Historische Klimaaufzeichnungen helfen künftige Naturgefahren beurteilen

Publikationsdatum 3. Mai 2012
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Gemeinsame Medienmitteilung von Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz Universität Bern Eine neue Online-Datenbank unterstützt Forschung, Verwaltungen und Planungsbüros bei der Analyse von Naturgefahren. Die einzigartige Datenbank «Euro-Climhist» umfasst 125'000 historische Daten zu Wetter, Klima und Naturgefahren für die Schweiz. Entwickelt wurde Sie an der Universität Bern mit Unterstützung des Swiss GCOS Office beim Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz.

Wie häufig kommt es in der Schweiz zu Hochwassern wie im August 2005, als Überschwemmungen und Erdrutsche sechs Menschenleben forderten und Schäden von rund 3 Milliarden Franken verursachten? Informationen zu Häufigkeit und Umfang von Naturkatastrophen sind von grossem praktischem Wert. Nicht nur fürs Planen von Schutzmassnahmen gegen reissende Bergbäche, sondern auch zur Beurteilung der Sicherheit von Atomkraftwerken.

Um die Häufigkeit von extremen Naturereignissen abzuschätzen, braucht es einen Blick in die Vergangenheit. Erst beim Vergleich über mehrere Jahrhunderte zeigt sich, wie wahrscheinlich grosse Überschwemmungen, Schlammlawinen oder Dürreperioden sind und ob sich ihr Auftreten im Laufe der Zeit verändert. Neben Risikospezialisten und Klimaforschern sind zum Beispiel auch Versicherungen auf solche Informationen angewiesen. Sie berechnen ihre Prämien anhand von sogenannten Jahrhundertereignissen und sind deshalb an möglichst langen Vergleichsperioden interessiert.

Doch Daten, die weiter als in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurückreichen, waren bis anhin selbst für Spezialisten kaum verfügbar. Denn erst mit dem Aufkommen von Messinstrumenten wurden Wetterdaten systematisch aufgezeichnet. Deshalb sind historische Dokumentendaten für Forschung und Praxis von grossem Wert. Sie stammen aus Quellen wie Chroniken, persönlichen Aufzeichnungen, aber auch aus den Buchhaltungen von frühen öffentlichen Einrichtungen wie Spitälern und reichen bis ins Mittelalter zurück.

Mit der Lancierung der «Euro-Climhist»-Datenbank werden solche historischen Daten nur erstmals öffentlich zugänglich gemacht. In einer ersten Phase erhalten Fachleute und interessierte Laien Einblick in Daten aus der Schweiz zurück bis 1550. Später soll «Euro-Climhist» mit Informationen aus weiteren europäischen Ländern sowie für das Mittelalter ausgebaut werden.

Die Schweiz verfügt über eine lange Tradition in der Wetter- und Klimabeobachtung. Die weltweit einzigartigen Witterungsdaten und Klimamessreihen werden heute von Forschung, Behörden und Wirtschaft gleichermassen verwendet. Das Oeschger-Zentrum der Universität Bern hat mit Unterstützung des Swiss GCOS Office beim Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz in den vergangenen Jahren intensiv an der Sichtung, Qualitätskontrolle und Sicherung von historischen Dokumentendaten gearbeitet. Aus diesen Anstrengungen ist die einzigartige Datenbank entstanden, die heute an einer Fachtagung in Bern vorgestellt wurde. «Euro-Climhist» umfasst zehntausende von Daten, die ab 1550 bis zur offiziellen Einführung der Instrumentenmessung in der Schweiz 1864 erhoben wurden. Die neue Datenbank stellt einen wichtigen Beitrag zum nationalen Klimabeobachtungssystem (GCOS Schweiz) dar. Besonders hilfreich sind die Beobachtungen und Erfahrungen aus der Vergangenheit für die Beurteilung künftiger Naturgefahren. Daher soll «Euro-Climhist» nicht nur der Forschung, sondern auch Verwaltungen und Planungsbüros zur Verfügung gestellt werden.

Folgende Bilder stehen mit Quellenangabe zur freien Verfügung.

Gasthaus zur Krone, Basel

Dank diesem Bild des Malers Louis Dubois und weiteren historischen Dokumenten ist es Klimahistorikern gelungen, die Spitzenabflüsse von extremen Hochwassern des Rheins in Basel zu rekonstruieren. Das Bild zeigt ein Hochwasser vom September 1852. Zu dieser Zeit wurden die Pegelstände noch nicht instrumentell gemessen, deshalb wurde das Hochwasser bisher auch in keiner Statistik erwähnt.

Der vorstossende Grindelwaldgletscher

Historische Bilddarstellungen von Gletschern in Form von Zeichnungen, Gemälden und frühen Fotografien erlauben es, Gletscherstände in den Alpen vom frühen 17. Jahrhundert an zu rekonstruieren. Dieser Stich von Charles-Melchior Descourtis zeigt den Unteren Grindelwaldgletscher und den Mettenberg nach einem Gemälde des bekannt Malers Caspar Wolf 1774 (Ausschnitt).

"Beschreibung eines Gefässes, das gefallene Regen-Wasser zu messen"

Die Ökonomische Gesellschaft Bern liess 1760 für ihr meteorologisches Messnetz einen Regenmesser konstruieren. Durch die spezielle Konstruktion konnte das Verdunsten des gesammelten Wassers verringert werden. Eine statistische Überprüfung der Berner Niederschlagsmessungen hat ergeben, dass diese qualitativ mit heutigen vergleichbar sind. Die Darstellung dieses frühen Messinstruments stammt aus Abhandlungen und Beobachtungen der Ökonomischen Gesellschaft Bern (Jg. 1761)

Einen Hintergrundartikel zur Arbeit eines Klimahistorikers mit Dokumentendaten finden Sie auf: http://occrold.unibe.ch/people/profiles/oliver_wetter_de.html