Trüb und regnerisch

20. Mai 2019, 8 Kommentare
Themen: Wetter

Der heutige Montag war in der ganzen Schweiz trüb und vielerorts auch nass. Nur im Süden wurden vereinzelt ein paar Minuten Sonnenschein registriert. Dementsprechend verhalten waren auch die Temperaturen mit Höchstwerten zwischen 12 und 15 Grad im Norden. Welcher Wetterlage wir das regnerische Wetter zu verdanken haben, lesen Sie im heutigen Blog.

Wasser von unten und von oben. Blick von Zürich-Enge Richtung Quaibrücke, im Vordergrund das Wasserspiel beim Hafen Enge. Foto: D. Gerstgrasser
Wasser von unten und von oben. Blick von Zürich-Enge Richtung Quaibrücke, im Vordergrund das Wasserspiel beim Hafen Enge. Foto: D. Gerstgrasser

Wetterlage

Vergrösserte Ansicht: Bodenwetterkarte mit Fronten am 20.05.2019 um 06 UTC.
Bodenwetterkarte mit Fronten am 20.05.2019 um 06 UTC.
Deutscher Wetterdienst

Im Bodenfeld lag das flache Tiefdruckgebiet „Axel“ mit Zentrum über Österreich. Das Höhentief verlagerte seinen Schwerpunkt von Norditalien über die Alpen hinweg Richtung Tschechien und führte mit einer Höhenströmung aus Nord bis Nordost sehr feuchte Luft zum Alpenraum. Diese wurde in der Folge am Alpennordhang gestaut.

Diese Wetterlage entspricht einer sogenannten Vb-Lage. Der Name geht auf die Zugbahnklassifikation von Wilhelm Jacob van Bebber zurück. Das Höhentief befand sich am Sonntagmorgen noch südwestlich der Schweiz über den Pyrenäen, zog bis heute Morgen über das Mittelmeer Richtung Norditalien und verlagerte sich am heutigen Montag weiter nordostwärts um die Schweiz herum Richtung Tschechien. Tiefdruckgebiete mit dieser Zugbahn führen meist warme und feuchte Luft aus dem Mittelmeerraum nach Mittel- und Osteuropa und sorgen in diesen Gebieten oft für grössere Niederschlagsmengen. Die Niederschläge werden durch den Stau an den Alpen teils noch verstärkt.

Vergrösserte Ansicht: Tiefdruckgebiete mit typischen Vb-Zugbahnen führen oft zu grösseren Niederschlagsmengen über Südostdeutschland, Tschechien, Polen sowie Teilen der Schweiz und Österreich und haben in der Vergangenheit schon für grosse Hochwasser gesorgt, wie zum Beispiel im August 2005.
Tiefdruckgebiete mit typischen Vb-Zugbahnen führen oft zu grösseren Niederschlagsmengen über Südostdeutschland, Tschechien, Polen sowie Teilen der Schweiz und Österreich und haben in der Vergangenheit schon für grosse Hochwasser gesorgt, wie zum Beispiel im August 2005.
Grafik: www.wetter.de

Im Norden bedeckt und regnerisch

Nördlich der Alpen sorgte die Zufuhr der feuchten Luft für einen nassen und bewölkten Tag. Dabei wurden bis Redaktionsschluss um 17 Uhr verbreitet Tagessummen von 20 bis 40 mm, lokal bis 50 mm Niederschlag gemessen bei einer Schneefallgrenze um 2000 Meter. Der Schwerpunkt der Niederschläge lag in der zweiten Tageshälfte am zentralen und östlichen Alpennordhang, wo bis morgen Mittag noch weitere, teils intensive und länger anhaltende Niederschläge erwartet werden. Daher wurde für diese Gebiete eine Warnung der Stufe 3 ausgegeben. Weitere Informationen zu unseren Warnungen finden Sie hier.

Vergrösserte Ansicht: Stark bewölkt und regnerisch am Zürichsee, Blick vom Bürkliplatz aus.
Stark bewölkt und regnerisch am Zürichsee, Blick vom Bürkliplatz aus.
Foto: D. Gerstgrasser

Aufgrund der stark bewölkten Verhältnisse machten die Temperaturen heute keine grossen Sprünge. Die Tiefstwerte lagen bei 9 bis 11 Grad und die Höchstwerte erreichten zwischen 12 und 15 Grad. Mit der Verlagerung des Tiefs Richtung Nordosten nahm die Druckdifferenz zwischen Westen und Osten etwas zu. Dadurch kam im Tagesverlauf im Flachland teils mässiger Südwestwind mit Böenspitzen von 25 bis 40 km/h auf.

Vergrösserte Ansicht: MeteoSchweiz Wetterkamera Etziken um 11:30 UTC. Wie hier hat es wohl vielerorts ausgesehen heute – trüb und nass.
MeteoSchweiz Wetterkamera Etziken um 11:30 UTC. Wie hier hat es wohl vielerorts ausgesehen heute – trüb und nass.

Im Süden ebenfalls bewölkt, aber nur wenig Niederschlag

Vergrösserte Ansicht: Temperaturhöchstwerte an ausgewählten Stationen am 20.5.2019 bis Redaktionsschluss um 17 Uhr Lokalzeit.
Temperaturhöchstwerte an ausgewählten Stationen am 20.5.2019 bis Redaktionsschluss um 17 Uhr Lokalzeit.
MeteoSchweiz

Das Tief hat nicht nur für Bewölkung auf der Alpennordseite gesorgt, sondern auch auf der Alpensüdseite. Auch im Süden gelangten nur vereinzelt ein paar Sonnenstrahlen durch die Wolkenschichten. Die Niederschlagsmengen südlich der Alpen waren mit 1 bis 2 mm jedoch deutlich geringer, während die Temperaturhöchstwerte mit 15 bis 18 Grad etwas höher waren als nördlich der Alpen.

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Kommentare (8)

  1. Patrick, 21.05.2019, 10:34

    Die Niederschlagsprognosen von den meisten Wetteranbieter sind derzeit vor allem für die Region Basel schlecht. Am Freitag, Samstag und Sonntag wurden Niederschläge vorausgesagt, es hat aber nur am Sonntagnachts ein bisschen geregnet. Für den Montag wurden nur geringe Niederschläge vorausgesagt, aber es hat so richtig geregnet. Zurzeit schafft es Meteo nicht mal für einen Tag genau, die Prognosen richtig zu liefern. Vllt. liegt es an der derzeitigen Wetterlage, ist kein Vorwurf an Meteo andere Anbieter sind zurzeit auch nicht besser.

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  2. Peter Sager, 20.05.2019, 22:31

    Das Mai Wetter geht von sehr schlecht auf katastrophal zu. Die Pässe bleiben geschlossen auch bald im Juni 2019 und in den Bergen herrscht Lawinen Stufe 4 am 21.5.2019.

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    1. Sven, 20.05.2019, 22:57

      Ja genau das Gegenteil von letzen Jahr. Vor einem Jahr hatten wir glaub ich Temperaturen von 27 Grad und Sonnenschein, ich als Hitzegeplagter habe es lieber so wie es jetzt ist. Das ist ja sicherlich auch nichts ausgwöhnliches mit der Lawinenstufe 4 im Mai oder?

    2. Adrian, 20.05.2019, 23:38

      Na ja, wenn man dann Ende Sommer beide Jahre, 2018 und 2019, übereinanderlegt, haben wir wieder ein ganz durchschnittliches Wetter...

    3. Baur, 20.05.2019, 23:52

      Das ist überhaupt nicht schlimm. Im Juni 1970 lag auf den Alpenpässen auch noch meterhoch Schnee. Und im Mai 1999 gab es ein Jahrhundert Hochwasser. Davon sind wir noch meilenweit entfernt.

    4. U.Döpper, 21.05.2019, 08:39

      Oberalppass ist offen und so viel Schnee liegt dort oben auch nicht mehr. Bin vorgestern drüber gefahren. Die anderen Pässe werden bald folgen. Normalerweise öffnen die grossen Alpenpässe nicht vor Juni

  3. Stefan, 20.05.2019, 19:14

    Na da hat man offenbar noch im Tessin weniger von den Bergen gesehen als in Kandersteg. Wohlverstanden dem Ort, der am deutlich trockeneren Wochenende viel mehr mit Bergen im Nebel, am Samstag Morgen, Sonntag gegen Abend sogar bis ins Tal, zu tun hatte. Heute eine Sicht meistens sogar bis über 2500m. Da fehlt dann vollkommen das Feeling von schlechtem Wetter. Weil ja die Globalstrahlung sich auch noch öfters über 200 Watt bewegt hat. Dagegen die ewige Dunkelheit zum Berner Mittelland hin mit Nebel auf Webcams um 900m. Etwas unpraktisch ist die anscheinend flexible Definition vom Alpennordhang. Mal ist es der Alpenrandbereich wie heute und mal wohl hier die Grenze zum Wallis. Das müsste doch eindeutig definiert sein? Aber selbst bis Bern runter gab es gut und gerne doppelt so viel Regen wie noch im wesentlich näher am Alpenrand gelegenen Frutigen. Naja im Kanton Bern "Mitte" muss man die letzten Wochen meistens mit nasser nach "unten herum" (Mittelland) rechnen.

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    1. Hubert Humpe, 21.05.2019, 22:05

      Ich werde aus Ihrem Beitrag nicht wirklich schlau. Besonders beim letzten Satz... [*** Blogkommentar wegen Verstoss gegen die Netiquette gekürzt ***]