Im Vergleich zum langjährigen Mittel liegt in den Alpen zurzeit deutlich zu wenig Schnee. Verbreitet werden nur 30 bis 60 % der normalen mittleren Schneehöhe anfangs Februar registriert. In den tieferen Lagen der nördlichen und östlichen Alpen, so besonders im Urnerland sowie in Nord- und Mittelbünden, erreicht die Schneehöhe aktuell nur bis 30 % des langjährigen Mittels. Schneereicher mit 60 bis 90 % sind die höheren Lagen der westlichen Voralpen und des Wallis sowie die meisten Gebiete der Alpensüdseite unabhängig von der Höhenlage. Speziell auf der Alpensüdseite haben die vielen Südstaulagen das Schneedefizit gemildert, obwohl sie nur von mässiger Intensität waren.
![Relative Schneehöhe im Vergleich zum langjährigen Mittelwert anfangs Februar [%] gemäss dem WSL-Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF https://www.slf.ch.](/images/440/blog/2026/02/Schneemangel_Alpen/Schneeh-he.png/Schneehoehe.png)
Ganz andere Verhältnisse bezüglich Niederschlag und in höheren Lagen Schnee herrschen aktuell in Teilen von Südspanien und Marokkos vor.
Zunächst wird auf die speziellen Niederschlagsverhältnisse an der Station Grazalema in Andalusien eingegangen, welche immer wieder extreme Niederschläge aufweist und aktuell rekordnahe Niederschlagsintensitäten aufweist.
![Erwartete 24-stündige Niederschlagsmengen [mm] gemäss dem Europäischen Modell IFS am 5. Februar 2026 0 UTC in Spanien und Nordafrika. Speziell im Bereich des Rifgebirges (Marokko) und in Grazalema (Südspanien) sind Niederschlagsmengen von über 120 mm zu erwarten.](/images/440/blog/2026/02/Schneemangel_Alpen/Spanien_24-st-ndige_Niederschlagsmengen.png/Spanien_24-stuendige_Niederschlagsmengen.png)
Grazalema ist eine Ortschaft in Andalusien. Sie liegt auf 800 Metern über Meer in der Sierra de Grazalema, einer Gebirgsregion, welche zur Betischen Kordillere gehört. Grazalema zeichnet sich durch sehr hohe jährliche Niederschlagsmengen aus, werden doch im Jahresmittel 2132 mm Niederschlag aufgezeichnet. Dies ist die höchste jährliche Niederschlagsmenge von ganz Spanien. Bemerkenswert ist in diesem Zusammenhang, dass selbst nur wenige Kilometer entfernte Orte nur ein Viertel der erwähnten Niederschlagsmenge messen.
Südspanien liegt - wie ganz Europa - häufig in einer Westströmung. Sie steuert im Winterhalbjahr sehr oft milde und feuchte Luft vom Atlantik nach Südspanien, was dort wenig überraschend zu Niederschlägen führt. Die ersten Erhebungen Andalusiens zwingen die Westströmung aufzusteigen - auch das ist an sich noch nichts Ungewöhnliches.
Nun hat aber die Sierra de Grazalema eine spezielle Form. Im Westen des Gebirges befindet sich ein weites Tal, das sich zum Gebirgskamm hin trichterförmig verengt und stark ansteigt, um schliesslich an einem Pass sein Ende zu finden. Dies führt dazu, dass die von Westen anströmende Luft sich im immer enger werdenden Tal beschleunigt und angehoben wird. Damit ist eine sehr hohe Feuchtezufuhr gewährleistet, welche beim Aufsteigen kondensiert und ergiebige Niederschläge im Bereich des erwähnten Passes auslöst. Die Ortschaft Grazalema liegt unmittelbar östlich des Passes noch in der Zone der stärksten Niederschläge. Oft werden die Niederschläge im Bereich von Grazalema zudem noch konvektiv verstärkt.

Die Feuchtezufuhr von Westen her nach Südspanien ist aufgrund der sehr starken Westwinde und der herangeführten milden und sehr feuchten Luft zum jetzigen Zeitpunkt sehr hoch. Man spricht in diesem Zusammenhang von einem «Atmopsheric River».
![Wasserdampftransport (Integrated Vapor Transport (IVT) [kg/ms] ) vom Atlantik Richtung Südspanien heute, den 4. Februar 2025, 06 UTC. Mit einem Wert gegen 2000 kg/ms ist der Wasserdampftransport als extrem hoch zu bezeichnen. Es besteht also ein ausgeprägter "Atmospheric River", welcher extrem viel Feuchtigkeit vom Atlantik her Richtung Südspanien lenkt.](/images/440/blog/2026/02/Schneemangel_Alpen/IVT_Spanien_04022026_06H.png/IVT_Spanien_04022026_06H.png)
Die Kombination von der starken Feuchtezufuhr aus Westen und der speziellen Form der Sierra de Grazalema führen nun dazu, dass die Niederschläge in der Ortschaft Grazalema ausserordentlich hoch sind. Da die Luft in den untersten Luftschichten bis gegen 3000 Meter Höhe zurzeit instabil geschichtet ist, kommt es zusätzlich zu heftigen Schauern, welche die Niederschlagsintensität noch einmal bedeutend erhöhen.
Alle nun folgenden Niederschlagsmengen stammen von der Agencia Estatal de Meteorologia AEMET (spanischer Wetterdienst). Die bisherigen 24-stündigen Höchstwerte - gemessen jeweils um 07 Uhr am Morgen - liegen bei 349 mm. Nun sind (Stand 04. Februar 2026 14 Uhr Lokalzeit ) innerhalb nur 6 Stunden 151.9 mm, innerhalb 12 Sunden 314.7 mm und innerhalb von 24 Stunden 352.0 mm zusammengekommen. Der bisherige Rekord über 24 Stunden von 349 mm wäre damit gebrochen worden. Allerdings sind Vergleiche mit früheren Ereignissen nur bedingt möglich, da früher die 24-stündigen Niederschlagsmengen jeweils um 07 Uhr am Folgetag ermittelt wurden. Es wäre also möglich, dass in vergangener Zeit in einem beliebigen 24-stündigen Zeitintervall schon höhere Messwerte als 348 mm vorkommen sind. Es kann somit sein, dass die heute um 14 Uhr Lokalzeit gemessenen 352 mm nicht den absoluten Rekord darstellen. Aber allein schon die Tatsache, dass die heute ermittelten Werte im Bereich des absoluten Rekordes liegen, unterstreichen den aussergewöhnlichen Charakter des aktuellen Niederschlagsereignisses.
Auch in der ganzen Sierra Nevada sowie im Rifgebirge in Marokko kommt es zurzeit zu ergiebigen Niederschlägen. Speziell im Rifgebirge in Marokko sind Mengen von deutlich über 200 mm zu erwarten. Diese Niederschläge fallen in grösserer Höhe als Schnee. Zusammen mit den Niederschlägen in den vergangenen Wochen resultiert in diesen Gebieten in höheren Lagen eine überdurchschnittlich mächtige Schneedecke - im Gegensatz zu den Schweizer Alpen.
