Eine Sonneneruption ist kein kompakter „Ball“, der geradeaus fliegt, sondern eine riesige, unregelmässige Wolke aus Plasma. Sie breitet sich kegelförmig aus, dehnt sich unterwegs aus und verändert ihre Form. Von der Erde aus können wir diese Wolke nur von der Seite beobachten – wie ein Schattenbild – und wissen daher nie genau, ob die dichte Mitte der Wolke oder nur ein dünner Randbereich auf uns zielt. Schon kleine Fehler im Abflugwinkel bedeuten, dass die CME die Erde leicht verfehlt. Dazu kommt: Zwischen Sonne und Erde gibt es kaum Messpunkte. Erst wenn die Wolke den Messsatelliten erreicht, wissen wir sicher, wie stark sie wirklich ist, und da bleiben oft nur noch 30–60 Minuten Vorwarnzeit.
Ganz anders sieht es beim irdischen Wetter aus: Ein dichtes Messnetz aus Bodenstationen, Wetterballons, Flugzeugen und Satelliten erfasst den Zustand der Atmosphäre global und rund um die Uhr. Dadurch sind die Ausgangsdaten für die Modelle viel präziser, und die Prognosen entsprechend zuverlässiger. Zum Vergleich: Bei Tiefdruckgebieten liegt der Timingfehler moderner numerischer Wettermodelle für eine Vorhersage zwei Tage im Voraus oft nur bei rund zwei bis drei Stunden. Bei CMEs hingegen beträgt er typischerweise rund zehn bis zwölf Stunden, also ein Vielfaches. Schauen wir uns die aktuelle Wetterlage und die Prognosen für die nächsten Tage an.