Inhaltsbereich

Klimaszenarien CH2018 – von der Forschung in die Praxis

15. Juli 2022, 6 Kommentare
Themen: Klima

Nationale Klimaszenarien sind die zentrale Grundlage für Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel. Mit zunehmendem Klimawandel sind Klimaszenarien in den letzten Jahren eine unerlässliche Grundlage für verschiedenste Sektoren in Wirtschaft, Umwelt und Gesellschaft geworden. Eine neue Veröffentlichung von MeteoSchweiz zeigt anhand der aktuellsten Klimaszenarien CH2018, welche Anstrengungen nötig waren, um sie in der Praxis zu etablieren.

Trockene Sommer, heftige Niederschläge, mehr Hitzetage und schneearme Winter sind die absehbaren Folgen eines ungebremsten Klimawandels in der Schweiz. Dies sind die Erkenntnisse aus dem vierjährigen Projekt «Klimaszenarien CH2018», welches unter Federführung von MeteoSchweiz, der ETH Zürich und unter Mitwirkung von etwa 70 Expertinnen und Experten erarbeitet wurde. Seit Lancierung vor mehr als drei Jahren fanden die Klimaszenarien CH2018 Eingang in viele weiterführende Klimastudien sowie in kantonale und nationale Klimastrategien. So bildeten sie die Basis zur Ermittlung der Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweizer Gewässer (Hydro-CH2018). Auch der zweite Aktionsplan des Bundesrats zur Umsetzung der Strategie «Anpassung an den Klimawandel in der Schweiz» beruht auf der Grundlage von CH2018.

Klimaszenarien in der Praxis

Die Klimaszenarien CH2018 sind ein gutes Beispiel eines Service Public bzw. einer Klimadienstleistung. Dabei werden wissenschaftliche Erkenntnisse über den Klimawandel in verwertbare Informationen umgewandelt, damit diese von einer Vielzahl von Nutzenden aus Wirtschaft, Verwaltung und Gesellschaft eingesetzt werden können. Diese Transformation von Wissen aus der Forschung in die Anwendung ist einer der zentralen Aufträge des National Centre for Climate Services (NCCS), dem Netzwerk des Bundes für Klimadienstleistungen. Nationale Klimaszenarien sind ein Themenschwerpunkt des NCCS.

Grundpfeiler der Klimaszenarien

Gemäss einer neuen Veröffentlichung von MeteoSchweiz waren die nachfolgenden drei Grundpfeiler ausschlaggebend, damit die Klimaszenarien Eingang in die Praxis fanden:

Wissenschaftlicher Ansatz

Die Erarbeitung von Resultaten und Hauptaussagen, deren Interpretation und Einordnung und die Erstellung von Datensätzen für Nutzende erfolgte nach strengen wissenschaftlichen Grundsätzen. Diese wurden konsistent über alle Teilbereiche angewandt. Beteiligt an der Erarbeitung waren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus neun führenden Schweizer Forschungsinstitutionen. Zur Qualitätssicherung wurden die Resultate zudem extern von mehr als 20 internationalen Expertinnen und Experten begutachtet. Dieser Prozess erlaubte die Ableitung robuster Aussagen und sorgte damit für grosses Vertrauen gegenüber den Resultaten unter Anwenderinnen und Anwendern.

Integration von Nutzenden

Durch den fortlaufenden Dialog mit Nutzenden konnten die relevanten Grössen für die Klimaszenarien eruiert und erarbeitet werden, wie z.B. Informationen zu zukünftigen Hitzewellen, intensiven Niederschlägen und Dürren. Eine grossangelegte Umfrage zeigte zudem das grosse Bedürfnis der Praxis nach lokalen Informationen in einfach zugänglicher Form. Die Hauptzielgruppe der Klimaszenarien CH2018 sind praxisorientierte Anwenderinnen und Anwender (bspw. Ingenieurinnen und Ingenieure, Verbände oder Verwaltung).

Kommunikation

Die Lancierung der Klimaszenarien CH2018 umfasste die Publikation von sechs Produkten, die individuell auf spezifische Anwendungsbereiche ausgerichtet wurden. Das Hauptaugenmerk galt den praxisorientierten Anwenderinnen und Anwendern, für die mehrere Produkte über die Website www.nccs.admin.ch angeboten werden. Als zentrales Werkzeug dient hierbei der Webatlas. Er bietet eine enorme Vielfalt an aufbereiteten Grafiken und Daten zum zukünftigen Klima. Der Webatlas wird laufend mit neuen Informationen ergänzt – ganz aktuell ist dabei die Erweiterung um neue Hitzeszenarien.

Als Haupterkennungsmerkmal wurden die Kernaussagen anhand vier fiktiver Personen beschrieben, die unterschiedlich vom zukünftigen Klima betroffen sind. So konnten die Auswirkungen des Klimawandels nahbar und erfahrbar gemacht werden. Zum Beispiel wurde die Person «Nonna Lucia» kreiert, die nicht schlafen kann wegen vermehrten Hitzewellen.

Etablierung als Service Public

Neue Methoden und Erkenntnisse aus der Wissenschaft sowie neue Simulationen mit Klimamodellen in höherer Auflösung machen eine Aktualisierung der Klimaszenarien in einigen Jahren notwendig. Dabei werden auch neue Erkenntnisse zu Bedürfnissen der Nutzenden und verbesserte Kommunikationsmassnahmen eine wichtige Rolle spielen.

Ebenso werden wichtige Bedürfnisse aus der Umsetzung des neu lancierten Programms NCCS-Impacts erwartet. Dieses verwendet die Klimaszenarien CH2018 als zentrale Datengrundlage und untersucht in mehreren Projekten diverse Auswirkungen des Klimawandels auf die Schweiz. Zu vier Projekten läuft derzeit und noch bis 26. August eine öffentliche Ausschreibung, die in den Jahren 2023 bis 2025 umgesetzt werden sollen.

Die regelmässige Erstellung von Klimaszenarien ist seit 2014 ein offizielles Mandat von MeteoSchweiz, um Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern die jeweils aktuellsten Planungsgrundlagen im Umgang mit dem Klimawandel zu liefern. Es bleibt zu hoffen, dass sich die Klimaszenarien als ganz natürliche Planungs- und Entscheidungsgrundlage in der Schweiz etablieren, wie dies heutzutage schon bei Wettervorhersagen der Fall ist: ein stets geschätzter Service Public eben!

MeteoSchweiz ist offen für einen respektvollen Onlinedialog und freut sich über Ihre Kommentare und Fragen. Bitte beachten Sie dabei unsere Netiquette. Haben Sie bitte auch Verständnis dafür, dass kein Recht auf die Publikation eines Kommentares besteht und dass wir über die Freischaltpraxis keine Korrespondenz führen. Kontaktformular

Kommentare (6)

  1. Anna C., 24.07.2022, 12:01

    Ich möchte aufmerksam machen auf die moderne Architektur. Hier im Tessin boomen ökologisch-zertifizierte "Glashäuser". Sie setzen auf erneuerbare Energien, haben gute Ansätze - eigentlich ein kleines Wunder. Etwas aber scheinen sie auszulassen: die Umgebung, die sie erwärmen. Schwarze Fassaden, betonierte und geteerte Böden. Hecken und Bäume fehlen und englischer oder künstlicher Rasen ist das Markenzeichen. Ich treibe viel Sport und überall, wo die Natur entfernt wurde, ist die Hitze unerträglich. Eine Baumkrone kann so viel Abkühlung spenden. In der Architektur und der Urbanistik sollte die Natur einen Platz finden. Mit Natur meine ich grosse, alte Bäume, Büsche und Grasflächen.

    Antworten

    Antworten auf Anna C.

    * Pflichtfelder

    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Jeder Beitrag wird von der Redaktion geprüft, bevor er freigeschaltet wird. Das kann eine gewisse Zeit dauern.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    Ihren Beitrag konnte leider nicht übermittelt werden. Probieren Sie es später erneut.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    1. Brigitte, 26.07.2022, 12:49

      Ja, genau das frage ich mich auch. Wo bleibt die Architektur? Überall Teer, Steine, Kies! Wo bleiben die Bäume, die uns so viel Abkühlung bringen können? Im Zentrum von Köniz, zum Beispiel, ist so viel geteert, kein Baum, nichts. Es ist während Hitzewellen wie ein Ofen! In unseren Büros hat es Temperaturen von über 28 °C. Warum nicht viel mehr Grün? Wann endlich fangen wir damit an?

  2. Eva Kuhn, 20.07.2022, 22:02

    Ich möchte mich dem obigen Kommentar anschliessen, mit dem Hinweis auf die absolute Dringlichkeit der Reduktion des CO2-Ausstosses.

    Antworten

    Antworten auf Eva Kuhn

    * Pflichtfelder

    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Jeder Beitrag wird von der Redaktion geprüft, bevor er freigeschaltet wird. Das kann eine gewisse Zeit dauern.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    Ihren Beitrag konnte leider nicht übermittelt werden. Probieren Sie es später erneut.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    1. Wolfgang, 21.07.2022, 12:57

      Solange man auf deutschen Autobahnen nach wie vor unbegrenzt Vollgas geben kann, weiß man wie Ernst die CO2 Reduzierung genommen wird (ich bin übrigens aus Deutschland).

    2. Mike, 26.07.2022, 15:09

      Gebe dir 100% Recht. War aber letztens in NYC und die kennen dort weder Abfalltrennung noch Recycling. Ebenfalls sind die Läden auf gefühlte 15 °C herunter gekühlt. Ich finde das sehr traurig, da wir uns in der Schweiz verhältnismässig sehr viel Mühe geben, aber eine Weltmacht (USA) keinen Finger krümmt. Hoffe, die grossen Industrieländer begreifen bald, dass man jetzt handeln muss.

  3. Jack Müller, 15.07.2022, 21:45

    Man sollte mit der gleichen Energie die Einsichten über die Ursachen des Wandels und die moralischen Implikationen in die Köpfe bringen.

    Antworten

    Antworten auf Jack Müller

    * Pflichtfelder

    Vielen Dank für Ihren Beitrag. Jeder Beitrag wird von der Redaktion geprüft, bevor er freigeschaltet wird. Das kann eine gewisse Zeit dauern.

    Besten Dank für Ihr Verständnis

    Ihren Beitrag konnte leider nicht übermittelt werden. Probieren Sie es später erneut.

    Besten Dank für Ihr Verständnis