Trübes Juliwetter

Zum Sommer gehört viel Sonnenschein. Doch ausgerechnet die erste Julihälfte, in vielen Regionen der Beginn der Sommerferien, zeigte auf der Alpennordseite in den vergangenen 30 Jahren eine ausgeprägte Neigung zu weniger Sonnenschein.

Wie sonnig ein Tag ist, lässt sich mit der relativen Sonnenscheindauer ausdrücken. Dazu werden die tatsächlich gemessenen Sonnenstunden mit den für diesen Tag absolut möglichen Sonnenstunden verglichen, von Sonnenaufgang bis -untergang. Scheint zum Beispiel die Sonne wegen Wolken nur zur Hälfte der möglichen Zeit, ergibt dies eine relative Sonnenscheindauer von 50 Prozent.

Julibeginn weniger sonnenverwöhnt

Während der laufenden Normperiode 1991‒2020 zeigte der Verlauf der relativen Sonnenscheindauer im Mittelland vom 6. bis zum 13. Juli anhaltend tiefe Werte (Abb. 1, unterste Grafik). Dieser Juliabschnitt wurde von der Sonne seit 1991 insgesamt weniger verwöhnt als der restliche Juliverlauf. Rund jedes zweite Jahr endeten diese Tage mit weniger als 30 Prozent der möglichen Sonnenscheindauer.

Die Alpensüdseite nicht betroffen

Auf der Alpensüdseite kommt der Einbruch im Verlauf der relativen Sonnenscheindauer anfangs Juli nicht zum Ausdruck (Abb. 2, unterste Grafik). Ab der zweiten Junihälfte ist am messstandort Lugano eine ausgesprochen konstante relative Sonnenscheindauer zwischen 60 und 70 Prozent feststellbar. Kein Wunder wird das Tessin als Sonnenstube der Schweiz bezeichnet.  

Kein langjähriges Klimasignal

In den früheren Normperioden vor 1991‒2020 ist anfangs Juli kein anhaltender Einbruch im Verlauf der relativen Sonnenscheindauer feststellbar, weder im Mittelland der Alpennordseite noch auf der Alpensüdseite (Abb. 1 und 2). Daraus ist zu schliessen, dass bei der Herausbildung von periodischen Witterungseigenheiten der Zufall eine wesentlich Rolle spielt. Mit anderen Worten: Was in der einen Normperiode recht markant zum Ausdruck kommt, ist vielleicht bereits in der nächsten nicht mehr sichtbar.

Ein Lehrstück für Bauernregeln

Damit sei ein genereller Bogen zu den Bauernregeln geschlagen. Bauernregeln, das heisst die Beschreibung von typischen Wetterabläufen zu einem bestimmten Zeitpunkt im Jahr, stammen aus historischen Zeiten. Was aber in einer vergangenen Zeitepoche allenfalls Gültigkeit hatte, ist möglicherweise als Folge der Variabilität und Veränderung des Klimas nicht mehr Teil des heutigen Witterungsgeschehens. Bauernregeln können also ihre Bedeutung im Laufe der Zeit durchaus verlieren.

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