In Genf wird wieder Geschichte geschrieben

13. Juni 2019

Unsere zweitgrösste Schweizer Stadt, mit Blick auf den Mont Blanc, ist zurzeit wieder Gastgeberin einer wichtigen internationalen Versammlung: Seit dem 3. bis am 14. Juni 2019 findet der 18. Kongress der Weltorganisation für Meteorologie (WMO) in Genf statt. Das Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz vertritt dabei federführend die Interessen der Schweiz. Der Kongress, der alle 4 Jahre in Genf tagt, ist das oberste Entscheidungsorgan der WMO, welcher neben der Schweiz über 190 Mitgliedländer angehören.

Diskussionen am 18. Kongress der Weltorganisation für Meteorologie WMO in Genf. Stattgefunden hat er das letzte Mal im Jahr 2015.  ©WMO
Diskussionen am 18. Kongress der Weltorganisation für Meteorologie WMO in Genf. Stattgefunden hat er das letzte Mal im Jahr 2015. ©WMO

Weil Wetter nicht an Grenzen Halt macht

Waldbrände in Europa und Kalifornien, Überschwemmungen in Indien, Nigeria, Japan und Nordkorea, Dürren in Kenia, Afghanistan und Zentralamerika – Wetter und Klima sind globale Phänomene und beschränken sich nicht auf einzelne Länder. Nur wenn lokale Beobachtungen in einen regionalen oder globalen Kontext gestellt werden, können die Gründe für Klimaschwankungen und -veränderungen verstanden werden. Internationale Zusammenarbeit ist somit notwendig, um der Weltgemeinschaft verlässliche Informationen zur Klimaentwicklung zu bieten. Auch MeteoSchweiz ist angewiesen auf eine enge, global verfügbare Datengrundlage.

Die Schweiz hat mitunter dank der WMO und ihrer Mitglieder Zugang zu dieser Datengrundlage. Die Weltorganisation für Meteorologie ist die Sonderorganisation der UNO für die Bereiche Meteorologie, Klimatologie und Hydrologie. Die zwischenstaatliche Organisation, mit Sitz in Genf, umfasst somit viel mehr Gebiete, als der Name zu vermuten lässt. Wetter-, Klima- und hydrologische Beobachtungen, Wissenstransfer, Austausch von Wetterinformationen sowie Forschung sind Kernaktivitäten der WMO.

Vergrösserte Ansicht: Wir gratulieren Peter Binder zur Wahl als Mitglied des Exekutivrats der WMO. Als eines von 9 Mitgliedern wird er sich nun für die nächsten 4 Jahre als Exekutivratsmitglied in der Region 6 (Europa) engagieren. ©MeteoSchweiz
Wir gratulieren Peter Binder zur Wahl als Mitglied des Exekutivrats der WMO. Als eines von 9 Mitgliedern wird er sich nun für die nächsten 4 Jahre als Exekutivratsmitglied in der Region 6 (Europa) engagieren. ©MeteoSchweiz

Dort, wo die wichtigen Entscheide fallen

Geführt wird die WMO vom Kongress. Es ist bereits der 18. Kongress seit Gründung der WMO im Jahre 1950 und dessen wichtigstes Entscheidungsorgan. Die Schweiz ist seit Beginn dabei und wird federführend vom Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz vertreten. Der Kongress versammelt alle vier Jahre Delegierte aller Mitgliedsstaaten, um die allgemeine Politik zur Erfüllung der Ziele und die Tätigkeiten der Mitgliedsorganisationen der Organisation festzulegen und zu koordinieren. Ausserdem finden am Kongress die Wahlen des Exekutivrats (Executive Council) sowie des WMO-Präsidenten statt. Seit heute ist Peter Binder, Direktor von MeteoSchweiz als Mitglied des Rates gewählt – wir gratulieren ihm herzlich. Der Exekutivrat der WMO ist zuständig für die Umsetzung der Entscheidungen, die am Kongress getroffen werden. So wird am diesjährigen Kongress auch die Strategie der WMO mit folgender Vision abgesegnet:

Vision der Weltorganisation für Meteorologie (WMO)

Im Jahr 2030 sehen wir eine Welt, in der alle Nationen, insbesondere die am stärksten gefährdeten, den sozioökonomischen Auswirkungen extremer Wetter-, Klima-, Wasser- und anderer Umweltereignisse besser gewachsen sind und ihre nachhaltige Entwicklung durch bestmögliche Dienstleistungen, sei es zu Lande, auf dem Meer oder in der Luft, untermauern.

 

Hilfe zur Selbsthilfe

In vielen Entwicklungs- und Schwellenländern fehlt es jedoch noch immer an Ressourcen, Infrastruktur und Wissen, um die relevanten Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen. Aufgrund dessen wird am diesjährigen Kongress die Kapazitätsentwicklung („Capacity Development“) von Entwicklungs- und Schwellenländer als wichtiger Punkt diskutiert. In den folgenden Jahren wird diese zu einem der zentralen Themen der Organisation werden. Dabei geht es in erster Linie um die Verbesserung und Entwicklung von Infrastruktur, sowie der technischen und institutionellen Kapazitäten. In den letzten Jahrzehnten konnte bereits durch ein verbessertes Katastrophenrisikomanagement die Anzahl der Opfer durch Naturgefahren kontinuierlich reduziert werden.

Vergrösserte Ansicht: Eine Wetterstation von SENAMHI bei Arapa in Peru. Dort werden Temperatur sowie Niederschlag gemessen. ©SENAMHI
Eine Wetterstation von SENAMHI bei Arapa in Peru. Dort werden Temperatur sowie Niederschlag gemessen. ©SENAMHI

Klima + Anden = Climandes

Ein Beispiel für genau solches Capacity Development ist das Projekt Climandes. Climandes war ein Projekt von MeteoSchweiz welches in Zusammenarbeit mit dem Peruanischen Wetterdienst SENAMHI von 2012 – 2019 durchgeführt wurde. Koordiniert wurde das Projekt von der Weltorganisation für Meteorologie WMO und finanziert von der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit DEZA. Das gemeinsame Ziel des Projekts war, durch Kapazitätsaufbau die Wetter- und Klimainformationen als Entscheidungsgrundlage im westlichen Andenraum zu verbessern. Indem Bäuerinnen und Bauern in Peru massgeschneiderte Wetter- und Klimaprognosen zur richtigen Zeit erhalten, können Massnahmen zum Schutz der Ernte viel früher ergriffen werden. So wird mittels verlässlicheren Klimaprognosen erheblich zur Ernährungssicherheit und Reduktion der Armut beigetragen.

Wir schauen deshalb seit rund zwei Wochen gespannt nach Genf an den 18. Kongress der WMO. Denn durch die am Kongress getroffenen Entscheidungen werden Grundlagen geschaffen, das Engagement zum Nutzen und Wohlergehen der Menschen und der Umwelt auszubauen und die Welt erreichen zu können, welche in der Vision 2030 porträtiert wird.

Links:

WMO - MeteoSchweiz

Climandes – MeteoSchweiz

Massgeschneiderte Prognosen für Bauern in Peru – MeteoSchweiz Blog

World Meteorological Organization WMO

Eighteenth World Meteorological Congress (Cg-18)

UNDRR Extreme Weather Events

 

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