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Nebel - eine Wolke wie fast jede andere

3. Dezember 2020, 8 Kommentare
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Nebel ist nichts anderes als eine Wolke (in der Luft schwebende Wassertröpfchen), aber nicht irgendeine Wolke. Es handelt sich um die tiefste Wolke, die man finden kann, denn sie bildet sich in Bodennähe. Aber vor allem ist es eine Frage der Sichtweise, denn man spricht von Nebel, wenn die Sicht weniger als einen Kilometer beträgt.

Die Cumulus-Wolke, in der sich eine Person auf einem Berg in 3000 m Höhe befindet, ist somit ebenfalls Nebel. Aber wenn von Nebel die Rede ist, ist oft eine mehr oder weniger ausgedehnte Wolkendecke in Bodennähe gemeint.

Strahlungsnebel

In der Schweiz tritt Nebel im Flachland meistens im Herbst und Winter auf. Dabei handelt es sich üblicherweise um Strahlungsnebel. Der Nebel bildet sich in der Nacht bei unbewölktem Himmel und schwachem Wind. Die Luft kühlt sich in Bodennähe ab und es entsteht eine Inversionsschicht, denn die dichte, kalte Luft kann nicht nach oben steigen. Wenn die Luft abkühlt, wird sie gesättigt, und der Wasserdampf kondensiert, um dann eine dünne Nebelschicht zu bilden, die sich allmählich ausdehnt und verdickt.

Damit Strahlungsnebel entsteht, sind einige Zutaten erforderlich. Die Luft muss ausreichend feucht sein, es darf kein Wind wehen und es müssen genügend Kondensationskerne (wie beispielsweise Aerosole) vorhanden sein, damit sich Wassertröpfchen bilden können. Zudem muss der Himmel unbewölkt sein, um die nächtliche Abkühlung zu begünstigen.

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 1. Nebeldecke über der Stadt Genf. Foto: Dean Gill
Abbildung 1. Nebeldecke über der Stadt Genf. Foto: Dean Gill

Die langen Nächte im Herbst und Winter, begünstigen die Nebelbildung. Daher tritt Nebel am häufigsten zwischen Oktober und Januar auf. Gemäss den Statistiken von 1981 bis 2010, gab es im Oktober durchschnittlich neun Nebeltage in Zürich-Kloten und vier in Genf-Cointrin. In den Alpen und im Tessin, ist Nebel im Schnitt seltener.

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 2. Durchschnittliche Anzahl von Nebeltagen pro Monat in Zürich, Genf, Lugano und Sils Maria. Durchschnitt 1981-2010.
Abbildung 2. Durchschnittliche Anzahl von Nebeltagen pro Monat in Zürich, Genf, Lugano und Sils Maria. Durchschnitt 1981-2010.

Nebel wird immer seltener

Im Schweizer Mittelland aber auch in anderen Regionen Europas, hat die Nebelhäufigkeit in den vergangenen 30 Jahren abgenommen. Eine Analyse der Beobachtungsdaten, der Monate September bis November, in Zürich-Kloten, für den Zeitraum 1971 bis 2014, zeigt diesen rückläufigen Trend (siehe Abbildung unten). Es gibt von Jahr zu Jahr erhebliche Schwankungen, wie bei den meisten meteorologischen Parametern. Im Durchschnitt gab es 30 Nebeltage im Zeitraum 1971-1990 und 25 Nebeltage im Zeitraum 1995-2014.

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 3. Anzahl der im Herbst (September bis November) beobachteten Nebeltage in Zürich-Kloten von 1971 bis 2014.
Abbildung 3. Anzahl der im Herbst (September bis November) beobachteten Nebeltage in Zürich-Kloten von 1971 bis 2014.

Die Abnahme der Nebeltage ist zumindest teilweise auf die Verbesserung der Luftqualität durch die Verringerung einer Reihe von Schadstoffemissionen, unter anderem Schwefeldioxid, zurückzuführen.

Vergrösserte Ansicht: Abbildung 4. Nebelmeer über dem Genfersee. Foto: Mikhaël Schwander
Abbildung 4. Nebelmeer über dem Genfersee. Foto: Mikhaël Schwander

Kommentare (8)

  1. Chrigel, 11.12.2020, 15:42

    Im Artikel zum Nebel steht, dass die Nebeltage in den vergangenen 30 Jahren im Schweizer Mittelland rückläufig waren. Kann es sein, dass in den Alpentälern das Gegenteil passiert?

    Ich habe den Eindruck, dass der Nebel sich im Berner Oberland in den letzten Jahren immer weiter in die Täler hineinzieht. War noch vor einigen Jahren höchstens das Bödeli im Nebel, und auch dies häufig nur am Vormittag, so erstreckt er sich heute oft auch bis nach Wilderswil oder Zweilütschinen. Täuscht diese Feststellung oder gibt es eine Erklärung dazu?

    1. MeteoSchweiz, 04.01.2021, 13:55

      Guten Tag Chrigel

      Leider können wir Ihre Frage nicht beantworten, da an den umliegenden Messstandorten Meiringen, Interlaken und Adelboden der Nebel seit mindestens zehn Jahren nicht mehr zum Messrepertoire gehört.

      Freundliche Grüsse
      MeteoSchweiz

  2. Michu, 04.12.2020, 09:09

    Ich habe eine Frage zur Aussage, dass kein Wind wehen darf, damit Strahlungsnebel entsteht: Ist mein Eindruck falsch, dass zäher Hochnebel häufig bei Bisenlagen auftritt? Dann weht aber ein Wind, teils sogar ein recht kräftiger ("mässige bis saumässige Bise", sagte mein Grosi jeweils...). Oder ist das dann kein Strahlungsnebel? Danke für Aufklärung!

    1. MeteoSchweiz, 04.12.2020, 16:11

      Guten Tag Michu. Das ist richtig, damit sich am Boden Nebel bilden kann, darf es keinen Wind geben. Während einer Bisenlage, wird die Luft aufgewirbelt, und diese feuchte Schicht, die Temperaturgrenze der Inversion markiert (in der Ebene kälter als in der Höhe), wird angehoben und bildet Hochnebel. Weitere Informationen finden Sie auf unserer Website: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/wetter/wetterbegriffe/nebel-hochnebel/wie-ist-das-mit-der-nebelobergrenze.html.
      Freundliche Grüsse, MeteoSchweiz

  3. felix, 03.12.2020, 12:29

    Hallo Adventskalender! Zuerst ein Kompliment: du bist seeehr interessant und die Bilder sind - wie von euch gewohnt - erstklassig. Nun meine Frage: wie kommt es, dass durch den Kondensationsprozess die Luft weiter ausgekühlt wird? Ich hätte eher dss Gegenteil erwartet, da durch Kondensation ja Wärme frei wird, zumindest in Cumuli funktioniert das ja so, dass die Kondensationswärme den Prozess verstärkt.
    mit besten Grüssen Felix

    1. Frieder Wolfart, 03.12.2020, 22:41

      Durch die Kondensation (Nebebildung) und die dadurch frei werdende Wärme wird errichtet, das der Temperaturrückgang in der Nebelschicht trotz gleichbleibender Abstrahlung sich stark verlangsamt. Also der genau gleiche Effekt wie bei einer sich durch aufsteigende Luft (feuchtadiabatisch) bildenden Wolke.

    2. Jari Bach, 04.12.2020, 07:26

      Lieber Felix. Da liest Du mehr aus dem Artikel als ich wahrnehmen kann. Es steht nirgends, dass die Luft durch die Kondensationsprozess weiter ausgekühlt würde. Wenn es so wäre, wäre die Welt schon lange zu Eis erstarrt. Wäre vielleicht ein neues Mittel gegen die Erderwärmung...
      Liebe Grüsse Jari

    3. MeteoSchweiz, 04.12.2020, 14:29

      Guten Tag Felix. Vielen Dank für Ihre Frage. Das war ein Fehler im Text, der mittlerweile korrigiert wurde. Durch den Kondensationsprozess kühlt sich die Luft in Bodennähe noch weiter ab und es bildet sich dort Nebel, der sich nach und nach ausweitet und verdichtet. Mit freundlichen Grüssen, MeteoSchweiz