Vielerorts wieder sonnig

22. Mai 2019, 4 Kommentare
Themen: Wetter

Ein nicht sehr umfangreiches Hoch weitete sich nach Frankreich aus und bestimmte heute zunehmend unser Wetter. Am längsten dauerte es am Alpennordhang, bis sich das Wetter zu bessern begann. Immerhin wurde es auch dort im Laufe des Nachmittags allmählich freundlicher. In der übrigen Schweiz war aber die Sonne „Frau der Lage“. Am sonnigsten war es in der Westschweiz, im Wallis und im Nordtessin. Mit der Sonne kam auch die Wärme zurück. Nördlich der Alpen reichte es für rund 20 Grad. Maximal 26 Grad wurde es in den tiefgelegenen Alpentälern des Tessins, dies dank dem Nordwind.

Der Tag begann im Jura vielversprechend. Die Sonne leuchtete durch die dünnen Nebelfelder und erzeugte im Vallée de Joux (oben) und in Montancy (unten) diese schönen Nebelbögen. Bildquelle: https://valleedejoux.roundshot.com/ und MeteoSchweiz.
Der Tag begann im Jura vielversprechend. Die Sonne leuchtete durch die dünnen Nebelfelder und erzeugte im Vallée de Joux (oben) und in Montancy (unten) diese schönen Nebelbögen. Bildquelle: https://valleedejoux.roundshot.com/ und MeteoSchweiz.

Bewölkter Alpennordhang

Durch die nordwestlichen Winde staute sich die Bewölkung am Alpennordhang noch länger, und wer heute am Morgen beispielsweise – wie der Verfasser dieses Blogs – im Urner Reusstal aufwachte, hatte das Gefühl, dass sich die Serie der schlechten und regnerischen Tage fortsetzen würde. Im Verlaufe des Tages lockerte aber die Bewölkung dann doch auf, und man konnte immerhin einige blaue Lücken in der Wolkendecke erkennen.

Sonnige Regionen in der Westschweiz und im Wallis

Ganz anderes Wetter in der Westschweiz. Dort war es schon von Beginn weg fast wolkenlos, besonders dem Jurasüdfuss entlang vom Neuenburgersee bis nach Genf. Schön, dieser Ausdruck darf man nach den trüben und feuchten Tagen auch einmal brauchen, war es heute auch vielerorts im Wallis.

Wieder wärmer

Die Sonneneinstrahlung trieb die Temperaturen bis am Nachmittag auf zumindest durchschnittliche Werte für die Jahreszeit. Im Mittelland wurden immerhin 18 bis 20 Grad verzeichnet, was für Ende Mai in etwa normal ist. Einzig am zentralen und östlichen Alpennordhang sorgte die häufige Bewölkung dafür, dass bei der Quecksilbersäule nur bescheidenes Klettern angesagt war. Bis um 16 Uhr kam man in Glarus, Bad Ragaz sowie Vaduz nicht wesentlich über 16 Grad hinaus.

In den Tälern des Nord- und Mitteltessins sommerlich warm

Die nordwestlichen Höhenwinde sorgten in den Tälern der Alpensüdseite für Nordföhn und für sonniges und klares Wetter.  Wie immer bei föhnartigen Winden erwärmt sich die Luft um 1 Grad pro 100 Meter. Am Alpenkamm, so zum Beispiel auf dem Gütsch ob Andermatt auf rund 2300 Metern wurde heute ein Temperaturmaximum von 3 Grad gemessen. Damit hätte man in Biasca auf 300 Metern 23 Grad erwarten müssen. Gemessen wurden dann allerdings 25.4 Grad.

Kräftige Erwärmung beim Abstieg durch die Tessiner Täler

Warum diese zusätzliche Erwärmung? Dafür gibt es zwei Gründe: Erstens liegt auf dem Gütsch noch Schnee. Die Luft über der Schneeoberfläche wird, wenn ihre Temperatur über 0 Grad beträgt, von der Schneedecke gekühlt, weil die Schneedecke ja bekanntlich maximal 0 Grad aufweisen kann. Anderseits war das Wetter in der Leventina sonnig. Damit wurden die Bodenoberflächen kräftig aufgeheizt, so dass die Luft, welche über diese Böden strömte, ebenfalls erwärmt wurde. Nebst der Kompressionswärme, welche die Luft pro 100 Meter Abstieg um 1 Grad erwärmt (adiabatische Erwärmung), kommt tagsüber noch die Wärmezufuhr vom Boden dazu (sogenannter sensibler Wärmefluss). Dieser sensible Wärmefluss bewirkt beim Absinken der Luft in der Leventina eine zusätzliche Temperaturzunahme von 2 Grad. Dies funktioniert aber nur, wenn die Luft am Alpenkamm selber nicht erwärmt werden kann, so im Fall einer Schneedecke oder auch bei starker Bewölkung am Alpennordhang, was heute beides der Fall war. Liegt am Gütsch kein Schnee und ist es auch am Alpennordhang heiter, so wird die bodennahe Luft auch über dem Gütsch aufgeheizt, so dass man dann von adiabatischer Erwärmung reden kann.

Kommentare (4)

  1. Martin Hollenstein, 23.05.2019, 19:09

    Das für nächste Woche angekündigte Hoch über Mitteleuropa wird immer weiter auf später verschoben. Ist das ein psychologisches Trickli, um positive Stimmung zu erzeugen?

    1. MeteoSchweiz, 23.05.2019, 19:53

      Sie können beruhigt sein, unsere Prognosen werden weder nach psychologischen, noch nach taktischen Kriterien ausgegeben.

  2. Adrian, 23.05.2019, 12:25

    Ja, vielerorts ist’s wieder wunderbar sonnig. Doch warum ist im Jura, der gemäss unzähliger Webcams ebenfalls am grün ist, die Lawinengefahr noch immer aktiv?!

    1. MeteoSchweiz, 23.05.2019, 19:40

      Die blaue Farbe bezieht sich beim Sommerbulletin nicht auf die Regionen. Sie soll nur darauf hinweisen, dass es ein Bulletin gibt. Im nächsten App-Release wird dieser Hinweis geographieneutral gezeigt.