Brodelwetter

19. Mai 2019, 12 Kommentare
Themen: Wetter

Die Wetterlage hat sich im Vergleich zu gestern kaum verändert. Auch heute waren in allen Landesteilen Quellwolken aller Art zu bestaunen. Dies motivierte einige Meteorologenkollegen in der Freizeit Zeitraffer der schönen Wolkenstrukturen zu machen. Mit einem kurzen Rückblick wird ausserdem noch auf die Gewitter von gestern Abend eingegangen und ein Auge auf die Gewitterklimatologie im Mai geworfen.

Standort Hochwacht Trüllikon im Zürcher Weinland mit Blick Richtung Deutschland. Bild: Andreas Hostettler
Standort Hochwacht Trüllikon im Zürcher Weinland mit Blick Richtung Deutschland. Bild: Andreas Hostettler

Ein Rückblick auf Samstagabend

Vergrösserte Ansicht: Das Randtief von gestern Abend (lila umrandet) mit Zugrichtung (Pfeil).
Das Randtief von gestern Abend (lila umrandet) mit Zugrichtung (Pfeil).

Gestern Nachmittag und Abend überquerte ein Randtief aus Südosten die Alpen und aktivierte in der Folge die bereits vorhandene instabile Luftmasse. Entsprechend wurden den Voralpen entlang einige Gewitterzellen ausgelöst, die sich mit der südöstlichen Höhenströmung ins Flachland hinaus bewegten und bis am Abend doch weite Teile des Mittellands benässten, wie im nächsten Zeitraffer zu sehen ist.

Kaum Gewitter über den Alpen?

Doch warum wurden die Gewitter erst in den Voralpen aktiviert, wenn das Randtief doch die gesamten Alpen aus Südosten überquerte? Die Klimatologie könnte einen Hinweis auf die Antwort liefern.

Im Mai kaum Blitze in den Alpen

Die Blitzklimatologie für den Monat Mai zeigt, dass es kein Zufall ist, dass die Gewitter die Alpen gestern Abend mieden. Im langjährigen Durchschnitt ist im Alpenraum keine nennenswerte Häufung von Blitzen erkennbar. Der gewitterhemmende Hauptfaktor dürfte wohl in der Schneedecke zu finden sein. Gewitter brauchen grosse Temperaturunterschiede, am besten oben kalt und unten warm. Zweiteres ist, so lange Schnee am Boden liegt, schwierig zu realisieren. Selbstverständlich gilt "keine Regel ohne Ausnahme". Punktuell können auch in den Alpen im Mai Gewitter auftreten, aber die Häufung ist deutlich geringer als in den Flachlandregionen, die sich bereits deutlich stärker aufgewärmt haben.

Auch heute brodelte es weiter...

Zeitraffer der Quellwolkenentwicklung über dem Randen im Kanton Schaffhausen, vorübergehend auch als Cumulus velum (man beachte den Schleier, der sich am Oberrand der Quellwolke zeitweise bildet)

Autor: Andreas Hostettler

 

Ein weiteres Zeitraffervideo von heute, entstanden heute Mittag in Richterswil. Je dunkler und schärfer die Unterseite der Quellwolken, desto stärker die Aufwinde, wie die Gleitschirmpiloten sicher wissen.

Autor: Daniel Gerstgrasser

Noch mehr Quellwolkenbilder von heute

Kommentare (12)

  1. Mirjam, 24.05.2019, 21:24

    Geschätztes Meteo-Team, im ersten Video dieses Beitrags, sieht man sehr schön eine Cumulus velum. Welche Zutaten braucht es, dass eine solche entstehen kann?
    Herzlichen Dank für Ihre Antwort.

    1. MeteoSchweiz, 25.05.2019, 08:16

      Wenn eine grössere, wachsende Quellwolke (Cumulus congestus) eine etwas stabilere Schicht in der Atmosphäre durchstösst, so wird diese Schicht leicht angehoben. Ist die Umgebung feucht genug bei gleichzeitig stärkerem Höhenwind, kann diese Hebung in der Umgebung der Quellwolke für Kondensation und die Bildung der Begleitwolke "velum" sorgen.

  2. Lugauer Matthias, 19.05.2019, 22:52

    Die Blitzklimatologie zeigt, dass das Alpeninnere nahezu blitzfrei bleibt.
    Sie vermuten in Ihrem Beitrag, dass der gewitterhemmende Hauptfaktor die Schneedecke sei. Ihr Argument ist, dass der Schnee das Aufsteigen der Luft hemmt.
    Jetzt sind die Alpen aber kein grönländisches Eisschild, sondern immer wieder von bereits grünen Tälern und südseitigen Hängen durchschnitten. Außerdem ist bekannt, dass der konvektive Vertikalaustausch im Alpenraum (Alpines Pumpen) in dieser Jahreszeit stärker als im umgebenden Flachland ist - trotz schneebedeckter, nordseitiger Hochflächen. Vor 15 Jahren habe ich zu diesem Thema selbst geforscht.
    Kurzum, ich vermute, an Konvektion mangelt es nicht im Alpeninnern, sondern am Feuchtigkeitsangebot, das im Alpeninnern insgesamt geringer und wesentlich schneller erschöpft ist.
    Das ist meine Vermutung, eine genauere Untersuchung dieser Frage fände ich sehr interessant und möchte ich hiermit gerne anregen.

    1. MeteoSchweiz, 20.05.2019, 17:42

      Vielen Dank für den sehr interessanten Kommentar. Das Feuchteangebot spielt mit Sicherheit auch eine Rolle, doch erklärt dies nicht, warum die Gewitteraktivität inneralpin erst im Spätsommer ihren Höhepunkt erreicht, wenn das Feuchteangebot eher noch kleiner sein dürfte als im Frühling (Schneeschmelze).
      Eine genauere Untersuchung dieses Phänomens ist uns derzeit leider nicht bekannt.

  3. Doris, 19.05.2019, 20:57

    Sehr interessant und speziell dieser Mai. Aber da es ja jetzt Wasser gebraucht hat, kann man doch eigentlich zufrieden sein und Ihn trotzdem Wonnemonat Mai nennen. Bitte der Natur zuliebe mal positiv denken.....🤔

    1. Heinz F., 19.05.2019, 21:52

      Gute Idee, das machen wir!

    2. Wolfgang, 19.05.2019, 23:35

      Aber genau! Positiv denken bei Hochwasser. Ich werde mich aber daran halten.

    3. Mad Max, 19.05.2019, 23:47

      Nur sollte es nicht denn ganzen Mai schütten wie aus Kübeln...!😉

    4. Hostis Humani Generis, 20.05.2019, 07:32

      Aber anscheinend fehlt immer noch eine Menge Wasser um die Trockenperiode '18 aus zu gleichen. Von mir aus kann es auch den ganzen Juni volle Kanne regnen.
      Ich würde auch ein Jahrhundert-Hochwasser toll finden, weil ich dann mit der Drohne spektakuläre Bilder aus den Katastrophengebieten machen könnte.
      Lasst uns das Beste hoffen.

    5. Eiszeit jetzt, 20.05.2019, 09:06

      Hier in der Westschweiz hat es aber erst in homöopathischen Dosen geregnet (besser als nichts, will nicht undankbar sein). Auch die grauen Tage kommen praktisch nie ohne einen zwischenzeitigen Sonnendurchbruch aus. Ich frage mich, ob ich das je wieder erleben darf, ein mehrtägiges, nasses, ganz und gar eindeutiges, entschiedenes Dunkelgrau.

    6. Andrej, 20.05.2019, 14:26

      Naja, für mich ist das schütteln aus allen Kübeln sondern eig. ein relativ normaler Herbst.

  4. Peter Sager, 19.05.2019, 18:43

    [*** Blogkommentar wegen mehrfacher Wiederholung während der vergangenen Tage nicht publiziert. ***]