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Neuer Bericht zum Klimawandel

16. November 2020, 9 Kommentare
Themen: Klima

Menschliche Aktivitäten führen zu einer Veränderung des Klimas. Die Schweiz ist vom Klimawandel besonders stark betroffen. Das belegt ein neuer Bericht, herausgegeben von MeteoSchweiz, vom Bundesamt für Umwelt und vom National Centre for Climate Services NCCS. Er gibt Auskunft über die Ursachen des Klimawandels, die beobachteten Veränderungen des Klimas in der Schweiz, deren Auswirkungen auf Natur und Gesellschaft sowie bisher ergriffene Emissionsverminderungs- und Anpassungsmassnahmen.

Mehr Treibhausgase

Der menschliche Einfluss auf das Klima durch den Ausstoss von Treibhausgasen gilt als Hauptursache der seit 1850 beobachteten globalen Erwärmung. In der Schweiz stammt der grösste Teil der CO2-Emissionen aus dem Energieverbrauch. Das nationale Treibhausgasinventar registriert zwischen 1900 und 2018 eine Versechsfachung der CO2-Emissionen, wobei der markanteste Anstieg zwischen 1945 und 1970 stattfand und sich seither auf diesem hohen Niveau bewegt. Dieser Verlauf ist vor allem auf das starke Wirtschaftswachstum und die rasante Zunahme des Strassenverkehrs zurückzuführen. Die totalen Treibhausgasemissionen der Schweiz sind seit 2005 leicht zurückgegangen und lagen 2018 bei 46,4 Mio. t CO2-Äquivalenten.

Mehr Wärme

In der Schweiz hat sich die Durchschnittstemperatur seit der vorindustriellen Zeit um rund 2 °C erhöht. Das ist gut doppelt so viel wie der Anstieg der mittleren globalen Temperatur. Die fünf wärmsten Jahre seit Messbeginn 1864 wurden alle nach 2010 gemessen. Mehr Hitzewellen sowie mehr heisse Tage und Nächte, aber auch der Rückgang der Gletscher und der Schneebedeckung im Mittelland, zeugen spürbar von der zunehmenden Wärme in der Schweiz.

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Vielfältige Auswirkungen

Die Auswirkungen des Klimawandels werden immer deutlicher sichtbar. Neben dem offensichtlichen Gletscherrückzug sind auch in der Pflanzen- und Tierwelt signifikante Veränderungen zu beobachten. In der ganzen Schweiz treiben verschiedene Pflanzenarten immer früher aus. Damit steigt das Risiko von grossflächigen Schäden durch Spätfröste. Hohe Wassertemperaturen in den zunehmend heisseren Sommern führen bei kälteliebenden Fischarten zu gesundheitlichen Problemen und zu einem Rückgang der Fischbestände.

Der Klimawandel wirkt sich auch auf die Gesellschaft aus. Hitzewellen belasten den menschlichen Organismus und führen zu einem Anstieg der Notfall-Spitaleintritte. Ältere Menschen und Säuglinge sind besonders gefährdet. In den extremen Hitzesommern der vergangenen Jahre wurden erhöhte Sterblichkeitsraten registriert.

Anpassung und Klimaschutz

Aufgrund der Trägheit des Klimasystems wird der Klimawandel selbst bei sofortigem Stopp der Treibhausgasemissionen weiter voranschreiten. Die Schweiz muss sich darum rechtzeitig auf die absehbaren Auswirkungen einstellen.

Die Klimazukunft der Schweiz hängt massgeblich von der Entwicklung der globalen Treibhausgasemissionen ab. Mit konsequentem Klimaschutz liessen sich bis 2060 etwa die Hälfte, bis im Jahr 2100 zwei Drittel der möglichen Auswirkungen auf das Klima der Schweiz vermeiden. Die Anpassung an den Klimawandel und der Klimaschutz sind deshalb zwei Prioritäten in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit der Schweiz.

Der neue Bericht

Der neue Bericht zum Klimawandel in der Schweiz ist auf der Webplattform des National Centre for Climate Services NCCS zu finden. Er aktualisiert und ergänzt die Vorläuferberichte aus den Jahren 2007 und 2013. Der Bericht ist auch in Französisch und Italienisch verfügbar.

Kommentare (9)

  1. Harald, 21.11.2020, 11:09

    Die Schweiz liegt nicht am Atlantik, sondern im Alpenraum, schon klar. Dennoch ist die thermohaline Zirkulation DER entscheidende Faktor für unser bislang mildes Klima in Mitteleuropa. Dass ein aktueller Bericht zum „Klimawandel in der Schweiz“ die Kipppunkte des Weltklimas unerwähnt lässt, ist m.E. ein schweres Versäumnis. Wir brauchen weniger Dienst nach Vorschrift und mehr nicht-lineares, transdisziplinäres und ganzheitliches Denken auch über politische Grenzen hinweg, wenn wir diese grösste Herausforderung für die Menschheit (UN Generalsekretäre Annon, Ban Ki Moon und Gutierrez) wirklich erfolgreich schultern wollen. Ich empfehle die wissenschaftlichen Arbeiten des Potsdam Instituts für Klimafolgenforschung (https://www.pik-potsdam.de/de/aktuelles/nachrichten/auf-dem-weg-in-die-heisszeit-planet-koennte-kritische-schwelle-ueberschreiten). Es geht um die Zukunft unserer Kinder!

    1. Peter Maier, 09.01.2021, 10:34

      Danke für den Hinweis!

      Aktuell war das Jahr 2020 zusammen mit 2016 das heisseste Jahr weltweit mit einer globalen Durchschnittstemperaturerhöhung von 1,25°C und in Europa von 1,5°C (Sattelitendienst Kopernikus https://www.d-copernicus.de/infothek/news/news-details/news/europa-2020-waermstes-jahr-der-aufzeichnungen). Auch wenn das Pariser Ziel mit dem Stopp der Erderwärmung bei 1,5 bis 2.0°C gelingt, bleibt ein Risiko durch Kipppunkte in eine Heisszeit mit 4 bis 5°C Temperaturerhöhung und 10 bis 60 m Meeresspiegelanstieg zu fallen (Studie Fachjournal Proceedings of the National Academy of Sciences - PNAS).
      27% des Gesamtenergieverbrauchs entfallen in der Schweiz auf die Haushalte (Schweizerische Gesamtenergiestatistik 2019). Damit liegt mit fast einem Drittel ein hohes Einsparpotential bei den Haushalten.

  2. Simon, 17.11.2020, 23:17

    Atomkraft ist heute schlicht nicht mehr rentabel. Die Gestehungskosten für Solarstrom liegen meines Wissens heute deutlich unter deren von Atomstrom. Ausserdem sind die Rückstände bei weitem nicht vergleichbar (Elektronikschrott vs. Atommüll). Brennstäbe kommen im Entsorgungsfachmarkt im Gegensatz zu Solarpanels echt schlecht an.

    Holz verbrennen führt zu geringerem CO2 Aquivalente Ausstoss als es verrotten zu lassen (Methanausstoss ist schlechter als CO2). Ein Baum ist immer nur ein Speicher, das Holz müsste tief vergraben werden, dass es seinen gespeicherten Kohlenstoff nicht wieder abgibt. Wird es also verbrannt, wird von allen Zersetzungsformen die am wenigsten klimaschädliche gewählt. Bei nicht erneuerbaren Energiequellen wie Erdöl/Erdgas und Kohle, graben sie im Prinzip die oben erwähnten vergrabenen Bäume wieder aus und verteilen ihren vormals sicher gespeicherten Kohlenstoff in der Atmosphäre. Ergo Bäume vergraben: super, Bäume verbrennen: okay, Bäume ausgraben: doof...

    1. Jürg, 20.11.2020, 02:58

      👍

    2. Paredes Bruno, 10.12.2020, 17:56

      Deswegen bauen unsere Nachbarn in Frankreich, den Niederlande, Polen...weitere Kernkraftwerke.
      Sonne, Energiemais (Biomasse) und Wind liegen unter der ökonomischen Schwelle von OECD-Ländern (Schlagwort: Erntefaktor für Methoden der Stromerzeugung).
      Der IPCC selber empfiehlt Kernkraftwerke.

  3. holzhackerheini, 16.11.2020, 22:36

    Sieht da nicht so ganz gut aus.
    Glucklich kann der Mensch dank der Technik sich auf die unsichere Zukunft einstellen.
    Atomkraft ist da eine sinnvolle Option sowie Wasserstoffnutzung und Elektrifizierung.
    Vom Winter werden wir uns leider verabschieden mussen, aber da gibt is auch wieder neue Chancen.

    1. Hägar, 17.11.2020, 11:05

      Das steht ja wie ein Elefant im Raum und keiner spricht darüber. Atomenergie förderen anstatt wirkungslose CO2 Projekte die nur gut aussehen und nichts nützen. Mir ist immer noch nicht klar, wieso CO2 Ausstoss aus Holzheizungen gut sein soll und wieso niemand über die Nachteile der chinesischen Solarzellen spricht, deren Sondermüll auch in 10,000 Jahren nicht abgebaut wird.

    2. Mythe, 18.11.2020, 07:12

      Atomenergie fördern? Betriebsbereite Endlager im Jahr 2020 = 0 !!! Da gibt's definitiv bessere Lösungen...

    3. Wolfgang, 18.11.2020, 12:16

      Windkraft wird, z.B. in Bayern auch komplett verdammt. Geht mit den alternativen Energien auch nach St-Florians-Prinzip...