Sonniger Tag

23. Mai 2019, 6 Kommentare
Themen: Wetter

Ein flaches Hoch über Mitteleuropa bestimmte heute das Wetter in der ganzen Schweiz. Da es gestern tagsüber bereits abtrocknete, bildeten sich in der Nacht im Mittelland nur vereinzelt Nebelfelder. Damit stand einem sonnigen Tag nichts mehr im Weg. Durch die hohe Sonneneinstrahlung wurden die bodennahen Luftschichten stark aufgeheizt und dementsprechend labilisiert. Deshalb bildeten sich im Tagesverlauf über den bereits aperen Voralpen Quellwolken. Dies sowohl nördlich wie auch südlich der Alpen. Im Übrigen war es trotz einzelnen hohen Schleierwolken sonnig. Nördlich der Alpen reichte es am Nachmittag für 21 bis 22 Grad, im Wallis wurden 25 Grad knapp erreicht und auf der Alpensüdseite sogar überschritten.

Blick vom Mythen ob Schwyz nach Westen zum Vierwaldstättersee und zu den Unterwaldner Bergen. Die noch schneebedeckten Bergen lassen nur wenig Quellwolken entstehen. Bild: Bernd Konantz.
Blick vom Mythen ob Schwyz nach Westen zum Vierwaldstättersee und zu den Unterwaldner Bergen. Die noch schneebedeckten Bergen lassen nur wenig Quellwolken entstehen. Bild: Bernd Konantz.

Harmlose Quellwolken in den Voralpen und im Jura

Wie in vielen Fällen im Spätfrühling oder Sommer bildeten sich über den Bergen Quellwolken. Zur jetzigen Zeit sind es weniger die Hochalpen, denn diese sind zurzeit noch schneebedeckt. Auf einer schneebedeckten Oberfläche kann keine Thermik entstehen, denn die Schneeoberfläche ist mit maximal 0 Grad kälter als die umgebende Luft. Es entstehen dort eher Ab- als Aufwinde. Über den bereits schneefreien Voralpen und dem Jura hingegen wird die Oberfläche stark erwärmt, und es können sich infolgedessen Thermikblasen bilden. Diese steigen dann auf, bis die Umgebung gleich warm oder wärmer ist als die Luft der Blase selbst. Wenn die Luft innerhalb der Blasen genug angefeuchtet ist, kommt es zur Kondensation des überschüssigen Wasserdampfs, und es bildet sich eine Wolke.

Thermik ist stark von der Bodenbeschaffenheit abhängig

Die genannten Warmluftblasen lösen sich nicht zufällig an einem Ort ab. Meistens sind nämlich bestimmte orografische Verhältnisse dafür prädestiniert. Dies sind zum Beispiel Gipfel oder Hangkanten. Im Weiteren spielt auch die Bodenbeschaffenheit eine Rolle. Eine feuchte Wiese liefert kaum Thermik, weil praktisch die ganze Nettostrahlung in Verdunstung übergeht. Demgegenüber sind ausgetrocknete Böden viel geeigneter. Das können dunkle Ackerflächen sein, Flächen mit gedörrtem Heu oder auch Gleis- und Strassenareale.

Felsen sind bezüglich Thermik unterschiedlich zu beurteilen

Felsen, so wird man denken, liefern ebenfalls immer gute Thermik. Dies kann der Fall sein, besonders im Winter, wenn steile, südfallende Felswände viel Nettostrahlung aufweisen und andere Flächen schneebedeckt sind. Im Sommer muss dies nicht unbedingt gelten, weil extrem steile Felsen eher weniger Energie erhalten als ein sanfter Südhang. Und zum anderen kommt es auch auf die Art vom Fels an. Helle Felsen, wie einige Kalk- und Granitfelsen, reflektieren viel kurzwellige Strahlung, so dass die Nettostrahlung geringer ausfällt als auf dunklen Felsen. Zum andern sind viele Felsen, zum Beispiel kompakte Kalke, Gneise und Granite auch gute Wärmeleiter, so dass ein wichtiger Anteil der Nettostrahlung von der Felsoberfläche in die tieferen Felsschichten geleitet wird. Diese Art von Felsen heizen eher langsam auf, womit tagsüber die Thermik nicht überaus gut ist. Bei Sonnenuntergang oder später geben die genannten Felsoberflächen die Energie an die Luft ab. So kommt es vor, dass in den Abendstunden die Gleitschirmflieger diese Thermik noch ausnützen können, während die tagsüber hervorragende Thermik liefernden trockenen Gras-, Acker-, Strauch- und Kiesflächen bereits längst abgekühlt sind.

Im Wallis, im Tessin und in Südbünden sommerlich warm

Im Wallis und in den Niederungen der Südschweiz ist – zumindest vorübergehend – der Sommer eingezogen. Denn am Nachmittag zeigte im Wallis das Thermometer knapp 25 Grad an. In den Niederungen der Alpensüdseite reichte es vereinzelt sogar für einen Sommertag. Den Höchstwert meldete wie schon gestern Biasca mit 25.6 Grad.

 

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Kommentare (6)

  1. Philipp Mahrenholz, 25.05.2019, 09:51

    Wie immer ein super Blog. Immer sehr fundiert und informiert. Danke für die tolle Arbeit!!

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  2. Martin Hollenstein, 24.05.2019, 18:39

    Das Auffahrtshoch habt Ihr nun schon zum vierten Mal verschoben (nun ab Samstag möglich). Bald nützt es uns nichts mehr...

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    1. Hans Wiesendanger, 24.05.2019, 21:11

      Äh, was meinen Sie genau mit Ihrem Kommentar? Eine Prognose für so eine lange Zeit ist m.E. relativ schwierig.
      Und welchen Nutzen verlieren Sie und wieso?

    2. Wolfgang, 25.05.2019, 11:14

      Er meint bestimmt die „mögliche Prognose“ am Ende jedes Wetterberichts. Dort ist vom „Aufbau eines Hochs“ die Rede. Und wenn er an Himmelfahrt etwas geplant hat, nützt ihm das Hoch am kommenden Samstag tatsächlich nichts.

  3. Mad Max, 24.05.2019, 15:51

    Ich staune jeden Tag,wie sorgfältig und detaillierte Wetter Infos Meteo Schweiz in jedem Detail darstellen!Danke herzlich für eure Mühe!Und dass jeden Tag!...Ihr seit die besten...!👌

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  4. s.b, 23.05.2019, 19:36

    Hoppala, schon wieder etwas gelernt. Vielen Dank!

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