Trüb und Regen oder doch sonnig und warm?

21. Mai 2019, 13 Kommentare
Themen: Wetter

„Im Schutze der Alpen“…wie so oft dienten auch heute die Alpen wieder mal als deutliche Wetterscheide zwischen der Nord- und Südschweiz. Während wir einen kurzen und eher neidischen Blick in den Süden werfen, befassen wir uns heute vor allem mit den Niederschlägen in der Ostschweiz und im nahen Ausland und deren Auswirkungen.

Weiterhin trüb und nass in der Ostschweiz und am Alpennordhang

Vergrösserte Ansicht: Bodenwetterkarte von heute Morgen 8 Uhr Lokalzeit vom Deutschen Wetterdienst.
Bodenwetterkarte von heute Morgen 8 Uhr Lokalzeit vom Deutschen Wetterdienst.
DWD

Auch heute führte das wetterbestimmende Tief Axel, dessen Kern sich im Tagesverlauf von Tschechien allmählich nach Polen verlagert hatte, mit der nord- bis nordwestlichen Höhenströmung feuchte Luft zur Alpennordseite. Die Feuchtigkeit wurde an den Alpen gestaut, so dass es in den vergangenen 48 Stunden insbesondere am zentralen und östlichen Alpennordhang sowie in den angrenzenden Regionen des östlichen Mittellands zu ergiebigen Niederschlägen kam.

Die Alpensüdseite war dabei im Schutze der Alpen und mit etwas Nordwind deutlich wetterbegünstigt.

Starkniederschläge

Vergrösserte Ansicht: In Rheinfelden in der Nähe der Haltestelle Schifflände kommt man normalerweise trockenen Fusses zu dieser kleinen Insel. Nun führt der Rhein aber Hochwasser und der Zugang ist versperrt.
In Rheinfelden in der Nähe der Haltestelle Schifflände kommt man normalerweise trockenen Fusses zu dieser kleinen Insel. Nun führt der Rhein aber Hochwasser und der Zugang ist versperrt.
Foto: S. Schöpfer

Seit Beginn des Niederschlagsereignisses am Sonntagabend  bis Redaktionsschluss am Dienstagnachmittag kamen am östlichen und zentralen Alpennordhang 60 bis 100 mm, lokal sogar bis 120 mm Niederschlag zusammen. Auch in den angrenzenden Regionen der Ostschweiz wurden verbreitet zwischen 50 und 80 mm Regen registriert. Die Schneefallgrenze lag dabei um 2000 Meter.

Vergrösserte Ansicht: Die Thur und Töss heute Morgen um 7 Uhr.
Die Thur und Töss heute Morgen um 7 Uhr.
Foto: M. Stoll

In der Folge stiegen die Pegelstände der Ostschweizer Fliessgewässer und Seen an und das Bundesamt für Umwelt bewarnte die Thur und den Hochrhein mit der Gefahrenstufe 2.

Vergrösserte Ansicht: Erhöhter Wasserabfluss an der Töss bei Wintethur.
Erhöhter Wasserabfluss an der Töss bei Wintethur.
Foto: Ch. Hayoz

Ein Starkniederschlagsereignis wie dieses ist allerdings noch nichts aussergewöhnliches. Im zentralen und östlichen Mittelland und am Alpennordhang treten solche Starkniederschläge etwa alle 1 bis 3 Jahre auf.

Vergrösserte Ansicht: 48-stündiger Niederschlag bis heute Dienstagmorgen. Der östliche Alpennordhang und die Region Bodensee erhielten seit heute morgen nochmals etwa 30 mm dazu.
48-stündiger Niederschlag bis heute Dienstagmorgen. Der östliche Alpennordhang und die Region Bodensee erhielten seit heute morgen nochmals etwa 30 mm dazu.
MeteoSchweiz

Deutlich stärker betroffen von diesem Niederschlagsereignis war allerdings das nahe Ausland. Im Südosten von Deutschland und im Westen von Österreich fielen nur schon in den letzten 24 Stunden zwischen 80 und 150 mm Niederschlag. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) meldete als Spitzenreiter die Station Bad Tölz, wo in 24 Stunden sogar über 200 mm Niederschlag gemessen wurden.

Niederschlag ist auch im Mai nicht nimmer Regen…

…oberhalb von 2000 Metern fiel der Niederschlag nämlich in Form von Schnee. Dadurch konnte heute Morgen auf dem Säntis und auch auf dem Weissfluhjoch beinahe 30 cm Neuschnee gemessen werden und bis morgen gibt es gleich nochmals was dazu.

Damit dürfte auf dem Säntis wahrscheinlich die 7 Meter Marke der Gesamtschneehöhe erreicht werden, was insbesondere für Mitte Mai aussergewöhnlich wäre. Wir schreiben aber mit Absicht von "wäre", denn:

Schneemessungen in alpinem Gelände und im speziellen in Gipfellagen sind teils mit grossen Unsicherheiten behaftet. Beim Säntis kommt die aussergewöhnliche Lage des Schneepegels hinzu: Jener steht im kleinen Kessel zwischen Stütze 2 der Säntis Seilbahn und dem Gipfel in rund 2200 Meter Höhe. Die Schneehöhe wird visuell von der Seilbahn aus bestimmt. Entsprechend sind die Messwerte wegen der speziellen Lage mit Vorsicht zu interpretieren.

Vergrösserte Ansicht: Schneehöhenverlauf auf dem Säntis. Die rote Linie zeigt den diesjährigen Verlauf. Die strichlierte Linie deutet den Verlauf der Rekordwerte an und wurde vom diesjährigen Verlauf seit einigen Tagen überschritten.
Schneehöhenverlauf auf dem Säntis. Die rote Linie zeigt den diesjährigen Verlauf. Die strichlierte Linie deutet den Verlauf der Rekordwerte an und wurde vom diesjährigen Verlauf seit einigen Tagen überschritten.
MeteoSchweiz
Vergrösserte Ansicht: Tageshöchstwerte an verschiedenen Messstationen der MeteoSchweiz. In Lugano und Locarno wurde sogar ein Sommertag registriert mit über 25 Grad.
Tageshöchstwerte an verschiedenen Messstationen der MeteoSchweiz. In Lugano und Locarno wurde sogar ein Sommertag registriert mit über 25 Grad.
MeteoSchweiz

Anders als noch gestern zeigte sich heute allerdings das Wetter im Süden und zeitweise auch im Westen der Schweiz durchaus von der freundlichen Seite. Während es in der Bodenseeregion heute „nur einmal schiffte“ (also den ganze Tag lang), blieb es im Süden nicht nur trocken, sondern man konnte auch bei sommerlichen 23 bis 26 Grad den ganzen Tag die Sonne geniessen.

 

Bis Redaktionsschluss wurden im Südtessin 9 bis 11, im Nordtessin, im Wallis sowie in der Genferseeregion 3 bis 7 Sonnenstunden registriert. Auch in Genf und im Wallis stieg das Thermometer heute auf 18 bis 21 Grad.

Vergrösserte Ansicht: Gemessene Sonnenstunden an ausgewählten Messstationen der MeteoSchweiz. Während es in den Deutschschweiz kaum Sonne gab, wurden im Mittel- und Südtessin bis um 18 Uhr teils über 10 Sonnenstunden registriert.
Gemessene Sonnenstunden an ausgewählten Messstationen der MeteoSchweiz. Während es in den Deutschschweiz kaum Sonne gab, wurden im Mittel- und Südtessin bis um 18 Uhr teils über 10 Sonnenstunden registriert.
MeteoSchweiz
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Kommentare (13)

  1. MeteoSchweiz, 21.05.2019, 23:53

    Ja. Der gestrige Blog thematisiert u.a. die Zugbahn des Tiefs: https://www.meteoschweiz.admin.ch/home/aktuell/meteoschweiz-blog/meteoschweiz-blog.subpage.html/de/data/blogs/2019/5/trueb-und-regnerisch.html

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  2. Beat Sägesser, 21.05.2019, 23:43

    War das eigentlich eine dieser berüchtigten 5b Zugbahnen des Tiefs?
    Freundliche Grüsse

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  3. Wolfgang, 21.05.2019, 22:57

    Süden, Du hast es besser...

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  4. Thomas, 21.05.2019, 22:32

    Die Lage der Messtation in einer Mulde (Windverfrachtung!) macht wohl auch noch etwas aus.

    Vor ein paar Tagen hat doch ein Mitarbeiter von MeteoSchweiz gesagt, die Schneemessungen können man im Moment für keine Interpretationen brauchen, da sie mit dem Feldstecher aus weiter Distanz bestimmt werde. Falls das so ist, sollte noch ein Hinweis in den Artikel. Besonders da es um einen neuen Rekordwert geht.

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    1. MeteoSchweiz, 21.05.2019, 23:51

      Besten Dank für Ihren absolut berechtigten Hinweis. Wir haben den Blogartikel ergänzt.

  5. Peter Sager, 21.05.2019, 21:16

    Weiterhin auch ende Mai 2019 kein Tag in Zürich über 20 Grad, jede Nacht unter 10 Grad.
    Bis 1200 Meter noch Schnee z.B. Stoos.
    Gotthard Pass Winter Sperre auch am Morgen vom 22.5.2019.
    Wann gab es so etwas das letzte mal?

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    1. MeteoSchweiz, 21.05.2019, 22:12

      Die Kommentarspalten sind nicht für Klimaauskünfte gedacht. Bitte kontaktieren Sie unseren Kundendienst unter +41 58 460 99 99 (erreichbar von Mo.-Fr. 09.00-11-30/ 13.30-16.30). Vielen Dank für Ihr Verständnis.

    2. Doris, 21.05.2019, 22:56

      Jaja das ist so, auch wenn du immer das gleiche schreibst......🙋‍♀️

    3. s.b, 21.05.2019, 23:02

      Geschlossene Pässe im Mai sind nichts neues und auch nichts abnormales(je nach Pass). Ab morgen wird der Mai wohl die 20Grad Marke in Zürich erreichen, dann hört hoffentlich ihr ewig gleicher Kommentar auf.. jetzt hoffe ich der Gotthard Pass geht bald auf (warum auch immer das im 21.Jahrhundert so wichtig ist) und dann ist hoffentlich fertig mit den Unsinnigen Beiträgen.

    4. Marco Bertschinger, 21.05.2019, 23:06

      Ist doch nix Aussergewöhnliches! Ist halt Wetter. Wir sind uns das nur nicht mehr gewohnt. 1999 waren es sogar 8m Schnee. Ich bin richtig froh, dass es heuer wiedermal richtig regnet.

    5. S. Cepticus, 22.05.2019, 07:55

      2018 wurde der Gotthardpass am 25. Mai für den Verkehr freigegeben. Gemäss aktueller Information der Urner Verwaltung wird er dieses Jahr voraussichtlich am 30. Mai geöffnet.
      Eine Antwort auf Ihre "ewige" Frage erhalten Sie bei der entsprechenden Dienststelle der Urner Verwaltung (Amt für Tiefbau). Diese stellt eine Übersicht der Passöffnungsdaten der letzten rund 20 Jahre online zur Verfügung.
      Um Ihnen die Suche zu ersparen, hier die Antwort auf Ihre Frage: Der späteste Termin der Gotthardpassöffnung (in den letzten 20 Jahre) war am 1. Juni 2001.

  6. Peter Hötzendorfer, 21.05.2019, 20:03

    Gibt es eine Erklärung, wieso auf dem Säntis soviel Schnee liegt? Die exponierte Lage in den Voralpen eventuell? Im Vergleich liegt auf dem Weissfluhjoch mit ähnlicher Höhenlage nicht mal halb so viel Schnee.

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    1. MeteoSchweiz, 21.05.2019, 21:03

      Sie haben mit Ihrer Vermutung völlig recht. Der Säntis steht bei Nordanströmung in der ersten Reihe und bekommt darum mehr Niederschlag als das Weissfluhjoch.