
In den vergangenen Jahrzehnten haben meteorologische, hydrologische- und klimatische Gefahren weltweit zu erheblichen Verlusten an Menschenleben und Lebensgrundlagen geführt. Um die Auswirkungen solcher Gefahren zu verringern, ist es zentral, dass die humanitären Organisationen vorbeugende Massnahmen ergreifen und nicht erst nach dem Eintreten eines Extremereignisses. Als Reaktion auf den wachsenden Bedarf an proaktiveren Ansätzen ist das Konzept des Antizipatorisches Handeln zu einer strategischen Priorität für die humanitäre Gemeinschaft geworden.
Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO, in Englisch), die Vereinten Nationen und weitere humanitäre Organisationen arbeiten seit vielen Jahren zusammen, um die spezifischen Bedürfnisse an verlässliche und zeitnahe meteorologische, hydrologische und klimatologische Informationen zur Unterstützung von Präventionsmassnahmen zu erfüllen. Um humanitären Organisationen den Zugang zu Informationen der nationalen meteorologischen und hydrologischen Dienste zu erleichtern, hat die WMO bei ihrem Kongress 2019 eine Resolution verabschiedet. Dabei wird ein Koordinationsmechanismus (WMO Coordination Mechanism WCM) aufgebaut, über welchen entsprechende Informationen bereitgestellt werden.
Im April 2020 beschloss der Bundesrat, zur Entwicklung dieses Mechanismus mit dem Pilotprojekt Weather4UN beizutragen. Das Projekt wird durch die MeteoSchweiz in enger Zusammenarbeit mit der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA), der WMO und ihren Mitgliedern sowie humanitären Organisationen durchgeführt.
Das Weather4UN Pilotprojekt bestand aus zwei Komponenten (Showcases). Die erste Komponente zielte darauf ab, den Zugang zu vertrauenswürdigen meteorologischen und hydrologischen Informationen zu verbessern. Die Zweite auf die Abschätzung der Auswirkungen von Extremereignissen. In beiden Fällen ging es darum, sich auf offizielle Produkte der nationalen meteorologischen und hydrologischen Dienste zu stützen und global einen einheitlichen Ansatz zu verwenden.

Der erste Projektteil zielte darauf ab, einen Prototypen (Global HydroMet Scanning Capability) zu entwickeln, der es ermöglicht, den humanitären Akteuren meteorologische und hydrologische Informationen und fachliche Beratung zur Verfügung zu stellen. Dies ermöglicht der WMO die vorbeugenden Massnahmen der humanitären Organisationen zu unterstützen. Durch Fachwissen und halbautomatische Systeme werden die Wetter- und Klimadaten von WMO-Mitgliedern und regionalen und globalen WMO-Zentren gesammelt, analysiert und zusammengestellt. Diese Informationen werden dann über den WCM an die humanitären Organisationen verteilt. Dieser Teil des Projekts wurde in enger Zusammenarbeit mit dem WMO-Sekretariat in Genf entwickelt.



Der zweite Projektteil konzentrierte sich auf die Entwicklung eines Tools zur Abschätzung der Risiken und Auswirkungen von anstehenden Naturgefahren. Dies ermöglicht den humanitären Akteuren gezielte Massnahmen zum Schutz der Bevölkerung zu planen und umzusetzen. Diese Risikoabschätzung geschieht auf Grundlage eines weltweit konsistenten, probabilistischen Risikomodells (CLIMADA) in Verbindung mit probabilistischen Wettervorhersagen der nationalen meteorologischen und hydrologischen Dienste. Dieser Projektteil wurde in enger Zusammenarbeit mit Prof. D. N. Bresch (Wetter- und Klimarisiken), ETH Zürich und MeteoSchweiz) und der Internationalen the International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies (IFRC).

Abbildung angepasst von Röösli et al. 2021.
Im Verlauf des Weather4UN‑Pilotprojekts förderte die Schweiz eine strukturierte und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen dem WMO‑Sekretariat, den Nationalen Meteorologischen und Hydrologischen Diensten (NMHS), WMO‑Zentren und wichtigen humanitären Organisationen. Der Mehrwert des Pilotprojekts wurde wiederholt von Organisationen wie UNOCHA, UNHCR, IFRC und der Schweizer Humanitären Hilfe (SHA) anerkannt, die die Weather4UN‑Produkte in mehreren Einsätzen nutzten.
Letztlich lieferte das Weather4UN‑Pilotprojekt wichtige Erkenntnisse und Beiträge für die Entwicklung und institutionelle Verankerung des WCM. So unterstützte es beispielsweise erfolgreich die Erstellung des WCM‑Implementierungsplans, der in mehreren WMO-Arbeitsgruppen diskutiert wurde (z. B. in der WCM-Expertengruppe und der Gruppe des Ständigen Ausschusses für Katastrophenvorsorge und öffentliche Dienste) und schlussendlich vom WMO-Exekutivrat im März 2023 genehmigt wurde.
Dank dieser gemeinsamen Anstrengungen verfügt die humanitäre Gemeinschaft nun über einen systematischen und verlässlichen Zugang zu massgeschneiderten meteorologischen, hydrologischen und klimatologischen Informationen, die frühere und wirksamere Reaktionen ermöglichen.
Angesichts des Erfolgs des Pilotprojekts wird die Schweiz ihre Unterstützung für die Umsetzung und Aktivitäten des WCM fortsetzen.