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Kantonale Klimaszenarien: Grundlagen für die Kantone

Publikationsdatum 16. November 2021
Themen Klima
Newstyp Medienmitteilung

Die Schweiz wird trockener, heisser, schneeärmer und muss künftig mit heftigeren Niederschlägen rechnen. Je nach Kanton und Jahreszeit können die Auswirkungen unterschiedlich stark auftreten. Dies zeigen die Kantonalen Klimaszenarien, die heute veröffentlicht werden. Die neuen Erkenntnisse wurden unter dem Dach des National Centre for Climate Services des Bundes (NCCS) erarbeitet, unter der Leitung des Bundesamtes für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz.

Die Schweizer Klimaszenarien CH2018 beschreiben, wie sich unser Klima bis Mitte dieses Jahrhunderts und darüber hinaus mit und ohne verstärkten Klimaschutz schweizweit verändern kann. Sie bilden die Basis für die Anpassungsstrategie des Bundes an den Klimawandel. Ergänzend enthalten die neuen Kantonalen Klimaszenarien Informationen zur vergangenen Klimaentwicklung sowie zur Klimazukunft jedes einzelnen Kantons.

Dafür wurden für jeden Kanton und Liechtenstein Faktenblätter erstellt und der CH2018-Webatlas mit kantonalen Informationen ergänzt. Diese Informationen dienen als Wegweiser und zur einheitlichen Verwendung der Klimaszenarien CH2018 in den Kantonen. «Die Kantonalen Klimaszenarien ermöglichen es dem Kanton Tessin sich noch gezielter auf die Klimaveränderungen einzustellen und uns anzupassen», erklärt Roland David, Präsident der kantonalen Naturgefahrenkommission. Die Online-Datenbank enthält u.a. Grafiken zu verschiedenen Emissionsszenarien, Zeitperioden und Variablen. Diese sind interaktiv dargestellt und als Download verfügbar.

Beispiele der Auswirkungen des Klimawandels in einzelnen Kantonen

1.     Trockene Sommer

Die mittleren Niederschlagsmengen im Sommer werden langfristig in allen Kantonen abnehmen. Nicht nur die durchschnittliche Menge ist dabei betroffen, sondern auch die Häufigkeit von Niederschlägen. Die längsten niederschlagsfreien Perioden im Sommer werden länger dauern. Ohne Klimaschutz werden diese ca. Mitte des 21. Jahrhunderts im aargauischen Buchs im Schnitt 1.4 Tage länger dauern als heute. Im Wallis in Sion werden sie im Schnitt sogar 2.1 Tage länger dauern.

2.     Mehr Hitzetage

Die Höchsttemperaturen steigen erheblich stärker als die Durchschnittstemperaturen. An den heissesten Tagen im Sommer wird es 2 - 5,5°C wärmer als heute. Hitzesommer wie in den Rekordjahren 2003 und 2018 können so zur Norm werden. Hitzewellen werden häufiger und extremer. Dabei ist die Hitzebelastung in tief gelegenen städtischen Gebieten am grössten. Zum Beispiel in den Kantonen Zürich, Genf und Tessin könnte es ohne Klimaschutz um 2060 in tieferen Lagen 3-4 Mal mehr Hitzetage geben als heute.

3.     Heftige Niederschläge

Starkniederschläge werden in Zukunft wahrscheinlich deutlich häufiger und intensiver auftreten als wir es heute erleben. Dies betrifft alle Jahreszeiten, aber besonders den Winter. Ohne Klimaschutz können die stärksten Tagesniederschläge im Winter bis 2060 in Aadorf (Kt. Thurgau) im Schnitt um 7% zunehmen. In anderen Regionen kann die Zunahme auch stärker ausfallen wie zum Beispiel in Zollikofen (Kt. Bern) und Lugano (Kt. Tessin), wo die stärksten Tagesniederschläge durchschnittlich um rund 9% zunehmen können.

4.     Schneearme Winter

Die Winter werden Mitte des Jahrhunderts deutlich wärmer sein als heute. Zwar fällt mehr Niederschlag – aber wegen der höheren Temperaturen eher als Regen statt Schnee. Im Kanton Graubünden zum Beispiel wird die Anzahl Neuschneetage in allen Höhenlagen deutlich abnehmen. In Lagen zwischen 1600 und 2000 m ü. M. werden um 2060 ohne Klimaschutz die Neuschneetage um rund 20 Tage abnehmen. Mit Klimaschutz sind es im Schnitt 14 Tage weniger.

Bundesauftrag zur Erstellung von Klimaszenarien

Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz hat das Mandat des Bundesrates, regelmässig Klimaszenarien zu erstellen. Sie liefern Entscheidungsträgern Planungsgrundlagen für den Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel. Die Szenarien richten sich nach den Bedürfnissen von Nutzern und Nutzerinnen aus Verwaltung, Politik und Wirtschaft. In diesem Rahmen sind die neuen Kantonalen Klimaszenarien als Massnahme des Aktionsplans 2020–2025 zur Anpassung an den Klimawandel entstanden. Die Strategie beinhaltet die Ziele für die Anpassung, beschreibt die grössten Herausforderungen und priorisiert die Handlungsfelder bei der Anpassung auf Bundesebene. Der Aktionsplan 2020–2025 umfasst 75 Massnahmen auf Bundesebene.

Das National Centre for Climate Services NCCS ist das Netzwerk des Bundes für Klimadienstleistungen, das Wissens- und Entscheidungsgrundlagen für die Anpassung an den Klimawandel und den Klimaschutz entwickelt und bereitstellt. Dazu gehören die neu erstellten Kantonalen Klimaszenarien sowie weitere Klimadienstleistungen wie beispielsweise die 2021 veröffentlichten hydrologischen Grundlagen zum Klimawandel «Hydro-CH2018» und die 2018 lancierten Schweizer Klimaszenarien CH2018.

Dem NCCS gehören neun Verwaltungseinheiten des Bundes an. Die Geschäftsstelle ist bei MeteoSchweiz angesiedelt.

Kontakt

MeteoSchweiz, Kommunikation
media@meteoschweiz.ch
+41 58 460 97 00

National Centre for Climate Services
nccs@meteoschweiz.ch
+41 58 460 97 74

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