Starke Erwärmung mit Höhenunterschieden
Seit den 1950er Jahren hat sich die Schweiz das ganze Jahr über deutlich erwärmt, mit den stärksten Temperaturanstiegen im Sommer und Frühling. Die neue Analyse des Bundesamts für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz basiert auf zeitkonsistenten gegitterten Temperaturdaten mit einer feinen räumlichen Auflösung von zwei Kilometern. Dies erlaubt detaillierte Einblicke zu Unterschieden der verschiedenen Höhenstufen im Gebirgsland Schweiz. Zwei höhenabhängige Muster treten hervor (Abbildung 1): eine verstärkte Erwärmung in mittleren Lagen im Frühling und deutliche Unterschiede zwischen niedrigen und hohen Lagen von September bis Januar, wobei sich die tieferen Lagen in dieser Zeit stärker erwärmen.
Schnee und Nebel beeinflussen die Erwärmung
Die grossen Unterschiede zwischen niedrigen und hohen Lagen im Herbst und im frühen Winter wurde bereits früher festgestellt, doch die physikalischen Ursachen dahinter blieben weitgehend unerforscht. Die neuen Ergebnisse deuten seit 1950 auf etwa 150 Stunden oder 25 Prozent mehr Sonnenscheindauer im Schweizer Mittelland hin. In höheren Lagen über etwa 1500 Meter ü. M. ist praktisch keine Veränderung zu beobachten (Abbildung 2).
Ein Nebelindex zeigt einen Rückgang von Hochnebel im Mittelland. Dies dürfte der Haupttreiber der Höhenunterschiede sein. Was genau die Hochnebelreduktion verursacht, bleibt jedoch ungeklärt. Veränderungen der grossflächigen Wettermuster allein können das volle Ausmass der Abnahme nicht erklären.
Im Gegensatz zu den Unterschieden im Winterhalbjahr wird die verstärkte Frühjahrserwärmung in mittleren Höhenlagen auf Rückkopplungsprozesse zurückgeführt, die mit der steigenden Schneegrenze verbunden ist. Es handelt sich um einen Mechanismus, der schon in vielen Studien nachgewiesen wurde.