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Tief verschneite Landschaften

MeteoSchweiz-Blog | 02. Dezember 2023
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Frau Holle hat sich seit Freitagabend ausgetobt. Bis am Samstag schneite es in der Ostschweiz anhaltend und ergiebig. Nicht nur in den Alpen, auch im Flachland wurden Neuschneemengen realisiert, wie schon lange nicht mehr Anfang Dezember. Wir zeigen die Strömungslage, die dazu geführt hat und wie aussergewöhnlich diese Schneemengen im Dezember sind.

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Viel Schnee im östlichen Flachland

Wie im Blog von gestern und auch mit Warnungen angekündigt, wurde insbesondere die Ostschweiz mit viel Schnee bedient. In der Nacht auf Samstag und auch tagsüber schneite es praktisch ununterbrochen und teils ergiebig. In den meisten Gebieten des östlichen Flachlandes, aber auch teils westlich angrenzend wurden am Morgen Neuschneesummen von 10 bis 25 cm erreicht. Dies führte zu entsprechend schwierigen Verhältnissen auf Strasse und Schiene, aber auch der Flughafen Zürich war den winterlichen Herausforderungen ausgesetzt. Im Stundentakt wurde hier am Vormittag eine sogenannte «Schneekonferenz» mit den Flughafenpartnern durchgeführt, in der unser Flugwettermeteorologe den weiteren Verlauf der Schneefälle so präzis wie möglich darstellte. So konnten die An- und Abflüge ohne grössere Probleme durchgeführt werden. Der Flughafen München dagegen musste wegen 50 cm Neuschnee bis am Mittag komplett geschlossen werden.

Teilweise grosser Neuschneezuwachs in den Bergen

Auch in den Bergen können sich die Neuschneemengen sehen lassen. In den östlichen Alpen oberhalb von 1200 Metern wurden heute Morgen um 7 Uhr Neuschneemengen von 35 bis 50, in Nord- und Mittelbünden bis 70 cm gemessen. Im Engadin fiel etwas unerwartet viel Schnee. Die Schneefallgrenze lag dort gestern Nachmittag noch bei 1800 bis 2200 Metern und sank bis Mitternacht auf 1200 Meter ab. Schliesslich wurde auch in den Tälern am Morgen um 50 cm Neuschnee gemessen. Im übrigen Alpenraum waren es immerhin noch 20 bis 40 cm.

Ideale Strömungslage für viel Schnee

Über dem Alpenraum herrschte eine südwestlichen Höhenströmung. Darin eingelagert lag eine markante Luftmassengrenze über der Schweiz, welche vor allem nördlich der Alpen verbreitet Niederschlag auslöste. Die Schneefallgrenze befand sich dabei meist bei 700 bis 1200 Metern. Im Laufe des Freitagnachmittags stiess aus Norden die kältere Polarluft allmählich südwärts vor, womit auch die Schneefallgrenze zu sinken begann. Gleichzeitig zog aus Westen ein Teiltrog von Südfrankreich Richtung Norditalien. Damit wurde die Luftmasse über den Alpen gehoben und mit der auf Süd drehenden Höhenströmung der Niederschlag verstärkt. So entstand eine Gegenstromlage: eine südliche Höhenströmung, welche feuchtere Mittelmeerluft zu den Alpen führte und nördlich der Alpen darunter aus Norden zunehmend kältere Polarluft. Diese Kombination war über den östlichen Landesteilen am stärksten ausgeprägt und führte damit zu diesen grösseren Neuschneemengen.

Seltenes Ereignis

Für die östlichen Gebiete der Schweiz waren die Neuschneemengen für Anfang Dezember sicher aussergewöhnlich. Betrachtet man das erste Dezemberdrittel vom 1. bis 10.12., dann findet man bei einigen Stationen sogar absolute Rekordwerte. Auf Platz 1 sind die Stationen Zürich/Fluntern, Elm und Chur.
Es gäbe sicher noch weitere «rekordverdächtige» Stationen. In Vals, in Bergün und in Klosters wurden 70 cm Neuschnee gemessen. Leider existiert davon nicht eine so lange Messreihe wie bei den in der folgenden Tabelle angegebenen Stationen.