz

    2. stefan, 13.08.2021, 20:18

      Sehr geehrter Herr Paredes
      Genau dieser Schwellenwert von 25 Grad und Werte darüber bedürfen einer Anpassung des menschlichen Verhaltens. Einfach gesagt ohne aktive oder passive Kühlung bekommt der Körper Probleme. Genau wegen Temperaturen über 25 Grad braucht es diese teils sehr teuren Investitionen. Dies sicher auch in Spanien. Abgesehen davon hat die Natur diese Möglichkeit nicht und stösst deshalb fast unbemerkt immer mehr an ihre Grenzen. Und dann geht es schnell.

    3. Baur, 15.08.2021, 19:57

      Da übersehen Sie aber, dass die Anzahl der mobilen und die der fest eingebauten Klimaanlagen gewaltig zugenommen hat seither, nicht nur in Spanien, auch bei uns in der Schweiz! Logisch dass auch dadurch vor allem die Sterblichkeit sinkt!

    4. Rolf Drechsler, 21.08.2021, 00:08

      Vielen Dank für diesen Kommentar. Setzt doch diese Studie klar ein Zeichen der Hoffnung, dass der Mensch auch mit mehr Wärme umgehen kann.